Der Sportpodcast mit Martina Eberl
00:00:00: ,960 [Gerd] Bild dir vor, du kommst die Treppe hoch vom Bahnhof und dann siehst du, wie der Zug so langsam losfährt. Und der war halt so langsam, dass ich gedacht habe: „Mensch, das könnte noch gehen." Und bin halt genau in diesen kleinen Spalt zwischen Bahnsteig und Zug. Die Achse vom letzten Waggon hat mir dann den Arm ausgerissen und die linke Hand war dummerweise auch noch auf dem Gleis. Zack, bumm. So schnell geht's. Und dann hat mir irgendwas gesagt:
00:00:24: ,060 [Gerd] „Du musst jetzt noch mal hinschauen, weil du siehst ihn sonst nicht mehr."
00:00:29: ,340 [Gerd] Das war mir so klar, dass den ich habe dann auch zu den Ärzten gesagt: „Bitte nicht amputieren. Bitte den Arm nicht amputieren." Und dann haben wir da dieses, damals dieses Motorrad gekauft und dann kam der Unfall und dann steht das Ding in der Garage und die Arm zum, der Arm zum Gas geben, den gibt's nicht mehr. Das ist bitter. Das ist ganz schlimm gewesen. Ich hätte auch niemals gedacht, dass, dass ich noch so viel erleben darf, dass ich so viel, dass ich ein glückliches Leben habe und dass ich jetzt eine Familie habe, Kinder habe, Sport machen kann, relativ frei bin in meinem Leben und, und, und einfach Spaß habe.
00:01:04: ,179 [Martina] Heute war einer meiner Herzensmenschen hier am Pink Table, Gerd Schönfelder. Viele von euch kennen ihn. Viele von euch kennen ihn leider überhaupt nicht. Gerd ist einer unserer erfolgreichsten Sportler aller Zeiten hier in Deutschland. Mit zweiundzwanzig Medaillen bei den Paralympics war er damals unschlagbar im alpinen Skibereich. Und wir haben uns heute über tausend verschiedene Sachen unterhalten, aber ein Hauptthema war natürlich sein tragischer Unfall mit neunzehn Jahren, wobei er den kompletten rechten Arm und außer den Daumen auch seine linke Hand verloren hat. Motivierende Geschichten, Themen, die wirklich jeden von uns was angehen und auch wirklich in seinen Bann ziehen. Deswegen tut euch einen Gefallen: Hört euch den Podcast bis zum Ende an. Eine Sache, die ihr definitiv mitnehmen werdet, ist Gänsehaut. Schön, dass du da bist.
00:01:53: ,280 [Gerd] Musik] This is the Pink Table.
00:01:58: ,500 [Gerd] Speak your Story.
00:02:00: ,970 [Martina] Wenn du jetzt hörst Pink Table, wennst' die, die Farbe pink.
00:02:04: ,340 [Gerd] Mhm.
00:02:05: ,260 [Martina] Was ist das Erste, was dir in den Sinn kommt?
00:02:07: ,000 [Gerd] Paulchen Panther.
00:02:09: ,539 [Martina] Paulchen Panther?
00:02:10: ,030 [Gerd] Kennst du den nicht?
00:02:11: ,080 [Martina] Nein.
00:02:12: ,400 [Gerd] Schmittchen Schleicher mit den elastischen Beinchen.
00:02:14: ,820 [Martina] Und was ist mit dem Pink?
00:02:15: ,100 [Gerd] Pink, Paulchen Panther, Pink Panther. Kennst du dieses Zeichentrick-
00:02:19: ,140 [Martina] Ah, Pink Panther.
00:02:20: ,440 [Gerd] Kennst du die Zeich--
00:02:20: ,860 [Martina] Der heißt Paulchen Panther.
00:02:21: ,280 [Gerd] Ja.
00:02:22: ,820 [Martina] Schneiden wir bitte raus. Du, der--
00:02:23: ,520 [Gerd] Paulchen, Paulchen, mach doch weiter.
00:02:26: ,680 [Martina] Nein, ich weiß nur, dass das eigentlich eine stumm, eine stumme Zeichentrickgeschichte war. Da hat doch-
00:02:30: ,580 [Gerd] Da war ein Titellied.
00:02:32: ,080 [Martina] Siehst du mal, da merkt man halt, dass du doch zwei, drei Tage älter bist noch als ich.
00:02:36: ,780 [Gerd] Aber nicht mehr. Also höchstens.
00:02:37: ,740 [Martina] Was ist denn deine Lieblingsfarbe?
00:02:41: ,740 [Gerd] Grün.
00:02:42: ,280 [Martina] Der Hoffnung.
00:02:44: ,760 [Martina] Was denn für Grün? Dunkles Waldgrün, Giftgrün, Neongrün? Das wäre, da wäre ich ja wieder am Start mit dem Neongrün.
00:02:51: ,300 [Gerd] Na, eher so,
00:02:53: ,040 [Gerd] ja, Waldgrün.
00:02:56: ,160 [Martina] So beruhigendes Grün?
00:02:57: ,579 [Gerd] Ja.
00:02:57: ,460 [Martina] Wirklich?
00:02:58: ,620 [Gerd] Ja.
00:02:58: ,179 [Martina] Passt das?
00:02:59: ,700 [Gerd] Na ja, eigentlich ist mir wurscht. Ich mag alle Farben.
00:03:02: ,020 [Martina] Eher Farben oder eher dezent?
00:03:05: ,120 [Martina] Eher krachert oder eher uni?
00:03:06: ,740 [Gerd] Manchmal krachert.
00:03:06: ,180 [Martina] Mhm, gut.
00:03:08: ,820 [Gerd] Aber so eher uni, nicht so bunt.
00:03:13: ,440 [Martina] Nicht so wie ich.
00:03:15: ,079 [Martina] Aber weißt du-
00:03:16: ,680 [Gerd] Bin auch uni.
00:03:18: ,780 [Martina] Nee, also das-
00:03:18: ,769 [Gerd] Aber, aber halt krachert.
00:03:19: ,280 [Martina] Ich glaube, dass ich schon gern-
00:03:20: ,700 [Gerd] Aber nicht dann noch türkis und-
00:03:22: ,480 [Martina] Ach so, ja, okay.
00:03:23: ,720 [Gerd] Gelb und weißt du, so gemischt, sondern eher ein wenig-
00:03:26: ,660 [Martina] Akzente setzen.
00:03:27: ,280 [Gerd] Ja, schlicht.
00:03:29: ,700 [Martina] Okay, super. Aber Adidas hat da ja auch coole Sachen eigentlich teilweise. Die können ja dezent und die können schnell.
00:03:34: ,720 [Gerd] Die Marke mit den drei Streifen.
00:03:37: ,180 [Martina] lacht] Gut, okay.
00:03:42: ,640 [Martina] Ähm ...
00:03:43: ,580 [Gerd] Bin ich eigentlich ein schlechtes Testimonial?
00:03:45: ,400 [Martina] Nein, du bist überhaupt, überhaupt nicht. Im Gegenteil.
00:03:49: ,420 [Martina] Du bist eigentlich, du könntest der Testimonial für eigentlich-
00:03:52: ,280 [Gerd] Waschmaschinen.
00:03:53: ,240 [Martina] Für alles sein. Oder was hast du gesagt? Außer für Torwartkleidung vielleicht. Wobei, das könnten wir auch hinkriegen. Ich weiß noch ganz genau, was du damals ge-- erzählt hast mit deiner Torwartgeschichte. Das müssen wir nachher eh noch ...
00:04:05: ,100 [Gerd] Ich habe mich immer neben den rechten Pfosten gestellt und dann habe ich keine scharfe Seite gehabt.
00:04:10: ,430 [Martina] Hör auf. Hör auf.
00:04:12: ,900 [Gerd] lacht] Also-
00:04:12: ,080 [Martina] Aber wenn's jetzt-- Wenn's, wenn's denn, wenn's denn-
00:04:15: ,760 [Gerd] So als Ernst jetzt.
00:04:15: ,280 [Martina] Ähm, einen Wunschwerbepartner hättest, wer wär, was wäre das?
00:04:19: ,700 [Gerd] Snickers.
00:04:21: ,920 [Martina] Snickers?
00:04:21: ,380 [Gerd] Mhm.
00:04:22: ,600 [Martina] Isst du das so gern?
00:04:23: ,900 [Gerd] Ja.
00:04:23: ,900 [Martina] Oder bist du auch gerne Diva?
00:04:25: ,740 [Gerd] Na ja, Snickers, ich find Snickers einfach
00:04:29: ,820 [Gerd] ...
00:04:29: ,500 [Martina] Hieß das echt-
00:04:30: ,280 [Gerd] Das schmeckt so gut und ich mag Nüsse mit Schoko. Das mag ich gern, diese Kombi.
00:04:35: ,400 [Martina] Ja, schmeckt auch echt sensationell.
00:04:36: ,320 [Gerd] Und ich find den Namen so cool. Snickers, das ist so ...
00:04:40: ,960 [Martina] Jetzt komme ich da wieder-
00:04:40: ,560 [Gerd] Viel besser als Mars oder so.
00:04:42: ,060 [Martina] Nein, pass auf.
00:04:43: ,120 [Gerd] Oder Twix oder Ryder.
00:04:45: ,870 [Martina] Ryder?
00:04:45: ,900 [Gerd] Snickers.
00:04:45: ,840 [Martina] Ryder, Twix ist ja um, das war ja-
00:04:47: ,140 [Gerd] Ich will jetzt keine Werbung für Snickers machen.
00:04:49: ,840 [Martina] Das, wir haben hier auch keine bezahlte Werbepartnerschaft drin. Insofern, du darfst so viel Werbung machen, wie du magst. Also aber stimmt, Snickers hieß auch immer Snickers, gell?
00:05:00: ,500 [Martina] Bist du dann eher Süßer als ein Salziger quasi?
00:05:02: ,380 [Gerd] Nein, das stimmt nicht.
00:05:04: ,120 [Gerd] Ich finde Snickers geil.
00:05:06: ,260 [Martina] Okay, aber lustig war ja-
00:05:07: ,840 [Gerd] Ich bin ja eigentlich so Chips-Junkie, aber ich esse es nicht mehr kaum.
00:05:12: ,060 [Martina] Aber dafür Snickers.
00:05:14: ,080 [Gerd] Auch nicht.
00:05:15: ,250 [Martina] Warum?
00:05:15: ,599 [Gerd] Selten.
00:05:17: ,440 [Gerd] Einfach weil ich mein Körper möglichst gut ernähren möchte und da ist jetzt Snickers nicht so optimal.
00:05:24: ,000 [Martina] Kann die erkennen-
00:05:25: ,010 [Gerd] Ab und zu leistet man sich mal eins. Aber am liebsten mag ich sogar das Eis. Snickers-Eis.
00:05:30: ,000 [Martina] Ja, ist geil, gell?
00:05:31: ,760 [Gerd] Das mag ich gern.
00:05:31: ,880 [Martina] Aber für die Beruhigung des Gewissens: Es gibt jetzt mittlerweile auch Snickers Protein Bar.
00:05:36: ,360 [Gerd] Ciao.
00:05:37: ,220 [Martina] Ja, es bleibt immer noch ein Schokoriegel.
00:05:40: ,900 [Gerd] Mhm.
00:05:40: ,540 [Martina] Aber weißt, für, fürs Gewissen.
00:05:42: ,340 [Gerd] Ja, okay. Werde ich testen.
00:05:44: ,159 [Martina] Genau. Gibt's irgendwas, wenn du jetzt sagst: „Okay, gut, also das Snickers wäre jetzt, ähm, tatsächlich so, äh, was Süßes, bisschen zur Beruhigung, bisschen ein Treat." Was regt dich auf? Soll ich dir sagen, was mich aufregt? Wenn was umfällt.Wenn ich im Bad stehe und mir fällt was um und dann fällt das Nächste gleich wieder mit um und dann fällt alles runter, da könnt ich schreien.
00:06:09: ,700 [Gerd] Solche Tage gibt's manchmal.
00:06:10: ,739 [Martina] Das stimmt.
00:06:11: ,499 [Gerd] Und das passiert aber immer dann, wenn's pressiert. Deswegen.
00:06:16: ,900 [Martina] Das stimmt. In der Ruhe liegt die Kraft. Das ist aber wirklich so.
00:06:19: ,160 [Gerd] Mhm.
00:06:20: ,800 [Martina] Gell?
00:06:20: ,420 [Gerd] Cool bleiben. Langsam, langsam, langsam. Und dann geht's schon.
00:06:24: ,560 [Martina] Aber-
00:06:24: ,160 [Gerd] Aber mich regt das auch auf. Gerade wenn's dann schnell gehen muss, dann fällt das noch runter und das noch und dann ist das noch und dann finde ich das nicht mehr. Unordnung, furchtbar.
00:06:32: ,300 [Martina] Weil du's was nicht findest.
00:06:33: ,640 [Gerd] Ja, das regt mich auf.
00:06:35: ,120 [Martina] Bist du ordentlich oder nicht so?
00:06:37: ,620 [Gerd] Ich kann sehr ordentlich sein, sogar so pedantisch.
00:06:39: ,040 [Martina] Mhm, mhm.
00:06:40: ,040 [Gerd] Aber ich kann auch mal das Chaos längere Zeit sehen. [lacht]
00:06:45: ,760 [Gerd] Aber wenn ich aufräume, dann, dann so genau, also so komplett.
00:06:51: ,320 [Martina] Okay.
00:06:52: ,500 [Gerd] Da schmeiße ich dann auch mal was weg.
00:06:54: ,860 [Gerd] Also viel. Und, und hinterher tut's mir dann wieder leid und dann überlege ich: „Soll ich's doch noch aufheben?" Ich habe auch relativ viel Platz, deswegen hebe ich viel auf.
00:07:02: ,430 [Martina] Ja, das ist schrecklich, gell? Weil den, den Platz-
00:07:04: ,120 [Gerd] Je größer die Garagen sind, desto größer ist der, der ganze-
00:07:08: ,260 [Martina] Hast du mal was weggeschmissen, was, was du bereut hast, dass du weggeschmissen hast? Ich, ich, ich schon.
00:07:12: ,580 [Gerd] Ja, so alte Adidas-Shirts.
00:07:14: ,339 [Martina] Oh, die drei Streifen.
00:07:16: ,320 [Gerd] So ganz alte.
00:07:17: ,920 [Martina] Ja, okay.
00:07:17: ,080 [Gerd] Die, die mir dann irgendwann die Kinder wieder geben hätten können, weil sie-
00:07:21: ,820 [Martina] Weil alles wiederkommt.
00:07:21: ,640 [Gerd] Irgendwie, ja.
00:07:22: ,080 [Martina] Ja klar.
00:07:23: ,500 [Gerd] Und die alten sind ja noch viel cooler irgendwie, fand ich. Also ich habe so Bilder und dann denke ich mir: „Ach Mensch, das war ein schönes Shirt. Warum habe ich das eigentlich nicht mehr?"
00:07:31: ,850 [Gerd] So als Kind.
00:07:32: ,620 [Martina] Weißt du, was ich weggeschmissen habe? Ich habe alle meine Medaillen,
00:07:36: ,460 [Martina] meine deutschen Meisterschaften, bayerischen Meisterschaften, also meine ganzen Medaillen als Amateur, alles.
00:07:43: ,100 [Martina] Alles weggeschmissen.
00:07:45: ,980 [Gerd] Echt? Weggeschmissen?
00:07:45: ,220 [Martina] Ja, doch, weil ich mir damals eingebildet habe: „Wozu brauche ich das jetzt eigentlich noch? Was zählt sowieso, was ich als Amateur erreicht habe, das interessiert sowieso keinen Menschen mehr. Nur als Profi quasi. Die habe ich mir behalten. Also das war alles meine, meine Profi-Geschichte, das alle, das habe ich alles noch. Aber sonst-
00:08:03: ,580 [Gerd] Ja, so wertvolle Sachen habe ich eigentlich auch.
00:08:05: ,800 [Martina] Ja, aber das hab ich-
00:08:05: ,149 [Gerd] Nur die Paralympics-Medaillen, die sind eigentlich wertvoll. Der Rest ist ...
00:08:09: ,610 [Martina] Also letztendlich ist das ja dann so auch ein bisschen so emotionale Geschichte und also ich hätte es jetzt tatsächlich gern meine Kinder schon gezeigt, vor allem meiner Großen, der Linda, weil die ja auch, ähm, sehr gerne und auch ordentlich Golf spielt.
00:08:22: ,640 [Gerd] Mhm.
00:08:23: ,200 [Martina] Ähm, und der hätte ich das natürlich schon auch gerne mal gezeigt, aber mei, ist halt so weggeschmissen. Aber ab und zu hat man so Rappel, da schmeißt man einfach, da sagt man: „Okay, so und jetzt Hirn runter und los."
00:08:34: ,400 [Gerd] Ja, aber wichtig ist doch eigentlich, dass du's erlebt hast. Das ist mir letztes Jahr so gekommen, als ich mein neues Telefon im Meer versenkt habe.
00:08:44: ,280 [Gerd] Dummerweise auf dem Boot ist mir das aus der Tasche gefallen und zack, zack, und weg war's. Da hab ich gedacht: „Alter." Das kann sich jeder ausdenken, was das bedeutet. Gefühlt ist das ganze Leben auf einmal am Meeresboden.
00:08:56: ,420 [Martina] Hast du Backup gehabt, oder nicht?
00:08:57: ,040 [Gerd] Na ja, hab, hab ich gedacht, dass ich das habe, aber irgendwie war das nicht so
00:09:02: ,330 [Gerd] richtig eingestellt. Ich habe da auch nicht mehr hingeschaut, weil ich dachte, beim ersten Mal, weil ich's benutzt habe, machst du ja, lädst du ja alles rüber und dann machst du Backup und tralala.
00:09:11: ,380 [Martina] Ja, ja.
00:09:11: ,860 [Gerd] Außer Bilder, weil ich dachte, das ist viel zu viel. Machst du dann nicht. Und ja, die sind halt dann weg. Die waren halt weg. Kontakte hast du ja irgendwo doppelt in deinen anderen Rechnern und so, aber die Bilder waren weg und dann habe ich mir gedacht: „Ach, eigentlich gar nicht so schlecht. War eh ein Haufen Müll." Und das Gute ist, du weißt gar nicht, was alles fehlt. [lacht] Weil es-
00:09:31: ,800 [Martina] Du vergisst es ja eben.
00:09:32: ,900 [Gerd] Ja, du weißt, aber wenn ich ... Vielleicht irgendwann möchte ich wieder ein Bild von da und da und dann merke ich: „Oh, das war auch dabei."
00:09:39: ,660 [Martina] Und das hast du nirgendswo anders mehr gehabt.
00:09:41: ,380 [Gerd] Nein, aber schau mal in dein Handy rein und dann tust du mal nur die Bilder raus, die ganz, ganz wichtig sind. Dann sind's nicht viel.
00:09:49: ,489 [Martina] Nein.
00:09:49: ,140 [Gerd] Da ist viel Sch... dabei.
00:09:51: ,810 [Martina] Eines Tages werde ich-
00:09:51: ,020 [Gerd] Du drückst da drauf und du drückst da drauf und dann ja, ist ganz cool und, und normal speicherst du die dann alle ab, aber eigentlich, wenn du ehrlich bist ...
00:09:59: ,600 [Gerd] Und das Wichtigste ist, dass du's erlebt hast und dass es in deinem Kopf ist. Klar, zu früher auch. Früher war es auch nicht anders und wir haben's auch überlebt.
00:10:07: ,140 [Martina] Ihr habt halt die Fotoalben gehabt.
00:10:09: ,060 [Gerd] Ja, aber ...
00:10:10: ,290 [Martina] Ja, aber du hast nicht alles fotografiert. Das stimmt doch.
00:10:11: ,480 [Gerd] Ich habe zum Beispiel aus meiner Jugendzeit kaum ein Foto von mir.
00:10:15: ,920 [Martina] Mhm.
00:10:15: ,500 [Gerd] So zwischen dreizehn und achtzehn, da gibt's kaum Fotos. Da ist man nicht mehr mit den Eltern unterwegs gewesen, sondern mit den Kumpels oder Freunde und,
00:10:24: ,840 [Gerd] und da hat man nicht fotografiert zu unserer Zeit, weil da hat's ja richtig Geld gekostet.
00:10:28: ,280 [Martina] Ja, mit dem Film und dann ist das jedes dritte Foto nichts geworden.
00:10:32: ,900 [Gerd] Und dann hast du ja auch andere, ein Selfie. Also ich kann da kein Selfie machen, weiß ja gar nicht, ob ich dann drauf bin und dann ist es noch unscharf und leider so schmal. [lacht] Ja, und dann viel zu teuer. Also mach-- Auf die Idee ist mir ja gar nicht gekommen. Und die anderen haben ... Vielleicht haben meine Kumpels Bilder von mir. Das kann sein.
00:10:50: ,760 [Martina] Musst du mal fragen.
00:10:51: ,860 [Gerd] Ja.
00:10:51: ,180 [Martina] Also was ich mir schon öfters anschaue, sind diese, äh, Apple schneidet das doch dann so zusammen, so 2016, was da so passiert ist und so weiter. Das schaue ich mir schon ab und zu mal an. Und dann, äh, wenn die Kinder dann auch noch so klein waren und so, das ist dann schon, äh-
00:11:06: ,980 [Gerd] Da gibt's Bilder, also-
00:11:07: ,760 [Martina] Da wird der Frau ja auch was haben.
00:11:08: ,600 [Gerd] Unsere Tochter ist ja jetzt achtzehn geworden und da habe ich mir echt die Mühe gemacht, ein Album, ein richtiges Album zu machen. Das ist schon abartig, was da für Bilder existieren, wie viele von jedem Jahr. Also da habe ich Auswahl von, keine Ahnung, von zehntausend Bilder oder was insgesamt. Bestimmt. Also ich war da eine Woche drüber, die Highlights jedes Jahr rauszufiltern, also rauszusuchen. Aber ist schon cool geworden.
00:11:34: ,120 [Martina] Und hast du dann auch-
00:11:35: ,720 [Gerd] Wenn man das dann so eins bis achtzehn so oder null bis achtzehn, äh, so dann wieder anschaut, das ist, ist eine schöne Erinnerung und das ist auch cooler wie irgendwie abgespeichert, sondern in so einem richtigen Album drin. Das ist schon schön. Das schaut man immer wieder mal an.
00:11:50: ,460 [Martina] Deine Tochter, das war doch die
00:11:53: ,460 [Martina] Geburt, wo du ...
00:11:54: ,640 [Gerd] Nein, das war der Neopolt. Das war dann, das war dann noch mal später. Zwei Jahr, halb Jahr.
00:11:58: ,000 [Martina] Okay, also der ist jetzt sechzehn.
00:12:00: ,980 [Gerd] Der wird morgen sechzehn.
00:12:01: ,440 [Martina] Morgen?
00:12:02: ,960 [Gerd] Mhm.
00:12:02: ,800 [Martina] Und du bist nicht daheim?
00:12:03: ,912 [Gerd] Richtig.Ist blöd gelaufen, aber
00:12:08: ,572 [Gerd] das holen wir nach.
00:12:09: ,231 [Martina] Ja, okay.
00:12:10: ,612 [Gerd] Ich war bei der Geburt ja auch nicht da. [lacht] Aber das war schade. Das war echt schade, aber das konnten wir ja nicht wissen-
00:12:18: ,962 [Martina] Erzähl mal die Geschichte
00:12:18: ,132 [Gerd] ... dass der so pünktlich kommt. Der war nämlich, äh,
00:12:22: ,352 [Gerd] wie sagt man, just in time geliefert. Also beziehungsweise so wie bestellt.
00:12:27: ,502 [Martina] So wie bestellt und du hast gedacht, das Datum-
00:12:28: ,412 [Gerd] 20. März war, war das Datum und da ist er dann auch geliefert worden.
00:12:32: ,992 [Martina] Du warst in Kanada, oder?
00:12:32: ,732 [Gerd] Also kann ich ja da gar nichts dafür. Bitte?
00:12:35: ,302 [Martina] Wo warst du da?
00:12:36: ,832 [Gerd] Kanada, ja.
00:12:36: ,412 [Martina] Du warst in Kanada.
00:12:38: ,552 [Martina] Genau, das habe ich noch im Kopf gehabt.
00:12:39: ,712 [Gerd] Vancouver, 2010.
00:12:41: ,312 [Martina] Und bist,
00:12:43: ,902 [Martina] äh, bist unten im Ziel gewesen und dann hast du die frohe Botschaft gehabt.
00:12:46: ,232 [Gerd] Genau. Ich war, ich hatte meine letzte, mein letztes paralympisches Rennen
00:12:53: ,572 [Gerd] in Angriff genommen. Das ist dann, das war die Superkombi. Also wie passend, gell?
00:12:58: ,592 [Martina] Die Superkombi, ja. Ja.
00:13:00: ,532 [Gerd] Super, Superkombi. Weil du fährst einen Durchgang Super-G und dann fährst du einen Durchgang Slalom und das ist dann die Superkombi. Und dann, wenn du's dann noch weiterfährst, ist dann die Super-Superkombi.
00:13:09: ,692 [Martina] Dann ist die Super-Superkombi.
00:13:10: ,112 [Gerd] Und dann kam der Leo Gold raus.
00:13:13: ,652 [Martina] Der Leo Gold.
00:13:15: ,052 [Gerd] lacht] Genau, und der wird jetzt sechzehn.
00:13:18: ,212 [Martina] Ja, aber ist doch auch cool, wenn du dir jetzt überlegst, du
00:13:21: ,662 [Martina] in Verbindung mit dem Alter deines Sohnes weißt du immer ganz genau ...
00:13:24: ,252 [Gerd] Wann ich aufgehört hab.
00:13:25: ,572 [Martina] Ja. Das ist doch-
00:13:26: ,632 [Gerd] 1986. [lacht] 1986 ist das her. Am Anfang macht man sich ein wenig so: „Ach schade, ich wär ja gern dabei gewesen", aber dann habe ich mir gedacht: „Ach,
00:13:40: ,552 [Gerd] meine Eltern oder beziehungsweise mein Vater war nie dabei."
00:13:43: ,532 [Gerd] Der, die, da gab's das noch gar nicht, dass, dass der Vater dabei ist. Und irgendwie ist man manchmal auch fehl am Platz bei so einer Geburt als Vater, weil da ist die Frau schon in 'nem, in 'nem absoluten Ausnahmezustand.
00:13:57: ,882 [Martina] Das kann man wohl so sagen, ja.
00:13:58: ,352 [Gerd] Und da kann man, da ist eigentlich nur vielleicht ganz gut, dass man da ist, aber sich etwas zurückhält.
00:14:05: ,052 [Martina] Ja, ja.
00:14:06: ,532 [Gerd] Ja, und nicht irgendwie noch blöd daherredet.
00:14:08: ,912 [Martina] Aber das hast du gut verstanden.
00:14:09: ,611 [Gerd] Ja, ja. Also so ist es mir vorgekommen. Und dann hab ich gedacht: „Also ja, du kannst eh nichts machen."
00:14:15: ,932 [Martina] Eben, ist eh wurscht, ob du da bist oder nicht.
00:14:16: ,272 [Gerd] Egal, was du sagst, ist falsch. Also halt die Klappe.
00:14:20: ,652 [Martina] Und du kannst auch gleich wegbleiben.
00:14:21: ,072 [Gerd] Ja. Und dann hab ich gedacht, und man hat auch trotzdem, mein Papa hat mich auch gern gehabt, auch wenn er nicht dabei war. Und dann hab ich mir gedacht: „Ach, dann wird das bei mir auch schon so sein." Und so ist es ja auch.
00:14:30: ,532 [Martina] Aber es ist dir schwergefallen.
00:14:31: ,502 [Gerd] Es war schon schade.
00:14:32: ,012 [Martina] Du hast es ja erzählt.
00:14:33: ,612 [Gerd] Aber dann hab ich mir gedacht: „Ja, eigentlich schon cool, die Geschichte, gell?"
00:14:35: ,752 [Martina] Ja, ich find sie super.
00:14:36: ,132 [Gerd] Also kann man ja gar nicht besser machen.
00:14:39: ,812 [Martina] Ja.
00:14:39: ,652 [Gerd] Also meine Frau hat das hauptsächlich verantwortet.
00:14:42: ,312 [Martina] Ja, die hat ja damals eigentlich gesagt zu dir: „Fahr du." Du hast ja gesagt-
00:14:45: ,112 [Gerd] Na ja, die hat auch, die hat auch früh noch gesagt: „Alles gut", da war sie schon auf dem Weg ins Krankenhaus
00:14:50: ,812 [Gerd] und hat gesagt: „Alles gut, nix, ruhig. Viel Glück noch mal fürs letzte Rennen und dann kommst du halt morgen heim."
00:14:57: ,072 [Martina] Cool. Tolle Frau.
00:14:59: ,692 [Gerd] Und dann war schon-
00:14:59: ,681 [Martina] Über die Frau reden wir später eh noch einmal. Jetzt, jetzt sitzen wir da und Gerd, du warst jetzt einer, wo ich, also
00:15:06: ,212 [Martina] im Bayrischen würde man jetzt sagen, a G'mal gewesen, würde ich das jetzt gar nicht so nennen, aber ich wusste, als ich jetzt mir überlegt habe, diesen Podcast mal auf die Beine zu stellen, erstens, dass du wie die Faust aufs Auge passen würdest, ja, weil du einfach so viel zu erzählen hast. Aber vor allem wusste ich auch, weil wir jetzt schon ein paar Events miteinandere auch gemacht haben und mit dir ist immer schön zum Ratschen und dass du das ja auch gern machst und, und gut kannst, dass du dabei bist. Ja. Also so Herzensmenschen wie dich, ähm, und vor allem habe ich so bei dir das Gefühl, du machst einfach oder dein, ähm, dein, das erfüllt dich, wenn du jemanden anders, jemand anders eine Freude machen kannst. Ist das so?
00:15:46: ,352 [Gerd] Ja.
00:15:46: ,792 [Martina] Schon, oder?
00:15:46: ,252 [Gerd] Das ist schon schön.
00:15:47: ,792 [Martina] Ja, genau. Aber wie kann man denn eigentlich jetzt, jetzt nicht so, dass ich jetzt gleich aufstehe und dir eine ... Also ich hoffe, dass ich dir jetzt auch eine Freude bald machen kann, aber, ähm, wie kann man dir eine Freude machen? Wenn du jetzt sagst, das, das ist eine Wertschätzung oder da freust du dich jetzt drüber, egal ob das jetzt materialistisch ist oder einfach nur eine Geste.
00:16:06: ,592 [Gerd] Das kann so viel sein.
00:16:09: ,822 [Martina] Also dass ich dir Golfunterricht gebe, ist ja eh klar.
00:16:10: ,872 [Gerd] Ich kann mich über, äh,
00:16:13: ,432 [Gerd] eine leckere Bratwurstsemmel richtig freuen. Ich kann mich, wenn ich Hunger habe
00:16:18: ,352 [Gerd] ... Ich, ich glaube, man muss einfach immer den Moment schätzen,
00:16:23: ,002 [Gerd] dankbar sein dafür, weil es ist nicht selbstverständlich und, und das macht doch schon Freude dann. Weil was nützt es, wenn du riesen Ziele verfolgst und dann klappt's nicht, dann müsstest du die ganze Zeit traurig durch die Gegend laufen und so einfach
00:16:37: ,992 [Gerd] jetzt und hier ist doch schön. Jetzt sitzen wir da, plaudern. Ich weiß, was danach passiert, fahr ich dahin, trainiere mit den Kindern und so weiter und das ist schön und dann komme ich wieder heim und alles ist gut. Läuft alles. Hoffen wir, dass es so bleibt. Wichtigste ist, dass alle gesund sind und dann wird es schon irgendwie werden.
00:16:56: ,842 [Martina] Ja, also auf das Gesundsein et cetera, da kommen wir jetzt-
00:16:58: ,872 [Gerd] Das ist das A und O. Also mit dem steht und fällt alles. Wenn, wenn du krank bist oder wenn jemand schwer krank ist, dann hast du ein wenig, ist halt eine Herausforderung. Aber dann ist alles andere sowieso unwichtig. Und dann kannst du Pläne haben, wie du willst. Das ist dann uninteressant.
00:17:11: ,432 [Martina] Ja.
00:17:12: ,672 [Gerd] Und deswegen, und ich habe es ja schon mal erlebt und ich sehe es ja oft, wenn man die Augen aufmacht, äh, im Umfeld, was es da alles für Sachen gibt,
00:17:20: ,052 [Gerd] ist schon nicht ohne. Und deswegen, wenn's anders ist, muss man das immer wieder ...
00:17:25: ,752 [Martina] Zu schätzen wissen.
00:17:25: ,992 [Gerd] Zu schätzen wissen und Ball flach halten.
00:17:29: ,892 [Martina] Auf diese ganzen Themen kommen wir nachher auch, kommen wir auf jeden Fall drauf, weil ich habe ganz viele Fragen an dich, weil ich dich auch kenne mit dieser Wertschätzung und wie dich das alles verändert hat, auch mit deinem Unfall damals. Aber jetzt einfach auch mal zu dir:
00:17:43: ,392 [Martina] Wenn ich jetzt zum Beispiel so erzählt habe, ja, wer kommt denn jetzt alles? Es, es wissen ja eh nicht viele Leute, wer bis jetzt in diesem Podcast war. Es ist ja noch alles geheim und bald wird ja alles aufgedeckt, wenn wir on air gehen. Aber, ähm, wenn ich dann so erzähle: „Ja, der Gerd Schönfelder kommt." Also entweder gibt's die Reaktion: „Geil,
00:18:03: ,752 [Martina] cool. Der hat bestimmt richtig viel zu erzählen."Und dann
00:18:08: ,592 [Gerd] Gibt's bestimmt viele, die sagen: „Ja".
00:18:10: ,292 [Martina] Genau. So und wo ich mir dann denk, ähm, also ich musst, musst dir sagen, bevor wir uns damals auch kennengelernt haben, ich kannte dich trotzdem. Auch wenn ich jetzt nicht die Paralympics mir jeden Tag, äh, anschau et cetera, ich kannte dich, ja. Wenn man ein bissl sportaffin ist, ähm, weil ich mein ganz ehrlich, du bist ja und das ist, äh, auf, das jetzt auch so bissl die, die Herleitung: Du bist eigentlich der erfolgreichste Olympionike, die Deutschland jemals hatte mit zweiundzwanzig Medaillen bei Olympia. Und jedes Mal genau die Reaktion, die du jetzt auch hast, reagierst du gleich und sagst: „Na ja".
00:18:43: ,352 [Gerd] Weil ich ja kein Olympionike bin.
00:18:45: ,402 [Martina] Natürlich bist du ein, bist ein Paraolympionike
00:18:46: ,812 [Gerd] Ich bin ein Paralympionike.
00:18:49: ,052 [Gerd] Nicht Paraolympionike, sondern Paralympionike.
00:18:53: ,072 [Martina] Aha, ist da das O weg?
00:18:54: ,972 [Gerd] Das O ist weg.
00:18:54: ,002 [Martina] Aha, das wusste ich gar nicht.
00:18:57: ,902 [Gerd] Paralympics.
00:18:57: ,202 [Martina] Hat sich's aufstellen vielleicht nicht gelohnt.
00:18:59: ,012 [Gerd] Keine Paraolympics. Wir sind keine Pharaonen, sondern Paralympics.
00:19:05: ,212 [Martina] Okay. Ja, aber letztendlich ist das ja für dein-
00:19:07: ,952 [Gerd] Aber eigentlich, ja, es ist halt, ist eine andere, andere Geschichte einfach.
00:19:12: ,782 [Martina] Aber jetzt mal ganz plumpe Frage. Ich weiß nicht, ob sie dumm ist oder nicht: Dürfte ein Paralympic bei einer normalen Olympiade teilnehmen, wenn er die, die-
00:19:26: ,392 [Gerd] Kommt drauf an.
00:19:27: ,912 [Martina] Also wenn man quasi die Qualis dafür schaffen wird.
00:19:29: ,912 [Gerd] Das, die Diskussion gibt's ja. Also der Markus Rehm, der Weitspringer-
00:19:33: ,062 [Martina] Ja.
00:19:34: ,752 [Gerd] der mit der Prothese wegspringt. Das ist halt
00:19:37: ,292 [Gerd] schwierig.
00:19:39: ,812 [Gerd] Das ist halt dann schwierig geworden. Das hab ich auch mal gesagt. Hab gesagt: „Markus, wenn du weiterspringst für die anderen, ist es ein Problem", weil, äh-
00:19:47: ,902 [Martina] Dann heißt er, er bescheißt.
00:19:48: ,292 [Gerd] Nee, er nicht bescheißt, aber er hat halt ein Hilfsmittel, diese Carbonfeder, und das ist wissenschaftlich erwiesen. Er ist langsamer im Anlauf, aber er verliert weniger Geschwindigkeit beim Absprung durch dieses Carbon.
00:20:00: ,772 [Martina] Mhm.
00:20:00: ,702 [Gerd] Und deswegen springt er da auch so weit raus. Und, und der springt ja regelmäßig seine acht vierzig, acht fünfzig.
00:20:05: ,592 [Martina] Ja, okay.
00:20:06: ,592 [Gerd] Und das ist eine wahnsinnige Leistung, aber wenn halt der andere bloß acht dreißig springt,
00:20:13: ,632 [Gerd] dann ist das halt, dann, dann wird da diskutiert, weil weißt schon, wenn's da-
00:20:18: ,772 [Martina] Wenn er nur mit wurscht ist, wäre es überhaupt kein Problem.
00:20:19: ,472 [Gerd] Ja, wenn er da unter die, ich sag mal, ab Platz zehn, dann sag ich: „Ja, ist dann wurscht, ob ich Zehnter oder Elfter bin oder Zwölfter", aber wenn du's gewinnst,
00:20:29: ,312 [Gerd] dann wird's, dann gehen die Diskussionen los. Und, äh, und ich sag mal, wenn-- natürlich wär's jetzt was anderes, wenn ich jetzt mit einem Arm acht Meter fünfzig springen tät wie ich.
00:20:40: ,512 [Martina] Mhm.
00:20:41: ,092 [Gerd] Weil es ist ja ganz klar, dass ich einen Nachteil hab. Wobei ich auch schon mal Ski gefahren bin und war dann schneller wie die anderen und dann sind sie draufgekommen, dass man ohne Stock vielleicht schneller wär. Hab ich gesagt: „Genau, das sind die allerbesten Ideen". Also deswegen fahrt ja im Weltcup jeder ohne Stöck, gell? Ist ja klar. Also Schmarrn.
00:21:02: ,212 [Martina] Ja, ja.
00:21:02: ,612 [Gerd] Das kann schon mal klappen, aber in der Regel, ich sage immer, auch wenn mich, ich mich jetzt vergleich mit, mit, mit, mit, äh, Nichtbehinderten beim Skifahren, also es ist fix so, dass du 'n Nachteil hast, weil der geht nicht, das ist nicht nur, dass, heißt immer ohne Stöcke, aber dir gehen die Stöcke ab und das Gewicht vom Arm.
00:21:20: ,642 [Martina] Ja.
00:21:20: ,932 [Gerd] Also das ist ja einiges Entscheidende. Der zweite Hebel, der fehlt da ja komplett. Also das ist nicht bloß, dass der Stock weg ist. Und man sieht ja oft schon, was passiert, wenn einer 'n Stock verliert, wie der da aus'm Rhythmus kommt.
00:21:31: ,492 [Martina] Mhm.
00:21:32: ,872 [Gerd] Das ist wie ein Fühler. Ein Stock ist wie ein Fühler. Aber der Arm ist halt einfach für die Balance brutal wichtig. Also für die Stabilität. Die halten einmal 'n Arm raus und dann sind die wieder in der Spur und du musst halt
00:21:44: ,232 [Gerd] irgendwas anderes raushalten, ein Bein oder was weiß ich. Wenn's, wenn's so rumgeht, dann ... Und da hast nichts, da musst halt was anderes nehmen. Und das bremst letztendlich. Das, das ist ein Nachteil und das summiert sich halt dann auch von oben bis unten, wenn's schwierig wird. Wenn du immer korrigieren musst, wenn du immer-- Und wenn's im Weltcup an den Hang fährst, dann ist immer was zu korrigieren, weil es kommt ja nie einer runter und das ist alles ein Fluss und ein Ding. Sind immer Schwierigkeiten drin.
00:22:10: ,012 [Martina] Ja, ja, ist klar.
00:22:11: ,032 [Gerd] Das ist ja schon, äh, Piste und was weiß ich, was alles da dazukommt. Also, aber wenn's, wenn ich dann schneller wäre, nat-- könnte ich natürlich auch bei, wenn ich mich qualifiziere, bei, hätte ich bei Olympia fahren können, aber ich mein, ich wär auch deutlich schneller, wenn ich zwei Stöcke hätt und zwei Arme. Also
00:22:28: ,132 [Gerd] es ist ja kein So-
00:22:29: ,912 [Martina] Ja, aber du könntest theoretisch mitmachen. Ja.
00:22:33: ,431 [Gerd] Nein, aber, äh, wenn, dann das Talent wär da gewesen. Sagen wir's mal so.
00:22:38: ,192 [Martina] Ja, da, da, da-
00:22:39: ,972 [Gerd] Und die körperlichen Voraussetzungen waren bei mir gut, weil ich war eigentlich nie verletzt über die ganzen zwanzig Jahre oder noch länger. Ich hab eigentlich außer 'n Kreuzbandriss einmal, der selbst verschuldet war. Äh, was heißt selbst verschuldet? Ist halt, bin nur gestürzt bei hundertzwanzig, hundertfünfundzwanzig oder was.
00:22:56: ,092 [Gerd] Aber, äh, ansonsten hat,
00:22:59: ,692 [Gerd] war ich da verletzungsfrei, keine Rückenprobleme gehabt, obwohl ich ja noch diese Einseitigkeit hab. Also das merke ich jetzt schon ein wenig mehr. Also das ist jetzt schon ein bissl so meine Schwachstelle. Aber gut, darf ich irgendwann auch mal ein bissl zwicken.
00:23:12: ,492 [Martina] Darf auch zwicken und du tust ja auch was dafür. Da reden wir auch später noch drüber. Ähm,
00:23:18: ,092 [Martina] hat dich das jemals genervt? Also ich kann es nur von mir aus sagen.
00:23:24: ,132 [Martina] Mich hat das immer wahnsinnig genervt mit Golf, ja. Also ich war wirklich, ähm,
00:23:29: ,112 [Martina] ja schon, äh, federführend in der ganzen Geschichte, auch Damengolf und, ähm, eigentlich zeitlang der erfolgreichste deutsche Spielerin, die es gegeben hat und Golf hat aber keinen interessiert. Jetzt mittlerweile interessiert's ja schon ein paar mehr, ja, weil der Sport macht sich.
00:23:45: ,992 [Martina] Aber nicht nur-- Also ab und zu hab ich mich auch noch geschämt für den Sport, weil ganz früher hieß es ja nur die Reichen und die Schönen spielen Golf, was ja ein totaler Schmarrn ist. Golf ist ja ein super Sport, eigentlich generationsübergreifend. Du kannst mit sämtlichen Spielstärken spielen, mit zwei Kindern miteinander spielen. Ähm, ins, äh-
00:24:03: ,032 [Gerd] Ja, aber gemacht haben's trotzdem schon eher die Leute, die-
00:24:08: ,502 [Martina] Ganz ehrlich, Gerd, wenn du heutzutage mit der Familie Ski fahren gehst, dann zahlst du mindestens genauso viel, wie wenn du 'ne Runde Golf spielst.
00:24:14: ,732 [Gerd] Ja, Ski fahren ist auch elitär.
00:24:15: ,612 [Martina] So, genau. Das war aber früher-
00:24:17: ,532 [Gerd] Früher war's noch anders. Da hast du's halt vor der Haustür machen können. Das ist halt jetzt nicht mehr so.
00:24:20: ,612 [Martina] Das ist jetzt nicht mehr so, genau.
00:24:21: ,272 [Gerd] Aber-
00:24:22: ,364 [Martina] Letztendlich hat mich das schon auch mal, wo ich mir gedacht hab: Sch-Ich wollte immer Sportlerin werden beruflich. Ich hab einfach den falschen Sport erwischt. Ähm, oder
00:24:34: ,564 [Martina] Augen auf bei der Sportwahl, so nach dem Motto. Aber hat dich, weil du hast ja eigentlich den richtigen Sport gehabt, weil wenn man jetzt überlegt, wie viel Aufmerksamkeit eigentlich das Alpine hat.
00:24:44: ,904 [Gerd] Das Alpine im Normalen, ja.
00:24:45: ,004 [Martina] So, und genau auf das möchte ich jetzt hinaus.
00:24:48: ,844 [Gerd] Behindertensport ist Rennsport, egal welcher. Das ist immer Rennsport.
00:24:50: ,474 [Martina] Ja, aber letztendlich betreibt ihr ja den gleichen Sport. Ihr fahrts den Berg runter, ihr seid auf den Ski drauf, ihr müsst um die Tore rumfahren, ihr müsst schnell sein, ihr müsst schnell sein. Also letztendlich machts ihr ja eins zu eins den gleichen Sport, aber von euch bekommt man, wenn man sich nicht dafür interessiert, nichts mit. Und
00:25:09: ,754 [Martina] ich find's persönlich als Sportlerin mega unfair, weil wenn man das weiß, was ihr leistet, sowieso. Aber dich selber als Aktiver oder ehemaliger Aktiver, ähm, hat dich das damals ...
00:25:21: ,824 [Gerd] Nee, weil ich, du musst einfach da realistisch sein. Ähm, ich fand's überhaupt schon mal richtig cool, dass ich das überhaupt mitbekommen hab, dass es das gibt. Also es ist ja, da gings ja schon mal los. Äh, ich hab den Unfall gehabt und dann, und dann lese ich da zufällig in der Zeitung, dass es da eine Para-Nationalmannschaft gibt oder Behindertenski-Nationalmannschaft. Und dann ratter, ratter, was Amputierte, ah, da bist du jetzt auch dabei, so ungefähr. Und dann, und dann gab's aber kein Google oder
00:25:51: ,024 [Gerd] wo schaue ich jetzt danach? Wie krieg ich da Infos? Und dann, na ja, noch ein paar Zufälle über Physiotherapeutin, Schwester von meinem Kumpel, der dann einen Physio von dieser Mannschaft kannte. So ist dann der Kontakt eigentlich entstanden. Also es waren lauter Zufälle eigentlich und dann ging's eigentlich relativ schnell und dann war ich da dabei. Aber wie gesagt, ich hab vorher, ich war neunzehn damals, ich hab da noch nie was davon gehört gehabt, dass es so was gibt. Hat a, also nicht einmal, das war nicht Desinteresse, sondern da ist selten berichtet worden drüber. Und wenn du da keinen Bezug gehabt hast, hast dich auch dann, hast du auch nicht geschaut. Ich hätt das wahrscheinlich überlesen, wenn ich, wenn ich, äh, den Unfall nicht gehabt hätt. Aber in dem Moment behindert,
00:26:34: ,304 [Gerd] amputiert, zack, dann hab ich gedacht: Was, was? Also das ist ja, auf einmal bist du der Betroffene. Und na ja, und dann, und dann lernst du das Ganze kennen und denkst eigentlich: Wahnsinn, was die da so treiben und wie lang's das auch schon gibt, wie lang die das schon machen und, und man weiß nichts davon.
00:26:51: ,644 [Martina] Aber Ski gefahren bist du vorher schon?
00:26:52: ,744 [Gerd] Ja, ja, freilich. Deswegen war das für mich ja gleich: Okay, das könnt ja was sein, weil ich bin ja schon immer Rennen gefahren und war auch kein Schlechter. Äh, ich war nur zu weit weg von den Bergen. Ich war ja ein Oberpfälzer, Fast-Franke.
00:27:06: ,444 [Martina] Ja, ja.
00:27:07: ,984 [Gerd] Und, und, äh, Skilift war halt nur zwei Kilometer weg, deswegen hab ich's gelernt und dann war ich halt Gaumeister und bayerischer Vizemeister mal, aber nach Berchtesgaden war das halt auch weit ins Ski-Gymnasium und dann bin ich halt nicht gegangen. Hätt ich gehen können, hab ich nicht gemacht. Damit war das eigentlich erledigt, das Thema.
00:27:24: ,704 [Martina] Warum hast du das nicht gemacht?
00:27:26: ,973 [Gerd] Weil ich nicht weg wollte, weil ich Fußball spielen wollte und, und weil mich auch keiner gezwungen hat und weil ich mir dachte, das ist eine Weltreise, da fährst du acht Stunden und wenn du dann heim willst ... Und ich war schon
00:27:37: ,284 [Gerd] gern daheim bei meine Freund und ich, ja, hab ich halt einfach nicht gemacht. Ich war schon ... Hätt ich, vielleicht hätt ich Heimweh gekriegt, vielleicht hätt ich, hätt ich's irgendwann abgelegt, aber ich wollt da nicht weg.
00:27:50: ,744 [Martina] Hast du es dir mal angeschaut gehabt?
00:27:51: ,084 [Gerd] Nee.
00:27:53: ,244 [Martina] Nur die Idee hattest du.
00:27:54: ,244 [Gerd] Ja, hab ich mir auch überlegt. Und dann war noch so, da hätt ein Kumpel von mir, der, der hat, der war auch nicht, auch, wir waren da,
00:28:01: ,884 [Gerd] der war auch gut, richtig gut und, und wir haben uns immer duelliert und gepusht auch. Das war eigentlich ziemlich geil.
00:28:07: ,464 [Gerd] Und der hätt auch gehen können und der wollte aber auch nicht. Und dann allein gehe ich auch nicht. Und wenn wir zu zweit gegangen wären, wär's vielleicht was geworden, aber ist egal. Ist jetzt einfach so. Aber, aber wenn man, dann wächst man da so rein und, und, und, und erlebt das. Und dann, und dann hast du die ersten Paralympics gehabt in Albertville '92 und dann kommt Berichterstattung, Zusammenfassung zehn Minuten. Jetzt erzähle ich immer wieder die Geschichte, weil's so krass ist. '92, also wie lang? Vierunddreißig Jahre her.
00:28:38: ,864 [Gerd] In der Sendung „Aktion Sorgenkind".
00:28:44: ,264 [Gerd] Den Namen alleine, das war damals normal. Aber wir waren ja keine Sorgenkinder. Wir waren, ich sage immer, wir waren Fraktion Wildsau. Gell? Also es ist ziemlich weit weg von Sorgenkind. Aber wir waren froh und dankbar, dass überhaupt was gekommen ist. So war's halt damals. Also wer ein bisschen
00:29:05: ,264 [Gerd] älter ist, der weiß, von was ich spreche. Das war einfach so. Da gab's auch den siebten Sinn. Das würde heute unter Frauenfeindlichkeit, äh, äh, verboten und wenn du das ausstrahlst, müsstest du gleich, äh, wirst du gleich verhaftet. Aber damals war das normal und, und so hat man halt getickt. Und das hat sich mit der Zeit hat sich das jetzt gewandelt. Also da ist schon viel passiert. Einfach Akzeptanz, dass man auch mal früher, da hast, da hast du deinen Sport gemacht und da hast vielleicht schon gedacht: „Ah, ein wenig Unterstützung wär ganz cool." Du hast ja alles selber finanziert. Und dann, und dann hast du Firmen kennengelernt und die fanden das an sich super, was du da machst, aber die wollten auch nicht großartig da,
00:29:43: ,384 [Gerd] äh, Sponsoring machen. Sponsoring ist ja ein Geben und Nehmen, aber die wollten gar nichts zurück haben, weil die nicht gewusst haben, wie, wie wird das gesehen vom Kunden oder von der Gesellschaft, wenn, wenn man so als Firma so, so einen Sportler unterstützt. Also es war alles noch so vage und schon gut, aber passt schon. Spende,
00:30:04: ,174 [Gerd] trainier damit und mach was und, und gut. Und das hat sich ja gewandelt. Jetzt, jetzt kann man, jetzt kann man auch als Parasportler letztendlich Werbung machen und, und das wird akzeptiert und das ist, glaube ich, dir genau das, das Richtige. Man muss sich immer vorstellen:
00:30:20: ,980 [Gerd] Jeden kannst du zu jeder Zeit treffen. Immer, jeden Tag, rund um die Uhr. Du kannst im Bett liegen, kann's auch passieren oder beim, äh, äh, im Straßenverkehr oder sonst wo.Es gibt tausend Möglichkeiten und du bist aber dann kein anderer Mensch, sondern bist du immer noch die Martina oder der Gerd oder wer auch immer und, und mit deinen We-Werdegang bis dahin. Und jetzt hat sich was verändert.
00:30:44: ,200 [Martina] Ja.
00:30:45: ,920 [Gerd] Und da willst du nicht
00:30:46: ,000 [Gerd] gar kein Mitleid. Keiner will Mitleid. Das ist ganz was Erniedrigendes, finde ich so: „Ach mai und ach Gott", sondern: „Hey,
00:30:56: ,000 [Gerd] du, ich helfe dir gern, wenn du sagst, äh, wenn du Hilfe brauchst, aber ich glaube, du kriegst das auch alleine hin. Aber wenn du Hilfe brauchst, sag's", irgendwie so und, und: „Ey cool, wie du das machst." Also einfach das akzeptieren,
00:31:09: ,980 [Gerd] was der andere da tut.
00:31:09: ,580 [Martina] Ich glaube einfach, das ist-- Ja.
00:31:10: ,300 [Gerd] Das ist der Schlüssel. Und dann miteinander schafft man das dann und, und da baut man die Barrieren ab, die, die viele noch haben, a-aber rein aus Unsicherheit, was falsch zu machen vielleicht.
00:31:22: ,200 [Martina] Das ist das, aber ich glaube schon, dass das wirklich auch-
00:31:24: ,840 [Gerd] Das hat sich schon geändert. Das hat sich schon geändert.
00:31:25: ,590 [Martina] Ja, wenn, wenn, wenn jetzt, jetzt kenne ich dich ja doch ein bisschen besser und, ähm, ich, ich-- Ist ja eh unfassbar, was du alles selber machst und selber machen kannst auch, ja. Und wenn man mit dir beieinander ist, man vergisst auch ganz schnell, dass du da einfach deine, deine Zange hast. Und, ähm, also vorher jetzt halt auch-
00:31:43: ,299 [Gerd] With the crab.
00:31:44: ,660 [Martina] With the crab. Ähm, als wir beim Frühstücken waren, ähm,
00:31:48: ,680 [Martina] ich, i-ich, ich darf ja so was sagen, weil wir kennen uns jetzt. Ich denke mir jetzt einfach nur, wenn ich dich jetzt nicht kennen würde: [pustet] Puh, da also würde ich dir da auch schon mal, oh Gott, ähm, wie sage ich's richtig, weißt, was ich meine, ohne dass das falsch verstanden wird? Ich glaub-
00:32:01: ,720 [Gerd] Ja, natürlich macht man sich da Gedanken. Ich bin ja schon ein bisschen ein außergewöhnliches Exemplar.
00:32:06: ,439 [Martina] Ja, aber ein sehr positives. Aber weil du gerade gesagt hast, dass Behindertensportler jetzt halt auch, äh, endlich Werbung machen dürfen. In, in meinen Augen erst, erst recht.
00:32:16: ,850 [Gerd] Dürfen. Natürlich dürfen sie, aber-
00:32:17: ,460 [Martina] Das kann man schon immer machen, wahrscheinlich. Aber jetzt erst recht, weil ganz ehrlich, ich meine-
00:32:21: ,140 [Gerd] Es fällt halt auf. Es fällt vielleicht mehr auf.
00:32:23: ,720 [Martina] Ja, aber es ist ja mega authentisch, dass wenn jetzt halt wirklich ein Behindertensportler für was auch immer es ist, was, ähm, so, ähm, was Hilfe im Alltag, was auch immer. Ich meine, das ist ja auch das, was brauchbar ist. Dafür kann man ja dann auch werben im wahrsten Sinne.
00:32:36: ,700 [Gerd] Ja, also es geht eigentlich nur die, dass man's nicht mehr verstecken muss.
00:32:40: ,429 [Martina] Nein, absolut nicht.
00:32:41: ,600 [Gerd] Sondern dass man's zeigen kann und, und diese Beispiele auch doch vielen helfen, weil die schlimmsten Behinderungen sind ja die nicht offensichtlichen.
00:32:51: ,920 [Martina] Mhm.
00:32:53: ,160 [Gerd] Und, äh,
00:32:55: ,020 [Gerd] und die, über die man nicht spricht oder die jeder für sich so selber
00:33:01: ,060 [Gerd] unterm Radar lässt und, und das ist, das, aber das beschäftigt doch jeden. Jeder hat irgendwie ein Problem oder Sorge oder, oder keine Ahnung und frisst's in sich rein und, und bei uns, also das-- Deswegen sage ich, eigentlich ist das ja für, das sieht man gleich. Also deswegen kann man immer noch psychisch auch noch mal was haben, aber einfach reden
00:33:20: ,700 [Gerd] miteinander über seine Probleme auch reden und dann, und dann kriegt man einen Tipp oder so und, und in sich hineinfressen, das ist grundsätzlich keine gute Idee.
00:33:28: ,280 [Martina] Schwierig.
00:33:29: ,830 [Gerd] Und, und das sieht man ja auch nicht. Also so hat doch jeder ein bisschen so sein, sein, sein Kreuz zu tragen.
00:33:34: ,780 [Martina] Ja, ja, ist so.
00:33:35: ,340 [Gerd] Und, äh, und deswegen
00:33:39: ,180 [Gerd] offensiv damit umgehen, das ist jetzt halt auch mein Auftrag. Das-- Man fragt sich immer: Warum ist man eigentlich noch auf der Welt nach so einem Unfall? Das hätte ja auch, das hätte ja anders laufen können,
00:33:49: ,990 [Gerd] äh.
00:33:49: ,940 [Martina] Wir reden über den Unfall gleich.
00:33:50: ,460 [Gerd] Ja.
00:33:51: ,800 [Martina] Ja.
00:33:51: ,300 [Gerd] Und, äh, warum hat man das jetzt überlebt? Warum ist man jetzt noch da mit dieser Geschichte, mit dieser Behinderung? Und dann-
00:33:58: ,660 [Martina] Man hat einen Auftrag.
00:33:59: ,779 [Gerd] Sage ich halt jetzt: Dann ist halt mein Auftrag, zu zeigen, was man mit zwei Fingern und einem Arm alles machen kann.
00:34:06: ,240 [Martina] Da reden wir auch gleich noch drüber. Äh, seid gespannt. Ähm, Tradition ist es jetzt tatsächlich auch schon hier auf beim Pink Table: Ich frage ChatGPT nach meinem Gast und sage einfach: „Wie-- Ähm, erzähl mir was von Gerd Schönfelder."
00:34:24: ,379 [Martina] Und das war jetzt sehr interessant, weil zum Beispiel hat der Philipp Boy, hat, ähm, seinen Livescore, so nenne ich das, das darfst du jetzt auch gleich selber vorlesen, vorgelesen und hat gesagt, das stimmt gar nicht. Und bei der Magdalena hat's zum Beispiel ganz gut gepasst, ne. Deswegen bitte ich dich jetzt mal, das mal vorzulesen, falls du's lesen kannst. Wenn du jetzt eine Brille brauchst, ich hätte eine im Angebot.
00:34:49: ,520 [Gerd] Nee, nee, geht schon noch.
00:34:50: ,580 [Martina] So, und jetzt schauen wir mal. Also lies das gern vor und dann schauen wir mal, ob das passt für dich.
00:34:55: ,840 [Gerd] Der Karrierescore. Gerd Schönfelder ist ein Mensch, der aus Rückschlägen Mut, Kraft und Inspiration schöpft. Nach einem schweren Unfall hätte vieles ihn brechen können. Stattdessen entwickelte er eine außergewöhnliche Entschlossenheit und Lebensfreude, die sich auf alles überträgt, was er tut. Er ist ehrlich, bodenständig und gleichzeitig unglaublich zielstrebig. Jemand, der sich Herausforderungen stellt, statt ihnen auszuweichen. Das stand in ChatGPT.
00:35:22: ,380 [Martina] Das ist, ähm-
00:35:24: ,980 [Gerd] Sein Charakter zeigt Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Er hat gelernt, aus Einschränkungen Stärke zu ziehen und jede Situation bestmöglich zu meistern. Dabei verliert er nie die Bescheidenheit und den Humor,
00:35:37: ,480 [Gerd] die ihn für andere Menschen so nahbar machen. Gerd inspiriert nicht nur durch Siege auf der Rennstrecke, sondern vor allem durch seine Haltung. Er ist ein Motivator, Mentor und Vorbild, der zeigt, dass Wille, Mut und eine positive Einstellung Berge versetzen können. Kurz gesagt:
00:35:52: ,600 [Gerd] Gerd Schönfelder ist ein Mensch, der Widerstandskraft lebt, anderen mitreißt und beweist, dass echte Stärke aus dem Inneren kommt.
00:36:00: ,720 [Martina] Ich schenk's dir auch.
00:36:02: ,880 [Martina] Ich find das sehr schön.
00:36:05: ,720 [Gerd] Schön. [lacht] Ja, ich weiß nicht. Ist ja schon eine, eine-- Das ist blöd, wenn man das über sich selber so liest, gell?
00:36:13: ,420 [Martina] Ja.
00:36:14: ,640 [Gerd] Äh, Humor stimmt. Bescheiden, ja, schon.
00:36:18: ,220 [Martina] Sehr.
00:36:19: ,680 [Gerd] Ja?
00:36:19: ,780 [Martina] Ja.
00:36:20: ,422 [Gerd] Vorbild. Vorbild ist ein blödes Wort, weil auf een gewissen, auf eine gewisse Art und Weise ja. Aber ich, ich werde immer gefragt: „Wer war denn dein Vorbild?", und so und dann sage ich: „Hm, habe ich keins. Ich habe kein Vorbild."Ich find nur, man kann sich von jedem, den man so, meistens sind's ja eher bekanntere Leute. Es kann aber auch der Papa sein oder die Oma oder das Opa oder das Mutter oder wer immer. Dann kann man sich da einfach die guten Sachen abschauen und das, was halt nicht so gut ist, kann man ja sein lassen. Und, und das hat ja jeder. Und wenn ich jetzt sag, äh, äh, was weiß ich, äh,
00:36:57: ,842 [Gerd] äh, äh, äh,
00:36:59: ,012 [Gerd] Michael Schumacher war sportlich eine Legende. Er hat manchmal auch Sachen gemacht, wo man, wo man sagt: „Ah, warum macht er das jetzt?" Oder zur Fairness, da hat er auch, der hat halt auch mit Ellbogen seinen Sport betrieben, wo man sagt, ah, oder, oder bei Mohammed Ali oder wo man, wo jeder sagt: „Mohammed Ali, Wahnsinn, Cassius Clay und was weiß ich. Aber er hat auch so seine, wenn man dann seine Dokumentation oder wenn man das anschaut, hat er auch so, war schon ein arroganter Schnösel. Also das ist dann auch nicht in allen Bereichen ein Vorbild, sondern auf seinen Sport bezogen war er mega. Und so würde das jetzt bei mir vielleicht auch sein. Ja, ich hab gewisse Dinge, da bin ich vielleicht, kann ich ein Vorbild sein.
00:37:37: ,442 [Gerd] Umgang mit so was, mit so einem Handicap oder kämpfen, fighten,
00:37:41: ,132 [Gerd] Humor haben, über sich selber lachen können. Aber ich hab bestimmt auch meine Schwächen, wo ich jetzt nicht jedem empfehlen würde, das nachzumachen. Also so gesehen-
00:37:50: ,652 [Martina] Zum Beispiel?
00:37:52: ,891 [Martina] Außer dass du mal ein bissl das länger aushalten kannst, dass ein bissl Unordnung daheim ist.
00:37:56: ,572 [Gerd] Ungeduld, äh, äh,
00:38:01: ,951 [Gerd] was weiß ich. Da gibt's--
00:38:02: ,172 [Martina] Aber meinst du nicht, dass Ungeduld ein, ähm, Zeichen ist oder ein Indiz für eine-
00:38:08: ,212 [Gerd] Also ich kann manchmal nicht, wenn mich was ärgert, dann muss ich das sagen.
00:38:12: ,572 [Gerd] Ich kann nicht alles hinterm Berg halten. Ich muss dann, wenn mich was nervt, dann bin ich, denk ich mir: „Jetzt halt einfach mal. [lacht]
00:38:21: ,332 [Gerd] Das Blöde. Also keine Ahnung. Weißt, ich kann manchmal-
00:38:25: ,612 [Martina] Ja, aber das ist doch nicht schlecht.
00:38:26: ,762 [Gerd] Nein, aber manchmal denke ich mir: „Dann halt einfach die Klappe, sag nichts, Schluck Salzwasser, aber ich kann manchmal den, muss ich dann sagen.
00:38:34: ,202 [Martina] Du, aber ich find, das ist eine bessere Eigenschaft, das loszuwerden, als das immer von mir aus auch noch hinterher-
00:38:39: ,212 [Gerd] Aber manchmal wär's deutlich gescheiter, das-
00:38:41: ,072 [Martina] Ja, ob's gescheit ist oder nicht, das ist jetzt was anderes.
00:38:43: ,792 [Gerd] Aber egal wie. Also es gibt, jeder hat auch seine-
00:38:45: ,552 [Martina] Ich finde, du bist ein tolles Vorbild. Ganz, ganz toll.
00:38:48: ,742 [Gerd] Ja.
00:38:48: ,932 [Martina] Wir besprechen oder wir, wir reden ja noch ganz viel über deine, über dein Leben, über deinen Unfall und wie du das alles gehändelt hast und so weiter und so fort. Also deswegen, ich finde das sehr, sehr passend. Hab auch, ähm, die ganze Zeit genickt, als ich das gelesen hab. Und als ich dann tatsächlich, ich, ich verbring dann ja so paar Minuten auf, äh, ChatGPT
00:39:09: ,792 [Martina] und dann hat mich, ähm, dadrunter kommen dann auch immer noch so Fragen: „Soll ich dir noch Informationen geben? Schnick, Schnack, Schnuck." Und dann stand da, pass auf: „Soll ich dir sagen, warum Gerd Schönfelder anders Ski fährt als alle anderen? Willst du das wissen, wie, was-- Genau, willst du das wissen?
00:39:26: ,892 [Gerd] Ja, das will ich gern wissen.
00:39:27: ,812 [Martina] Genau. Quintessenz, also dann manchmal haut er, haut das System ja dann wirklich nur ein, zwei Sätze raus, aber dann kamen wieder drei Seiten, wo ich mir gedacht hab: „Okay, gut, deswegen bist einfach so besonders gewesen." Aber die Quintessenz, ich hab dann gesagt: „Fass es mir bitte zusammen."
00:39:43: ,432 [Gerd] Mhm.
00:39:44: ,292 [Martina] Ähm, Quintessenz, äh, seine Beinstärke und Risikobereitschaft.
00:39:50: ,052 [Martina] Und, ähm, so wie ich das jetzt auch noch im Kopf hab-
00:39:53: ,672 [Gerd] Beinstärke.
00:39:53: ,321 [Martina] Ähm, die Beinstärke, genau. Ähm, und die-
00:39:56: ,912 [Gerd] Die hat schwer nachgelassen.
00:39:57: ,922 [Martina] lacht] Ich glaub, die ist auch noch, die ist immer noch ganz gut da. Aber, ähm, also mir hat das System das so erklärt, dass du auch, also mit den Beinen das sehr stark ausgeglichen hast, was du eben grad vorher gesagt hast mit dem Arm, dass einfach diese Balance und diese, dieses Einleiten und so weiter, dass das, ähm, einfach für dich schwierig ist und dass dadurch, dass du so starke Beine gehabt hast, das dadurch einfach auch gut ausgleichen konntest.
00:40:23: ,812 [Gerd] Beine, Rumpfstabilität, das ist eher so Kombination. Also nur die Beine, da muss schon der ganze Körper fit sein.
00:40:31: ,412 [Martina] Wie hat denn dein Training früher ausgeschaut?
00:40:35: ,622 [Gerd] seufzt]
00:40:36: ,632 [Gerd] Also ich hab, ich bin einer, ich, ich trainier gern
00:40:41: ,072 [Gerd] draußen und ich trainier gern viele Sportarten.
00:40:45: ,652 [Martina] Mhm.
00:40:45: ,832 [Gerd] Also ich, ich hab immer, ich hab mir für mich auch festgestellt, wenn ich in einer Sportart trainier, das ist viele funktionierende Muskulatur, also viel besser funktioniert. Also wenn ich-- Natürlich muss ich Krafttraining auch machen. Äh, das war eigentlich ein bissl so das Handicap, das zusätzliche, weil, äh, die, die guten Skifahrer in der Regel alle Hanteltraining machen.
00:41:05: ,192 [Martina] Ich wollt grad sagen.
00:41:07: ,372 [Gerd] Oder grundsätzlich in jedem Sport ist Hanteltraining mittlerweile einfach top.
00:41:12: ,562 [Gerd] Äh, Stoßen, äh, Reißen, Bankdrücken, keine Ahnung. Das ist alles gut, kannst du viel machen. Ähm, Kreuzheben und so weiter.
00:41:21: ,211 [Martina] Aber alles-
00:41:22: ,112 [Gerd] Aber halt mit einer, mit zwei Fingern ziemlich blöd. Und deswegen musst du das irgendwie dann in so geführt machen, Beinpresse und so Geschichten. Das kann das aber auch nicht ausgleichen, weil da fehlt diese koordinative
00:41:35: ,912 [Gerd] Komponente. Und, und deswegen war für mich einfach immer irgendwie in der Sportart, also
00:41:41: ,912 [Gerd] deswegen hab ich immer Fußball gespielt. Einfach nur die Schnelligkeit, die Spitzigkeit, die Wendigkeit, die Körperbeherrschung, das Gleichgewicht. Ich hab dann, äh, äh, bin viel auf der Slackline rumtanzt, äh, weil, weil das so diese Balance, dieses Ausgleichen. Ich, ich hab das Einradfahren gelernt, weil ich gedacht hab, das ist bestimmt auch noch gutes Training so für, für Rumpfstabilität oder dieses
00:42:05: ,432 [Gerd] nicht nachdenken zu müssen. Weil wenn du nachdenkst am Einrad, dann fällst du um. Also das ist, das kommt so aus'm, aus'm Hintern. Also so-
00:42:13: ,312 [Martina] Ja, ja, ja, das-
00:42:14: ,652 [Gerd] Oder einfach das Gefühl, das geht. Hab ich auch ewig lang probiert, bis das, bis das mal geklappt hat. Das, ich hab gedacht, das kann gar nicht funktionieren, aber dann haben wir wieder Videos angeschaut und haben gedacht: „Die Guten, die haben sogar die, die Hände in der Hosentasche." Also es geht. Das muss bei mir auch gehen. Da bin ich dann schon ziemlich,
00:42:32: ,392 [Gerd] wie sagt man, ähm, unnachgiebig, bis es klappt. Also-
00:42:37: ,712 [Martina] Resilient. Ja.
00:42:38: ,804 [Gerd] Ja, und ich, ich kann dann wirklichAlso früher eine Nervensäge sein. Also, äh, ich kann dann, wenn ich was mir einbild, dann,
00:42:49: ,643 [Gerd] dann ist das schlimm.
00:42:51: ,324 [Gerd] Mein, mein, mein Partner Onkel hat immer gesagt, die NS, also die Nervensäge, war ich immer irgendwie.
00:42:57: ,064 [Gerd] Auch ich konnte nicht an beim Gebirgsbach nicht auf dem Weg laufen, sondern ich musste immer über die Steine springen. Und der hat sich halt immer Sorgen gemacht, dass ich reinfalle. Ist ja klar, würde ich wahrscheinlich jetzt auch anders sehen, aber ich war halt immer so ein auf der, die Gradwanderung. Das Normale, das Normale hat halt nie so gereizt.
00:43:18: ,674 [Martina] Ja, aber das Normale wäre auch nie so erfreulich.
00:43:19: ,824 [Gerd] Ich habe tausend Räder kaputt gemacht, weil ich die zum Springen benutzt habe. [lacht] Und leider so, ich habe nie ein gescheites Radl gehabt als Kind, sondern nur so immer gebrauchte Räder. Die sind alle irgendwann auseinandergebrochen. Ich habe nur Schanzen gebaut.
00:43:32: ,804 [Gerd] Also ich war schon, war schon anstrengend. Aber also sportlich, sportlich war ich wirklich einer, der alles ausprobiert hat. Aber also was so möglich war.
00:43:42: ,264 [Martina] Aber meinst du nicht, dass, ähm, dass man das genau das, was du jetzt eben gerade gesagt hast, dass man das braucht, um dieses eine Prozent, wo man dann einfach auch wieder oder sogar in deinem Fall mehr Prozent, ähm, wo man anders ist als der Mainstream. Das ist dann das, was dann einfach das Stück Besonderheit macht.
00:44:00: ,084 [Gerd] Also ich meine, was ich jetzt alles so mache, das würden viele, da kom, würden manche gar nicht drauf kommen, auf die Idee kommen, das auszuprobieren.
00:44:07: ,984 [Gerd] Und ich denke mir dann immer: Also ich muss jetzt mal schauen, ob das geht. Das ist schon, das sind so Dinge, wo-
00:44:12: ,494 [Martina] Radl fahren, Motorradl fahren.
00:44:14: ,284 [Gerd] Motorradl fahren, das ist ja, Motorradl fahren war schon,
00:44:18: ,944 [Gerd] da muss ich meiner Frau heute noch danken, dass, dass sie da nicht komplett einen Riegel reingehauen hat, weil die hätte ja sagen können: „Also wenn du das jetzt machst, dann ist alles aus." Aber sie hat
00:44:28: ,244 [Gerd] dann irgendwann einmal:
00:44:30: ,524 [Gerd] seufzt] „Der macht mich fertig." Aber ich weiß jetzt genau, wie der was, wie er tickt.
00:44:35: ,163 [Martina] Aber war-
00:44:36: ,204 [Gerd] Weil die sagt dann, die kennt mich ja und ich habe dann auch, du weißt ja, und ich muss das jetzt ausprobieren. Ich will das jetzt bloß wissen, ob ich das kann, ob ich das irgendwie kann.
00:44:44: ,704 [Martina] Und wie kommst du da dann aber immer drauf, dass du dann sagst: „Ja, das probiere ich jetzt mal aus"?
00:44:47: ,984 [Gerd] Na ja, weil ich, also da muss ich ja, da gibt es ja schon eine Geschichte dazu. Ich, ich bin ja vor meinem Unfall, also mit sechzehn war das der Klassiker, dass man sich eine Achtziger damals gekauft hat.
00:44:58: ,514 [Gerd] Da hat man gespart oder gearbeitet dafür, dass man sich das leisten konnte. Am Land bist du ja dann auch ...
00:45:03: ,324 [Martina] Abhängig davon eigentlich.
00:45:04: ,194 [Gerd] Ja, ja. Oder
00:45:06: ,964 [Gerd] bist, bist halt einfach mobil.
00:45:08: ,313 [Martina] Ja, mein Herr.
00:45:09: ,684 [Gerd] Und du willst rum und dann, und, und, und nicht da irgendwo festsitzen. Äh, und dann, dann, dann war das und das war schon ein unwahrscheinlich schönes Gefühl, frei zu sein. Das war wie,
00:45:21: ,884 [Gerd] wie die Marlboro-Werbung in, in, in Death Valley
00:45:26: ,624 [Gerd] im Kleinen.
00:45:28: ,944 [Gerd] Die Achtziger war mein Pferd und alles andere war das Death Valley und du bist halt da rum und voll der coole Checker. Ja, und das, und das war schon eine geile Zeit. Und dann habe ich, bin ich achtzehn geworden und dann habe ich gewusst, ich muss auf jeden Fall einen Motorradführerschein machen. Dann habe ich mir das, da habe ich wieder für das Motorrad gespart, habe ich ja schon gearbeitet als Elektroniker und dann habe ich mir da dieses, damals dieses Motorradl gekauft und dann kam der Unfall und dann steht das Ding in der Garage und die Arm zum, der Arm zum Gas geben, den gibt's nicht mehr. Das ist bitter. Das ist ganz schlimm gewesen.
00:46:00: ,624 [Martina] Wie lange ist das Motorrad in der-
00:46:01: ,524 [Gerd] Das war mein, das war einfach mein Traum schon davor. Das ist ...
00:46:04: ,884 [Martina] Ja, doch. Aber wie lange ist das Motorrad in der Garage dann gestanden?
00:46:08: ,584 [Gerd] Bestimmt ein halbes Jahr noch.
00:46:11: ,464 [Gerd] Und dann hat's ein Kumpel von mir abgekauft und der hat's heute noch.
00:46:14: ,943 [Martina] Wirklich?
00:46:14: ,924 [Gerd] Ja, der hat's. Das ist ja Oldtimer. Das ist ja schon, wann war das Baujahr? Acht, äh, '88, ja.
00:46:22: ,794 [Martina] Ach so, aber das ist ja schön.
00:46:22: ,244 [Gerd] Yamaha XT.
00:46:24: ,444 [Martina] Cool.
00:46:25: ,184 [Gerd] Und, und ja, und dann, und dann habe ich,
00:46:29: ,684 [Gerd] ja, ich habe dann Auto fahren dürfen. Da war ich froh, dass ich das machen konnte und, und dann, dann ja, dann macht man halt weiter und dann fährt man Radl. Am Anfang bin ich Mountainbike gefahren und dann habe ich irgendwann einmal
00:46:43: ,974 [Gerd] habe ich die Möglichkeit gehabt, mich bloß einmal auf ein Rennrad draufzusetzen. Bis dahin habe ich mir gedacht, diese dünnen Reifen mit einem Arm, das geht ja wahrscheinlich gar nicht. Und dann habe ich mich da draufgehockt und mir gedacht: Hey, das geht eigentlich ganz gut. Warum nicht?
00:46:56: ,204 [Gerd] Also ein Rennrad brauche ich auch. Und das war zum Trainieren auch super. Und dann, und dann war ich in Amerika, in Breckenridge, damals Colorado, und dann, und dann sehe ich da auf einmal ein Quad. Ja, was ist denn das für eine geile Kiste? Ist praktisch wie mein Geländemotorrad mit vier Rädern.
00:47:14: ,504 [Martina] Was für dich natürlich dann um einiges sicherer war, ja.
00:47:16: ,384 [Gerd] Da hab ich gedacht: Das kann ja nicht umfallen. Das könnte ja bei mir auch funktionieren. Dann habe ich da mir Gedanken gemacht, habe überlegt, wo kriegt man so was her, da, da einfach geschaut, wo könnte man jetzt da,
00:47:28: ,504 [Gerd] da was finden und dann habe ich da tatsächlich einen gefunden und dann haben wir so ein Ding gekauft, ohne Straßenzulassung. Sechs-Gang-Schaltgetriebe mit Kupplung und allem drum und dran. Und das haben wir dann mit einem Kumpel. Also ich habe dann einen sehr guten Freund, der ist Mechaniker, ein richtiger Tüftler und den habe ich dann immer vor diese Aufgaben gestellt und gesagt: „Stefan, ich habe mir jetzt was überlegt.
00:47:50: ,363 [Gerd] Jetzt bräuchte ich das und das." Ich habe schon die Idee gehabt, wie man es macht und dann, und dann haben wir zusammen dadrüber, sind wir rangegangen an die Sache.
00:47:58: ,364 [Martina] Und der macht das immer noch?
00:47:59: ,744 [Gerd] Der hat, ja, der macht immer wieder mal was für mich, wo ich da so, äh, ja Details, so Kleinigkeiten brauche, so Halterungen oder irgendwie angepasst und gefräst und was weiß ich. Und mein Bruder ist da auch immer sehr hilfreich, der ist da auch sehr fit auf dem Gebiet und na ja. Und dann habe ich das gemacht gehabt und dann habe ich das wieder verkauft, weil das nicht wirklich ... Also das war undenkbar, dass ich da TÜV-Zulassung kriege und dann haben wir ein anderes gekauft. Das hat dann Automatik gehabt, das war dann einfacher und da habe ich dann einen TÜV gekriegt. Da bin ich dann legal durch die Gegend gefahren,
00:48:30: ,544 [Gerd] aber das war trotzdem nie Motorrad. Es ist ...
00:48:34: ,464 [Martina] Es ist nicht das Gleiche.
00:48:35: ,212 [Gerd] Das ist ganz was anderes. Das ist, das ist eigentlich ... Und es ist auch noch viel schwieriger zum Fahren, viel anstrengender. Das geht--Da kannst du nicht in die Kurven legen oder so. Das ist einfach, du musst mit dem Arm wirklich, mit Kraft und so. Und dann, und das war eigentlich auch der Punkt. Dann habe ich irgendwann mal einen kennengelernt, der, der Umbauen für Menschen mit Behinderten, also mit Behinderung gemacht hat. Auto und auch Motorrad. Hab ich gesagt: „Ja, Motorrad macht das für das und sogar für Rollstuhlfahrer." Dann habe ich gesagt: „Okay." Und dann habe ich noch erzählt: „Ja, ich habe ein Quad und so." „Was, du fährst Quad? Wenn du Quad fährst, dann kannst du auch Motorrad fahren."
00:49:14: ,612 [Gerd] Ich sage: „Okay." Dann habe ich überlegt. Das Problem war immer die Kupplung, weil irgendwann gingen dir die Finger aus. Du musst Gas geben, du musst blinken.
00:49:23: ,832 [Gerd] Ja.
00:49:23: ,772 [Martina] Da wollte ich jetzt eh fragen.
00:49:24: ,312 [Gerd] Und irgendwann langt es halt nicht mehr und dann brauchst du jetzt die Kupplung, mit was zu kuppeln. Mit dem Fuß, blöd. Und dann, na ja, und dann habe ich da irgendwann eine Lösung gefunden und das könnte funktionieren. Und dann, und dann will ich das aber dann schon auch legal haben. Also ich möchte ja dann nicht einfach da schwarz durch die Gegend preschen. Und dann habe ich, dann wird es richtig aufwendig. Dann musst du zum TÜV, dann musst du zur Führerscheinstelle, du musst das wieder beantragen. Der ist dann nicht weg. Ich hatte ihn ja schon, aber ich, du musst, du kriegst dann als Auflage, du musst eine Prüfung praktisch und theoretisch wieder machen, damit du zeigst, du kannst das. Musst aber keine Fahrstunden nehmen. Aber ohne Fahrstunden wird es halt auch schwierig. Und dann, wenn man das umbaut und, und dann musst du zum Arzt, der muss dir dann die Tauglichkeit noch bestätigen, dass du das ja grundsätzlich körperlich in der Lage bist, das zu machen. Und dann musst du halt jemanden finden, der dann eine Fahrschule, der das überhaupt macht. Das war schon alles ziemlich aufwendig.
00:50:20: ,812 [Martina] Aber es ist halt ein Traum. Aber warte, bevor du jetzt weiter erzählst. Ich meine, manche-
00:50:24: ,732 [Gerd] Man merkt schon, das ist ein bisschen so.
00:50:26: ,732 [Martina] Aber toll. Ich finde das toll. Passion. Ähm, manche hören den Podcast ja nur, die, die sehen ja jetzt nicht, ähm, dich, wie du gerade hier scheinst. Also du hast deinen linken Arm, du hast zwei Finger, du hast einmal ein, das erzählst du ja eh gleich noch, ein Finger war deine Zehe.
00:50:43: ,792 [Gerd] Der zweite Finger ist der linke Zeigezeh.
00:50:46: ,012 [Martina] Okay, kommen wir gleich drauf.
00:50:49: ,472 [Martina] Wie muss man sich denn das jetzt vorstellen? Jeder ist ja vielleicht schon mal Roller gefahren oder Moped, Motorrad. Wie, was ist jetzt bei dir anders? Wie fährst du? Wie kannst du das jetzt machen? Du hast keinen rechten Arm. Mit rechts, wie du schon gesagt hast, gibt man eigentlich Gas und dann irgendwann ...
00:51:07: ,792 [Gerd] Eigentlich ist es ganz leicht erklärt: Ich habe links Gas, also einfach Gas auf die linke Seite drehen nach unten.
00:51:14: ,432 [Martina] Ja.
00:51:15: ,162 [Gerd] Eine Kupplung gibt es nicht, weil ich eine Recluse-Kupplung drin habe. Das heißt, eine Fliehkraftkupplung. Keine Drehzahl ausgekuppelt, Drehzahl eingekuppelt. Kommt aus dem Motocross. Wenn die die Motorräder umschmeißen im Gelände, dann sind die früher abgestorben und dann haben sie diese Kupplung eingebaut, dass die nicht, dass der Motor weiterläuft. Dann steigen die auf, Gang rein, zack.
00:51:35: ,832 [Martina] Weiter gehts. Okay.
00:51:35: ,112 [Gerd] Genau. Und das haben wir so gedacht, das könnte dann funktionieren. Und, äh, Bremse auch am Fuß. Die habe ich ja, die Füße. Schalten kann ich links auch, links schalten.
00:51:47: ,912 [Gerd] Dann gibt es die Schaltautomaten, die elektronische Zündkraftunterbrechung und, und das geht sowieso easy. Ist eigentlich schon, gibt es schon länger, das Ganze.
00:51:59: ,872 [Gerd] Und ja, und so fahre ich halt. Aber ich fahre schon mit Prothese. Also ich habe rechts ...
00:52:03: ,672 [Martina] Du hast dann, okay.
00:52:05: ,012 [Gerd] Beim Motorradfahren ist es das Einzige, wo ich eine Prothese benutze. Einfach, um nur einen zweiten Punkt zu haben, Stabilität. Äh, manchmal fahre ich auch nur mit der Prothese.
00:52:17: ,312 [Gerd] Muss ich auch mal, muss ich auch mal, wenn die Nase juckt, muss ich auch mal das Visier aufmachen können und mal an der Nase jucken. Das gehört einfach dazu. Und da musst du auch mal, also kannst auch freihändig fahren und, und das ist einfach ein Gefühl. Also
00:52:32: ,872 [Gerd] das ist leichter als Rennrad fahren. Aber man muss sich trauen. Ich habe am Anfang auch nicht gewusst. Ich habe dann, ich habe dann drei Fahrstunden genommen.
00:52:42: ,712 [Gerd] Also der war auch echt total begeistert, dass das, er hat auch gedacht, dass das so gut geht, hätte er nicht gedacht. Also, und ich habe in der ersten Prüfung oder ersten Fahrt – beim Motorradfahren muss man ja dann diese Prüfungen machen, dieses Schütttempofahren, Ausweichen, äh, Vollbremsung, äh, Ausweichmanöver, habe ich schon gesagt, ja genau, Slalomfahren und so weiter. Und das hat man dann gleich in der ersten Fahrstunde gemacht und dann hat er gesagt: „Tipptopp. Hättest bestanden jetzt." Also wenn das jetzt die Prüfung gewesen wäre. Und das war nach zweiunddreißig Jahren.
00:53:12: ,572 [Gerd] Zweiunddreißig Jahren nicht mehr auf so einem Bock gehockt.
00:53:14: ,952 [Martina] Aber es ist jetzt-
00:53:14: ,832 [Gerd] Es ist einfach ein Gefühl, Körpergefühl. Und Rennradfahren ist, wie gesagt, deutlich schwieriger von, von der Balance her und so.
00:53:21: ,452 [Martina] Aber gibt es noch irgendwas, wo du jetzt sagst, das steht jetzt so auf meiner Bucket List, das würde ich gern ... Bei mir ist es zum Beispiel Kitesurfen.
00:53:27: ,432 [Gerd] Habe ich auch schon gemacht.
00:53:28: ,032 [Martina] Hast du schon gemacht?
00:53:29: ,232 [Gerd] Ja, aber das ist auch saublödsinn.
00:53:31: ,851 [Martina] Für dich ist es schwer, oder?
00:53:33: ,212 [Gerd] Ja, du musst halt mit einer Hand dieses, dieses Kite ständig kontrollieren.
00:53:38: ,031 [Martina] Mhm. Ja.
00:53:39: ,091 [Gerd] Und wenn jetzt du stürzt oder ins Wasser fällst und das Brett ist weg, dann musst du das Brett erst mal suchen. Wo ist es? Und dann musst du da hinkommen und dann musst du mit dem Kite da hin und dann musst du, ja, das wieder an die Füße bringen und dann musst du es nehmen, schnell irgendwie an die Füße und dann wieder das Kite, weil das macht ja dann irgendwie gleich mal Bewegung. Also das war damals, boah, habe ich Bauchmuskelkater gehabt, weil du bist die ganze Zeit so im Wasser.
00:54:05: ,911 [Gerd] Du bist eigentlich ständig angespannt über, über, über fast eine Stunde.
00:54:08: ,192 [Martina] Ja.
00:54:09: ,912 [Gerd] Da gehst du raus,
00:54:11: ,122 [Gerd] völlig fertig.
00:54:12: ,132 [Martina] Okay.
00:54:12: ,400 [Gerd] Und ich bin da schon mal zum Fahren gekommen. Es geht schon, aber ich bin, ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin vorher noch nie auf so einem Wakeboard gestanden oder so einem Brett. Und ich habe ein paar Versuche gebraucht, dass ich überhaupt mal das Gefühl für dieses Brett ... Also ich hätte erst mal mit dem Brett vielleicht so wasserskimäßig fahren sollen, dass ich ein Gefühl kriege, wie das, wie das so reagiert, weil dann wäre ich vielleicht leichter auch zum Fahren gekommen mit dem, mit dem Kite. Eigentlich ist das schon ziemlich cool, aber das ist halt auch wieder so ein Sport. Da musst du auch wieder irgendwo hin, dann brauchst du wieder diesen Schirm und dann wieder dieses Gedöns und das Ganze. Und ich habe nicht ...Den, den idealen Hotspot vor der Nasen.
00:54:48: ,529 [Martina] Ja.
00:54:48: ,420 [Gerd] In der Oberpfälzer, da ist man eher klassisch unterwegs. [lacht]
00:54:51: ,780 [Martina] Aber zurück zu deiner Praxis. Zu deiner, gibt's noch was, wo du sagst, es bestimmt gibt's noch viel, aber wo du jetzt sagst, dein nächstes Projekt, wo du jetzt sagst, nach Motorradlfahren.
00:55:00: ,300 [Gerd] Ja, ich fahr jetzt auch nicht viel, äh, äh, aber ist mal echt nett, mit den Kumpels da Motorradl zu fahren. Ich habe jetzt tatsächlich Sardinien jetzt mal, äh, im Mai fahren wir nach Sardinien zu viert.
00:55:11: ,860 [Martina] Zu Motorradlfahren.
00:55:11: ,280 [Gerd] Ja.
00:55:12: ,840 [Martina] Cool.
00:55:12: ,160 [Gerd] Das ist cool. Und ansonsten, ja, Radlfahren tu ich immer noch gern. Aber so neues Projekt.
00:55:19: ,240 [Martina] Kommt schon.
00:55:20: ,620 [Gerd] Golfen möchte ich mal noch vielleicht ein bisschen. Da bin ich auch noch jung, da bin ich auch noch praktisch, äh, Rookie. Da kenne ich aber eine,
00:55:29: ,460 [Gerd] die hat gesagt, sie zeigt mir mal so die absoluten Tricks.
00:55:32: ,180 [Martina] Also für euch, der, der Gerd, ähm, hat ein, wie sagt man, eine Manschette?
00:55:38: ,960 [Gerd] Nein, eigentlich nur Klettband, wo ich den Schläger-
00:55:39: ,740 [Martina] Mit Klettband, wo du den Schläger-
00:55:40: ,500 [Gerd] Den Schläger hin fixiere, dass ich nicht weiter schlage als den Ball.
00:55:44: ,320 [Martina] Leider haben wir's jetzt gerade nicht da, aber letztendlich, ähm, ich habe dich ja jetzt doch schon ein paar Mal spielen sehen.
00:55:50: ,520 [Martina] Bewundernswert. Ich find das so cool und du sagst dann immer: „Na ja"
00:55:54: ,540 [Gerd] Das nervt mich schon immer, dieses Hinbauen und Ding und dann passt's nicht hundertprozentig.
00:55:57: ,520 [Martina] Aber soll ich dir mal sagen, wie viel Golfer diesen Ball nicht treffen mit allen Fingern, mit allen Armen, die hauen über diesen Ball einfach drüber. Du triffst den Ball jedes Mal. Du, du machst halt quasi eine, äh-
00:56:11: ,660 [Gerd] Ja, es stimmt schon. Ich müsst, ich müsste ja nur mehr üben.
00:56:14: ,419 [Martina] Das ist wohl richtig.
00:56:15: ,220 [Gerd] Das ist wie bei jedem Golfer, gell?
00:56:17: ,840 [Martina] Das ist wie bei jedem Sport.
00:56:18: ,840 [Gerd] Ja, ja und Golf ist schon noch mal-- Weil halt, wenn du jetzt ein Turnier spielst und dann ist es ja, ich meine, wenn man auf der Driving Range steht, irgendwann trifft man schon mal. Und wenn du immer mehr, dann triffst du immer besser. Aber wem sage ich das? Der entscheidende Schlag ist dann, wenn du's brauchst, gell, dann muss der kommen. Und das ist halt dann, du hast keinen Probeschlag, außer einen Luft, also so einen Probeschlag, aber du kannst nicht draufhauen. Und, und, und da muss ich ja immer diesen, diesen neuen Schläger. Ich habe ja auch dann, ich spiele ja ganz normal mit, mit
00:56:51: ,990 [Gerd] mehreren Schlägern.
00:56:51: ,699 [Martina] Mit ganz, ja.
00:56:52: ,260 [Gerd] Und da muss ich halt beim, das Hinkletten, das muss halt dann passen. Und manchmal hole ich aus und dann weiß ich schon beim Ausholen, das passt nicht.
00:57:02: ,220 [Martina] Aber das ist normal.
00:57:03: ,050 [Gerd] Ja, und dann denke ich: „Ah, hätte es noch mal ein bisschen" und dann, und dann rutscht du mal trotzdem mal so-
00:57:09: ,429 [Martina] Ist schon klar.
00:57:09: ,580 [Gerd] in der Manschette, weil ich halt nicht so richtig festhalten kann.
00:57:12: ,920 [Martina] Was bei dir halt wirklich schwierig ist.
00:57:13: ,060 [Gerd] Das ist so das Besonderes, das noch zusätzlich dazu kommt, also dass ich mit einem Arm schlage. Wenn die Hand ganz wäre, wäre es deutlich einfacher noch.
00:57:21: ,269 [Martina] Absolut.
00:57:21: ,200 [Gerd] Glaub, da wäre ich viel besser.
00:57:22: ,520 [Martina] Und vor allem in der Manschette verdrehst du ja auch den Schläger.
00:57:24: ,100 [Gerd] Ja, das meine ich. Desenspraye ich den immer mit, mit Handballharz ein.
00:57:29: ,880 [Martina] Ja, also letztendlich-
00:57:29: ,330 [Gerd] Dass er ein wenig klebt, weißt du, dass er wirklich so...
00:57:32: ,440 [Martina] Ja. Dadurch, dass du halt auch mit links dieses Ball Boden von oben nach unten, da haben wir ja letztes Jahr mal versucht, das ein bisschen zu üben. Das ist halt einfach schwierig, weil dann, wenn du ein bisschen zu früh in den Boden kommst, dann verdrehst du den komplett.
00:57:44: ,370 [Gerd] Ja, und dann-
00:57:45: ,480 [Martina] Und dann, ja, ja. Es ist schwierig.
00:57:46: ,500 [Gerd] Aber es ist eine Herausforderung.
00:57:49: ,929 [Martina] Aber dann merk ich wieder, ja.
00:57:49: ,100 [Gerd] Ja, aber es geht, weil ich habe schon mal deutlich mehr gespielt und dann habe ich schon gemerkt, wie ich auch deutlich besser geworden bin. Also da kannst du halt einfach dann diese Schläge doch öfter mal abrufen.
00:58:00: ,970 [Martina] Ich glaube, wir haben ja mal früh zusammen, kann das sein, das, äh, Powerbar Speedgolf-Event zusammen gespielt, gell?
00:58:05: ,280 [Gerd] Ja, da haben wir uns eigentlich mal kennengelernt.
00:58:07: ,020 [Martina] Boah, das ist schon echt lang her, gell?
00:58:10: ,960 [Gerd] Das war echt krass, ja. Das war-
00:58:11: ,040 [Martina] Über zwanzig Jahre.
00:58:13: ,860 [Gerd] Ja, das war so seit dem, 2000.
00:58:16: ,239 [Martina] Liebe Grüße an den Zibi.
00:58:18: ,119 [Gerd] Sechs, ja.
00:58:20: ,840 [Martina] Gell?
00:58:20: ,800 [Gerd] Zibi zur Luftschick, der hat, der hat das damals ins Leben gerufen. Krass, muss man sich mal vorstellen. Das waren achtzehn Loch, also-
00:58:28: ,160 [Martina] Im Schwanhof auf der Speedgolf, ja.
00:58:31: ,560 [Gerd] Im Schwanhof. Par zweiundsiebzig ist das.
00:58:33: ,400 [Gerd] Und da ist der Rekord, also mit zwei Begleitpersonen am Clubhaus loslaufen, die fan-
00:58:40: ,220 [Martina] Wir hatten eine Begleitperson. Cart.
00:58:42: ,400 [Gerd] Nein, zwei. Einen Cart, einer, der die Schläger dann immer hinreicht.
00:58:45: ,340 [Martina] Vielleicht hatte nur einen. Du hattest vielleicht zwei.
00:58:47: ,769 [Gerd] Nein, alle hatten zwei.
00:58:47: ,160 [Martina] Doch, einen, weil dem habe ich immer zu, der hat mir die, die Distanz zuge-
00:58:51: ,040 [Gerd] Das ist schon lang her. Frauen sind da trotzdem ein wenig vergesslich. Das waren zwei, definitiv. Zwei Begleiter und die reichen dir den Schläger. Der eine teet auf, der andere hockt im Auto. Der kann ja nur Auto fahren, der, der muss ja sofort wieder Gas geben. Und dann schlägt man und dann rennt man hinterher. Und da ist der Rekord und das ist echt unglaublich. Den hält, glaube ich, den Rekord hält der Zibi selber mit,
00:59:13: ,760 [Gerd] ich glaube, achtundsiebzig Schläge in siebenunddreißig Minuten.
00:59:17: ,540 [Martina] Ja, ja, der Zibi oder der, also-
00:59:19: ,180 [Gerd] Und der, und der Tobi.
00:59:21: ,990 [Martina] Der Tobi Angerer und der Fritz Fischer auch.
00:59:22: ,380 [Gerd] Tobi ist, glaube ich, knapp drüber.
00:59:24: ,500 [Martina] Ja.
00:59:24: ,150 [Gerd] Fritz Fischer war ein wenig langsamer, aber der, aber das ist unglaublich.
00:59:27: ,520 [Martina] Da habe ich den Tobi kennengelernt damals.
00:59:28: ,280 [Gerd] Siebenunddreißig, äh, Minuten.
00:59:30: ,840 [Martina] Minuten.
00:59:30: ,740 [Gerd] Und das waren ja doch fast, ich glaube, sieben oder Kilometer oder so zum Laufen.
00:59:35: ,540 [Martina] Ja, ja, wenn du geradeaus läufst und nicht zu-
00:59:37: ,800 [Gerd] Wenn du gerade, genau. Bei mir war es anders, weil ich, ich bin zwölf Kilometer gelaufen, hatte hundertzweiunddreißig Schläge, aber ich bin mit dem Pitching Wedge festgetapt gelaufen.
00:59:47: ,100 [Martina] Ja klar.
00:59:48: ,700 [Gerd] Ich habe mit dem abgeschlagen, ich habe mit dem jeden Schlag gemacht und geputtet habe ich mit der Rückseite.
00:59:54: ,380 [Martina] Ja.
00:59:54: ,880 [Gerd] Weil ich-
00:59:54: ,050 [Martina] Weil Spaß waren halt, ja.
00:59:56: ,220 [Gerd] viel zu viel Zeit verloren hätte, da jetzt mal einen Schläger zu wechseln.
00:59:59: ,680 [Martina] Also schön, du spielst ja auch schlechte Bälle.
01:00:00: ,820 [Gerd] Aber ich habe dafür nur einen Begleiter gehabt.
01:00:04: ,860 [Martina] Du hattest einen. Du hattest, also vielleicht hattest du sogar zwei. Ich hatte wirklich nur einen, weil das war, falls du dich erinnerst-
01:00:10: ,340 [Gerd] Ja, bei dir ist damals, äh, einer krank geworden.
01:00:13: ,800 [Martina] Nein, weil das war, ähm, weil am Abend vorher hast du nämlich deinen Paten zugewiesen bekommen.
01:00:18: ,819 [Gerd] Ja.
01:00:18: ,180 [Martina] Ich hatte nur einen. Aber lassen wir's jetzt mal dahingestellt.
01:00:21: ,040 [Gerd] Das werden wir noch klären. Das werden wir unten dann einblenden, wie es wirklich war.
01:00:25: ,500 [Martina] Genau, wir werden den Zu, den Zibi noch mal kontaktieren.
01:00:27: ,500 [Gerd] Aber ist spannend.
01:00:28: ,200 [Martina] Sehr spannend.
01:00:29: ,590 [Gerd] Ja.
01:00:29: ,070 [Martina] Das hat dich leider nicht durchgesetzt.
01:00:30: ,759 [Gerd] Jetzt sind wir da draufgekommen auf Golf. Ach so, das möchte ich mal noch lernen, ja.
01:00:32: ,620 [Martina] Genau, also halt, das stellen wir jetzt halt mal so dahin. Das, das gehen wir an, das Thema.
01:00:36: ,280 [Gerd] Und Klavierspielen möchte ich noch lernen, ja.
01:00:40: ,100 [Martina] Was soll ich dir sagen?
01:00:41: ,760 [Gerd] Ich kann nicht Klavierspielen, weil ich nicht Noten lesen kann.
01:00:45: ,610 [Gerd] lacht]
01:00:46: ,612 [Martina] Den hab ich schon mal gehört.
01:00:47: ,552 [Gerd] Ja, den hast du schon mal gehört. Das ist so.
01:00:49: ,672 [Martina] Aber wir haben jetzt tatsächlich-
01:00:51: ,452 [Gerd] Notenlesen ist ganz was Furchtbares. Wie kann man sich so was merken?
01:00:54: ,172 [Martina] Na ja, gut, also das Notenlesen ist leichter.
01:00:57: ,372 [Gerd] Das muss man halt üben, ist schon klar. Aber da, ich hab da immer zählen müssen. Wo geht C, D, weißt schon.
01:01:04: ,662 [Martina] Wir kommen zu einem Thema.
01:01:05: ,212 [Gerd] Es ist eigentlich ein Glück gewesen, dass ich nie ein Instrument gelernt habe, weil obwohl, dann hätte ich wahrscheinlich schon irgendwie wieder versucht, das zu machen.
01:01:13: ,512 [Martina] Ich wollte gerade sagen, irgendwie hättest du es schon wieder hingekriegt und genauso auch mit dem Klavierspielen. Deswegen bin ich da gar nicht drauf eingestiegen, weil bestimmt gibt es eine Möglichkeit für dich, weil hier ist es-
01:01:21: ,892 [Gerd] Es gibt welche, die spielen mit die Füße.
01:01:23: ,372 [Martina] Nothing is impossible.
01:01:25: ,352 [Gerd] Ja, aber da fehlt ja jetzt der Zeh.
01:01:29: ,502 [Martina] Dann machst du mit vier.
01:01:29: ,332 [Gerd] Das ist auch wieder blöd.
01:01:31: ,712 [Gerd] So beweglich bin ich nicht mehr, dass ich mit, mit Hand und Füßen ... Ich kann ja so Klavier spielen.
01:01:36: ,112 [Martina] Also wir gehen deine, wir gehen jetzt mittlerweile deine Story eh schon von hinten an.
01:01:40: ,752 [Gerd] Ja, schon.
01:01:40: ,232 [Martina] Also wir kommen tatsächlich jetzt auch mal zu der Erzählung, auch wenn du sie in deinem Leben schon einhunderttausend oder eine Million Mal erzählt hast. Wir müssen's tatsächlich noch mal ganz kurz erzählen. Aber weil du gerade bei deinem Fuß warst, ja, das haben wir ja vorher schon gesagt. Das ist, was hast du jetzt gesagt? Der zweite Zeh.
01:01:57: ,752 [Gerd] Der linke Zeigezeh.
01:01:58: ,592 [Martina] Der linke Zeigezeh. Also neben dem Daumen. Äh, neben dem, neben dem [lacht]
01:02:03: ,002 [Gerd] Genau.
01:02:04: ,632 [Martina] Neben dem großen.
01:02:04: ,212 [Gerd] Der neben dem Daumen, Zeh. Das ist der Großzeh in dem Fall.
01:02:09: ,872 [Martina] Also neben dem großen Zeh. Okay. Ähm ...
01:02:13: ,512 [Gerd] Weil's der längste war.
01:02:14: ,572 [Martina] Zeig mal her. Ich wollte gerade sagen, es war der längste.
01:02:16: ,722 [Gerd] Mhm.
01:02:17: ,452 [Martina] Ist der noch verändert worden, oder?
01:02:20: ,072 [Gerd] Nö, der ist nur breiter geworden durchs, tatsächlich, also als sein Zwillingsbruder,
01:02:27: ,752 [Gerd] wenn man das vergleicht, der ist deutlich breiter, einfach weil er halt ständig was machen muss. Er ist ja meine-
01:02:32: ,152 [Martina] Kräftig.
01:02:33: ,252 [Gerd] Ist ja meine Arbeitshand.
01:02:34: ,632 [Martina] Ich wollt grad sagen.
01:02:34: ,951 [Gerd] Und dann wird, Arbeitshände sind breiter als Bürohände und, und das ist so. Und das merkt man auch.
01:02:40: ,412 [Martina] Weil wenn ich mir jetzt das so anschaue, das, das wär schon ein stolzer Zeigezeh.
01:02:45: ,372 [Gerd] Ja, aber jetzt ist er ja ein Finger. Jetzt ist er ja schon siebzehn Jahre länger Finger, als er jemals Zeh war.
01:02:52: ,041 [Martina] Ich muss jetzt auch zum Rechnen anfangen.
01:02:54: ,512 [Gerd] Siebzehn Jahre länger Finger, als er jemals Zeh war. Wie lange war der Zeh?
01:02:58: ,092 [Martina] Neunzehn Jahre.
01:03:00: ,112 [Gerd] Neunzehn plus neunzehn ist?
01:03:02: ,452 [Martina] Achtunddreißig.
01:03:04: ,062 [Gerd] Fehlt auf fünfundfünfzig.
01:03:07: ,072 [Martina] Was haben wir jetzt denn bei der Rechenstunde? Ich weiß das, aber pass auf. Ich nehme das jetzt ganz einfach als, äh, Überleitung.
01:03:15: ,032 [Gerd] Ja, zum Unfall.
01:03:16: ,742 [Martina] Zum Unfall. Neunzehn.
01:03:17: ,772 [Gerd] Neunzehn. Jung.
01:03:19: ,392 [Martina] Jung.
01:03:20: ,992 [Gerd] Dynamisch.
01:03:20: ,422 [Martina] Dynamisch. Du wolltest unbedingt den-
01:03:22: ,832 [Gerd] Lebenslustig, Sportler.
01:03:23: ,972 [Martina] Du wolltest unbedingt den Zug noch erwischen.
01:03:25: ,912 [Gerd] Ja.
01:03:26: ,292 [Martina] Bist
01:03:28: ,352 [Martina] vom Job gekommen, von der Berufsschule, gell?
01:03:30: ,752 [Gerd] Na ja, von der Arbeit. War auf 'ner neuen Baustelle. Das war alles...
01:03:33: ,152 [Martina] Weil du die Tasche dabei gehabt hast.
01:03:35: ,392 [Gerd] Tasche, Jacke. Ja, die hab ich eh dabei, aber ich, ich hab halt einfach einen Termin gehabt. Ich wollt pünktlich sein.
01:03:41: ,212 [Gerd] Das war halt einfach so. Wenn man was ausgemacht hat, dann wollt man das auch einhalten. Du konntest ja schlecht anrufen, weil Telefon, also Handy oder so, das war ja alles noch nicht. Das, das, und dann hast keinen erreicht und dann ist, hat der gewartet und das ist da unangenehm gewesen.
01:03:55: ,802 [Martina] Ja.
01:03:55: ,072 [Gerd] Das war früher. Früher bist du halt gekommen.
01:03:58: ,832 [Martina] Und dann bist du halt da gewesen.
01:03:58: ,052 [Gerd] Kommst nicht. Was ist denn das für ein Depp?
01:04:01: ,441 [Martina] Ja.
01:04:01: ,512 [Gerd] Mit dem kann man auch nichts ausmachen.
01:04:02: ,692 [Martina] Aber es ist auch tatsächlich immer noch so. Ja, zu spät kommen ist immer noch blöd, aber letztendlich und-
01:04:07: ,812 [Gerd] Aber das war halt da auch so und dann wollt, will man halt irgendwie versuchen, das z-noch zu schaffen. Und dann, und dann bin ich da aus dem Auto rausgesprungen, weil mich noch ein Arbeitskollege zum Bahnhof hingefahren hat
01:04:19: ,192 [Gerd] über die Autobahn. Also weil ich gewusst hab, das schaffe ich so eh nicht. Also nur einen Bahnhof weiter, da kann ich dann rausspringen. Hab schon gedacht, das wird eh nix mehr. Und dann bin ich halt da losgesprintet. Treppe runter, Treppe hoch, links Tasche, Jacke. Bin ich halt hochgekommen. Kann sich jeder so bildlich vorstellen. Du kommst die Treppe hoch vom Bahnhof und dann siehst du, wie der Zug so langsam losfährt. Also schon im Losfahren.
01:04:45: ,512 [Gerd] Und der war halt so langsam, dass ich gedacht hab: „Mensch, das könnt noch gehen." Bin zur Tür hin, hab die aufgemacht. Das war damals möglich. Noch, jetzt heutzutage geht das ja gar nicht mehr. Und mit dem rechten Arm, so ge, also der ist in die Richtung gefahren und ich hab ihm so gegen die Fahrtrichtung die Tür aufgemacht. Das war so eine Klapptür, so eine ganz alte.
01:05:04: ,731 [Martina] Mhm.
01:05:05: ,392 [Gerd] Und dann hab ich's aber nicht geschafft, praktisch, ich hätte noch schneller laufen müssen wie der Zug und dann noch reinspringen und ich, oder mich reinziehen. Und da war diese Jacke und Tasche
01:05:16: ,292 [Gerd] und, und
01:05:18: ,592 [Gerd] die willst du ja nicht wegwerfen.
01:05:21: ,672 [Gerd] Reinziehen konnte mich dann auch nicht und dann, und dann, ja, und dann wird, ist das so schnell gegangen. Der ist dann so schn, so schnell schneller geworden. Also hat beschleunigt, dass ich dann nicht mehr gelaufen bin. Ich hab mir gedacht, wenn ich jetzt auslasse, dann haut's mich so was von auf, auf die, auf den Kopf.
01:05:38: ,952 [Gerd] Weißt du schon, das ist jetzt auch eine schlechte Idee. Also was mache ich jetzt? Und dann bin ich weitergelaufen und dann hat's mir, dann bin ich gestolpert. Also weil ich konnte das Tempo dann nicht mehr halten. Dann bin ich mitgeschleift worden. Dann bin ich mit dem linken Knie mir so am Bahnsteig aufgeschlagen.
01:05:52: ,882 [Gerd] So bum, bum. Also wie so ein Fahnerl.
01:05:55: ,612 [Gerd] atmet aus] Und dann irgendwann am Ende des Bahnhofs
01:05:58: ,152 [Gerd] hab ich, bin ich da, hab ich da, bin ich da weggerutscht von dem, von dem Türgriff
01:06:04: ,432 [Gerd] und bin halt genau in diesen kleinen Spalt zwischen Bahnsteig und Zug ins Gleisbett reingefallen,
01:06:11: ,752 [Gerd] war's auf der linken Schulter gelegen und dann die Achse vom letzten Waggon hat mir dann den Arm ausgerissen und die linke Hand war dummerweise ja noch auf dem Gleis und ist überrollt worden.
01:06:22: ,092 [Gerd] Zack, bumm, so schnell geht's.
01:06:25: ,412 [Martina] Das ist so krass, dass du das alles ... Also ich meine, du hast das, wie ich schon vorher gesagt habe, natürlich eine Million Mal schon erzählt, aber-
01:06:30: ,872 [Gerd] Ja, das ist noch live. Ich bin ja da voll dabei gewesen. Ich, ich hab da mich geduckt, hab gedacht, du musst dich klein machen jetzt und-
01:06:36: ,986 [Martina] Aber es ist so, finde ich, so krass, wenn du überlegst, wie du jetzt das gerade in dem Moment, das geht ja alles so brutal schnell, aber dass du dann noch, also wenn ich das jetzt so mache, dann haut's mich voll auf die Fresse. Dann, dass man sich das in dem Moment noch überlegt, dass man, weißt du, das sind ja Millisekunden, dass man da überhaupt-Noch denkt, ja, ähm, und das, also dass du das sowieso noch weißt. Ich schätze mal, dass das-
01:06:58: ,106 [Gerd] Das war das Gute, dass ich da voll da war und, und zurücklaufen konnt dann in dem Zustand, weil sonst hätt mich da auch keiner gefunden.
01:07:05: ,896 [Martina] War das so weit draußen eigentlich dann schon?
01:07:06: ,336 [Gerd] Ja, so zweihundertfünfzig Meter vielleicht. Also am Ende des Bahnsteigs, ja ganz, wo eigentlich kein Mensch steht, wo's halt dann wieder,
01:07:15: ,556 [Gerd] wo der Bahnsteig halt aus ist. Da ganz dahinten war das.
01:07:18: ,016 [Martina] Und dass du dann nach zurück, da bist nach zurückgelaufen?
01:07:21: ,016 [Gerd] Mhm.
01:07:22: ,186 [Martina] Also mit dem Arm ausgerissen und mit der Hand-
01:07:24: ,296 [Gerd] Also Fetzen waren da noch dran. Der Arm war auch noch ein wenig dran, gehängt, aber nicht mehr da, wo er sein sollte.
01:07:29: ,996 [Martina] An der Hand, da fetzt.
01:07:29: ,776 [Gerd] Die Hand, das hab ich damals gar nicht gespannt, dass an der Hand was ist. Aber das mit dem Arm, das war mir eigentlich
01:07:36: ,996 [Gerd] sofort klar, dass das
01:07:40: ,386 [Gerd] nix mehr wird wahrscheinlich, weil ich den nicht mehr gespürt hab. Und, und,
01:07:44: ,526 [Gerd] und das war, also das ist Schock.
01:07:46: ,136 [Martina] Hast du dir angeschaut?
01:07:47: ,836 [Gerd] Das ist Schock, ja, ja. Ich war dann, ich war dann, wir haben's da irgendwie rausgezogen aus diesem Bahn... Äh, äh, frag ich mich heut noch, wie sie mich da rausgebracht haben, weil an dem Arm kannst du ja nicht anziehen. Also die haben mich nicht an diesem Arm anziehen können, weil das haben mich wahrscheinlich an den linken Arm irgendwie da rausgezogen oder, und einer hat von unten noch geschoben, keine Ahnung. Und dann war ich da auf dieser Bank gelegen und dann haben wir die den Arm so hergelegt
01:08:11: ,376 [Gerd] und, und, und ich, also du hast ja dann schon irgendwie,
01:08:17: ,876 [Gerd] alles ist irgendwie,
01:08:19: ,796 [Gerd] das sind schon, ist ja schon ausnahms, also kann man sich gar nicht vorstellen. Völlig Schock, Ausnahmezustand, aber du weißt schon,
01:08:26: ,636 [Gerd] äh, du bist, das ist, also das ist jetzt kein Film, das ist echt.
01:08:31: ,136 [Gerd] Ich, ich hab dann, ich hab dann, mir hat's, ich weiß noch genau, ich hab dann paar Rechenaufgaben gemacht, weil ich wissen wollt, ob ich noch richtig-
01:08:40: ,956 [Martina] Ob's noch da bist.
01:08:40: ,936 [Gerd] Ob ich noch da bin. Das hab ich schon öfter mal, [lacht] das hab ich vorher schon beim, wenn's mich beim Skifahren zerlegt hat oder irgendwo anders, dann hab ich immer Kopfre, also ob der Kopf noch passt oder ob ich wirr bin.
01:08:52: ,656 [Gerd] Und, und das ging schon noch und, und, ähm, und dann, und dann war ich so dagelegen und schmerzverzehrt das Gesicht natürlich und, und du zwickst dir eh die Augen zusammen, also du bist, du schaust ja nicht so [imitiert Wackeln], sondern ich wollt, ich, und ich hab gewusst, ich will eigentlich gar nicht hinschauen.
01:09:08: ,596 [Martina] Mhm.
01:09:10: ,456 [Gerd] Und dann hat mir irgendwas gesagt:
01:09:13: ,766 [Gerd] „Du musst jetzt noch mal hinschauen, weil du siehst ihn sonst nicht mehr."
01:09:18: ,205 [Gerd] Das war mir so klar, dass den ... Ich hab dann auch zu den Ärzten gesagt: „Bitte nicht amputieren. Bitte den Arm nicht amputieren."
01:09:25: ,776 [Martina] Hast du gesagt?
01:09:25: ,776 [Gerd] Ja, ja. Und dann die: „Ja, ja, das kriegen wir schon." Und, und was man halt so sagt, ist ja klar. Und, und mir war das aber irgendwie schon klar, weil ich halt nicht mehr gespürt hab. Das war wie
01:09:36: ,816 [Gerd] vom Zustand wie jetzt. Das ist wie, wie so eingeschlafen, so taub, so, so, so, so bizelt,
01:09:41: ,876 [Gerd] weil die Verbindung von die Nerven nicht mehr da war.
01:09:43: ,956 [Martina] Mhm.
01:09:45: ,396 [Gerd] Und, und dann war ich so dagelegen und dann hab ich mal so runtergeschaut und dann hab ich bloß gesehen, dass der, die Hand vom rechten Arm war noch komplett,
01:09:54: ,176 [Gerd] aber die war lila.
01:09:56: ,776 [Martina] Mhm.
01:09:56: ,856 [Gerd] So blutunterlaufen.
01:09:57: ,816 [Martina] Mhm. Mhm. Mhm.
01:09:59: ,036 [Gerd] So, so ganz halt einfach Blutstau, dann wird die so dunkel
01:10:06: ,516 [Gerd] und, und, und dann Knochen und Sehnen und Muskeln und, und
01:10:11: ,356 [Gerd] keine Ahnung, ein Riesenchaos.
01:10:14: ,876 [Gerd] Und da oben war er noch schlimmer. Also das, das hab ich ja nicht gesehen. Und, äh,
01:10:20: ,756 [Gerd] na ja, und dann bin ich in Krankenwagen rein und dann haben's mich, dann haben sie mich, äh, äh, ins Krankenhaus gefahren und da gingen dann eigentlich die Schmerzen so richtig ab los. Und dann hab ich gesagt: „Jetzt müsst was gehen, weil jetzt wird's-
01:10:32: ,096 [Martina] Du hast auch mehr den dann weg.
01:10:34: ,466 [Gerd] Ja, und dann, und dann
01:10:36: ,496 [Gerd] haben sie mich mit dem Hubschrauber da weggeflogen und das weiß ich aber nicht mehr.
01:10:39: ,656 [Martina] Das weißt du nicht mehr. Und bis dann der nächste, war dann der nächste wache Moment, wo der Arm dann schon weg war?
01:10:45: ,096 [Gerd] Ja, ja klar. Bis dann nach der OP, nächsten Tag. Acht Stunden haben die operiert.
01:10:50: ,636 [Martina] Haben die,
01:10:51: ,946 [Martina] die haben dann aber selbst gehandelt, oder? Da wollt, musste man jetzt keine große Ei-Einverständniserklärung von irgendjemandem einholen.
01:10:57: ,316 [Gerd] Nö, das war letztendlich, äh, die haben halt versucht, re, zu retten, was zu retten war. Die linke Hand war ein Matsch. Was willst du da retten? Also den Daumen haben sie gerettet. Nicht zu verachten.
01:11:09: ,816 [Martina] Wichtig.
01:11:09: ,926 [Gerd] Daumen der wichtigste Finger überhaupt. Ähm, den haben sie gerettet und den re-rechten Arm, das haben sie noch versucht, äh, äh, irgendwie, aber, ähm-
01:11:23: ,186 [Martina] Wenn ich das jetzt so höre-
01:11:24: ,096 [Gerd] Den hätten sie retten können. Heutzutage könnte man vielleicht sogar retten, aber er hätt keine Funktion gehabt, weil, weil die Nerven ausgerissen waren. Also es wär ein Arm noch da gewesen, aber ohne, halt nur so der Arm mit ein bisschen Haut drüber.
01:11:37: ,116 [Martina] Hängen halt, ja.
01:11:37: ,626 [Gerd] Wie man so kennt, so Plexuslähmung und so und ...
01:11:40: ,176 [Martina] Und die Hand, die rechte, der, der, die Finger, die hätten wir auch noch mal ja nehmen können für Lily.
01:11:45: ,536 [Gerd] Hab ich mir auch schon die Frage gestellt, aber die war einfach durch das, dass dann so schnell oder so lange, die, die, äh, die hätt man ja sofort, hätte ein Ärzteteam hinge, zack-
01:11:55: ,136 [Martina] Zack, mhm.
01:11:56: ,876 [Gerd] Und, und irgendwo-
01:11:57: ,216 [Martina] Eis.
01:11:58: ,776 [Gerd] Einlegen Eis oder sonst was, dass das ... Und das war dann einfach schon zu lange und auch irgendwie zu viel Dreck ist dann da reingekommen durch diesen ... Ja, das war ...
01:12:07: ,356 [Martina] Okay.
01:12:08: ,796 [Gerd] Ist ja echt spannend, weil der, der mich operiert hat,
01:12:13: ,836 [Gerd] der ist dann
01:12:15: ,676 [Gerd] später wieder aufgetaucht in meinem Leben, der Professor Wagner.
01:12:20: ,696 [Gerd] Das war damals der junge, ein junger Assistenz-, oder Arzt, fertiger Arzt, Chirurg, aber relativ jung, noch nicht lange im, im Geschäft und der hatte Dienst zu der Zeit.
01:12:31: ,716 [Gerd] Und der hat das dann damals, der hat das dann, gleich hat ein Ärzteteam da, äh, organisiert, weil sie halt gewusst haben, das ist an der Hand und am Arm.
01:12:40: ,646 [Gerd] Da muss, also da brauchen wir zwei Teams, die da unterschiedlich, damit man irgendwie noch was retten kann. Und, äh, das war dann ziemlich spannend. Ich hab den dann
01:12:51: ,268 [Gerd] natürlich, ich war da zwei Wochen nur in, in Erlangen in der Uniklinik.Und dann bin ich heimgekommen erst mal und dann hab ich auch den Professor aus den Augen verloren. Also keine Erinnerung mehr gehabt. Ich hab den auch nie mehr gesehen danach, weil ich danach bin ich dann schon nach München gekommen in die Reha und dann auch zur Handchirurgie. Und, äh-
01:13:13: ,548 [Martina] Da muss man aber dazu sagen, du hast ja da dann nur den Daumen gehabt.
01:13:18: ,047 [Gerd] Ja, ja.
01:13:19: ,808 [Martina] Da hast du den Zeh noch nicht gehabt. Das kam ja dann erst später.
01:13:22: ,488 [Gerd] Die OP war dann erst im Mai oder Juni '90. Also der Unfalltag war der 11. September '89.
01:13:32: ,308 [Martina] 9/11.
01:13:33: ,628 [Gerd] Ja, genau. Hat schon alles irgendwie so ...
01:13:36: ,088 [Martina] Wahnsinn, gell. Schon spooky.
01:13:38: ,808 [Gerd] Na ja, und, und dann, und dann hab ich dann später mal in der Audi Adidas Lounge in der Allianz Arena,
01:13:45: ,368 [Gerd] äh, war ich mal bei einem Bundesligaspiel und dann sagt der,
01:13:51: ,608 [Gerd] der von Adidas sagt: „Mensch Gerd, cool, dass du heute dabei bist, weil der Walter ist auch da." Da hab ich gesagt: „Wer ist denn der Walter?" „Na, dein, dein Operateur."
01:14:04: ,888 [Gerd] „Wie mein Operateur?" „Na ja, der, der dir damals einen Arm amputiert hat." Da sag ich: „Echt, der ist da?" Uh, das war ganz spooky irgendwie. Wo man gedacht, oh Gott, was wird mir der jetzt alles noch erzählen. So.
01:14:13: ,668 [Martina] Mhm.
01:14:14: ,968 [Gerd] Im Nachgang so nach, das war zehn Jahre nach dem Unfall, schätze ich mal. Noch mal, noch mal überlegen. Ich glaub, das war sogar nach meiner Vancouver-Karriere.
01:14:23: ,288 [Martina] Mhm.
01:14:25: ,448 [Gerd] Müsste es gewesen sein, 2010.
01:14:27: ,208 [Martina] Und hat er dir noch irgendwas erzählt, was du nicht wusstest?
01:14:30: ,708 [Gerd] Ich, der hat mir alles erzählen können. Der konnte sich an den Fall erinnern. Und das war wieder,
01:14:35: ,568 [Gerd] da, das war der Gacki. Der Gacki war der Profi-, äh, äh, -Betreuer der ganzen Fußball-Bundesliga. Den hat jeder gekannt. Zufälligerweise hatte er eine Frau aus meinem Nachbarort. Deswegen kannte er auch mich. Also deswegen waren die, die, das hab ich aber alles gar nicht gewusst. Also irre, die, die Beziehungen und der, und der Walter war wieder, der, also der Gacki war wieder der, der, der Pate vom Kind vom Walter.
01:15:02: ,788 [Martina] Okay.
01:15:02: ,338 [Gerd] Genau, so war's.
01:15:03: ,828 [Martina] Okay.
01:15:03: ,988 [Gerd] Also die waren eng befreundet und deswegen war der Bezug da. Und dann, und dann hab ich da, also das war dann echt spannend. Dann wollte ich auch schon alles ein wenig wissen und dann haben wir gleich ... Und das war dann interessant. Ich bin ja aus der nördlichen Oberpfalz. Ich bin zwanzig Kilometer von Bayreuth weg und da war der Walter Chefarzt in der Unikli-- in der Klinik.
01:15:23: ,258 [Gerd] Völlig, also in meinem Umfeld schon seit Jahren und ich hab's nicht gewusst. Also ich wusste vielleicht, hab schon mal gehört, dass der Walter Wagner da, äh, äh, arbeitet, aber dass das mein Operateur war, das wusste ich nicht.
01:15:35: ,338 [Gerd] Und der hat auch nichts gesagt. Also, aber er hatte mich beobachtet, auch meinen Werdegang danach, so als Para-Skifahrer und so. Also total spannend eigentlich. Ja, und dann bin ich hin, gleich die Woche drauf nach dem Spiel, haben wir was ausgemacht und da war ich da ewig in seinem Büro gehockt und dann hat er mir
01:15:52: ,648 [Gerd] Bilder von damals gezeigt, also nicht von meinem Unfall, sondern von sich auch. Und, und dann hab ich ihn wiedererkannt.
01:15:57: ,488 [Martina] Ach wirklich, ja?
01:15:58: ,318 [Gerd] Da war er noch dunklere Haar-- dunkel. Da war er ja schon grauhaarig und ja. Also ...
01:16:03: ,308 [Martina] Ja, schöne Geschichte.
01:16:04: ,608 [Gerd] Total spannend.
01:16:05: ,218 [Martina] Also schöne Geschichte.
01:16:06: ,168 [Gerd] Und seitdem, seitdem telefoniere ich oft mit ihm.
01:16:09: ,928 [Martina] Okay.
01:16:09: ,668 [Gerd] Er war dann auch mal, äh, äh, noch, er hat, hat weiterhin noch praktiziert bis vor ein paar Jahren. War Durchgangsarzt, also BG-Arzt, weil mein Unfall auch eine BG-Geschichte ist, also Wegeunfall vom Arbeitsweg nach Hause. Das war das große Glück auch.
01:16:24: ,968 [Martina] Okay.
01:16:24: ,428 [Gerd] Weil da einfach eine ganz andere Versorgung ist.
01:16:28: ,648 [Gerd] Und ja, das war ...
01:16:29: ,828 [Martina] Als wenn's dir so passiert wär.
01:16:30: ,308 [Gerd] Ja.
01:16:31: ,668 [Martina] Wirklich?
01:16:31: ,028 [Gerd] Ja, ja, das ist ein Riesenunterschied.
01:16:33: ,927 [Martina] Ach krass.
01:16:33: ,788 [Gerd] Da bist du ganz anders abgesichert. Also die BG sieht eigentlich so, so, dass die alles machen, wenn einer einen Unfall hat, damit er möglichst wieder fit wird und da kriegst du auch alle Hilfsmittel. Du kriegst, wenn du jetzt im Rollstuhl bist, da kriegst du einen Rollstuhl, du kriegst einen Sportrollstuhl und du kriegst ein Handbike. Hauptsache, die Leute werden wieder aktiv. Einfach weil sie glauben, und das ist auch der richtige Ansatz, dann sind sie auch wieder fit für den Job und dann können sie auch wieder in das System einzahlen.
01:17:02: ,208 [Martina] Aber wenn's jetzt-
01:17:03: ,988 [Gerd] Und die Krankenkasse spart halt, wo's geht, beziehungsweise nur das, was wirklich zahlen müssen. Und da kämpf, bist du immer am Kämpfen, dass du mal ... Also ein Sportrollstuhl, das ist schon das Allerhöchste der Gefühle.
01:17:14: ,537 [Martina] Wenn du jetzt einen privaten Unfall hast.
01:17:17: ,548 [Gerd] Ja.
01:17:17: ,428 [Martina] Krass eigentlich, gell?
01:17:18: ,848 [Gerd] Oder du bist halt selber abgesichert, dass du das zahlen kannst.
01:17:20: ,728 [Martina] Ja, okay. Ja, gut.
01:17:22: ,828 [Gerd] Also es ist immer ein Vorteil, ein Arbeitsunfall. [lacht] Auch wenn's, das ist dann Glück im Unglück.
01:17:28: ,328 [Martina] Ja.
01:17:29: ,418 [Gerd] Ich bin auch ein großer ... Also ich sage jetzt immer,
01:17:34: ,968 [Gerd] eine Unfallversicherung macht schon Sinn, eine private Unfallversicherung. Und dann sagen ... Früher hab ich da auch so gedacht: „Ah, das kostet was und es ist weg." Dann sage ich: „Ja, dann musst du sehen, wenn's weg ist, ist dir nichts passiert." Gell? Und du bist dann solidarisch mit den Leuten, denen was passiert ist.
01:17:51: ,778 [Martina] Das ist bei, prinzipiell bei allen Versicherungen so.
01:17:54: ,287 [Gerd] Ja, und das musst du einfach so, musst du das sagen und dann ist das auch gut. Aber du bist für den Worst Case, bist abgesichert.
01:18:00: ,868 [Martina] Ja.
01:18:00: ,628 [Gerd] Und wenn dir nichts passiert, ist doch gut.
01:18:02: ,008 [Martina] Dann ist es wirklich gut, ja. Ja, das stimmt. Wenn du jetzt deine Story so immer erzählst, also ich hab sie jetzt doch schon ein paar Mal auch gehört, für mich immer wieder, immer wieder was Neues dabei und immer wieder
01:18:15: ,368 [Martina] sehr, ähm,
01:18:17: ,148 [Martina] grounding, würde ich jetzt im Englischen dazu sagen, wenn ich das jetzt so höre. Das ist schon, schon eine gewaltige Geschichte für dich selber. Ähm, wie ist diese Geschichte für dich? Ist das für dich oder hat sich das verändert? War das am Anfang so eine Art Albtraum für dich? Was dann quasi durch das Erzählen der Geschichte so ein bissl Therapie war? Oder weil ich meine, du erzählst es ja, jetzt hast du's mir ja schon sehr
01:18:43: ,828 [Martina] in Anführungszeichen normal erzählt, als wir uns, als es mir ... Wir haben ja mal so einen Talk gehabt, da hast du auch sehr viel Späßchen noch an der Seite damit gemacht, wo ich mir gedacht hab: „Ja krass." Ich mein, du bist ja auch ein Spaßvogel, ist klar.
01:18:54: ,464 [Gerd] Das muss man, also das Gute ist, weil du sagst, wie, wie, wie ist das jetzt? Also man vergisst eigentlich das Schlimme. Also das ...Das verdrängt man diese Schmerzen. Oder ich habe ja das linke Bein war dann noch geklemmt, weil da noch eine Nervenquetschung war und also Bluterguss, wo ich da reingefahren bin auf diese Kante und dann konnte ich nicht laufen, keine Ansteuerung vom linken Fuß, also weil der Nerv einfach so verletzt war. Und, und das waren die schlimmsten Schmerzen eigentlich. Nicht einmal der Arm oder die Hand, sondern das im Bein, dieser Nerv. Nervenschmerz ist halt das Krasseste überhaupt. Also das kennt, kennt ja jeder, wenn der Zahn wehtut und der Nerv, ah, furchtbar.
01:19:33: ,924 [Martina] Ja.
01:19:33: ,164 [Gerd] Und, äh, das war das Schlimme und das habe ich auch irgendwie ... Ich weiß, das war brutal. Es war ganz schlimm. Also ich habe ja dann auch nichts, konnte nichts essen, weil ich, weil das waren solche Schmerzen. Ich habe immer sechs-- sechsundfünfzig Kilo habe ich gehabt nach dem Unfall.
01:19:48: ,584 [Martina] Wahnsinn.
01:19:48: ,344 [Gerd] Bloß so ein Gerüst. Und, und das verdränge ich. Also ich kann mich nicht mehr erinnern, wie das war.
01:19:55: ,664 [Martina] Aber das ist, glaube ich, auch ein Mechanismus.
01:19:56: ,724 [Gerd] Das ist wie bei, äh, äh-
01:19:57: ,424 [Martina] Bei der Geburt.
01:19:58: ,784 [Gerd] Ja, das, das weißt du nicht mehr. Die Freude danach ist dann so, sonst wirst du nie mehr ein zweites Kind wollen.
01:20:02: ,044 [Martina] Ich wollte gerade sagen [lacht].
01:20:04: ,964 [Gerd] Und, und Gott sei Dank, und das ist da auch so, das vergisst du irgendwann. Und, und alles, was so negativ ist, das tun wir irgendwie weg. Und, und weil du kannst dich damit auch nicht mehr belasten. Das, das macht dich ja kaputt. Also schaust, dass das irgendwie ... Und holst dir das Gute. So, irgendwie so wird das funktionieren, weil das ist ja auch mit, ähm ...
01:20:26: ,744 [Martina] Aber das machst du so, weil der-
01:20:28: ,424 [Gerd] Ja, aber-
01:20:29: ,264 [Martina] Der Normalo.
01:20:30: ,724 [Gerd] Weißt, wenn ich daran denke, ich bin neunzehn, ich konnte nicht alleine aufs Klo.
01:20:35: ,284 [Gerd] Ich musste jemand fragen: „Kannst du mit mir jetzt auf die Toilette gehen?" Und als Neunzehnjähriger, wenn dir jemand den Hintern abputzen muss von heute auf morgen,
01:20:46: ,484 [Gerd] das ist schon krass.
01:20:49: ,484 [Gerd] So. Da, da musst du irgendwie ... Aber das, das hilft dir nichts. Also da war der Gipsarm, ich konnte kaum laufen, dann bin ich da drin. Ja, irgendwie, äh, ja, ist halt so. Und das ist schon hart.
01:21:02: ,154 [Martina] Für einen selbst am meisten, ja. Für die, für die Beteiligten, glaube ich-
01:21:05: ,504 [Gerd] So erniedrigend, so, so. Du fühlst dich so wahnsinnig verletzt, so, so, so-
01:21:10: ,144 [Martina] Entmächtigt.
01:21:11: ,444 [Gerd] So hilflos.
01:21:12: ,524 [Martina] Ja.
01:21:12: ,584 [Gerd] Und, und, und vorher warst du halt der, weißt schon, Draufgänger, Sportler,
01:21:18: ,884 [Gerd] Action gemacht.
01:21:21: ,934 [Martina] Jetzt bist du aber natürlich von Haus aus der superpositive Mensch auch, ja. Und, ähm, die, ich bin mir ziemlich sicher, dass
01:21:30: ,544 [Martina] ... Das war der Super-Boss-Case oder na Super-Boss-
01:21:33: ,464 [Gerd] Ja, das, das dachte ich auch. Das, jetzt muss, das muss man gleich einmal, das ist ein wichtiger Punkt. Ich habe in dem Moment gedacht: „Schlimmer hätte es nicht mehr kommen können."
01:21:40: ,524 [Martina] Natürlich, es geht, es geht immer schlimmer.
01:21:41: ,824 [Gerd] Und es geht immer schlimmer, das ist so. Und, äh, viel schlimmer.
01:21:45: ,074 [Martina] Mhm.
01:21:47: ,944 [Gerd] Und deswegen, und das ist auch das, wo man dann sagt:
01:21:50: ,764 [Gerd] „Abschließen, das ist jetzt so, wie es ist. Sei froh, dass du den Daumen noch hast."
01:21:55: ,844 [Gerd] Weißt schon, wenn ich jetzt das glas-
01:21:57: ,184 [Martina] Ich weiß, ich, ich bewundere dich eh wahnsinnig, was du alles machen kannst.
01:22:02: ,944 [Gerd] Oder-
01:22:02: ,864 [Martina] Du kannst, du kannst alles machen eigentlich, ja.
01:22:04: ,184 [Gerd] Genau. Also in die Hosen reinlangen und ein Gold von Schlüssel unterscheiden oder lauter so Dinge.
01:22:11: ,264 [Martina] Aber sa-sag mal, wenn wir eh bei dem Punkt sind: Gibt's irgendwas, was dir, was in Anführungszeichen nicht möglich ist oder was dir wirklich schwerfällt?
01:22:20: ,304 [Gerd] Reckturnen.
01:22:21: ,144 [Martina] Na, jetzt Spaß beiseite. Also das sind halt jetzt [lacht] also-
01:22:24: ,544 [Gerd] Was mir richtig schwerfällt im Alltag?
01:22:25: ,224 [Martina] Im Alltag, ja.
01:22:28: ,884 [Gerd] Wenn ich jetzt ein Hemd anziehe.
01:22:29: ,384 [Martina] Ja, ja, mit den Knöpfen, ja ist klar.
01:22:31: ,464 [Gerd] Das ist der Kipppunkt.
01:22:32: ,003 [Martina] Ja, ja, ja.
01:22:33: ,664 [Gerd] Der Kipppunkt. Ich krieg's aber hin. Brauche halt lang.
01:22:35: ,864 [Martina] Mhm.
01:22:35: ,824 [Gerd] Aber das nervt mich auch manchmal, dass ich dann, dann, wenn irgendjemand da ist, dann so: „Bitte, Christina, mach mir mal das Hemd zu, bitte."
01:22:43: ,804 [Gerd] Ganz schwierig wird's bei einem Knopf am linken Arm, gell. Das ist dann, äh, aber die mache ich vorher zu und schlupf dann durch.
01:22:51: ,344 [Martina] Mhm.
01:22:52: ,204 [Gerd] Es gibt ja immer, immer eine Möglichkeit.
01:22:55: ,003 [Gerd] Also ich bringe den Knöpfe zu. Ganz oben, das, wenn's eine Krawatte vielleicht noch, das ist ganz eng, dann wird's dann schwierig.
01:23:02: ,924 [Martina] Aber sonst ...
01:23:02: ,174 [Gerd] Aber
01:23:04: ,904 [Gerd] ich muss jetzt eher aufpassen mit dem Rücken. Also man wird ja nicht beweglich im Alter. Ich bin schon noch beweglich, aber ich merke schon, dass das oft einmal zwickt. Also ich muss schauen, wie das sich weiterentwickelt. Also deswegen muss ich da auch was tun dafür.
01:23:17: ,064 [Martina] Das hätte ich dich jetzt eh gefragt.
01:23:19: ,084 [Gerd] Ja, also auch auf, aufpassen, dass man nicht da zulegt, weil wenn da zu viel, dann ist es fürs Kreuz halt noch schlechter. Also das ist bei mir auch noch, das, das ist dann doppelt schlecht. Es ist ja nie gut, aber bei mir halt dann noch mehr, weil der Rücken halt eh schon vorgeschädigt ist. Und, ähm ...
01:23:38: ,564 [Martina] Aber ich schätze mal, du wirst es immer noch so machen wie früher, dass du jetzt einfach sagst, du musst einfach wahnsinnig viel, du musst einfach viel mehr, genau, einfach Sport machen.
01:23:44: ,064 [Gerd] Und Beweglichkeit, Mobi.
01:23:46: ,524 [Martina] Ja.
01:23:46: ,974 [Gerd] Genau, das, das versuche ich schon.
01:23:47: ,784 [Martina] Ja.
01:23:48: ,044 [Gerd] Und, und, aber sonst, ansonsten komme ich noch ganz gut klar. Also-
01:23:53: ,514 [Martina] Du bist ja auch schlank.
01:23:53: ,104 [Gerd] Schwer fallen. Was fällt mir schwer? Ich, ich habe mir einfach, ich richt, ich habe alles
01:23:59: ,384 [Gerd] ... Gibt, bis jetzt fällt mir jetzt nichts ein. Schuh binden. Ich binde die dann, wenn ich, ich lasse sie mir binden, also da habe ich auch kein Problem damit. Und wenn, und wenn ich keinen habe, der es bindet, dann binde ich es mit den Zähnen und schlupfe dann hinein.
01:24:13: ,584 [Gerd] Aber mit zwei Fingern Schuh binden ist ziemlich ...
01:24:15: ,584 [Martina] Bei Adidas der Geile, das ist jetzt auch wieder voll in: der Klettverschluss.
01:24:19: ,924 [Gerd] Ja, den Spruch habe ich mir beim Fußballspielen immer anhören müssen.
01:24:23: ,124 [Martina] Nein.
01:24:24: ,904 [Gerd] Weil da habe ich, weil die Fußballschuhe mussten immer richtig fest sitzen.
01:24:27: ,224 [Martina] Ja.
01:24:28: ,104 [Gerd] Da kannst du nicht reinschlupfen.
01:24:30: ,764 [Martina] Ja, ja.
01:24:30: ,894 [Gerd] Also mit den Schnüren.
01:24:31: ,544 [Martina] Ja.
01:24:32: ,444 [Gerd] Da gibt's ja jetzt auch Laceless, also,
01:24:35: ,704 [Gerd] äh, äh, ohne, ohne, einfach nur so zum Hineinschlüpfen. Die sind so eng von der, von dieser, von diesem Gummi und von diesen Dingen, dass du hineinschlupfst und die halten Bombe. Äh, aber ich habe ja immer einen gebraucht, der mir die Fußballschuhe bindet damals und dann: „Bitte mal binden." Und dann jedes Mal der Spruch: „Hast du immer noch keine mit Klettverschluss?"
01:24:57: ,154 [Martina] Entschuldige.
01:24:58: ,068 [Gerd] Also einfach zur Gaudi, immer Gaudi. Und den Spruch musste ich mir jedes Mal anhören. Es gab damals keine Schuhe mit Klettverschluss, also keine Erwachsenenschuhe. Das gab's nicht.Das war ja auch nur, die haben mir das gern gemacht. Die haben mich halt immer aufgezogen.
01:25:12: ,688 [Martina] Ja, aber eigentlich, äh, eigentlich, äh-
01:25:13: ,748 [Gerd] Und dann war echt spannend. Du musst einmal
01:25:16: ,428 [Gerd] ... Ich habe da wirklich Erfahrung, gell? Wie welche oder wie unterschiedlich Leute Schuhe binden.
01:25:23: ,147 [Martina] Ja klar.
01:25:24: ,588 [Gerd] Das ist der Wahnsinn. Manchmal schaust du ihn und denkst dir: „Wahnsinn. [lacht] So kompliziert.
01:25:31: ,018 [Gerd] Unglaublich. Es gibt auch Leute, die müssen dann von hinten dir die Schuhe binden, weil sie es von vorne nicht können.
01:25:38: ,728 [Martina] Weil sie es von vorne ... Ja, ja, okay.
01:25:38: ,368 [Gerd] Also es gibt die unterschiedlichsten Sachen.
01:25:40: ,338 [Martina] Ja, aber das sind dann meistens Männer.
01:25:41: ,188 [Gerd] Das ist echt spannend. Aber lustig.
01:25:42: ,728 [Martina] Weil als Mama oder ohne Kinder, weil als Mama bist du ja ständig gegen dem Schuhbandel binden.
01:25:46: ,188 [Gerd] Eben.
01:25:47: ,008 [Martina] Also deswegen.
01:25:48: ,608 [Gerd] Ja, genau. Also das ist so was, aber das geht ja auch. Und die Schuhe gibt's ja mittlerweile. Also auch kein Problem. Es geht alles irgendwie heutzutage.
01:25:57: ,408 [Martina] Ja.
01:25:58: ,008 [Gerd] Man muss halt schon ein wenig kreativ sein.
01:26:01: ,968 [Martina] Zum Thema heutzutage: Wenn man als Sportler seine Profilaufbahn oder seine aktive Karriere beendet, macht man sich ja auch schon
01:26:10: ,007 [Martina] optimalerweise ein bisschen früher Gedanken, was kommt danach.
01:26:14: ,328 [Martina] War das bei dir tatsächlich so? Also erste Frage, ähm, dass du zu deiner aktiven Zeit wirklich hundert Prozent deinen Sport als Beruf ausüben konntest. Konntest du davon leben? Und die zweite Frage wäre: Hast du dir rechtzeitig Gedanken gemacht, was du danach machst?
01:26:30: ,368 [Gerd] Also erstens, [lacht] erstens habe ich nach meinem Unfall eine Umschulung gemacht, beziehungsweise Umschulung ist falsch, Fortbildung zum Techniker. Also ich war Elektroniker und habe dann Techniker gemacht. Ich war bei der AEG. Das war eigentlich auch mega super, weil das eine große Firma war. Äh, da kannst du mal so einen
01:26:52: ,008 [Gerd] Kerl wie mich ein bisschen durchziehen. In einer kleinen Firma, die kann sich das nicht leisten. Ähm, also das hatte schon Vorteile und dann bin ich da, haben die gesagt: „Jetzt werde erst mal wieder fit. Dann machst du diese Ausbildung zum Techniker und dann kriegst du auch wieder einen Job.
01:27:10: ,948 [Gerd] Oder dann schauen wir, wo wir dich dann unterbringen", und, und so ist es dann auch gelaufen. Und das war natürlich schon mega cool. Und dann habe ich
01:27:19: ,168 [Gerd] einfach wieder gearbeitet. Ich habe vierzig Stunden gearbeitet, also nach meinem Unfall. Das war dann ab
01:27:25: ,597 [Gerd] '90 war -- '89 der Unfall, dann '90 die OP. Dann bin ich '90 das erste Mal bei dieser Mannschaft gewesen, Paraskie.
01:27:34: ,757 [Gerd] Dann habe ich '91 mit der Ausbildung begonnen als Techniker
01:27:41: ,928 [Gerd] und dann bin ich
01:27:43: ,988 [Gerd] in der Zeit,
01:27:45: ,368 [Gerd] dann war Albertville '92 und '93 war ich fertig mit der Ausbildung. Also genau da ist das Albertville, also mein, mein, meine ersten Paralympics reingefallen.
01:27:56: ,848 [Gerd] Und, äh, dann war ich fertig und dann hat die AEG damals sogar gesagt: „Jetzt machst gleich noch '93 fertig. Jetzt machst noch ein bisschen Pause,
01:28:06: ,668 [Gerd] äh, bis, bis, äh,
01:28:11: ,228 [Gerd] Lillehammer. Das war dann '94, da war der Rhythmuswechsel.
01:28:14: ,848 [Martina] Mhm.
01:28:14: ,928 [Gerd] Winter, Sommer, dass das immer alle zwei Jahre ist, abwechselnd. Und das war dann der Rhythmuswechsel. Deswegen war '92 Albertville, '94 Lillehammer und danach habe ich das Arbeiten angefangen.
01:28:24: ,748 [Martina] Als Techniker?
01:28:25: ,308 [Gerd] Als Techniker.
01:28:26: ,968 [Martina] Okay.
01:28:26: ,108 [Gerd] Da habe ich ganz normal gearbeitet, wieder meine vierzig Stunden, bis Salt Lake City. Und dann
01:28:33: ,768 [Gerd] hätte ich wahrscheinlich auch nicht den Job gekündigt. Also das war schon super. Ich habe, ich habe fünfunddreißig, äh, Tage Urlaub gehabt im Jahr und, und AEG hat mir noch mal fünfundzwanzig Tage extra bezahlten Urlaub gegeben-
01:28:46: ,778 [Martina] Cool.
01:28:46: ,628 [Gerd] als Sponsoring sozusagen.
01:28:48: ,548 [Martina] Okay.
01:28:49: ,808 [Gerd] Und, äh, das war natürlich schon mega. So hat das funktioniert. Aber ich sage mal so, wenn man dann noch mal
01:28:56: ,028 [Gerd] ein bisschen älter wird und dann kommt auch Familie weg oder, oder ...
01:29:00: ,768 [Gerd] Und dann Familie, Partner, Sport und Beruf und vor allem so einen
01:29:07: ,428 [Gerd] extrem aufwendigen Beruf wie Skifahren, wo du ja immer weg musst eigentlich. Immer reisen musst du, die Berge und das ganze Materialgeschleppe und was weiß ich was alles. Das ist schon, das ist schon aufwendig und, und das dann mit einem vier-vierzig-Stunden-Job zu kombinieren, ja, es war schwierig. Und dann war es aber so, dass die AEG damals verkauft wurde, also aufgesplittet dann einzelne Abteilungen sind verkauft worden und das war dann bei uns halt auch so und dann habe ich gedacht: „Hm,
01:29:39: ,968 [Gerd] ich will jetzt irgendwie den Sport noch machen, aber jetzt komme ich irgendwo anders hin oder keine Ahnung. Und dann habe ich gesagt: „Ah, jetzt traue ich mich mal. Ich traue jetzt mich
01:29:51: ,288 [Gerd] zu sagen, ich, ich gebe jetzt diesen sicheren Job auf
01:29:55: ,068 [Gerd] unter diesen Bedingungen
01:29:58: ,848 [Gerd] und weil ich Skifahren schon noch weitermachen wollte. Und das, das traue ich mich jetzt einfach. Und dann habe ich damals noch nebenbei, habe ich noch gewusst, ich kann in einem Sportgeschäft von einem Kumpel kann ich noch ein wenig arbeiten und dann mache ich mir das und dann schauen wir mal, was noch passiert. Aber ich traue mich jetzt einfach mal. Na ja, und das habe ich dann auch gemacht. Und durch das habe ich dann eigentlich ein wenig mehr Zeit gehabt für so kleine Sponsoren, die ich hatte, und dann bin ich da mehr oder weniger bei denen wieder hin und habe dann halt auch mehr Zeit gehabt, mich darum zu kümmern und dann ist halt auch wieder mehr daraus entstanden und mehr Unterstützung. Bin dann so ein wenig Art Betriebssportlehrer bei denen gewesen, habe mit denen Radtouren gemacht, bin im Winter Skifahren gegangen, habe Skikurse, was heißt Skikurse, aber ich habe halt mit denen Skifahren gegangen, habe ein wenig Tipps gegeben. Das fanden die super und dann habe ich mal ein Auto gekriegt, einen Bus, dass ich halt mobil war. Oder ja, also es hat sich dann auch alles so gegeben.
01:30:50: ,948 [Martina] Ja.
01:30:52: ,988 [Gerd] Ist auch manchmal ganz gut, wenn man es, wenn man manchmal auch die Zeit hat,
01:30:57: ,408 [Gerd] sich einfach ein wenig so das auf einen zukommen zu lassen und dann aber ... Entscheidend ist dann bloß, dass du-
01:31:04: ,008 [Martina] In dem Moment den Mut hast.
01:31:06: ,372 [Gerd] Acht-- Oder, äh, praktisch offen bist und auch das siehst, was da für Möglichkeiten jetzt entste-entstehen könnte. Das ist ja ganz wichtig, dass du ... Man muss da schon bei der Sache sein und: „Hey, wenn ich das also kombiniere-Da musst jetzt,
01:31:24: ,011 [Gerd] da musst jetzt mal aufpassen, weil das, da kann sich jetzt was ergeben und das, aber nicht erzwingen, aber einfach nur wegen so im Auge haben und dann auf einmal: Jawoll, zack.
01:31:33: ,992 [Martina] Cool.
01:31:33: ,752 [Gerd] Und das ist, äh, immer so.
01:31:34: ,632 [Martina] Und das hat dir dann zum Schluss eingebracht.
01:31:35: ,572 [Gerd] Das ist bis heute so.
01:31:36: ,672 [Martina] Ja.
01:31:36: ,431 [Gerd] Das ist immer, immer wieder tut sich eine Tür auf.
01:31:40: ,632 [Gerd] Aber man muss sie halt auch sehen, die Tür, gell?
01:31:42: ,852 [Martina] Man muss die Tür sehen und man muss vor allem auch dorthin gehen.
01:31:45: ,571 [Gerd] Man muss auch mal den Mut haben, reinzugehen.
01:31:48: ,992 [Martina] Die Tür aufzumachen, reinzugehen und vor allem auch, ähm, wenn du irgendwo anders stehst, dann du musst auch dich bewegen. Also musst schon auch ein bisschen was dafür tun. Also sprich, wie, wie schaut jetzt, wie schaut jetzt dein Leben aus? Also so, du bist ja Trainer, du trainierst Kinder mit, äh, mit Behinderung.
01:32:03: ,582 [Gerd] Genau, Landestrainer Bayern, wobei Bayern halt auch der einzige Landesverband ist, der da ein bisschen mehr macht.
01:32:10: ,032 [Martina] Mhm.
01:32:11: ,552 [Gerd] Die anderen sind da eher ein bisschen so.
01:32:12: ,892 [Martina] Mhm.
01:32:12: ,192 [Gerd] Eigentlich kommen die Kinder dann auch zu mir aus anderen Landesverbänden.
01:32:16: ,252 [Martina] Okay.
01:32:17: ,852 [Gerd] Und ja, das ist schon immer Suche nach der Hadel im Heuhaufen, Nadel im Heuhaufen, äh, die Kinder zu finden mit Handicap, die dann auch noch Rennen fahren wollen.
01:32:26: ,612 [Martina] Siehst du das gleich?
01:32:28: ,932 [Gerd] Ja, da sieht man schon schnell, ob jemand ein Talent hat. Aber ich, ich gebe auch und ich lasse das auch länger laufen, weil ich weiß, was das für die Kinder bedeutet und weil ich, weil ich da irgendwo einen Auftrag sehe, dass,
01:32:45: ,712 [Gerd] dass die da so viel mitnehmen
01:32:47: ,432 [Gerd] und das ist mehr wert als der Sport.
01:32:49: ,372 [Martina] Mhm.
01:32:50: ,122 [Gerd] Erfolg im Sport, das ist so. Und da habe ich auch die Unterstützung vom Verband, dass man das nicht immer gleich knallhart, äh, nach Leistung, sondern
01:33:02: ,192 [Gerd] bissl eine Chance geben und, und, und laufen lassen und irgendwann geht's dann halt auch nicht mehr, wenn's dann, wenn dann die Leistung nicht, aber dann haben sie schon so viel für ihr Leben, dass, dass die dann alle in ihren weit, zukünftigen Weg davon profitieren und das ist doch auch schön. Ist doch viel wichtiger als,
01:33:20: ,112 [Gerd] als sportliche Karriere oder so.
01:33:23: ,072 [Martina] Mhm.
01:33:24: ,372 [Gerd] Also das ist ...
01:33:25: ,052 [Martina] Die zweite Frage.
01:33:26: ,232 [Gerd] Das ist der eine Job und dann, und dann mache ich Vorträge. Also jetzt halt diese Geschichte, die ich jetzt gerade verpackt in 'ner Präsentation auch vor Firmen und, und, und versuche da immer, ich sage immer, ich will nicht gescheit daherreden. Ich weiß auch nicht immer genau, wie das Leben funktioniert, aber grundsätzlich ist es so: der Kopf, die Einstellung zum Leben,
01:33:46: ,552 [Gerd] wie ich mit Herausforderungen umgehe und, und da will ich die Leute eigentlich nur ein wenig inspirieren und ein wenig motivieren, dass sagen: „Hey, auch wenn's ein Problem gibt, es ist nicht das Ende.
01:33:58: ,192 [Gerd] Es geht weiter."
01:33:59: ,752 [Martina] Mhm.
01:33:59: ,512 [Gerd] Und es kann auch oftmals, wenn man's nicht glauben will, was richtig Cooles draus entstehen. Und da bin ich eigentlich ein gutes Beispiel, weil ich hätte auch niemals gedacht, dass, dass ich noch so viel erleben darf, dass ich so viel, dass ich ein glückliches Leben hab,
01:34:15: ,132 [Gerd] hätte ich damals ...
01:34:17: ,672 [Gerd] Und dass ich jetzt eine Familie hab, Kinder hab,
01:34:21: ,492 [Gerd] Sport machen kann, relativ frei bin in meinem Leben, äh, äh, mir ein wenig was leisten kann und, und, und einfach Spaß hab. Ist doch geil. Und da bin ich sehr dankbar dafür. Aber das zeigt, dass, und das auch mit so einem, mit so einem schweren Schicksalsschlag ist das, ist das möglich. Und, und deswegen sage ich immer:
01:34:44: ,052 [Gerd] Weitermachen, kämpfen, probieren, offen sein
01:34:50: ,312 [Gerd] und nicht gleich Nein sagen, geht nicht, das ist Schmarrn. Das war schon immer anders besser. Das ist ja wie im Beruf auch, da kommt jetzt was Neues. Wenn--
01:34:59: ,811 [Gerd] Veränderung, das ist ja so, das alles verändert sich wahnsinnig schnell. Und, und dann sage ich: „Macht es einfach mal, probiert es aus." Wenn's also ist, ist so, muss man's auch mal akzeptieren. Und wie oft haben wir schon gesagt: „Boah, Wahnsinn, was da eigentlich jetzt draus entstanden ist, gell? Hätte ich auch niemals gedacht, aber wenn wir das nicht so gemacht hätten, dann wäre das auch nicht gewesen. Und dann, dann wären wir ja noch
01:35:22: ,302 [Gerd] im Sankt-Niemands-Land.
01:35:24: ,272 [Martina] Das ist halt aber eine Steilvorlage, weil du mir heute in der Früh beim Frühstück erzählt hast,
01:35:29: ,172 [Martina] dass du ja eigentlich so unfassbar viele Ideen hättest für die sozialen Medien.
01:35:34: ,092 [Martina] Ja, dass das dir ...
01:35:35: ,971 [Gerd] Und ich bin aber so unglaublich faul, anzufangen.
01:35:37: ,872 [Martina] Ja, und vor allem die Komfortzone.
01:35:38: ,911 [Gerd] Das ist zum Beispiel eine Schwäche. Denke ich mir: „Ach Gott, ja [stöhnt] neun Uhr morgen, ich bin dann ...
01:35:43: ,842 [Martina] Ich hätte da einen ganz talentierten, äh, Filmer und, äh, Schneider und überhaupt. Ähm, aber wie, da haben wir ja gerade so ein bisschen out of your comfort zone, so ein bisschen, ja, Sachen zu machen. Und dann hast du mir da heute in der Früh so erzählt
01:36:00: ,192 [Martina] und ich habe mir nur gedacht: „Was für ein absoluter No-Brainer." Das,
01:36:04: ,072 [Martina] ich muss dir ganz ehrlich sagen, die Paralympics, ne, schaue ich höchstwahrscheinlich nicht so viel. Wobei ich habe die normale Olympiade auch nicht viel angeschaut, aber weil ich sowieso mit dieser ganzen Punktenummer und weil ich's einfach sowieso nicht weiß, wie das jetzt abläuft, äh, welche Behinderung jetzt da mit reinspielt und so weiter und so fort. Und dann hast du gesagt, ich hätte eigentlich 'n
01:36:29: ,162 [Martina] Reel machen sollen.
01:36:30: ,952 [Gerd] Ja, zwanzig hätte ich machen sollen.
01:36:30: ,322 [Martina] Oder tausend, ja zwanzig verschiedene Reels.
01:36:32: ,352 [Gerd] Einfach immer wieder über erklären, den Sport erklären.
01:36:35: ,551 [Martina] Ja, Sensationsidee.
01:36:36: ,192 [Gerd] Das ist mir nach den Spielen ist mir das eingefallen.
01:36:39: ,962 [Martina] Ja gut, aber fürs nächste Mal weißt du's auf jeden Fall. Das weißt du fürs nächste Mal.
01:36:41: ,732 [Gerd] Weil, weil's wirklich, weil ich wirklich viel drüber erzählen kann.
01:36:45: ,172 [Martina] Ja.
01:36:46: ,722 [Gerd] Und, und seit vierzig Jahren ist jetzt eigentlich schon gemacht.
01:36:48: ,551 [Martina] Und dann hast du gesagt ...
01:36:49: ,812 [Gerd] Oder nicht ganz, sechsunddreißig. [lacht]
01:36:51: ,412 [Martina] Wie du auch schon, dann hast du erzählt, für Schlaganfallpatienten, ähm ...
01:36:56: ,431 [Gerd] Ja, weil die halt auch ...
01:36:57: ,332 [Martina] Wie mache ich mir mit zwei Finger oder mit, äh, behinderten Hand oder einer eingeschränkten Hand einen Skistiefel zu? Ich mein, da ...
01:37:04: ,232 [Gerd] Oder, äh, äh, äh, einen Reißverschluss bei der Jacke.
01:37:07: ,532 [Martina] Aber das sind doch ...
01:37:08: ,212 [Gerd] So einfache Dinge, wo ich halt einfach mache und, und ja, das werde ich jetzt mal vielleicht angehen.
01:37:13: ,662 [Martina] Das solltest du wirklich angehen, weil da kann ich dir jetzt versprechen, da ergibt sich dann auch wieder oder ergeben sich wieder tolle Sachen, ja. Also um die sozialen Medien kommen wir tatsächlich auch nicht so zurück, äh, nicht drumrum.
01:37:27: ,472 [Gerd] Drumherum, ja.
01:37:28: ,464 [Martina] Also deswegen, ähm ...Es macht auch Spaß tatsächlich. Ja, wir machen das ja mittlerweile wirklich viel auch und ich bin da ja auch letztendlich in einer Nische drin mit der ganzen Golfsache und, ähm, da ist definitiv in so Nischengeschichten auch mal Bedarf da. Ja, also Motivation von meiner Seite, es macht auch Spaß. Du brauchst da bloß jemanden, so wie ich meinen Herzensmenschen Thomas habe, der mir da so extrem unter die Arme greift. Kamerti auch, ja.
01:37:53: ,614 [Gerd] Unter einem Arm.
01:37:54: ,204 [Martina] Unter einem Arm, genau. Jetzt bin ich jetzt-
01:37:56: ,504 [Gerd] Das war eigentlich von mir eine Geste. [lacht]
01:37:57: ,224 [Martina] Ich wollte gerade sagen, das war jetzt, jetzt habe ich gedacht, jetzt haue ich mal den Gerd raus. Ähm, genau. Ansonsten, wir haben ja jetzt eigentlich schon über so viel gesprochen, aber die zweite Frage, die hast du mir gar nicht oder vorher die Frage hast du mir gar nicht beantwortet: Wie schaut denn jetzt so dein Tag aus?
01:38:13: ,684 [Gerd] Ach so.
01:38:13: ,414 [Martina] Wie schaut denn jetzt so dein Leben, wie gestaltest du das, ja? Also halt Trainer, dann hältst du Vorträge. Ähm, du hast zwei Kinder, eine haben wir vorher gesagt, deine Tochter achtzehn, Sohn sechzehn,
01:38:25: ,974 [Martina] äh, wird gerne auf Trab halten. Deine Frau ist selbstständig in der Logopädie.
01:38:29: ,024 [Gerd] Es ist immer irgendwas.
01:38:31: ,244 [Martina] Immer was. Hast du, hast du viel mit deinen Sponsoren zu tun? Hast du, machst du da viel? Gestern warst du beim Bayernspiel in der Adidas Audi Arena.
01:38:39: ,744 [Gerd] Ja, da habe ich immer wieder Kontakt. Da, da gibt's wieder Fahrtraining für Menschen mit Behinderung. Bin ein bisschen in der Politik. Was heißt Politik? Ich versuche, mein direktes Umfeld ein bisschen zu ...
01:38:50: ,384 [Martina] Du hast mir vorher erzählt, du hättest Bürgermeister werden können.
01:38:52: ,404 [Gerd] Ja, ich glaube, aber nein.
01:38:53: ,044 [Martina] Ja, das wäre doch stark gewesen.
01:38:55: ,284 [Gerd] Nein, nein, nein, nein, Bürgermeister ist nicht mehr so. Da wäre ich zu,
01:38:59: ,604 [Gerd] da hätte ich mich zu sehr verbiegen müssen.
01:39:01: ,824 [Martina] Aber da hättest du wenigstens auch wieder, da darfst du sagen, was du denkst.
01:39:04: ,604 [Gerd] Ja, aber-
01:39:05: ,104 [Martina] Wobei man ja immer auch nicht-
01:39:06: ,364 [Gerd] Ob du dann wieder gewählt wirst, wenn du sagst, was du denkst, das kannst du vergessen. Äh, aber ich bin im Gemeinderat, da kann man sein direktes Umfeld ein bisschen mit beeinflussen. Das macht schon Spaß. Äh, und dann bin ich noch im Kreistag. Bin ich schon seit sechzehn Jahren auch. Wahnsinn eigentlich.
01:39:20: ,244 [Martina] Aber kann man was bewegen?
01:39:22: ,864 [Gerd] Ja, man kann schon mithelfen. Man kann ein paar so Ideen mit einbringen. Das machen schon die Bürgermeister, Kreistagskollegen, die sind da schon diejenigen, die am Ball sind, also die, die halt im Tagtäglichen da-
01:39:34: ,563 [Martina] Aber wenn du jetzt politisch wirklich was verändern könntest, was wäre denn das? Oder gäb's was?
01:39:41: ,404 [Gerd] Ja, du, also da ist die, der, der, der Spielraum schon nicht groß, weil es fallen ja überall die Mittel da zu kreativen Sachen. Also du kannst ja nur ein bissl, du musst ja da, da muss man sich vorstellen, das ist so sehr viel Infrastruktur, einfach
01:39:57: ,844 [Gerd] Straßen, ÖPNV, Schule, Kreismusikschule, was weiß der Kuckuck, was alles, was da alles, wo die Gelder hingehen. Das ist, und dann kommen neue und dann kommt die AfD daher und sagt: „Wir würden das alles ganz anders machen." Und wenn sie's dann mal machen müssen, da bin ich jetzt mal gespannt,
01:40:15: ,744 [Gerd] dann werden sie erst mal sehen: „Ach, so ist das. Das geht ja gar nicht, weil wir haben ja gar nichts und das müssen wir ja machen", weil ohne Wasser, ohne Straßen, ohne Busverbindungen, ohne Zug und bla, bla. Da wird's dann schwierig. Und das kostet so viel Geld, dass für den Rest nichts mehr übrig bleibt. Und dann heißt's ja: „Und dann tun wir die weg und die weg." Ja, wer macht dann das? Also das ist alles, wenn man mal den Einblick hat,
01:40:40: ,404 [Gerd] dann,
01:40:41: ,164 [Gerd] dann wird's noch, noch, wie soll ich sagen, unverständlicher, dass manche Forderungen stellen, wo, wo einfach, wo man weiß,
01:40:50: ,644 [Gerd] leicht geredet, aber die Realität schaut ganz anders aus.
01:40:53: ,404 [Martina] Ja.
01:40:54: ,664 [Gerd] Und deswegen, ja, sollen ruhig mal in die Verantwortung kommen, ruhig mal was machen, weil da machen sie's nämlich relativ ähnlich, weil's nicht viel Möglichkeiten gibt.
01:41:02: ,824 [Martina] Ja, ja, was mich wieder dann zu trifft.
01:41:04: ,884 [Gerd] Und das ist eigentlich das, was mich dann auch wieder ... Du hast nicht so die Freiräume, dass du da so viel Kreatives,
01:41:11: ,424 [Gerd] weißt du, dass du irgendwelche ... Ich setze mich schon gern ein, wenn's um Jugend geht und dass Möglichkeiten geschaffen werden und, und das Wichtigste ist letztendlich immer die Wirtschaft, dass die Arbeitsplätze da sind, dass die Leute gern arbeiten, dass sie, und dann geht auch was vorwärts und dann, das ist ja ganz Deutschland das Gleiche. Es muss vorwärtsgehen und dann können wir uns auch was leisten. Aber wenn wir die Wirtschaft abschaffen, dann brauchen wir auch keinen Umweltschutz betreiben,
01:41:36: ,124 [Gerd] weil dann haben wir kein Geld dafür.
01:41:38: ,244 [Martina] Genau, das sagt man halt.
01:41:40: ,484 [Gerd] Das ist eine ganz einfache Geschichte. Und das ist so Thema und dann, und dann bin ich unterwegs und dann will ich, dann will ich meinen Instagram-Kanal in die höh-höhen Schnellen lassen.
01:41:52: ,654 [Gerd] Und dann
01:41:54: ,084 [Gerd] muss man auch sagen, wie ich schon vorhin gesagt habe, man muss auch auf seinen Körper schauen und auf seinen Körper hören. Man wird älter und da muss man auch ein wenig mehr dafür tun. Das muss man ja auch unterbringen am Tag und, und so weiter und so weiter.
01:42:06: ,484 [Martina] Ja, ja, hat man ja jetzt mal auch noch.
01:42:07: ,864 [Gerd] Und auch Familie und auch Freunde, diese Freundschaften pflegen, gehört auch dazu,
01:42:13: ,283 [Gerd] weil das sind die, die wichtig sind, wenn's mal schlecht läuft.
01:42:17: ,804 [Martina] Wenn's dann hinten raus, ganz genau.
01:42:18: ,814 [Gerd] Genau.
01:42:18: ,924 [Martina] Ja, das war damals ja schon-
01:42:19: ,744 [Gerd] Und da muss man auch, äh, sich Zeit nehmen. Und das sind schon viele Punkte.
01:42:27: ,244 [Gerd] Und eben einmal hier und heute genießen.
01:42:31: ,283 [Martina] Sehr gut. Es wäre, es wäre, wir sind noch nicht ganz zu Ende. Es wäre-
01:42:34: ,204 [Gerd] Ach, es kommt noch. Das war noch nicht das Schlusswort.
01:42:36: ,604 [Martina] Nein, aber hast, hast schon fast schön eingeleitet. Noch ein paar Minuten, ähm, halten die Batterien der Kameras auch noch. Und zwar, ähm, wollte ich, weil du auch gerade gesagt hast, ähm, du engagierst dich tatsächlich auch für die Jugend, auch was das Politische betrifft. Wir zwei sind ja auch bei den Peak Performern in der Stiftung.
01:42:53: ,684 [Martina] Äh, war ja jetzt auch letzte, letztes Mal die Magdalena da, unsere Schirmherrin. Und, ähm, was hat dich jetzt so bewegt? Die Magdalena hat so ein bisschen erzählt, ähm, was sie eigentlich bewegt hat, diese Schirmherrschaft zu übernehmen und was ihr an dieser Idee, die Freude am Leisten der Kinder zu, wieder zu fördern. Ähm, erzähl mal, oder was heißt erzähl mal, deine Meinung zur,
01:43:19: ,163 [Martina] ja, die Jugend, diese Freude am Leisten, dass man tatsächlich da wieder was machen muss.
01:43:28: ,544 [Martina] Deine Idee hinter diesem Engagement in dieser Stiftung.
01:43:31: ,332 [Gerd] Ja, dass das notwendig ist, das, das, äh,
01:43:35: ,032 [Gerd] das kriegen wir ja ta-tagtäglich mit. Also ich meine, das hat sich halt verändert, aber wir sind ja selber schuld. Also das ist ja ein gesellschaftliches Problem. Das ist ja nicht bloß die Kinder, sondern alle. Alles ist irgendwie, weil's uns so gut ging, ist schon vieles auf der Strecke geblieben. Sich anzustrengen, um was zu erreichen,
01:43:56: ,832 [Gerd] das, das ist ja nicht mehr so. Früher, da-
01:43:59: ,592 [Martina] Ja, das stimmt.
01:44:00: ,032 [Gerd] Wir hatten einfach viel weniger und, und, und, und wenn du dich aber angestrengt hast, dann hast du was erreichen können. Und, und das ist nicht mehr so der, der Schritt. Weil man hat eh schon das Grundlegendste, das hat jeder.
01:44:13: ,242 [Martina] Mhm.
01:44:13: ,712 [Gerd] Fast.
01:44:13: ,682 [Martina] Mhm.
01:44:14: ,772 [Gerd] Wenn man ehrlich ist. Manche schimpfen ja trotzdem, äh, und, und, und jammern rum, aber eigentlich haben sie ja so viel. Aber sie würden halt dann auch noch gern, weil sie sehen, die andere ist ja nur im Urlaub oder der, der fährt da und dorthin und, und, und das ist ja ungerecht ungefähr und warum habe ich das nicht? Ja, da muss man halt mal was tun. Also das ist ja dann noch obendrauf. Aber es ist schon Wahnsinn, was wir alles haben. Und wir haben,
01:44:36: ,512 [Gerd] wenn ich bloß
01:44:37: ,932 [Gerd] in Urlaub fahren oder, äh, Sportausrüstung oder ein Handy zu haben oder, oder was weiß ich. Jeder, fast jeder hat da viel. Klar gibt's Ausnahmen, tun wir nicht. Also es gibt auch viele, die-
01:44:49: ,472 [Martina] Die das nicht haben.
01:44:50: ,052 [Gerd] Die haben wirklich, die kratzen wirklich am, am Nötigsten. Also weil halt auch Miete teuer geworden ist und, und die ganzen Themen. Aber trotzdem immer noch ein hohes Niveau insgesamt. Also insgesamt ist es ein sehr hohes Niveau und da ist der Anreiz, sich mal anzustrengen,
01:45:06: ,132 [Gerd] unbequeme Sachen zu machen und dann was zu leisten, ist halt nicht mehr ganz so
01:45:14: ,052 [Gerd] hip.
01:45:15: ,962 [Martina] Nein, also ist wirklich nicht hip.
01:45:15: ,432 [Gerd] Schwierig.
01:45:16: ,412 [Martina] Und ich, ich sehe das selber meine Töchter, ich sag's dir, äh, ich, ich alleine immer der Gedanke, dass ich sage: „Jetzt pass auf, ihr, ihr legt jetzt die Wäsche zusammen, ihr räumt die Spülmaschine aus und so weiter und so fort. Ihr wollt's ja auch ständig die ganze Zeit irgendwas haben." Ja, aber ich sag: „Da müsst ihr jetzt auch einmal was dafür tun."
01:45:33: ,492 [Gerd] Genau.
01:45:33: ,571 [Martina] Ich sag: „Ich bin ja, bei mir steht nicht auf den Hirn geschrieben, dass ich alles-
01:45:36: ,331 [Gerd] Ja, und das kann man denen schon erklären, aber das ist insgesamt, wenn das andere wieder, weißt schon, das muss der auch nicht und der muss das auch.
01:45:44: ,871 [Martina] Ja, ja.
01:45:46: ,232 [Gerd] Egal. Und dann, dann legst du dich da mit den Kindern an. Also du tust dich einfach schwer.
01:45:51: ,692 [Martina] Ja.
01:45:51: ,111 [Gerd] Weil die Gesellschaft und da haben wir sie leider alle dazu hingebracht, dass ... Uns ging's ja wahnsinnig gut. Es ging ja seit die, also wir sind in einem Alter, da ging's ja nur bergauf.
01:46:01: ,772 [Martina] Ja.
01:46:01: ,232 [Gerd] Und jetzt kommt langsam mal so ein Punkt, es könnte mal sich verändern und ich glaube, wenn sich, es muss scheinbar, also es ist ja insgesamt so, der Mensch lernt ja nur nachhaltig durch Katastrophen. Also nachhaltig lernt er nur durch Katastrophen und vielleicht fehlt die Katastrophe.
01:46:19: ,992 [Martina] Hoffen wir's nicht.
01:46:19: ,052 [Gerd] Also das will ja keiner, aber ja, aber ich sehe es irgendwie schon als Riesenproblem. Äh, aber es ist ja nicht so, dass die Kinder das nicht wollen. Also man muss sie vielleicht nur anders motivieren, weil die, die, die, die können schon was leisten.
01:46:35: ,912 [Martina] Ja, absolut.
01:46:35: ,232 [Gerd] Also die sind sogar sehr fit.
01:46:37: ,412 [Martina] Ja.
01:46:38: ,861 [Gerd] Wie sie so denken. Sie sind ja teilweise weiter wie wir in dem Alter waren.
01:46:41: ,891 [Martina] Ja.
01:46:41: ,652 [Gerd] Aber, aber die muss man anders dazu, dazu bewegen. Aber es ist halt schon, früher hat man irgendwie eine Vision gehabt und man hat gesagt, ich möchte mal das und das erreichen und dann möchte ich mal vielleicht ein Haus haben oder eine Wohnung und, und vielleicht Auto oder dies und dann kann ich das machen und dann kann ich das machen.
01:47:03: ,572 [Gerd] Und jetzt ist das irgendwie so teilweise utopisch. Ein Haus,
01:47:08: ,312 [Gerd] das ist ja Wahnsinn-
01:47:09: ,072 [Martina] Ganz normal.
01:47:10: ,762 [Gerd] Was das kostet.
01:47:10: ,081 [Martina] Also das ja auch, ja okay.
01:47:12: ,172 [Gerd] Also entweder hat man's.
01:47:13: ,672 [Martina] Ja.
01:47:13: ,891 [Gerd] Oder wenn man's nicht hat-
01:47:14: ,332 [Martina] Dann ist...
01:47:15: ,352 [Gerd] Ist das so weit weg mit einem normalen Job, ein Haus, also ich, ich rede jetzt mal ein Haus zu bauen, einigermaßen Ding, bist du ja unter fünfhundert, also eine halbe Million Euro gar nicht dran zu denken. Mit Grund bist du ja, also eher schon in die andere Richtung. Also Wahnsinn. Und das auf einem legalen Weg irgendwie zu schaffen, ist schon sehr schwer.
01:47:34: ,992 [Martina] Sehr schwer, ja.
01:47:34: ,012 [Gerd] Und dann sagen die halt einfach: „Ha, dann hau ich das einfach. In Urlaub will ich auch noch fahren und ich will mir die Welt anschauen." Und ich sage: „Ja, das macht man ja heutzutage so." Äh.
01:47:45: ,772 [Martina] Auszeit, Sabbatical, alles irgendwie.
01:47:46: ,372 [Gerd] Ja, und, und genießen und genießen und, und nicht, ja, und wenn du jetzt mehr arbeitest, dann kannst du dir das vielleicht noch eher leisten. Aber dann haben wir weniger Zeit, um die anderen Dinge zu machen. Also das hat sich ja komplett verschoben.
01:47:59: ,992 [Martina] Ja, das stimmt.
01:47:59: ,412 [Gerd] Und das, das wieder aus den Köpfen rauszubringen, das ist gar nicht so un-- Ich meine, es ist ja okay.
01:48:06: ,751 [Martina] Und da setzen wir-
01:48:06: ,092 [Gerd] Aber irgendwer muss ja die Arbeit machen zum Schluss.
01:48:09: ,012 [Martina] Ja. Und da setzen wir bei die Pink Performance einfach bei die Kinder.
01:48:13: ,702 [Gerd] Dass es, dass es ihnen Spaß macht, sich einzusetzen, dass es ihnen Spaß macht, mal diesen, diesen Komfortbereich zu verlassen und, und, und, und
01:48:24: ,232 [Gerd] das Spaß macht, sich zu quälen.
01:48:27: ,792 [Gerd] Als Sportler kennt man das eigentlich.
01:48:29: ,712 [Martina] Ja.
01:48:30: ,712 [Gerd] Aber ich sage auch, wenn ich,
01:48:32: ,742 [Gerd] äh, äh, äh, äh,
01:48:33: ,292 [Gerd] Intervalltraining gemacht habe, weil das halt so Radtraining ist bei uns schon ziemlich angesagt und da musst du halt radeln bis zum Übergeben fast schon.
01:48:43: ,772 [Gerd] Und, und das trainierst du ja auch und, und, und fährst noch mal den Berg hoch, volle Kanone, bis dir schwindelig wird.
01:48:50: ,892 [Gerd] Und das ist einerseits Quälerei, andererseits weißt du genau, warum du das machst.
01:48:57: ,932 [Gerd] Und wenn es mal Klick gemacht hat, dass das dir auch was bringt und dass du wahrscheinlich jetzt besser bist wie der andere. Du hast ja deine Konkurrenten so im Virtuell immer bei dir. Also das, also ich hatte das immer, weil ich immer dachte: „Oh, ich kann kotzen, igitt. Eigentlich möchte ich absteigen", aber dann ist er neben mir gefahren, so der Schweizer, der Österreicher, [lacht] was auch immer. Hab ich gesagt: „Der steigt jetzt garantiert ab. Ich steige nicht ab. Ich steige nicht ab. Und wenn's das Letzte ist, was ich tue." Also das hat mir schon Motivation gegeben.
01:49:26: ,012 [Martina] Ja.
01:49:27: ,028 [Gerd] Und, und das muss man den Kindern ein bisschen so: Wenn du da ein wenig mehr machst-Dann kannst du, dann bist du weiter vorn und, und dann macht's Spaß.
01:49:36: ,388 [Martina] Ja.
01:49:36: ,808 [Gerd] Und dann überträgt sich das auch wieder auf die anderen und, und da muss man die Kinder hinbringen und-
01:49:40: ,727 [Martina] Na, ich glaub, da haben wir alle einen Auftrag. Äh, als-
01:49:42: ,918 [Gerd] Das ist aber a Flächendecken.
01:49:43: ,948 [Martina] Ja, ich wollt grad sagen.
01:49:43: ,908 [Gerd] Und das Peak Performer ist ja nur eine Idee, das unter die Leute zu bringen. Und da ist es halt für mich auch ganz wichtig, dass das auch grade die Kinder
01:49:54: ,828 [Gerd] sich anmelden können, die's, die's noch mehr nötig haben. Weil
01:49:59: ,028 [Gerd] das hat mich ein wenig gestört am Anfang, dass es immer so die Leute waren, die, die halt die Eltern sich drum kümmern.
01:50:06: ,688 [Gerd] Aber es gibt ja wahnsinnig viel Kinder, da Kinder kümmern sich die Eltern halt überhaupt nicht.
01:50:09: ,288 [Martina] Gar nicht.
01:50:10: ,828 [Gerd] Nullo.
01:50:10: ,108 [Martina] Ja.
01:50:11: ,708 [Gerd] Und die melden sich dann auch da nicht an.
01:50:12: ,248 [Martina] Mhm, klar.
01:50:13: ,048 [Gerd] Und das ist das.
01:50:14: ,328 [Martina] Ja.
01:50:14: ,708 [Gerd] Deswegen möcht ich-- Das wär schon mein Ziel, dass man dann noch mehr die Kinder auch erwischt,
01:50:19: ,948 [Gerd] die ein wenig vernachlässigt werden.
01:50:22: ,908 [Martina] Wir haben ja-
01:50:23: ,068 [Gerd] Weil die können auch was leisten.
01:50:25: ,968 [Martina] Paar Camps dieses Jahr. Also in dem Sinn, wenn man das auch sieht und hört, unseren Podcast, Peak Performer Stiftung. Einfach mal im Internet auch schauen, da sind-
01:50:33: ,728 [Gerd] Grundsätzlich eine super Sache.
01:50:35: ,408 [Martina] Wirklich 'ne coole Sache, ja. Und vor allem wir Sportler engagieren uns da auch wirklich persönlich bei den Camps. Zwar nicht bei allen immer, aber-
01:50:42: ,588 [Gerd] Ja, das ist immer so 'n Problem, wenn wir die Zeit dann haben, an, an, wenn man eh schon vielen-
01:50:46: ,388 [Martina] Und wir haben ein Golfevent.
01:50:47: ,988 [Gerd] So 'n tollen vollen Terminkalender hat, aber irgendjemand ist ja immer dabei und das Netzwerk wird ja immer größer.
01:50:53: ,528 [Martina] Genau.
01:50:54: ,308 [Gerd] Ja.
01:50:55: ,968 [Martina] So, mein Lieber, bevor die Batterien ausgehen der Kameras, gibt es zum Schluss unseres, unsern schönes, unserem, von unserem Ratsch, würd ich mal sagen, ähm, die schnellen neun. Ganz einfach aus dem Grund, weil da bissl was von meinem Golf auch, äh, von meinem Sport auch einfließenderweise-
01:51:10: ,647 [Gerd] Neun Loch.
01:51:11: ,328 [Martina] Schnelle neun Loch. Und, äh, wenn man schnelle neun Loch spielt, dann ist auch kein groß drum rum üben, sondern kurze, prägnante Antworten.
01:51:20: ,688 [Martina] Ja. Also Frage eins.
01:51:21: ,608 [Gerd] Kornmauer schneidend. [lacht]
01:51:23: ,288 [Martina] Diese, diese schnellen neun sind übrigens sehr, sehr ähnlich immer mit den anderen Gästen. Deswegen kann man das auch mal supergut vergleichen.
01:51:30: ,428 [Gerd] Die Quick nine.
01:51:32: ,068 [Martina] Die erste Frage: Gibt es etwas, das du bereust
01:51:37: ,738 [Martina] in deinem Leben,
01:51:38: ,068 [Martina] außer dass du damals beim Zug mich losgelassen hast?
01:51:42: ,108 [Gerd] Ich hab ja losgelassen letztendlich.
01:51:44: ,098 [Martina] Letztendlich.
01:51:45: ,128 [Gerd] Ja.
01:51:45: ,827 [Martina] Aber eigentlich hättest du es früher loslassen müssen, gell?
01:51:47: ,248 [Gerd] Nicht einmal das. Also das bereue ich natürlich, hätte ich schon gern zwei Arme, aber wenn ich schaue, was draus entstanden ist, ich würde mein Leben jetzt nicht für zwei Arme eintauschen.
01:51:57: ,128 [Martina] Wahnsinn, ja, mhm. Mhm.
01:52:00: ,308 [Gerd] Es geht auch ganz gut so.
01:52:01: ,848 [Martina] Ja. Aber gibt's irgendwas, was du sagst: „Ah, das tat ich gern."
01:52:05: ,548 [Gerd] Ja, aber das sind ja auch Erfahrungen, die muss man auch machen. Und wenn man die nicht, wenn man das anders gemacht hätte, dann hätte man die Erfahrung nicht gemacht, also.
01:52:13: ,448 [Martina] No regrets.
01:52:14: ,638 [Gerd] Nein.
01:52:15: ,248 [Gerd] Nicht, nicht, nicht, nicht irgendwas Großartiges.
01:52:19: ,848 [Gerd] Es geht immer irgendwie weiter und es, es, alles hat so irgendwo seinen Sinn.
01:52:24: ,107 [Gerd] Auch die schlechten Erfahrungen.
01:52:26: ,048 [Martina] Wenn du die Zeit als Vater zurückdrehen würdest, gäb's da was, was du anders machen würdest?
01:52:33: ,628 [Gerd] Mhm.
01:52:33: ,348 [Martina] Nachdem jetzt die Aussage war, dass alles, sagen, passt, wie's gelaufen ist.
01:52:38: ,808 [Gerd] Ich hab schon viel, ich hab schon viel versucht, viel, äh, dort, also, äh, äh, sich viel Zeit zu nehmen für die Kinder. Ähm,
01:52:47: ,948 [Gerd] so gut es immer ging,
01:52:50: ,278 [Gerd] hätt immer vielleicht noch mehr sein können, aber ich glaub, ich hab's schon genossen. Aber trotzdem, wenn man zurückdenkt, denkt man: „Wo ist die Zeit hingekommen?"
01:52:57: ,648 [Martina] Wahnsinn, gell.
01:52:57: ,598 [Gerd] Das ist trotzdem so.
01:52:58: ,658 [Martina] Ja.
01:52:58: ,048 [Gerd] Auch wenn man sich viel damit beschäftigt hat, aber jetzt sind sie jetzt groß und erwachsen und, und, und, und, und, und
01:53:07: ,648 [Gerd] dann denkst du: „Wo sind jetzt die letzten zwanzig Jahr gewesen?" Und trotzdem, kann mich nicht mehr erinnern, wie das wickeln war. Ich hab ja auch die Kinder gewickelt. Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wie war denn das? Und irgendwie-
01:53:15: ,228 [Martina] Nein, ich kann das schon.
01:53:16: ,808 [Gerd] Doch, ich kann mich schon noch erinnern. Ich hab dann mit die Füße am Boden hingekriegt.
01:53:19: ,348 [Martina] Ja, ja, natürlich.
01:53:20: ,508 [Gerd] Also war schon, ging auch, kein Problem. Aber schon wieder so lang her, Wahnsinn. Und was dazwischen schon wieder alles war. Also es ist ... Aber nee, passt schon. Hauptsache, Sie haben ein gutes Verhältnis zu, zu den Eltern und, und passt.
01:53:35: ,188 [Martina] Dann was geworden.
01:53:37: ,888 [Martina] Im Sport. Hast du mal was, äh, wo du sagst, erlebt, wo du sagst, das war mit diesem, ich mag das Wort Fehler an sich nicht, ja, aber das ist mir im Sport beim Skifahren passiert und genau aus dem Grund bin ich dann noch mal so viel besser geworden. So 'n, so 'n Learning-Fehler.
01:53:56: ,308 [Gerd] Das waren schon die Niederlagen, auf jeden Fall. Also
01:54:01: ,608 [Gerd] grad am Anfang hab ich schon immer nur gedacht: „Ah, bist schon gut", und Ding. Und dann hast du immer wieder nur eine für, für die Mütze gekriegt. Und-
01:54:08: ,468 [Martina] Deine Top drei Niederlagen?
01:54:10: ,038 [Gerd] Oh, Top drei. Boah, das waren, war halt im Weltcup, wo ich einfach-- Das war oft auch noch grad die Technikumstellung von diesen Spaghettiskiern da, äh, äh-
01:54:19: ,728 [Martina] Die Lappen.
01:54:19: ,648 [Gerd] Ja, zu den Pommes, äh, zu die, die Karver. Äh, da, da, da, das musst du auch erst lernen. Und da waren halt manche schon ein wenig weiter und, und, aber irgendwann hat's dann Klick gemacht und ich hab-- Und, und dann ir-irgendwann hat's dann Klick gemacht, wo ich gemerkt hab, wenn ich körperlich noch mehr
01:54:39: ,948 [Gerd] fit bin und noch mehr da, äh, mich übers Jahr hin quäle, das zahlt sich dann im Winter aus und, und genauso war's dann eigentlich. Und das, das muss man einfach irgendwann mal erkennen. Und deswegen ist-- Aber es ist so schwer, das auf andere zu übertragen. Das muss man ja erlebt haben,
01:54:57: ,468 [Gerd] weil sonst glaubst du die nicht. Die, die glaubst du einfach nicht und da könnt ich narrisch werden. Wenn ich sag: „Mach nur, mach das und mach das und dann wirst du sehen."
01:55:05: ,068 [Martina] Ja, aber wenn man dir nicht glaubt, wem denn sonst?
01:55:07: ,388 [Gerd] Ja, aber trotzdem, die, das ist diese Bequemlichkeit manchmal. Reicht ja vielleicht so. Denk ich mir.
01:55:13: ,828 [Martina] Nein, also ich-
01:55:13: ,968 [Gerd] Hol das Letzte raus.
01:55:14: ,467 [Martina] Ich, ich würd dir definitiv als Sportler schon glauben.
01:55:16: ,338 [Gerd] Du würdst mir glauben. Okay.
01:55:17: ,088 [Martina] Ich würd dir schon glauben.
01:55:18: ,478 [Gerd] Ja, es gibt auch viele, die mir glauben.
01:55:19: ,148 [Martina] Nutzt das jetzt nicht aus, gell?
01:55:21: ,032 [Martina] Jetzt ist das natürlich auch, wenn du so große Events hast, also ich hab's ja vorher schon einmal erwähnt, zweiundzwanzig Medaillen Paralympics, viel Tumult, immer viel Trouble außen rum. Gab's für dich ein Werkzeug, also so ein mentales Tool, dass du dich quasi so bis in diesen Tunnel gebracht hast, wo du gesagt hast: „Jetzt sehe ich nichts mehr außen rum." Ich mein, ganz ehrlich, äh, du hast bei deinem letzten Rennen auch noch deine schwangere Frau im Hinterkopf gehabt, dass jeden Moment kann's so weit sein und so weiter. Hattest du ein Tool, wo du sagst-Durch, wenn ich das gemacht hab, da war ich im Tunnel und hab alles andere ausblenden können.
01:55:55: ,172 [Gerd] Das ist, kann man nicht so als Werkzeug bezeichnen, sondern das ist einfach nur Erfahrung. Das ist so, ist ein Ritual natürlich, wie du was machst und wenn du weißt, das funktioniert, machst du's wieder und dann tust du's vielleicht noch ein wenig verfeinern und, und das ist, wie gehen wir dann auf so ein Rennen? Also gewiss, grundsätzlich ist, ist es wichtig, dass du eine gewisse Lockerheit hast.
01:56:18: ,152 [Gerd] Also du kannst nichts erzwingen. Du musst, du brauchst eine gewisse Lockerheit, aber die kannst du ja nur haben, wenn du gut vorbereitet bist.
01:56:26: ,392 [Martina] Mhm.
01:56:26: ,482 [Gerd] Also das heißt wieder, du musst dich top vorbereiten, dann kannst du auch diese Lockerheit an den Tag legen. Das ist wie in der Schulprüfung. Wenn ich nichts gelernt hab, dann kann ich nicht locker sein. Wenn ich aber alles gemacht hab und wenn ich gut vorbereitet bin, dann sage ich: "Ey, ruhig bleiben, das, das ist ja auch kein Hexenwerk." Also es wird dann-
01:56:42: ,892 [Martina] Das war eben so.
01:56:42: ,792 [Gerd] Das wird dann schon laufen.
01:56:43: ,812 [Martina] Ja.
01:56:43: ,492 [Gerd] Und da ist beim Sport ist das genauso.
01:56:46: ,392 [Gerd] Ich meine, ich hab dann noch den, oder ich wusste, ich bin einer, der im Wettkampf noch einen drauflegen kann. Also ich bin eher so-
01:56:53: ,551 [Martina] Warum?
01:56:54: ,571 [Gerd] Weil das einfach dann der Ehrgeiz ist und dieses, ah, jetzt und jetzt läuft die Zeit und wenn die Schranke aufgegangen ist, dann gibt's kein Halten mehr.
01:57:01: ,872 [Martina] Aber dieses-
01:57:01: ,772 [Gerd] Das konnt ich einfach.
01:57:02: ,512 [Martina] Aber dieses einen drauflegen, ist das dann einfach noch mehr den Schmerz aushalten, den Muskelschmerz, den-
01:57:08: ,412 [Gerd] Den Schmerz, diese, diese Bereitschaft, alles zu geben dann.
01:57:14: ,572 [Martina] No matter what.
01:57:15: ,392 [Gerd] Ja.
01:57:16: ,932 [Martina] Okay.
01:57:16: ,572 [Gerd] Das ist das, dieses Rennen gehen. Dieses,
01:57:21: ,812 [Gerd] dann gibt's auch kein,
01:57:24: ,692 [Gerd] keine, dann, dann schaltet das Hirn aus. Das ist manchmal auch nicht gut. [lacht]
01:57:29: ,552 [Martina] Ja, bei manchen Sachen schon.
01:57:30: ,072 [Gerd] Ja, ja, aber, aber dann halt einfach nur eins drauflegen und dann auch zu wissen, das funktioniert.
01:57:37: ,532 [Gerd] Das-
01:57:37: ,632 [Martina] Erfolg gibt dir recht und Erfolg motiviert.
01:57:39: ,282 [Gerd] Das ist alles eine Gratwanderung, aber, aber ich hab dann gewusst, irgendwie, ich, ich kann's immer retten. Es ist auch so, ich, das hab ich auch beim Training. Ich hab das Training auch irgendwie, ich kann fast nicht locker durch einen Lauf fahren. Das kann ich nicht. Ich, ich bin da immer, wenn's,
01:57:53: ,982 [Gerd] dann war ich immer on fire. Immer.
01:57:56: ,332 [Gerd] Das wie, also jeden Ball ernst nehmen, jeden.
01:58:00: ,592 [Gerd] Das war bei mir auch so und ich, ich mag's nicht, wenn welche fahren und dann so raus, Larifari und öh. Dann sag ich: "Warum schenkst du jetzt den her? Das kann dir im Rennen genauso passieren." Immer kämpfen. Wenn's dann rausfliegt, fliegt's halt raus, aber, aber wenn's nur irgendwie geht, dann fährt man weiter.
01:58:14: ,452 [Martina] Ja, aber das kenne ich auch, weil so viele müssen immer um was zocken, ja, beim Golfen.
01:58:19: ,902 [Gerd] Ja.
01:58:19: ,112 [Martina] Ja, müssen sempre sagen: "Ah, spiel mir um einen Kaffee." Es muss nur um irgendwas gehen, damit ich mich konzentrieren kann.
01:58:25: ,152 [Gerd] Das stimmt gar nicht, gell.
01:58:26: ,972 [Martina] Ich, ich, ich kann gar nicht Golf spielen ohne konzentrieren.
01:58:27: ,622 [Gerd] Eben, da muss man einfach-
01:58:28: ,092 [Martina] Dass ich so Larifari, dass ich über dem Ball stehe und einfach nur rumhaue.
01:58:32: ,592 [Gerd] Dann kann ich klar führen.
01:58:33: ,492 [Martina] Nein, ich kann's, ich kann's nicht. Ich, also ich und das, ähm, für mich ist dann tatsächlich, wenn ich jetzt auch trainiere, ich spiele jetzt auch wieder Bundesliga et cetera, aber da ist bei mir Spaß nicht lustig. Da, da konzentriere ich mich und da ist kurz vorm Ball ratsche ich dann nicht drum rum, wo dann viele natürlich auch sagen können: "Na ja, so locker bist du jetzt nicht", wo ich sage: "Na, das ist halt dann, das ist mein, meine Konzentration, ja." Das ist, das-
01:58:57: ,392 [Gerd] Im Sport bin ich da genauso.
01:58:58: ,292 [Martina] Das ist halt so.
01:58:59: ,572 [Gerd] Wenn ich Fußball spiele und schau die Bilder an, wenn ich Fußball spiele, da ist ja nie um großartig was gegangen, aber da bin ich immer-
01:59:05: ,872 [Martina] Ja, du bist aber auch genauso jetzt-
01:59:06: ,112 [Gerd] Am Fighten, am, am-
01:59:09: ,552 [Martina] Genau, auch so beim Fitness. Wenn ich jetzt so, ich gehe wirklich viel zum Kra, zum Kra, zum so Functional Training, Gruppentrainings und so weiter. Wenn dann, wenn ich das sehe, die ratschen dann nebenher oder beim Krafttraining, die schauen ständig auf ihr Handy, wo ich mir denke, ich meine, das sagt Arnold Schwarzenegger schon: "Handys dürfen nicht ins Fitnessstudio mitgenommen werden." Wo ich sage: "Das ist dein Work-out. Das ist deine Zeit jetzt und wenn du's das machst, dann mach das gescheit, weil sonst kannst du's dir auch echt sparen."
01:59:33: ,212 [Gerd] Ja, genau.
01:59:34: ,352 [Martina] Aber zum Thema, dass wir schnell und flott, ich, ich bin geschält.
01:59:37: ,032 [Gerd] Dieser Tunnel, dieser Tunnel. Also wie gesagt, das ist dann eine, eine, eine Verbindung aus Erfahrung,
01:59:45: ,112 [Gerd] Ritualen
01:59:47: ,672 [Gerd] und wenn das immer wieder funktioniert, dann, dann, dann wird das halt dein Tool. Dann weißt du, wie du das handeln musst und ja, und, und der Erfolg gibt dir halt dann recht. Und dann machst du's halt, wie gesagt, dann wird's noch feiner und, und dann, dann bist du mental natürlich auch
02:00:04: ,052 [Gerd] so stark, dass du sagst: "Ich weiß jetzt genau, wie ich's jetzt mache und ich weiß es jetzt genau." Und, und dann ist es nur so, also was habe ich da gemacht? Ich hab mich, ich konnte jeden Lauf auswendig, wirklich von oben bis unten. Es gibt manche, die merken sich nur Stellen, Passagen, was weiß ich. Ich musste es immer genau wissen.
02:00:20: ,712 [Martina] Ja, aber das ist auch wieder Thema Vorbereitung.
02:00:21: ,652 [Gerd] Das hat mir meine Sicherheit gegeben, dass ich wusste, wo ist was, welches Tor Nummer so und so ist was, ist da Buckel, ist das.
02:00:27: ,772 [Martina] Ja.
02:00:27: ,031 [Gerd] Und wenn ich dann eine Info kriege, da ist was an den Toren, da habe ich gesagt, welche Nummer? Habe ich genau gewusst, wo. Und dann bin ich noch mal durchgefahren und dann bin ich an der Stelle halt irgendwie anders gefahren oder hab gesagt: "Jetzt musst du aufpassen, jetzt kommt die Stelle." Zum Beispiel.
02:00:40: ,272 [Martina] Ja.
02:00:40: ,862 [Gerd] Ganz wichtig,
02:00:41: ,992 [Gerd] jeden Lauf im Kopf haben und dann, dann musste ich nur wenig so aktivieren. Ich war immer ein, ich war immer eigentlich der Lustige, immer bis so zwei, drei Minuten, bevor es losging.
02:00:53: ,851 [Martina] Und dann ist-
02:00:54: ,032 [Gerd] Aber da hab ich natürlich auch die anderen total narrisch gemacht, gell?
02:00:59: ,892 [Gerd] Aber ich wusste, die reagieren jetzt da drauf. Die, die finden das jetzt zum Kotzen, dass ich jetzt da noch so locker bin.
02:01:06: ,092 [Gerd] Das sind halt so Psychospielchen, die machst du dann auch du. Das ist nicht unfair, aber das nutzt du halt dann aus, weißt du. Das geht denen jetzt so ziemlich auf die Eier. [lacht] Also nicht, ich hab die nicht, aber ich hab halt dann mit andere und Ding. Und du siehst ja, die beobachten dich ja, weißt du schon und der Schönfelder. [lacht] Und dann brauche ich noch mal, dann brauche ich noch so ein richtiges, äh, Lied, so, so eins zum aggressiv werden.
02:01:33: ,492 [Martina] Zum Beispiel?
02:01:34: ,932 [Martina] Was fällt dir gerade ein? AC/DC natürlich.
02:01:36: ,572 [Gerd] Es kann dabei sein. Manowar, Warriors of the World, keine Ahnung. Irgendwie so richtig bam,
02:01:45: ,372 [Gerd] bam. Das ist dann einfach Kampf.
02:01:47: ,952 [Martina] Ja.
02:01:47: ,412 [Gerd] Messer.
02:01:49: ,452 [Martina] Schwingung.
02:01:50: ,072 [Gerd] Jetzt mache ich alle weg.
02:01:51: ,492 [Martina] Sehr gut. Was würdest du einem vierzehnjährigen Nachwuchssportler und dessen Eltern vor allem raten?
02:01:57: ,448 [Gerd] Aus meinem Bereich oder allgemein?
02:01:59: ,048 [Martina] Prinzipiell.
02:02:00: ,588 [Gerd] Sport.
02:02:00: ,748 [Martina] Ja.
02:02:01: ,128 [Gerd] Vierzehn.
02:02:02: ,388 [Martina] Also grad so bevor die Mädels interessant werden.
02:02:06: ,108 [Gerd] Ach, mit vierzehn war sie doch schon interessant.
02:02:08: ,828 [Martina] Das ist, das ist eher-
02:02:09: ,628 [Gerd] Bei mir war's [lacht], also warte ich weiß es, weiß nicht, was war ich da, als ich das erste Mal verliebt war ich mit elf oder zwölf.
02:02:16: ,858 [Martina] Ja, ja, also du brauchst mich gar nicht-
02:02:17: ,408 [Gerd] Im Skilager. Es war so schlimm, dass ich oder so war, so verliebt, dass ich im Ski, im Sessellift sitzen blieb bin, weil der so tief in die Augen geschaut hat, dass ich wieder runtergefahren bin mit ihr. Das stand dann sogar im Jahresabschlussbericht.
02:02:30: ,988 [Martina] Herrlich.
02:02:30: ,988 [Gerd] Der Gerd war im Sessellift und ist wieder runtergefahren. War ich.
02:02:34: ,017 [Martina] Also kurz und knapp.
02:02:36: ,868 [Gerd] Also was wollte ich sagen? Um was ging's? Auf was ich einem Vierzehnjährigen sage.
02:02:38: ,388 [Martina] Also was ich viel-
02:02:39: ,958 [Gerd] Da sage ich einfach, was kommt darauf an, wie ist der? Also wenn er das will, wenn er das wirklich will, dann lohnt sich's dafür alles zu geben. Und, und, und, und den Eltern würde ich sagen, es gibt kein besseres Invest als Sport.
02:02:54: ,308 [Martina] Punkt.
02:02:56: ,068 [Martina] Top.
02:02:58: ,268 [Martina] Letzte Frage:
02:03:00: ,408 [Martina] Rituale. Du hast vorhin nämlich gesagt, ähm, du hast, man hat so seine eigenen Rituale. Hast du die heute noch?
02:03:06: ,668 [Martina] Dass du sagst, du hast halt so 'ne Routine oder du hast so Rituale, was du halt
02:03:11: ,328 [Martina] jeden Tag machst, was so zu deinem Leben dazugehört?
02:03:15: ,768 [Gerd] Ja, aber nicht mehr so. Äh,
02:03:19: ,668 [Gerd] bin schon eher so der, wie sich's grad so ergibt. Also ich bin da relativ entspannt. Ich muss jetzt keine Rituale haben, wenn ich nicht, kommt darauf an, wenn ich Leistung bringen muss, dann ist wieder anders. Dann, dann muss es alles ein bisschen, aber wenn ich das nicht brauche, dann, dann kann ich auch mal,
02:03:34: ,147 [Gerd] dann kann ich auch völlig neue Richtung einschlagen.
02:03:37: ,418 [Martina] Ja schön.
02:03:37: ,268 [Gerd] Ich bin jetzt sehr offen und entspannt.
02:03:39: ,428 [Martina] Wunderbar. Lass mich diese Brücke bauen, weil für diese neue, für die neuen Rituale kriegst du nämlich von mir das Pink Little Book, also ein Self-Care-Journal. Ich persönlich bin ein Riesenfan von Jour, äh, vom, das ist letztendlich ein Journal ist nichts anderes als ein, ein Tagebuch, wo dir aber auch so ein bisschen die Sachen schon vorgegeben sind. Was nimmst du dir heute vor? Wofür bist du dankbar? Also alleine diese und das ist jetzt auch tatsächlich und ohne Schmarrn wissenschaftlich nachgewiesen, wenn du dir in der Früh Gedanken machst, das muss ja nicht lang sein, drei Sachen. Und die kriegst du relativ schnell zusammen. Ich mache das jeden Tag. Drei Sachen, für die du dankbar bist.
02:04:17: ,128 [Gerd] Das mache ich eigentlich schon immer seit und das sage ich ja immer.
02:04:20: ,508 [Martina] Denke ich mir.
02:04:21: ,028 [Gerd] Wenn man früh aufsteht und du bist gesund, dann musst du eigentlich schon, wie heißt's so schön auf Bayrisch, a Banane im Gesicht haben. Dann musst du eigentlich schon lächeln, weil das ist eine, keine Selbstverständlichkeit, das ist ein Geschenk.
02:04:35: ,128 [Gerd] Und dann liegt's nur an dir, was du draus machst an dem Tag. Aber du hast die besten Grundvoraussetzungen und die sind nicht selbstverständlich. Deswegen sei dankbar dafür. Hast a Lächeln im Gesicht und wenn du lächelnd durch die Gegend läufst.
02:04:47: ,888 [Martina] Kriegst du ein Lächeln zurück.
02:04:47: ,068 [Gerd] Ja, genau.
02:04:49: ,528 [Martina] So, also einen besseren Abschluss, glaube ich, können wir nicht haben. Gerd.
02:04:52: ,948 [Gerd] Danke schön.
02:04:52: ,748 [Martina] Mein Herzensmensch. Das ist mein Geschenk an dich und auch, ähm, die Mädels bekommen ein pinkes Band. Jetzt bin ich davon ausgegangen, dass du jetzt nicht so der pinke Mensch. Ich habe für dich ein grünes Band.
02:05:06: ,228 [Gerd] Grün ist doch gut, ja.
02:05:08: ,268 [Martina] Weil du auch noch, genau, das ist ja auch noch deine Farbe. Also ein kleines Geschenk von meiner Seite.
02:05:15: ,868 [Gerd] Danke schön.
02:05:15: ,768 [Martina] Vielen, vielen Dank, dass du dabei warst. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und auch für deine Speaker-Karriere. Ich glaube tatsächlich, dass es niemanden besseren als dich gäbe für egal, ob das Schulen, Firmen, Unternehmen, whatsoever sind, weil so was wie dich, du bist schon a Unikat und, ähm, von dir kann man sich, egal wer man ist, eine Riesenscheibe abschneiden. Also vielen Dank fürs Kommen. So, und das war eine weitere Folge von The Pink Table. Ich hoffe, dir hat der Podcast gefallen und du könntest mir einen Riesen gefallen tun, indem du ihn abonnierst auf dem Kanal, auf dem du diesen Podcast sehen möchtest. Eine Fünf-Sterne-Bewertung ist natürlich mega obendrauf und vor allem wünsche ich mir einen Kommentar, wenn du einen Wunschsportler hättest, einen Wunschathleten, einen Wunsch-Olympioniken oder Paralympics und ich werde natürlich mein Bestes geben, diesen Sportler bald hier am Pink Table empfangen zu dürfen. Also bis dahin, frohes Weiterhören.
02:06:08: ,138 [Speaker 2] abspannmusik]