The Pink Table - Sportpodcast

The Pink Table - Sportpodcast

Der Sportpodcast mit Martina Eberl

Transkript

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00:00:00: ,740 [Martina Eberl] Knock-out heißt ja dann wirklich, die fallen um und bleiben erst mal liegen, oder? Hat man denn da überhaupt kein schlechtes Gewissen?

00:00:05: ,580 [Dr. Christine Theiss] Tatsächlich ist es ein sehr geiles Gefühl.

00:00:08: ,280 [Martina Eberl] So ein Format wie jetzt der Regina Halmich mit dem Stefan Raab so was angeboten würde, würdest du das machen?

00:00:14: ,419 [Dr. Christine Theiss] Ich habe gesagt, für eine Million mache ich es. Weil ich liebe zehn Runden. Ich liebe dieses, wo sich die Streu vom Weizen trennt. Ich wurde von Runde zu Runde besser. Wenn die anderen schon anfingen, blau zu werden, dann kam meine Sternstunde. Also ich habe mit dieser Niederlage, bin ich tausendmal mehr gereift, wenn ich eine makellose Bilanz gehabt hätte.

00:00:32: ,640 [Martina Eberl] Mein Gast heute ist Christine, unter anderem auch bekannt als Chrissi Theiss, ehemalige Kickboxerin, 23-fache Weltmeisterin. Chrissi macht vieles besonders, vor allem, dass sie neben ihrer Sportlerkarriere auch noch ein Medizinstudium so ganz nebenbei absolviert hat und direkt an ihrem Höhepunkt der Karriere das Zepter niedergelegt hat und Mama wurde. Viele kennen sie auch als Coach und Moderatorin des TV-Formats The Biggest Looser im deutschen Format. Es gibt viel zu erzählen und ich bin mega happy, dass Sie als fast Münchner Kindl, weil Sie kommen nämlich aus Bayreuth. Herzlich willkommen und ich danke, liebe Chrissi.

00:01:07: ,740 [Jingle] Musikjingle]

00:01:14: ,200 [Martina Eberl] Ich habe schon gesehen, das habe ich jetzt auch gerade gesagt, wir haben was gemeinsam. Und zwar brauchen wir tatsächlich schon Brillen.

00:01:21: ,480 [Dr. Christine Theiss] Ja, ich nicht schon. Ich habe die seit Schulzeit, Grundschulzeit schon.

00:01:25: ,140 [Martina Eberl] Und mit einer Sehstärke von plus fünf.

00:01:28: ,399 [Dr. Christine Theiss] Minus.

00:01:28: ,020 [Martina Eberl] Minus fünf.

00:01:29: ,280 [Dr. Christine Theiss] Ich bin, ich bin die kurzsichtige Blindschleiche. Ähm, minus, also aktuell habe ich, glaube ich, minus fünf und minus fünf Komma fünf. Ähm.

00:01:40: ,020 [Martina Eberl] Also das heißt, auf die Weite siehst du nichts. Also auf die, auf die f-

00:01:44: ,190 [Dr. Christine Theiss] Ab zwanzig Zentimetern wird es unscharf. Also man-

00:01:46: ,600 [Martina Eberl] Ab zwanzig?

00:01:46: ,680 [Dr. Christine Theiss] Genau, kannst du ja ausrechnen. Also man nimmt eins geteilt durch Dioptrienzahlen, dann weiß man die Zentimeter, wie weit man noch sieht.

00:01:52: ,300 [Martina Eberl] Und du hast jetzt auch gerade, ich habe das jetzt dich auch gerade gefragt, beim Kampf früher, hast du, hast du Kontaktlinsen getragen?

00:01:58: ,360 [Dr. Christine Theiss] Ich habe praktisch jahrzehntelang ausschließlich Kontaktlinsen getragen. Dass ich Brille trage, ist eigentlich erst seit zwei Jahren wieder der Fall. Ähm, also ich habe Weichelinsen natürlich getragen, weil hart und Kickboxen, [lacht] das kann schiefgehen. Ich habe Weichelinsen immer getragen und vor zwei Jahren war es aber so, dass, äh, unsere Tochter auch eine Brille bekommen sollte. Und um mir das zu erleichtern, habe ich dann gesagt: „Gut, dann gehen wir jetzt beide zum Augenarzt, ähm, und haben uns gemeinsam unsere Brillen ausgesucht. Und seitdem trage ich wieder deutlich mehr Brille als früher. Und jetzt ist es tatsächlich so, also heute zum Beispiel, normalerweise, es läuft die Kamera, würde ich jetzt die Linsen reintun. Ich habe Schlichtenergreifen vergessen. Also habe ich sie Brille auf. [lacht]

00:02:38: ,920 [Martina Eberl] Sie steht dir aber fantastisch. Deswegen.

00:02:39: ,019 [Dr. Christine Theiss] Es ist also gar kein irgendwie, äh, Gedanke dahinter, dass ich heute ein Statement mit einer Brille mache, sondern...

00:02:47: ,380 [Martina Eberl] Aber sehr sympathisch, weil ich sonst immer noch keine aufhabe, aber tatsächlich, wenn ich mal ein bisschen was lesen muss, wobei mein Optiker gesagt hat, dass, also ich bin jetzt 44, dass ich da jetzt eh schon eine Spätstarterin bin. Da habe ich mir gedacht: „Wirklich?" Also ich kenne nicht so viele, die jetzt schon zum Lesen in meinem Alter eine Brille brauchen, aber.

00:03:03: ,340 [Dr. Christine Theiss] Das brauche ich tatsächlich noch nicht. Das ist der Vorteil von uns Kurssichtigen. Wir steigen in den Bereich später ein, weil bei uns ja eh schon alles, ähm, durcheinander ist und wir können das eine Zeit lang ausgleichen, indem sich dann unsere Werte wieder ändern. Und dann wird es wahrscheinlich eher auf eine Gleitsichtbrille. Ich habe im Moment noch das... Das Schöne ist, wenn du kurzsichtig bist, also wenn ich das jetzt absetze, kann ich das hier nicht lesen. Keine Chance. Also ich muss so dicht ran. Aber das, was nah ist, das sehe ich grundsätzlich eh schon größer als alle anderen.

00:03:31: ,620 [Martina Eberl] Ach so, okay.

00:03:32: ,120 [Dr. Christine Theiss] Das heißt, ich muss eigentlich dann, wenn das mal losgeht bei mir, eigentlich nur die Brille absetzen, dann wird es eine Weile größer und irgendwann wird der Arm auch kürzer. Meinen Mann habe ich schon immer verarscht: „Da ist der Arm kürzer geworden. Und jetzt irgendwann hat er aufgegeben und jetzt trägt er, äh, endlich eine Brille. [lacht]

00:03:49: ,280 [Martina Eberl] Ich stelle mir das jetzt aber auch echt schwierig vor. Wir kommen jetzt eh gleich noch zu deiner Karriere als Kickboxerin, aber wenn du-

00:03:56: ,440 [Dr. Christine Theiss] Als Ehefrau. [lacht]

00:03:57: ,640 [Martina Eberl] Als Ehefrau, ja. Können wir auch noch drüber sprechen. Warum nicht, wenn es da viel zu erzählen gibt. Ähm, aber wenn du jetzt, wenn dir da so eine Linse verrutscht, da siehst du die gegenüber ja gar nicht richtig.

00:04:08: ,060 [Dr. Christine Theiss] Also tatsächlich, ich meine, dass beide gleichzeitig rausfallen, das war nie der Fall gewesen. Gott sei Dank. Aber es ist natürlich schon blöd, wenn, wenn du auf einer perfekt siehst und auf dem anderen Auge plötzlich bei, also minus fünf Komma fünf hatte ich damals noch nicht, aber lass es minus viereinhalb gewesen sein, auch nicht, auch nicht viel besser. Wenn die dann rausfällt, dann fehlt dir schon das Feintuning. Ja? Also da kommt es ja wirklich auf Millimeter an, die du nicht getroffen wirst und die du triffst, weil das sind ja alles sehr schnelle Reflexe. Aber zum Glück war der im Laden Steko, mein Trainer, ist auch Kontaktlinsenträger und ich bin abgehärtet und er ist auch abgebrüht. Er hat immer Ersatzlinsen in der Tasche gehabt und wenn halt die Linse wieder draußen war, ich gesagt: „Jetzt ist weg", dann zack, Auge auf, Linse rein und dann waren maximal zwei Minuten, die man überbrücken musste bis zur nächsten Ringpause. Da waren wir sehr eingespielt. Aber da gibt es tatsächlich eine lustige Story zu. Bevor ich meinen, ähm, Vertrag mit Sat.1 unterschrieben hatte oder wir unterschrieben haben, dass, äh, dass meine Kämpfe live in Sat.1 gezeigt wurden, hat ich, war ich zweimal sozusagen im Vorkampf von einer Boxveranstaltung mal zu testen, funktioniert die überhaupt. Das eine war Robert Stieglitz damals in Dresden und das andere war Felix Sturm in der Lanxess Arena in Köln.

00:05:28: ,660 [Martina Eberl] Mhm.

00:05:28: ,560 [Dr. Christine Theiss] Echt ein großes Ding.

00:05:29: ,610 [Martina Eberl] Mhm.

00:05:30: ,230 [Dr. Christine Theiss] Und ich war auch direkt der Kampf vor ihm und der hatte schon ordentliche Quoten an dem Abend, aber die beste Quote hatte ich gehabt. Und zwar, als gezeigt wurde im Fernsehen, mir meine Linse rausgeflogen [lacht] und mein Trainer diese Linse einsetzte und das war tatsächlich der höchste Peak an dem Abend an Einschaltquoten war das Gefummel mit der Linse.

00:05:51: ,540 [Martina Eberl] Weil es halt einfach auch zu realitätsnah ist. Was könnte jedem passieren?

00:05:54: ,380 [Dr. Christine Theiss] Total strange, ja.

00:05:56: ,112 [Martina Eberl] Wie ist, wie ist denn das jetzt, wenn dir das jetzt wirklich während dem Kampf, wenn dir jetzt deineÄh, Linse verrutscht und du siehst die gegenüber nicht mehr richtig. Darfst du dann die Hand heben und sagen: „Ich brauche jetzt mal kurz eine Pause. Bei mir ist hier ka-

00:06:08: ,302 [Dr. Christine Theiss] Also-

00:06:08: ,582 [Martina Eberl] Also dürftest du-

00:06:08: ,572 [Dr. Christine Theiss] Ich hätt's nie gemacht.

00:06:09: ,232 [Martina Eberl] Nee, aber dürfte man das?

00:06:11: ,231 [Dr. Christine Theiss] Habe ich nie gefragt, weil ich zu keiner Sekunde zu erkennen geben würde, dass bei mir was fehlt.

00:06:16: ,992 [Martina Eberl] Weil beim Tennis ist ja quasi auch so, wenn, wenn irgendwas ist, dann gehst du zum Referee und sagst: „Ich brauche mal kurz einen Timeout."

00:06:21: ,392 [Dr. Christine Theiss] Wie gesagt, es sind nur zwei Minuten und ähm-

00:06:25: ,532 [Martina Eberl] Ihr habt ja auch immer Pausen.

00:06:26: ,112 [Dr. Christine Theiss] Ja genau. Nach zwei Minuten ist ja die Ringpause, weil das ja sehr, auch sehr hochpulsig ist und, ähm,

00:06:34: ,912 [Dr. Christine Theiss] d..., wie gesagt, da habe ich mir nie Gedanken drüber gemacht, da jetzt beim, beim Ringrichter herumzuwinseln, sondern so oft ist es auch ehrlich gesagt nicht passiert, weil de facto geht das Auge zu. Das ist ja nun wirklich, der Augenschluss ist ja der Reflex, der ja nun wirklich als Letztes aufgibt. Das ist sehr, sehr, sehr selten passiert und das ist dann weniger mit 'm, mit 'nem Treffer im Gesicht verknüpft gewesen, sondern eher mit so einem Wischer, wo ... Also

00:07:01: ,212 [Dr. Christine Theiss] das ist wirklich, wirklich selten passiert. Dann eher mal im Training und im Training hebe ich die Hand und sage: „Sorry, Linse draußen." Also das ist schon klar, aber im Ring würde ich mir nie, nie, nie zu erkennen geben, dass irgendeine Flanke bei mir offen ist.

00:07:14: ,082 [Martina Eberl] Ja, ist klar. Ja, ist klar. Ja, okay, verstehe. Ja, so wie brutal, ähm, Boxen oder Kickboxen sein kann, da kommen wir eh gleich noch drauf. Aber normalerweise möchte ich jetzt mit einer ganz pauschalen Frage diesen Podcast eigentlich starten. Und zwar, das sind eigentlich zwei Fragen, zwei total unterschiedliche Fragen: Was bedeutet die Farbe Pink für dich? Was denkst du, wenn du die Farbe Pink hörst?

00:07:37: ,332 [Dr. Christine Theiss] Boah, da hab ich mir in meinem Leben noch keine Gedanken gemacht.

00:07:39: ,732 [Martina Eberl] Siehst du mal.

00:07:41: ,072 [Dr. Christine Theiss] Kann nervig sein und kann geil sein.

00:07:44: ,142 [Martina Eberl] Das bin ich. [lacht] Drum.

00:07:48: ,292 [Dr. Christine Theiss] Na, Pink kann unfassbar nervig sein, wenn man versucht, Pink in, äh, mit 'nem, mit 'nem Klischee zu verknüpfen-

00:07:55: ,312 [Martina Eberl] Mhm.

00:07:56: ,711 [Dr. Christine Theiss] und Pink, ähm, als, als alleingültig für irgendwas zu nehmen. Dann finde ich Pink unfassbar nervig. Andererseits finde ich es total lustig, mit, äh, mit Klischees zu spielen. Ja? Und dann finde ich Pink wieder cool.

00:08:10: ,552 [Martina Eberl] Ja.

00:08:11: ,192 [Dr. Christine Theiss] Also, ähm, ob jetzt zum-- Nehmen wir, nehmen wir Lennart Kahl. Ob das jetzt unbedingt sein musste, wenn's heißt: „Bitte zieht euch alle rot an", dass man dann in Pink kommen muss, sei mal dahingestellt. Aber grundsätzlich, dass der Typ in Knallpink kommt. Ich war im Stadion gesessen und dachte mir: „Wer rennt denn da unten rum?"

00:08:31: ,412 [Martina Eberl] Okay.

00:08:32: ,452 [Dr. Christine Theiss] Und ich schaue da runter aufs Spielfeld und denke mir: „Wow, ist das jetzt ein Teletubby, was da rumrennt?" Ich hab nicht erkannt, dass das Lennart Kahl ist, ja. Aber-

00:08:39: ,852 [Martina Eberl] Teletubby. [lacht]

00:08:40: ,872 [Dr. Christine Theiss] Das, das war wirklich, das finde ich dann lustig, dass er sich hinstellt und, und damit spielt. Also das finde ich wiederum cool, ja. Ähm, ich hätte es nicht so cool gefunden, wenn, wenn jetzt eine Klasse Mädchen da wäre und alle darin gekleidet wären.

00:08:56: ,432 [Martina Eberl] Klar.

00:08:57: ,672 [Dr. Christine Theiss] Und zwar verpflichtend von oben. Dann finde ich Pink nicht cool.

00:08:59: ,742 [Martina Eberl] Ja, das stimmt. Ja. Ja, mein Pink ist ja eigentlich auch das da. Also eher so dieses Neonpink, so Kind der 80er Jahre, weißt?

00:09:06: ,392 [Dr. Christine Theiss] Ja, ja.

00:09:07: ,132 [Martina Eberl] Das ist so ... Ja, und Pink passt auch nicht. Das ist halt, äh, unsere Farbe, die uns begleitet und deswegen ist es ja auch The Pink Table, wo man am Anfang natürlich erst mal überlegen muss, was hat jetzt eigentlich The Pink Table mit, mit einem Sportler-Podcast zu tun? Aber das hat einfach gepasst, ja. Aber das ist übrigens die Frage an alle immer: Was verbindest du mit Pink? Und es ist immer sehr, sehr interessant zu hören. Die einen sagen halt einfach geil, die anderen sagen, äh, sehr, sehr mädchenhaft oder was auch immer. Ähm, aber du hast ja beides gesagt. Perfekt. Dann habe ich gesagt, es kommt jetzt nämlich eine zweite Frage, die so ein bisschen mehr auf dein Leben reflektieren sollte: In wie viel Kapitel würdest du dein Leben einteilen oder unterteilen? Weil du hast ja schon ein paar Chapter hinter dir.

00:09:52: ,632 [Dr. Christine Theiss] Mhm. Also auf jeden Fall würde ich so die, den ersten Teil ist sozusagen die erste Hälfte von mir ist, ähm, praktisch die Bayreuth-Zeit. Ausreise Bayreuth. Also wir sind-- Ich bin im Osten geboren, wir sind '84 geflohen.

00:10:06: ,492 [Martina Eberl] Mhm.

00:10:07: ,652 [Dr. Christine Theiss] Ähm, und dann bin ich aber in Bayreuth, eben in Oberfranken, groß geworden. Das-- Und da hat dann im Januar '88 auch so das mit dem Kickboxen begonnen. Auch die Liebe vom Hund, die war, glaube ich, mit der Muttermilch aufgesaugt. Also das war schon immer da. Dann Kickboxen kam im Januar '88 dazu. Also diese, diese, diese klaren gesetzten Felder, die waren schon in der Kindheit da. Ähm, das ging so bis, ähm, 2000. Das war so die Phase, die Prägung der Eltern, äh, das, das, die Gymnasialzeit, die Amateurkarriere im Semikontaktkickboxen oder Point Fighting. Das war eine andere, ist eine andere Art. Also

00:10:47: ,752 [Dr. Christine Theiss] Point Fighting, Semikontakt sind zwei Begriffe für ein und dasselbe. Ähm, ist so, das ist wie beim Fechten, nach jedem Treffer wird abgebrochen.

00:10:54: ,112 [Martina Eberl] Mhm.

00:10:55: ,092 [Dr. Christine Theiss] Also es wird nicht durchgekämpft wie im Vollkontakt und Härte wird sanktioniert. Ist natürlich für Kinder optimal, weil du lernst extreme Körperbeherrschung. Also du, ich kann jemandem bis heute zum Kopf treten und der wird nichts merken, weil ich an der Stelle aufhöre. Es sieht spektakulär aus, aber es passiert nichts. Und das ist für Kinder, finde ich, extrem wichtig, weil, ähm, in meinen Augen hat Vollkontakt nichts in der Hirnentwicklung zu tun. [lacht]

00:11:22: ,752 [Martina Eberl] Mhm. Mhm.

00:11:22: ,712 [Dr. Christine Theiss] Also es ist schon, ich bin schon ein Freund davon, dass man das erst später anfängt.

00:11:28: ,652 [Martina Eberl] Also so ist der Anfang vom Kickboxen eigentlich. Wenn man jetzt so sagt, man geht das strukturiert an.

00:11:34: ,831 [Dr. Christine Theiss] Ich habe nie vorgehabt, Vollkontakt zu machen. Also vor-- Dass ich-- Also ganz im Gegenteil. Ich fand Vollkontakt und Frauen immer echt fürchterlich. Das sah ... Ich hab das immer ... Sah aus, wie wenn zwei unkoordinierte Damen, äh, um Wäscheständer streiten. So habe ich das früher verglichen.

00:11:49: ,572 [Martina Eberl] lacht]

00:11:50: ,672 [Dr. Christine Theiss] Ähm, was natürlich Quatsch ist, weil ob eine Frau gut in einer Sportart ist, hängt davon ab, ähm, ob man ihr die Möglichkeit gibt,

00:12:02: ,248 [Dr. Christine Theiss] ähm, in diesem Bereich gut zu werden. Und das fängt halt Akzeptanz statt.Akzeptiert der Trainer oder die Trainerin, dass das eine Frau ist, in dem Fall eher meist Trainer und akzeptiert er, dass es ein Mädel ist, dass das machen will. Und wenn er das akzeptiert, dann kann die genauso gut werden wie der andere auch, wenn sie fleißig ist. Nur wenn man von vorne rein sagt: „Na ja, mein Gott, eine Frau halt, hö", und sie nicht ernst nimmt, dann können, kann da auch nichts draus werden.

00:12:29: ,448 [Dr. Christine Theiss] Und ähm-

00:12:30: ,168 [Martina Eberl] Hattest du das jemals so erlebt, dass dich da jemand nicht so ernst genommen hat?

00:12:34: ,448 [Dr. Christine Theiss] Im Kickboxen nicht. Im Kickboxen und Kickboxen war von Anfang an merkt man, das ist eine relativ moderne Sportart. Das ist Kickboxen in den 60er Jahren USA entstanden, um, um im Prinzip die verschiedenen Kampfsportarten miteinander zu vergleichen. Es war von Anfang an koedukativ. Semi-Kontakt war tatsächlich auch die erste Art und Weise, diese, dieser Kampfsportart. Vollkontakt kam später hinzu und dann gab's noch, gibt's noch die Variante Leichtkontakt. Das ist eine Mischung aus beiden. Das heißt, man kämpft durch wie beim Vollkontakt. Am Ende gibt's die Abrechnung, aber man darf nicht hart hauen.

00:13:04: ,608 [Martina Eberl] Mhm. Also hart hauen-

00:13:05: ,548 [Dr. Christine Theiss] Klingt komisch, ist komisch. [lacht]

00:13:07: ,438 [Martina Eberl] Okay. Also hart hauen, das ist dann immer der Kontakt. Also dass man einen richtig trifft.

00:13:11: ,928 [Dr. Christine Theiss] Genau. Also das eine ist halt mit der Skala nach oben offen, wie im Walde hineinrufen willst, so schallt's heraus und bei der anderen ist schon, die Härte soll kontrolliert sein und es ist, ein Knock-out ist nicht Bestandteil oder ein gewünschtes Ziel, was ja bei Vollkontakt durchaus-

00:13:26: ,068 [Martina Eberl] Erwünscht ist.

00:13:28: ,788 [Dr. Christine Theiss] Was, ja, erwünscht, aber durchaus eine Variante ist, die vorkommt. Mal mehr, mal weniger, je nachdem. Und, ähm,

00:13:35: ,148 [Dr. Christine Theiss] und das, da merkte man einfach beim Kickboxen, ich habe beim Kickboxen nie diese Ressentiments erlebt, wie ich sie in meiner Amateurboxzeit hatte. Also beim Amateurboxen nicht von dem Verein, wo ich war, aber auf höheren Ebenen seitens der Funktionäre vom Boxverband. Also 2004, ähm, war hier in Maisach die Deutsche Meisterschaft der Frauen und es waren wirklich tolle Kämpfe. Es waren fantastische Mädels. Es waren zwei Tage hier, äh, in Maisach gewesen. Fürsten, Piccolo Fürstenfeldbruck hat's damals organisiert, hat sich wahnsinnig viel Mühe gegeben, haben das top, tippitoppi gemacht. Und dann stehe ich hinter so einem alten Funktionär, ähm, der dann zu einem anderen alten Funktionär sagt: „Ist ja alles ganz nett, aber für mich Fra, gehören Frauen immer noch hinter den Herd."

00:14:23: ,068 [Dr. Christine Theiss] Weißt du? Und wenn der Fisch so vom Kopf her stinkt.

00:14:28: ,948 [Martina Eberl] Schwierig.

00:14:28: ,968 [Dr. Christine Theiss] Prost, Mahlzeit.

00:14:29: ,568 [Martina Eberl] Ja, ja, ja.

00:14:30: ,178 [Dr. Christine Theiss] Und das ist schon, ähm, wie gesagt, grad hier Fürstenfeldbruck, ähm, hat sich immer oder gibt sich wahnsinnig viel Mühe mit dem Frauenboxen. Da war nie irgendwie: „Du bist eine Frau, du bist ein Mann." Ganz, ganz toll. Bei den Stekos hab ich das nie so empfunden. In meinem alten Verein, äh, wo ich aufgewachsen bin, in Bayreuth, hab ich das nie so empfunden. Da wurde geschaut, machst du's gut, machst du's nicht gut. Punkt. Und, ähm,

00:14:55: ,528 [Dr. Christine Theiss] ist so ganz interessant, dass heute auch immer so Wert gelegt wird auf Gendern, um alle einzuprizen und, äh, wir s, sind eine große Familie und keiner darf außen vor sein. Mich hat es immer gestört, wenn man mich als Sportlerin bezeichnet hat.

00:15:13: ,528 [Martina Eberl] Ah ja?

00:15:14: ,928 [Dr. Christine Theiss] Also mich hat das genervt, wenn's dann immer hieß, die Sportlerin, denke ich mir: „Nee, sag..." Also ich fand das immer, nee, für mich ist das völlig wurscht. Für mich ist das geschlechtslos.

00:15:23: ,248 [Martina Eberl] Mhm.

00:15:24: ,278 [Dr. Christine Theiss] Also ich hab den Sportler oder das Sportler, äh, eher als geschlechtslos gesehen und, äh, wollte da keine Unterscheidung haben. Ich wollte nicht auf meine Eierstöcke reduziert werden, sondern auf meine, äh, auf meine Leistung und für mich hat das Geschlecht nie 'ne Rolle gespielt. Also ich fand das tatsächlich, interessanterweise ist jetzt eine Generation am Start, die das genau andersrum sieht. Mich hat das immer extrem gestört, wenn Wert darauf gelegt worden ist, dass ich eine Sportlerin bin.

00:15:48: ,888 [Martina Eberl] Mhm. Dann gehen wir doch genau da noch mal einen Schritt zurück als Sportler oder das Sportler damals.

00:15:54: ,548 [Dr. Christine Theiss] Das Sportler. Sportler. [lacht]

00:15:56: ,268 [Martina Eberl] Hast ja super früh angefangen, ja. Also wie kommt man, mmh, erz, hast ja schon ein bisschen erzählt, mit, ähm, dass das am Anfang ja tatsächlich mit diesem Semi-Kontakt,

00:16:08: ,628 [Martina Eberl] das wusste ich zum Beispiel auch nicht. Ich habe immer gedacht, das geht immer gleich Vollgas zur Sache. Ähm, aber wie, wie kommt man da jetzt so drauf? Das ist ja auch eine Frage, die, die mir dann auch immer gestellt wird: Wie, wie kommt man als Kind zum Golf? Bei mir waren es die Großeltern, die Familie, wie ich dazu gekommen bin. Aber wie, wie kommt man als Mädchen zu so 'nem damals ja noch untypischeren Sport?

00:16:30: ,388 [Dr. Christine Theiss] Ähm, wie so oft ist im Leben durch Zufall. Also, oder war es Zufall? 'Ne Klassenkameradin von mir hat damals angefangen. Die Ki, die Kinderabteilung ist damals neu gegründet worden von,

00:16:44: ,518 [Dr. Christine Theiss] bei, ähm,

00:16:46: ,108 [Dr. Christine Theiss] Alexander Repowitsch, dem, dem damaligen Trainer, Karate Dojo Alexander, und da hat sie angefangen, fand das toll, er hat gesagt: „Komm mit."

00:16:54: ,268 [Martina Eberl] Okay.

00:16:54: ,108 [Dr. Christine Theiss] Und dann bin ich mitgekommen und

00:16:56: ,788 [Dr. Christine Theiss] ich, ich persönlich-

00:16:58: ,808 [Martina Eberl] Wie alt warst du da?

00:16:58: ,868 [Dr. Christine Theiss] Ich war noch sieben.

00:16:59: ,328 [Martina Eberl] Sieben.

00:17:00: ,248 [Dr. Christine Theiss] Genau, zwei, Anfang, also zweite Klasse. Und ich persönlich finde ja, dass Sport ein unverhandelbarer Baustein in der Entwicklung eines Kindes ist. Also ein Kind muss in meinen Augen Sport machen. In meinen Augen ist aber völlig wurscht, welcher Sport.

00:17:16: ,368 [Martina Eberl] Mhm.

00:17:17: ,368 [Dr. Christine Theiss] Ähm, das Kind soll den Sport machen, wo es sich wohlfühlt und dann wird es diesen Sport gerne machen. Und ob dann irgendwelche Erfolge dazukommen,

00:17:27: ,728 [Dr. Christine Theiss] da gehört auch ganz viel Zufall dazu. Da muss man gesund bleiben, da muss man mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ich finde, dieser Ehrgeiz muss raus. Aber was unverhandelbar ist, ist Sport. Und für ein Kind ist doch nicht wichtig, am Anfang zumindest nicht wichtig oder sollte nicht wichtig sein, welche Medaillen es heimholt, sondern es sollte wichtig sein: Fühle ich mich in der Gruppe wohl?

00:17:48: ,308 [Dr. Christine Theiss] Kann mir der Trainer was beibringen? Kann ich mich austoben? Und ob das Kind das jetzt im Ballett macht, beim Tischtennis oder im Kampfsport oder beim Golfen,

00:18:00: ,918 [Dr. Christine Theiss] das hat den Eltern egal zu sein. Ich sehe immer noch viel zu oft, dass die Eltern Wünsche, die sie haben, in ihre Kinder reinprojizieren.

00:18:08: ,468 [Martina Eberl] Mhm.

00:18:09: ,198 [Dr. Christine Theiss] Also zum Beispiel hat meine Tochter mit dem Kickboxen angefangen.

00:18:13: ,428 [Martina Eberl] Mhm.

00:18:14: ,288 [Dr. Christine Theiss] Und ich hab nach 'nem halben Jahr zu ihr gesagt: „Cosima, ganz ehrlich, das macht dir doch gar keinen Spaß."

00:18:20: ,668 [Dr. Christine Theiss] „Ja, Mama, bist du da nicht traurig?" Ich sag: „Hör mal zu, du machst das nicht für mich.

00:18:25: ,948 [Dr. Christine Theiss] Dann lass es. Ähm, wenn du, wenn du siehst,

00:18:30: ,028 [Dr. Christine Theiss] also wenn du jetzt aufhörst, heißt das ja nicht, dass du das nie wieder machen darfst. Vielleicht hast du mit vierzehn Lust, es zu tun. Dann geh hin.

00:18:37: ,468 [Dr. Christine Theiss] Aber im Moment macht es dir, aus welchem Grund auch immer, keinen Spaß." Bei ihr war es so, dass sie, dass die Gruppe zu rotierend war und sie hat halt gerne dieselbe Gruppe, wo sie hingeht. Sie klettert jetzt, sie reitet, sie turnt. Also die macht genügend Sport, ja. Ich brauche mir um ihre, um ihre Sportlichkeit keine Gedanken machen. Sie war dann ganz erleichtert, aber ich hab richtig gemerkt,

00:19:00: ,488 [Dr. Christine Theiss] dass, sie macht das für mich. Sag ich: „Das will ich nicht."

00:19:03: ,848 [Martina Eberl] Versteh ich total.

00:19:04: ,988 [Dr. Christine Theiss] Ja.

00:19:04: ,368 [Martina Eberl] Versteh ich. Das hab ich aber auch immer zu meinen Mädels gesagt. Ich habe zwei Töchter und, ähm, die Große, die spielt jetzt wirklich schon schön Golf und auch die Kleine, die sagt dann auch immer, ähm: „Ja, also mir macht das jetzt auch wieder richtig Spa-- oder mir macht das auch Spaß", und dann, ähm, merke ich aber eigentlich, die vers-- oder die Kleine versteht, die ist jetzt dreizehn, die versteht halt nicht, dass, äh, wenn sie besser werden will, muss sie halt echt ein bissl üben, ja. Also beim Golf, es ist in jeder Sportart einfach auch so, dieses Üben ist die Grundvoraussetzung. Es kommt natürlich von alleine, ähm, auch wenn man's von den Genen vielleicht bissl mitbekommen hat, aber wo ich dann sag: „Du, du musst da vielleicht schon noch üben gehen." „Äh." Ja, hab ich gesagt: „Aber dann musst du deine Erwartungen runterschrauben", hab ich gesagt, „und wegen mir musst du nicht üben gehen." Ja, aber ich hab gesagt: „Du, wir wollen, musst das selber entscheiden", aber das find ich super. Ja, absolut. Und ich find's umso trauriger eigentlich, dass das Erste, was gestrichen wird in der Schule, ist der Sportunterricht und wie der Sportunterricht sich gestaltet, ist echt bitter. Ja.

00:19:57: ,588 [Dr. Christine Theiss] Ja, das ist, ähm, das ist ja generell 'n Problem. Also das ist, ähm, ich merk das in der Grundschule von der Cosima wird sehr viel Wert auf Sport gelegt. Es gibt auch kaum übergewichtige Kinder an der Grundschule. Ähm, sie war auch im Vorfeld zum Beispiel in 'nem privaten Sportkindergarten.

00:20:13: ,468 [Martina Eberl] Oh, klar, cool. Gibt's so was?

00:20:15: ,488 [Dr. Christine Theiss] Ja, da wurde übrigens auch gegolft.

00:20:17: ,708 [Martina Eberl] Da wurde auch gegolft in einem Sportkindergarten?

00:20:19: ,227 [Dr. Christine Theiss] Ja, da war, die sind jede Woche schwimmen gegangen und dann haben sie halt verschiedene Sportarten ausprobiert. Es ging nie um irgendwelche Leistungen, sondern es ging darum, dass die Kinder möglichst viele Skills in frühen Jahren schon mal hatten. Und da war eben auch Golf dabei. Dann gab's mal drei Monate, äh, Ballsportarten, die gehen jedes Jahr zwei Wochen Skifahren und lauter so Sachen. Das ist, ähm-

00:20:39: ,448 [Martina Eberl] Cool.

00:20:40: ,488 [Dr. Christine Theiss] Das ist wirklich, wirklich ein toller Kindergarten, der damals neu gegründet worden ist. Jetzt machen sie, glaub ich, schon die vierte Dependance auf.

00:20:47: ,828 [Dr. Christine Theiss] Und, ähm, das halte ich für so wichtig, weil die Kinder mit der Muttermilch aufsaugen, dass ihnen Bewegung Spaß macht, dass man sie da nicht hintragen muss, sondern dass das ein essenzieller Bestandteil ihres Lebens wird. Und dann ist das automatisch. Und auch jetzt, äh, mit meiner Tochter, mit dem Klettern, vielleicht kommt sie, vielleicht klettert sie mal Wettkämpfe, vielleicht auch nicht. Es ist mir wirklich, wirklich wurscht, auch wenn mir die Leute das nicht glauben, weil ich Leistungssportler war. Aber grad weil ich Leistungssportler war, weiß ich, was das bedeutet und es ist mir wurscht. Ich will, dass sie da, dass ihr das Spaß macht. Und, ähm, denken wir doch einfach mal weiter. Leistungssport, insbesondere Hochleistungssport, ist ja nicht grad das Gesündeste.

00:21:31: ,828 [Dr. Christine Theiss] Es ist geil-

00:21:32: ,628 [Martina Eberl] Mhm.

00:21:33: ,988 [Dr. Christine Theiss] Aber es frisst einen auch auf,

00:21:36: ,588 [Dr. Christine Theiss] körperlich wie mental. Und ich mach, mach's so, dass ich aus der Nummer rausgekommen bin, ohne hier und da einen Dachschaden oder körperlichen Schaden erhalten zu haben. Ähm, aber es ist ja eigentlich nicht gesund. Was aber gesund ist, ist, wenn man Sport liebt, wenn man Bewegung für sich verinnerlicht hat, wenn man das jeden Tag macht. Und ich finde, das ist das, was wir vermitteln müssen, nicht dieses Streben nach Medaillen. Dafür braucht's auch Leistungssportler und die Extreme. Aber jeder, wir wissen das, wenn du ganz, ganz oben dabei sein willst, achtzig Prozent erreichst du relativ schnell und das, das ist auch ein cooles Level. Und um die hundert Prozent da zu erreichen, um ganz oben mitzuspielen, da geht's ans Eingemachte, da wird's zäh, da musst du leiden und da musst du dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr Leistungssportler sein, sonst, sonst klappt das nicht.

00:22:23: ,248 [Martina Eberl] Stimmt.

00:22:24: ,028 [Dr. Christine Theiss] Und, ähm, und dazu ist nicht jeder bereit und das ist auch völlig legitim.

00:22:30: ,988 [Martina Eberl] Das ist auch gut so.

00:22:30: ,258 [Dr. Christine Theiss] Das ist auch gut so, weil sonst würden, sonst wären wir alle, würden wir alle das Gleiche machen. Ist doch langweilig. Aber was wirklich verinnerlicht gehört, ist dieses Bewegung und, ähm-

00:22:41: ,778 [Martina Eberl] Die Freude halt dran, ne, die Freude an Bewegung und Leistung.

00:22:43: ,638 [Dr. Christine Theiss] Freude an Bewegung und auch diese Selbstverständlichkeit und wie, wie extrem wichtig Bewegung dazu ist, gesund alt zu werden, ist, ist ja mittlerweile mehr als bewiesen und ich finde für mich, ich werde ja ganz oft gefragt: „Was hast du für Vorbilder?" Für mich ist 'n Vorbild zum Beispiel der Frank. Frank ist dreiundachtzig und geht regelmäßig klettern. Ein Vorbild ist für mich der ältere Herr, den ich jetzt auf Naxos beim Surfen getroffen hab. Der ist auch über achtzig und geht noch jeden Tag steht der aufm Brett.

00:23:11: ,868 [Dr. Christine Theiss] Vorbild ist für mich die alte Dame, die ich jetzt im Stadion letzte Woche getroffen hab beim Champions-League-Spiel gegen, äh, Real Madrid. Ähm,

00:23:19: ,488 [Dr. Christine Theiss] die hat drei Tage vorher ihren neunzigsten gefeiert und hat da nicht etwa bei Kaffee und Kuchen im Altersheim, äh, die Verwandtschaft antan-antanzen lassen, sondern, ähm, die ist erst nach Berlin gefahren, dann nach Hamburg. Nee, war sie in Berlin? Nee, ich glaub, Hamburg ist sie gefahren. Köln, Düsseldorf war sie, dann war sie in München und hat all ihre Familien besucht.

00:23:38: ,628 [Martina Eberl] Besucht. [lacht]

00:23:39: ,008 [Dr. Christine Theiss] Und die spielt noch jeden Tag Tischtennis.

00:23:42: ,088 [Martina Eberl] Wirklich? Wow.

00:23:43: ,248 [Dr. Christine Theiss] Und das ist so geil. Und das sind für mich die Vorbilder. Die, die einfach zeigen, geh raus, beweg dich, mach das konstant, mach das immer. Und das ist das, was ich meiner Tochter und auch meinen Kunden vermitteln will.

00:23:56: ,368 [Martina Eberl] Genau, also die Freude da dran.

00:23:57: ,948 [Dr. Christine Theiss] Nicht dieses krasse, bam, Leistung.

00:24:01: ,272 [Martina Eberl] Ja, wie du schon gesagt hast, die, ähm, wir sind ja zusammen auch bei den Peak Performern bei unserer Stiftung, wo die Freude am, am Leisten quasi, dass man, wenn man sich anstrengt, dass man dann auch drauf belohnt wird und so weiter, find ich, ist es schon auch wichtig, weil, ähm, dass jetzt quasi jeder, der irgendwie die Hand hebt, dann, ähm, seine Medaille bekommt und schön, Hauptsache, du bist dabei gewesen und es ist wurscht, wie du dich anstrengst. Das find ich schon auch gut, dass wenn man das noch beigebracht bekommt, wie es früher bei uns eben auch war, Bundesjugendspiele, wenn du halt ein bissl schneller gelaufen bist als die anderen, dann hast du halt eine Ehrenurkunde bekommen. Und wenn's dann haltWenn's dir so ein bisschen am Arsch vorbeigegangen ist, gut, dann hast du eine Siegerur, äh, Urkunde bekommen. Äh, ich-

00:24:36: ,992 [Dr. Christine Theiss] Teilnehmerurkunde.

00:24:36: ,542 [Martina Eberl] Oder Teilnehmerurkunde, genau. Die Sieger ist gar, gar nicht.

00:24:40: ,232 [Dr. Christine Theiss] Geht schon nach hinten. [lacht]

00:24:42: ,912 [Martina Eberl] Also das find ich schon noch auch ganz gut. Aber wie du schon gesagt hast, man muss nicht, vor allem nicht als Eltern, das darf man auch eigentlich nicht, ähm, den Ehrgeiz haben, den eigentlich, ähm, der falsch ist, ja, ähm, für die Kinder. Das, das gibt's in jeder Sportart. Ähm, und vor allem, das ist, äh, schrecklich, ganz schrecklich, wenn die Eltern-

00:24:59: ,072 [Dr. Christine Theiss] Ja, vor allem kommt ja der Wunsch nach Leistung und nach mehr kommt ja oft von alleine, wenn sich das Kind wohlfühlt.

00:25:08: ,292 [Martina Eberl] Genau.

00:25:08: ,402 [Dr. Christine Theiss] Und wenn es Spaß hat. Aber ich finde, es muss intrinsisch kommen. Es darf nicht von außen aufgestopft werden, weil ich hab bei manchen Eltern das Gefühl, weil sie es halt selber nicht auf die Kette bekommen haben, muss jetzt das Kind dafür herhalten. Und das ist der falsche Ansatz.

00:25:21: ,432 [Martina Eberl] Ja.

00:25:21: ,172 [Dr. Christine Theiss] Aber ganz garantiert.

00:25:23: ,932 [Martina Eberl] Wenn man jetzt Kickboxerin ist, ja,

00:25:27: ,072 [Martina Eberl] braucht man da so eine Grundaggressivität? Oder muss man sich dann an manchen Tagen auch so Feindbilder aufbauen, damit's funzt? Weil du musst ja doch,

00:25:38: ,792 [Martina Eberl] du hast immer einen Opponent, ja.

00:25:40: ,532 [Dr. Christine Theiss] Ähm, also Feindbild ist zu, glaube ich, zu viel gesagt. Also ein gewisses Aggressionspotenzial brauchst du schon. Ich glaube aber, dass du das in jeder Sportart brauchst.

00:25:49: ,392 [Martina Eberl] Mhm.

00:25:50: ,212 [Dr. Christine Theiss] Also um die letzten Körnchen aufm, beim Biathlon, beim Sprint hinten rauszuholen, kommen nicht, wenn du mit der weißen Flagge in der Hand kommst. Also um, um deine letzten Prozente rauszukratzen, brauchst du schon ein gewisses Aggressionslevel und dann ist der Adrenalinspiegel auch höher. Ähm, was ich tatsächlich gemacht habe, ist, dass ich den Kontakt zu meinen Gegnerinnen im Vorfeld gemieden habe.

00:26:14: ,892 [Martina Eberl] Okay.

00:26:14: ,312 [Dr. Christine Theiss] Also

00:26:16: ,552 [Dr. Christine Theiss] ...

00:26:16: ,152 [Martina Eberl] Dass da nicht doch eine Freundschaft entstehen könnte, oder?

00:26:18: ,492 [Dr. Christine Theiss] Ja, es muss ja eine kleine Freundschaft sein, aber natürlich sind die meisten von denen feine Mädels und nett und, äh, und haben ihre Daseinsberechtigung, die ich ihnen ja auch nicht abspreche. Ich will ihnen aber trotzdem aufs Maul hauen und will gewinnen.

00:26:29: ,732 [Martina Eberl] lacht]

00:26:29: ,732 [Dr. Christine Theiss] Also dementsprechend, ähm, hab ich nicht unbedingt ein Feindbild aufgebaut. Es war äußerst selten, dass ich da mal mit einer Krawatte rein bin, weil im Vorfeld vielleicht irgendwas gelaufen ist, wo ich mir gedacht hab: „So, Mädel, und jetzt, jetzt klären wir's untereinander." Ähm, aber das war sehr, sehr selten. Aber tatsächlich hab ich, ähm, versucht, den Kontakt vorher klein zu halten. Und was ich auch nicht gemacht habe, ist, dass ich mir irgendwelche Bilder von denen vorher angeschaut hab. Also es gibt

00:26:58: ,412 [Dr. Christine Theiss] unterschiedliche Arten und Weisen, wie man sich auf einen Kampf vorbereitet und es gibt kein richtig und falsch, sondern es gibt halt verschiedene Typen an Menschen und jeder macht's, wie es ist. Zum Beispiel Ramin Abdi, mein Kollege auch bei Biggest Loser und, und ganz, ganz enger Freund, der hat im Vorfeld immer jedes Video tausendmal angeschaut von seinen Gegnern, hat ihn alle Einzelteile zerlegt und hat sie dann wieder zusammengebaut und hat für sich die Strategien entwickelt. Ich hab das auch gemacht. Falsch, ich habe es machen lassen. Ich habe es selbst nicht gemacht. Ich hab, der Imaden hat im Prinzip tausend Videos angeschaut, hat dann gesehen, wo sind die Fehler, wo sind die Stärken, wo sind die Schwächen und hat mich dann darauf eingestellt. Erst an der Pranze, dann mit den Sparringspartnern, die dann daraufhin ausgesucht worden sind, damit ich mich wirklich taktisch drauf einstellen kann. Aber ich habe mir nicht eine Sekunde ein fitzelchen Video angeschaut, damit ich nicht die Bilder im Kopf habe.

00:27:46: ,352 [Martina Eberl] Mhm, mhm, mhm.

00:27:47: ,072 [Dr. Christine Theiss] Also weder von ihr Interviews, wo sie dann vielleicht nett rüberkommt, noch von ihr, wie sie vermosht einer anderen Dame grad das Gesicht vermöbelt und ich hab dann diese Bilder im Kopf. Will ich nicht haben. Was ich im, was ich wissen will, ist, wo sind ihre Stärken? Wo sind ihre Schwächen? Was ist meine Handlungsweise? Wie agiere ich? Das will ich im Kopf haben, aber nicht die Person dazu und nicht das Gesicht dazu. Und dementsprechend war auch immer nur so kurzes Hallo beim, beim Wiegen und kein Small Talk. Und, ähm, nach dem Kampf alles fein, können wir Brüderschaft trinken, ähm, können wir uns Briefchen schreiben. Alles gut. Ähm, es gab eigentlich exakt zwei, ähm, Gegnerinnen, bei denen das nicht der Fall war. Brauche jetzt keine Namen nennen, die Betroffenen werden es schon wissen. Ähm, weil einfach zu viel im Vorfeld schon war, wo ich tatsächlich mal mit 'n, mit 'nem persönlichen Beef im Ring bin

00:28:42: ,552 [Dr. Christine Theiss] und das dann im Ring geradegezogen habe, sodass ich dann hinterher mit mir zufrieden war. [lacht]

00:28:47: ,692 [Martina Eberl] Aber ist das dann nicht noch mal ein Booster? Also das stelle ich mir jetzt total fördernd vor. Wenn du jetzt, wenn du, wie du sagst, einen Beef hast, wo du sagst, das muss ich jetzt noch klären, da hab ich ja noch mal noch mehr Aggressionspotenzial dabei.

00:29:00: ,692 [Dr. Christine Theiss] Mhm. Ja, aber es darf ja nicht in blinde Aggressivität umschlagen.

00:29:04: ,252 [Martina Eberl] Ja, ja, ja. Okay, okay. Ja, okay, verstehe. Mhm.

00:29:06: ,832 [Dr. Christine Theiss] Also, äh, k-kopflos

00:29:10: ,332 [Dr. Christine Theiss] und emotional,

00:29:12: ,252 [Dr. Christine Theiss] find ich, darf man da jetzt nicht reingehen, weil dann ist die Gefahr wiederum zu groß, dass du, dass du manche Dinge außer Acht lässt. Also wer zum Beispiel ein sehr emotionaler Kämpfer war und den konntest du taktisch vorher noch so gut einstellen, war unser von allen sehr geschätzter Besim, der leider, ähm, 2011 verstorben ist.

00:29:35: ,312 [Dr. Christine Theiss] Ja, also das war ein

00:29:38: ,912 [Dr. Christine Theiss] Brackel von Mann, Schwergewichts-Thai-Boxer,

00:29:43: ,052 [Dr. Christine Theiss] ähm, Superschwergewicht. Auf jeden Fall hat der,

00:29:48: ,512 [Dr. Christine Theiss] der hat mit der Skala nach oben offen gekämpft und den konntest du taktisch noch so gut einstellen und was weiß ich. Und das war der liebste, netteste Mann mit seiner Brille, ähm, außerhalb vom Ring. Im Ring rein, hast du schon, also das war so, wenn du jemanden aus dem Käfig lässt. Das war brutal. Aber dann ist halt genauso die Gefahr, dass er in irgendwas reinrennt.

00:30:07: ,002 [Martina Eberl] Klar.

00:30:08: ,052 [Dr. Christine Theiss] Weil er dann alles mit der Brechstange will. Und das waren immer Kämpfe, da hat die Halle gebebt, weil das war einfach so

00:30:15: ,771 [Dr. Christine Theiss] wow, so wie die ersten zwanzig Minuten jetzt Bayern gegen Real. Das war so, [imitiert Schläge] wo du nach zwanzig Minuten fix und fertig warst und dachtest: „Wie soll ich die nächsten siebzig Minuten noch überleben, hier emotional?" Und so waren seine Kämpfe immer.

00:30:27: ,062 [Martina Eberl] Ist ja eigentlich auch wie bei so 'nem Bullenritt eigentlich. Die Bullen sind ja an sich selber gar nicht so, so aggressiv. Bloß wenn man ihnen halt wehtut, werden sie halt ganz schnell aggressiv, ja.

00:30:36: ,572 [Dr. Christine Theiss] Zu Recht.

00:30:36: ,052 [Martina Eberl] Ja, natürlich, um Gottes willen. Ja, ganz klar. Weil du gerade gesagt hast, nur für mich, weil das ist ja wirklich was, wo ich gar keine Ahnung hab und ich freue mich, dass ich da mal wirklich professionell aufgeklärt werde, wenn du sagst, Schwergewicht-Thai-Boxen. Schwergewicht heißt

00:30:49: ,704 [Dr. Christine Theiss] Der Besen war über neunzig Kilo, also der war nach oben offen vom Gewicht her.

00:30:53: ,824 [Martina Eberl] Also neunzig Kilo, ab da ist Schwergewicht?

00:30:55: ,043 [Dr. Christine Theiss] Ich glaube, ich, ich weiß es jetzt nicht mal ganz genau, aber ich glaube, ab fünfundneunzig.

00:30:59: ,303 [Martina Eberl] Okay.

00:30:59: ,064 [Dr. Christine Theiss] Also fünfundneunzig.

00:31:00: ,043 [Martina Eberl] Falls ja mal, dass man auch mal ganz schnell passieren kann.

00:31:03: ,744 [Dr. Christine Theiss] Und bis fünfundneunzig ist, glaube ich, Schwer... Ich weiß es wirklich nicht mehr. Schwergewicht, aber das ist auch dann wieder von Weltverband zu Weltverband unterschiedlich. Und dann sind da andere Namen und die ein... Also es ist wirklich, äh-

00:31:15: ,184 [Martina Eberl] Das ist ja schon echt kompliziert.

00:31:17: ,284 [Dr. Christine Theiss] Ja, es ist-

00:31:17: ,624 [Martina Eberl] Egal, ob, ob Kickboxen, Boxen, diese ganzen Verbände und so weiter. Habe ich gleich auch noch mal eine Frage. Aber, ähm, Thaiboxen?

00:31:24: ,404 [Dr. Christine Theiss] Thaiboxen, das ist noch zusätzlich mit Ellenbogenstößen, Kniestößen. Du kannst auch deutlich mehr klammern, als es beim Vollkontaktkickboxen. Ich habe nach der Variante gekämpft, wo nur oberhalb der Gürtellinie die Trefferfläche war. Ähm, schlicht und ergreifend, ich will kurze Röcke im Sommer tragen können. Ich will kurze Hose tragen können, ohne dass mir jedes Mal die ... Also bei den, bei den Männern wächst da Haar drüber. Ja, bei mir möchte ich das nicht. Und, ähm ...

00:31:48: ,704 [Martina Eberl] Das wollen wir natürlich nicht.

00:31:49: ,803 [Dr. Christine Theiss] Nein, das wollen, das wollen wir alle nicht. Und, ähm, dementsprechend wollte ich nicht die ganze Zeit zerschlagene Beine haben und, ähm, das ist schon noch mal ein anderes Verletzungspotenzial auch, was ich für mich nicht wollte. Deswegen habe ich nie Vollk..., äh, deswegen habe ich nie mit Low Kicks gekämpft, also unterhalb der Gürtellinie. Deswegen kam für mich auch Thaiboxen nicht infrage. Ähm ...

00:32:08: ,204 [Martina Eberl] Also das ist dann das Thaiboxen, wenn auch noch der Unterkörper dabei ist.

00:32:12: ,794 [Dr. Christine Theiss] Ja, und wie gesagt, Ellenbogenstöße. Du darfst mit dem Ellenbogen stoßen, du darfst mit dem Knie stoßen. Das ist ja alles beim, ähm, Kickboxen, na, Vollkontaktkickboxen nicht erlaubt.

00:32:21: ,364 [Martina Eberl] Ist ja auch logisch, weil die Thai-Mädels, die machen ja auch mit dem Ellbogen. Also so kann ich mir das jetzt merken.

00:32:28: ,504 [Martina Eberl] Okay. Okay, alles klar. Also so langsam komme ich da mal rein. Es gibt, ähm, Semikontakt, Leichtkontakt, Vollkontakt, dann Thai. Also es gibt ja schon alleine für den Otto Normalo wahnsinnig viel zu merken und zu verstehen. Wahrscheinlich eben im, im Zirkus selber ist es mit den ganzen Verbänden, es ist ja wahr, es ist Wahnsinn, oder?

00:32:46: ,064 [Dr. Christine Theiss] Ja, es ist, ich find's extrem, ähm, nervig und schade. Also ich hatte damals von vier Weltverbänden den Weltmeistertitel.

00:32:55: ,184 [Martina Eberl] Und wie viel gibt's?

00:32:56: ,204 [Dr. Christine Theiss] Pff, wahrscheinlich gibt's in jedem Land noch mal einen eigenen Weltverband. Also manchmal hat man das Gefühl, dass jeder Landkreis einen hat. Also ganz so, ganz so ist es nicht, aber, ähm, das ist schon, es ist schon schwierig, weil de facto sind's,

00:33:09: ,184 [Dr. Christine Theiss] gibt's halt einen Verband, dann streitet man sich, die Funktionäre, dann ist man sich nicht grün und dann wird ein neuer gegründet und dann splittet sich's wieder auf. Und das finde ich extrem schade und schwierig. Und, ähm, aber es gibt schon Verbände, die halt nicht nur in ein, zwei Ländern sind, sondern weltweit tätig sind und von denen hatte ich die Titel und, ähm, dementsprechend

00:33:31: ,684 [Dr. Christine Theiss] war insbesondere zu der damaligen Zeit noch ein Weltmeistertitel auch wirklich ein Weltmeistertitel.

00:33:38: ,704 [Martina Eberl] Klar, das wird dann ein bisschen verfälscht, gell?

00:33:39: ,964 [Dr. Christine Theiss] Ja, also, und das, das ist, ähm, ich finde das extrem schade und für 'nen Sport nicht förderlich. Im Idealfall haben wir vielleicht nicht einen, sondern zwei weltweit agierende Verbände. Also ein bisschen Konkurrenzdruck ist schon nicht schlecht.

00:33:55: ,864 [Martina Eberl] Ja.

00:33:56: ,424 [Dr. Christine Theiss] Ähm,

00:33:59: ,494 [Dr. Christine Theiss] aber

00:34:00: ,304 [Dr. Christine Theiss] ich glaube, das ist Wunschdenken, was wirklich schade ist, weil es letztendlich, äh, persönliche Befindlichkeiten sind, die dem im Weg stehen.

00:34:07: ,764 [Martina Eberl] Lassen wir es mal so dahingestellt. Hattest du jemals Verletzungen, die

00:34:13: ,724 [Martina Eberl] noch in deiner aktiven Karriere, wo es dann auch noch weiterging, wo du dann mal kurz überlegt hast? Du hattest vorher, hast du mir erzählt, bevor wir die Aufnahme gestartet haben, dass du 'ne Leberverletzung hattest.

00:34:23: ,264 [Dr. Christine Theiss] Na ja, Verletzung war's nicht. Die wurde halt getroffen am Vortag. Also ...

00:34:27: ,774 [Martina Eberl] Oh ja.

00:34:27: ,444 [Dr. Christine Theiss] My, das ist

00:34:29: ,824 [Dr. Christine Theiss] passiert.

00:34:30: ,584 [Martina Eberl] Aber wo du,

00:34:33: ,684 [Martina Eberl] wo du, ähm, eine Verletzung hattest,

00:34:37: ,964 [Martina Eberl] wo du danach echt,

00:34:40: ,284 [Martina Eberl] ja, ein bisschen Muffensausen hatt,sausen hattest, wieder weiterzuboxen?

00:34:44: ,354 [Dr. Christine Theiss] Nee, nicht wirklich. Also, ähm,

00:34:47: ,604 [Dr. Christine Theiss] die Nase war relativ selten gebrochen. Das sieht man ihr auch

00:34:52: ,024 [Dr. Christine Theiss] nicht mehr an.

00:34:53: ,394 [Martina Eberl] Tipptopp Nase.

00:34:53: ,863 [Dr. Christine Theiss] Tipptopp Nase. Hat mein Trainer gut hingekriegt. Der hatte es immer gleich wieder rein, wenn es draußen war. Ähm, aber so, so oft war das tatsächlich gar nicht der Fall. Also ich glaube, ich habe mir mehr im Alltag die Nase gebrochen als im Kickboxen.

00:35:06: ,144 [Martina Eberl] Okay.

00:35:08: ,683 [Martina Eberl] Ich keine Frage, wie du das gemacht hast.

00:35:10: ,294 [Dr. Christine Theiss] Nein, brauchen wir auch nicht, aber also, ähm, Straßenschilder und Auto, äh, Autodeckel sind halt überall, also so Kofferraumdeckel lauern überall.

00:35:22: ,144 [Martina Eberl] Ja, okay.

00:35:23: ,034 [Dr. Christine Theiss] Das sind solche Sachen. Was hatte ich mal? Also die schlimmsten Verletzungen, die ich eigentlich hatte, war 'ne, ähm, Bandverletzung hier. Das war relativ kurz vorm Kampf. Da hatte ich die Hand nicht wirklich geschlossen gehabt, als ich 'n Haken zum Kopf hatte und dann

00:35:38: ,284 [Dr. Christine Theiss] war hier drin, ähm,

00:35:42: ,364 [Dr. Christine Theiss] ein Band angerissen.

00:35:44: ,224 [Dr. Christine Theiss] Witzigerweise konnte ich praktisch nichts machen, außer schlagen. [lacht] Das hat funktioniert. Also habe ich den WM-Kampf, ich hab dann MR gemacht, die Diagnose stand dann. Da hab ich gesagt: „Gut, dann mache ich den WM-Kampf. Es hat jetzt für mich eigentlich relativ wenig Konsequenz, also zieh ich's durch.“ Ähm, ich kann, was ich schon, also was ich sehr, sehr, sehr gut kann, sind Schmerzen beiseiteschieben. Ich find, für mich heraus ist das jetzt ein Schmerz, den du gerade nicht ändern kannst, dann ist das so.

00:36:09: ,854 [Martina Eberl] Mhm.

00:36:09: ,244 [Dr. Christine Theiss] Dann wird der abgehakt, dann lebe ich damit.

00:36:12: ,104 [Martina Eberl] Mhm.

00:36:13: ,873 [Dr. Christine Theiss] Äh, oder ist das ein Schmerz, ähm, der auf mehr hindeutet, also zum Beispiel Entzündungsprozess oder was weiß ich. Da war ich sehr feinfühlig. Ähm, und wenn ich gemerkt habe, oh, das ist was, wenn ich jetzt weitermachen würde, würde es einen Entzündungsprozess auslösen, würde größer werden, dann habe ich immer sehr früh gestoppt zu einem Zeitpunkt, wo vielleicht andere weitermachen würden, weil man es ja noch ignorieren kann.

00:36:31: ,544 [Martina Eberl] Mhm.

00:36:32: ,844 [Dr. Christine Theiss] So dass der Entzündungsprozess, mein Gott, dann nimmst du halt mal drei, vier Tage,

00:36:37: ,734 [Dr. Christine Theiss] ähm, Anti, ähm, also NSAR, nichtsteroidale Antirheumatika, ohne jetzt Markennennung zu machen und, ähm, dann ist, dann ist gut. Und bei anderen Schmerzen, da habe ich es einfach komplett ignoriert. Da wusste ich, okay, ist halt jetzt eine Prellung, tut weh, äh,

00:36:55: ,884 [Dr. Christine Theiss] kannst du jetzt nicht ändern. Mach weiter.

00:36:58: ,596 [Martina Eberl] War das damals schon geprägt von deinem, ich mein, da kommen wir nachher noch drauf, von deinem Dasein als Ärztin? Oder war das wirklich intuitiv als-

00:37:07: ,576 [Dr. Christine Theiss] Ähm, nee, das ist schon, schon so ein zweigleisiges, dass du halt besser einschätzen kannst: Ist das jetzt was, was grad in eine falsche Richtung geht? Ist das was, wo man aufpassen muss? Ich war auch während meiner, während meiner ganzen Profikarriere praktisch nie krank. Ich hab jeden Früh in Spiegel geschaut, Mund aufgemacht. Wenn ich gesehen hab, der Rachenring ist rot, hab an dem Tag Pause gemacht. Dann, ja, war ich an dem Tag komplett raus, äh, hab mich gesund geschlafen und am nächsten Tag war ich wieder komplett einsatzfähig. Das heißt, ich hab schon bevor irgendwas kam, auch nur bevor das erste Symptom da war, hab ich schon die Bremse getätigt, dann wieder, ähm, Entzündungssalbe eingeworfen und gut war's. Also ich bin dann nie krank geworden und natürlich bin ich zum Beispiel auch ab einer gewissen Karenzzeitform,

00:37:53: ,196 [Dr. Christine Theiss] ähm, habe damals schon die Dauerkarten für Bayern gehabt. Da bin ich dann zum Beispiel nicht ins Spiel gegangen. Ist halt nicht schlau, mit 75.000 Menschen gleichzeitig auf engem Raum zu sein. Das war schon vor Corona war das nicht schlau, ja. Das ist gesunder Menschenverstand. Da brauchen wir, brauchen wir keine Pandemie, um das zu kapieren. Ähm, wenn man nicht krank werden will, geht man zu gewissen Zeiten nicht in Menschenmengen, -massen.

00:38:16: ,776 [Dr. Christine Theiss] Kannst du nach 'm Kampf machen. Dann kannst du dir deinen Schnupfen holen, ja, aber halt nicht, nicht direkt davor.

00:38:21: ,236 [Martina Eberl] Ja, also der Rachenring, den schau ich mir jetzt in Zukunft auch von meinen Kindern an, weil die schick ich nämlich immer per se in die Schule, wo ich immer sag: „Ach, euch fehlt doch nix. Jetzt komm, jetzt gehen wir. Das ziehst du jetzt durch."

00:38:32: ,976 [Dr. Christine Theiss] Ja.

00:38:32: ,636 [Martina Eberl] Ja und dann muss ich da sagen: „Meine Mutter schickt uns immer in die Schule", wo ich sag: „Na ja gut, wenn die Schulaufgabe wieder ansteht", ja, wo ich sag, äh, das ist halt auch mal super schwierig. Also ich vertrau meinen Mädels da schon, dass sie keinen Schmarrn erzählen, aber du, wie oft mir da eingefallen wär, ja doch mal-

00:38:49: ,666 [Dr. Christine Theiss] Ja gut, Bauchschmerzen siehst du am Rachenring nicht. [lacht]

00:38:52: ,696 [Martina Eberl] Ah, okay, gut. Aber gut, aber das ist mal gut zu merken. Aber hast du denn irgendwelche Hacks, wo man jetzt sagt, na selber wenn man in so 'nem, in so 'nem Sport ist, wo man mit blauen Flecken ständig konfrontiert ist, wo man sagt, ähm, damit der Heilungsprozess da mal schneller vorwärtsgeht.

00:39:08: ,656 [Dr. Christine Theiss] Angeblich bringt's nix, aber ich habe, ich fand schon, dass es was bringt, zumindest beim blauen Augen, bei Veilchen, ist Heparinsalbe. Muss man natürlich die für die Augen nehmen, weil die darf ja nicht ins Auge laufen, dann haben wir ein Problem.

00:39:20: ,376 [Martina Eberl] Mhm.

00:39:21: ,416 [Dr. Christine Theiss] Ähm, aber wenn ich das so für mich vergleichend genommen habe oder nicht genommen habe, ist das mit, mit Heparinsalbe deutlich schneller verschwunden, das blaue Veilchen wieder, als ohne. Und ansonsten hab ich da nix gemacht. Tatsächlich, ich weiß auch nicht warum, äh, wenn ich hier, da konnt ich solche Oschis haben an blauen Flecken, die waren drei Tage später wieder weg. Wahnsinn. Und wenn ich unterhalb, was halt nicht so abgehärtet war, weil's halt nicht Trefferfläche war, selbst wenn ich heute nur so irgendwo hinramme unterhalb der Gürtellinie, habe ich wochenlang einen blauen Flecken.

00:39:53: ,596 [Martina Eberl] Echt?

00:39:53: ,856 [Dr. Christine Theiss] Also mein Körper ist da total drauf, immer noch. Ist ganz witzig. Wenn ich hier irgendwo gegen wohn, ist es relativ schnell wieder weg. Keine Ahnung, ob das Einbildung ist oder ob das immer noch so funktioniert, dass da die Fresszellen sagen: „Okay, also da muss man ständig was tun, da sind wir noch eingeknüpft." Ähm, aber das war damals definitiv so gewesen. Da kommt, bist du manchmal vom Training heimgekommen, hast natürlich solche Beulen gehabt. Da, da, dann hab ich die halt abgebunden daheim, dass, dass die Beule verschwindet und dann war das aber sehr schnell wieder weg.

00:40:20: ,116 [Martina Eberl] Mhm. Also Druck. Druck, okay.

00:40:23: ,586 [Dr. Christine Theiss] Ja klar, Druck. Und, ähm, wenn ich 'n Veilchen hatte, dann hab ich immer geschaut, also warte mal, wie rum, d-die, das fließt ja mit dem Schwergewicht runter. Das heißt, ähm, warte mal, auf welcher Seite musst ich immer liegen? Jetzt muss ich überlegen, ich hatt schon lang kein Veilchen mehr, äh. [lacht]

00:40:42: ,036 [Martina Eberl] Das ist auch gut so.

00:40:44: ,596 [Dr. Christine Theiss] Das ist auch gut so, aber ich bin dann, hab dann immer so gelegen, dass das Veilchen sich nicht nach unten verlaufen hat, sondern nach oben reingelaufen ist.

00:40:51: ,376 [Martina Eberl] Mhm.

00:40:52: ,336 [Dr. Christine Theiss] Und dann musste ich auf der Gegenseite nur auch mit solchen ähnlichen Farben arbeiten und dann sah ich geschminkt aus und das lief dann nicht herunter.

00:41:00: ,366 [Martina Eberl] Also quasi positiv ausgelegt dann. Also kann, ja, alles was-

00:41:04: ,126 [Dr. Christine Theiss] Das geht aber, das funktioniert bei Frauen besser mit dem, das andere Auge einfach ähnlich schminken als bei Männern, ja.

00:41:10: ,176 [Martina Eberl] Ja, sehr gut, okay cool. Bei uns Golfer ist ja das Training relativ ähnlich. Ja, also man trainiert natürlich immer, es gibt immer Schwachstellen. Das wird beim Kickboxen auch nichts anders sein, dass es gewisse Sachen gibt, die kann man viel besser von verschiedenen Schlägen, Techniken, was auch immer. Und es gibt halt Sachen, wo man sagt, ja, das ist halt so bissl meine Schwachstelle, die muss ich bissl mehr üben. Aber prinzipiell war das jetzt nie so, wie man jetzt sagt, ähm, es gibt da so manche Wettkämpfe, zum Beispiel beim Bodybuilding, ja, dass du halt dann noch mal vorm Wettkampf noch mal ganz andere, ähm, Dynamiken einlegen musst. Noch mehr, noch mehr shredden, was auch immer, ja. Also bei uns, bei Golfer ist das ja, boah, kann man überhaupt nicht vergleichen, aber es ist Training immer ähnlich jeden Tag gewesen. Wie ist denn das beim Kickboxen gewesen? Wenn du jetzt halt auf 'n, auf 'ne Weltmeisterschaft hin trainiert hast, ist es dann

00:42:04: ,676 [Martina Eberl] krass viel mehr geworden als im normalen Training, oder?

00:42:07: ,160 [Dr. Christine Theiss] Ja, ich hatte de facto ja kein normales Training mehr. Also ich bin zu ... Aber das ist insgesamt ist das sowieso sehr stark intervallisiert. Sobald du anfängst, in Wettkämpfe zu gehen, ähm, musst du intervallisiert arbeiten, weil du auch, ähm, Kämpfe viel häufiger kommen. Da musst du tatsächlich eher mit 'm Jahresplan gehen, so wie auch beim Fußball auch. Ich find das immer witzig, wenn sich die Leute zu 'nem, zu 'nem Zeitpunkt in der Saison aufregen, dass ein Spiel nicht so geil war, ähm, wo ich denk: „Ja, aber der Höhepunkt ist nicht jetzt. Der Höhepunkt ist am Ende der Saison, da müssen sie aufm Maximum sein. Jetzt reicht es, wenn man auch mal 'n Arbeitssieg heimträgt." Und genauso ist es, wenn du im Amateurbereich bist, auch. Da musst du schauen, da musst du über die ganze Saison planen und da Akzente setzen. Ähm, im Profibereich ist das schon ein bissl anders. Also ich hab tatsächlich in Wellen trainiert. Ähm, das heißtWM-Kampf ist vorbei. Ich habe drei bis vier WM-Kämpfe im Jahr gemacht. Am Anfang vier. Irgendwann habe ich gesagt: „Leute, also ich, das geht nicht mehr."

00:43:10: ,000 [Martina Eberl] Also vier, so alle drei Monate quasi?

00:43:12: ,300 [Dr. Christine Theiss] Mhm.

00:43:12: ,080 [Martina Eberl] Okay.

00:43:13: ,160 [Dr. Christine Theiss] Aber da warst du praktisch nonstop on fire. Äh, irgendwann habe ich es dann reduziert auf drei, was immer noch genug ist. Ähm, im Prinzip ist der WM-Kampf vorbei gewesen.

00:43:24: ,840 [Dr. Christine Theiss] Dann habe ich zwei Wochen nichts gemacht, gar nichts, niente.

00:43:28: ,900 [Dr. Christine Theiss] Außer dass ich ein bissl auf der Waage geschaut, dass ich nicht mit dem Zug rassen ... Also da haben sich in den zwei Wochen, haben sich die meisten Männer immer so zehn Kilo zugefressen oder noch mehr. Und dann wundern sich, wenn sie nach hinten strugglen, um ihr Gewicht zu bekommen. Also in der Zeit habe ich immer zugeschaut, dass ich maximal drei Kilo zunehme.

00:43:44: ,720 [Martina Eberl] Danach.

00:43:45: ,720 [Dr. Christine Theiss] Nach der, nach der WM.

00:43:46: ,340 [Martina Eberl] Also wenn sie ein bissl [pfeift].

00:43:48: ,240 [Dr. Christine Theiss] Genau, und wenn du auch mal einfach mal Dreck fressen kannst und, äh, trinken kannst und ausschlafen kannst und na ja. Aber das habe ich maximal immer zwei Wochen gemacht und dann fing ich schon wieder an, dass ich ins Training bin. Dann habe ich, dann ging erst mal sogenannte Grundlagentraining los, ähm, dass ich da noch mal forciert, äh, Kraft gemacht habe, vielleicht auch noch mal in dem Bereich, wo Schwachstellen waren. Wir trainieren, das macht ihr beim Golfen sicherlich nicht anders, mittlerweile sehr stark in ganzen Bewegungsketten, nicht mehr, nicht mehr, ähm-

00:44:22: ,780 [Martina Eberl] Isoliert.

00:44:22: ,419 [Dr. Christine Theiss] Isoliert. Außer es gibt halt eine besondere Schwachstelle. Klar musst du dann, wenn, wenn es zum Beispiel heißt, bei der Technik bist du zu langsam, dass man dann speziell den Trizeps oder so aufbaut. Ja, Bizeps ist gar nicht so wichtig. Der ist eher fürs Aussehen für die Jungs wichtig, aber eigentlich für den Sport gar nicht so sehr, ähm, sondern der Trizeps, aber der ist halt ekelhaft zu trainieren und nicht sexy. Und, ähm-

00:44:43: ,700 [Martina Eberl] Wobei der Trizeps-

00:44:44: ,300 [Dr. Christine Theiss] Ich finde ja Trizeps super.

00:44:46: ,720 [Martina Eberl] Also wenn der nicht hängt.

00:44:46: ,600 [Dr. Christine Theiss] Mein Lieblingsmuskel ist hier oben der Deltoideus.

00:44:48: ,670 [Martina Eberl] Ja? Doch.

00:44:49: ,620 [Dr. Christine Theiss] Den mag ich, den mag ich ja auch nicht.

00:44:50: ,420 [Martina Eberl] Mhm.

00:44:51: ,820 [Dr. Christine Theiss] Ähm, [lacht] aber-

00:44:52: ,380 [Martina Eberl] Moment, das brauche ich jetzt noch mal, dass ich das jetzt auch weiß. El...

00:44:55: ,320 [Dr. Christine Theiss] Deltoideus.

00:44:56: ,120 [Martina Eberl] Delteude-teudeus.

00:44:58: ,080 [Dr. Christine Theiss] Deltoideus. Äh, de, das ist oder Deltamuskel auf, auf Deutsch. Das ist der hier oben.

00:45:04: ,740 [Martina Eberl] Delta. Delta gefällt mir besser. Das kann ich mir besser merken. Ich bin kein Mediziner. Okay, alles klar. Okay, okay, okay.

00:45:09: ,860 [Dr. Christine Theiss] Und, ähm,

00:45:12: ,870 [Dr. Christine Theiss] und auf jeden Fall dann, also mit dem Krafttraining, dann fing man aber auch schon an, natürlich mit dem Einzeltraining an den sogenannten Pratzen, das sind die Übungshandschuhe. Da ging es dann eher noch darum: Wo sind deine Fehler? Also wo waren, wo haben sich beim letzten Bett, äh, letzten Kampf oder letzten Vorbereitung Schwachstellen herauskristallisiert? Dann fängt man schon an, spezifischer zu werden. Das heißt, dann steht der Gegner fest, dann weiß man, was ist der nächste Gegner? Wo sind da die Schwachstellen? Wo sind die Stärken? Dann beginnen wir schon im Techniktraining an, sich mehr und mehr auf den Gegner einzustellen. Die, ähm, das allgemeine Krafttraining wird viel spezifischer. Ähm, dann geht man wieder an, in, äh, in, in

00:45:57: ,700 [Dr. Christine Theiss] den Körper zu hundert Prozent zu bringen. Das brauchst du aber erst kurz vom Wettkampf. Das heißt, dann kommen die Trainingseinheiten, gerade im

00:46:07: ,080 [Dr. Christine Theiss] Ausdauer-,

00:46:09: ,560 [Dr. Christine Theiss] konditionellen Bereich. Wir haben ja sehr ... Was wir haben, ist halt, dass wir sehr hochpulsig trotzdem Kopf bewahren müssen. Also, was wir zum Ende des Kampfes schaffen wollen, ist, dass wir sozusagen die Kurve auf der, auf der Lak, also die Laktatkurve verschieben. Das heißt, dass der Laktatwert erst zu einem späteren Zeitpunkt ansteigt und dass wir dann innerhalb des Laktatanstieges,

00:46:31: ,820 [Dr. Christine Theiss] äh, toleranter sind, äh, und trotzdem weiter in unsere Leistung bringen, obwohl wir schon brennen, noch den klaren Kopf bewahren, genug Sauerstoff haben, um weiterhin in dem Bereich gut zu sein und dann eine sehr schnelle Erholungsphase. Wir haben eine Minute Pause, wir kommen vielleicht mit einer hundertachtziger Frequenz in die Ecke rein und gehen mit unter hundert wieder raus nach einer Minute.

00:46:53: ,340 [Martina Eberl] Also super Grundlagenausdauer auch.

00:46:55: ,100 [Dr. Christine Theiss] Genau. Also die Grundlagenausdauer ist am Anfang und dann dieses Spezifische und das ist der Bereich, der richtig, richtig ätzend ist. Also da werden auch die, äh, das ist, das sind die Ausdauertrainingseinheiten, die richtig wehtun, weil die halt in den anaeroben Bereich gehen, dass du da klarkommst. Und das sind aber die Trainingseinheiten, die erst sehr spät zum Schluss sind, weil du brauchst deine hundertprozentige Leistungsfähigkeit am Tag X und nicht eine Woche vorher.

00:47:21: ,050 [Martina Eberl] Ja, stimmt. Wie trainiert man die dann? Ist es dann, das sind ja keine Sprints, sondern das ist ja dann-

00:47:26: ,720 [Dr. Christine Theiss] Nee, also Bergsprints sind auch ein Teil des Ganzen. Super schön. Also das heißt, dann bist du mit deinem Trainer, der dafür zuständig war, an den Berg gegangen mit dem Pulsmesser und dann immer schön ins Ohr gestochen. Du wirst den Berg hochgescheucht, dann langsam runtertraben und sobald der Puls eine bestimmte Frequenz erreicht hat, sofort wieder weiter traben, bis er eine an, bis er eine andere Frequenz erreicht hat. Oder es gab eine Trainingseinheit, die habe ich gehasst, wenn ich wusste, die kommt. Den ganzen Tag schon rumgelaufen wie ein geprügelter Hund. Dreißig Minuten am Sandsack.

00:47:57: ,160 [Dr. Christine Theiss] Davon die ersten zehn Minuten Puls über hundertfünfzig.

00:48:00: ,580 [Martina Eberl] Mhm.

00:48:01: ,260 [Dr. Christine Theiss] Also dreißig Minuten nonstop. Zweiten zehn Minuten durchgehend Puls über hundertsiebzig.

00:48:06: ,880 [Martina Eberl] Mhm.

00:48:06: ,500 [Dr. Christine Theiss] Das schaffe ich heute sofort, weil ich nicht mehr so trainiert bin wie damals. Aber wenn du natürlich super trainiert bist, den Puls über hundertsiebzig bringen, ist gar, ist echt schwer.

00:48:15: ,100 [Martina Eberl] Ja, ja.

00:48:16: ,610 [Dr. Christine Theiss] Und du darfst keine Sekunde nachlassen, weil wenn du fit bist und auch nur eine Sekunde nachlässt, ist dieser blöde Puls wieder unter hundertsiebzig. Das heißt, zehn Minuten lang den Puls konstant über hundertsiebzig halten und dann die letzten zehn Minuten wieder – das waren die schönsten zehn Minuten der Woche immer – Puls unter hundert, äh, über hundertfünfzig lassen, aber nicht drunter. Und diese dreißig Minuten, die sind so, so, so schlimm. Im Prinzip musste ich zehn Minuten lang nonstop zum Kopf knallen, weil ich mit nur mit Faust gar nicht über, äh, über hundertsiebzig gekommen wäre. Heute würde ich nur mit Faust wahrscheinlich über hundertsiebzig kommen, ähm, weil ich nicht, aber ich müsste eine Zeit lang trainieren und das passt sich schon. Du weißt es selber. Wenn du mal in dem Bereich warst, musst du gar nicht so viel machen und bist sehr schnell wieder fit. Für uns beide reicht es, wenn wir die Hanteln intensiv anschauen und wir haben Muskelwachstum, wo andere sich den Hintern aufreißen müssen oder annähern, in unseren Bereich zu kommen.

00:49:05: ,420 [Martina Eberl] Mhm. Ja, Wahnsinn. Ja, aber wenn ich das jetzt so höre, gell. AlsoBei uns gibt's ja die Tour, wo man

00:49:14: ,760 [Martina Eberl] gefühlt eigentlich dreihundertfünfundsechzig Tage spielt. Ähm, da muss man sich dann auch die Wochen rausnehmen. Also bei mir waren es damals fünf, sechs Wochen am Stück absolutes Maximale. Danach bist du einfach im Hirn ausgebrannt, körperlich auch. Ich frage mich auch jetzt, ich war jetzt gerade erst wieder auf 'ner Golfreise mit 'ner total netten Gruppe und, ähm, da haben wir dann jeden Tag auf dem Platz achtzehn Loch gespielt, teilweise nur neun Loch, aber wirklich viel trainiert. Also den ganzen Tag einfach aufm Golfplatz verbracht und am letzten Tag, ich sag's dir, ich hab dann echt meine Ibu gebraucht für meinen Rücken und so weiter, wo ich mir gedacht hab: „So, das ist so krass. Früher hab ich das jede Woche, fünf, sechs Tage die Woche, jeden Tag achtzehn Loch Training noch dazu. Ich bin natürlich, war ich halb so alt wie jetzt. Shoutout für Golf eigentlich, weil früher hieß es ja immer, Golf ist ja kein Sport. Ja, also das sind ja mittlerweile Gott sei Dank alles fast schon durchgehend Athleten.

00:50:05: ,680 [Martina Eberl] Aber wenn ich das jetzt so hör, dass du sagst, jetzt, da bist du dann von vier auf drei Kämpfe gegangen,

00:50:13: ,220 [Martina Eberl] da denk ich mir: „Oh, das ist eigentlich schon krass wenig, wenn ich mir überleg, wir, wir haben ja jede Woche Wettkampf gehabt, ja.

00:50:21: ,620 [Dr. Christine Theiss] Genau, das, das ist halt 'ne andere Trainingssteuerung. Du musst schauen, dass du auf 'nem hohen Niveau bleibst und dass du nicht zu sehr ausbrennst. Und wir waren, also ich war nach so 'nem Kampf-

00:50:35: ,040 [Martina Eberl] Durch.

00:50:36: ,440 [Dr. Christine Theiss] Durch, komplett durch, weil alles auf diesen einen Tag fixiert war. Ähm, nicht nur das Training, ähm, da, so um mal ein Beispiel zu nennen, ich weiß, dass, ähm, dass die, äh, also ich kenne von Profisportlerzahlen oder von Profiboxerzahlen, dass er neunzig Sparringsrunden pro WM-Kampf hatte. Das erscheint mir sehr wenig. Ich hatte hundertachtzig in der Vorbereitung. Normalerweise, also hundertachtzig Runden nur Sparring, also nicht alles andere Training, sondern das Training mit jemandem im Ring. Ähm, für meinen letzten WM-Kampf, da bin ich auf Nummer sicher gegangen, damit nichts schiefgeht, da hab ich dreihundertsechzig Runden gehabt.

00:51:15: ,200 [Martina Eberl] Dreihundertsechzig.

00:51:16: ,150 [Dr. Christine Theiss] Und dann, und die erste Trainingseinheit war meistens schon früh um sechs. Die letzte, je näher der K-Kampf kam, desto später hab ich trainiert. Dann hab ich teilweise auch erst abends um zehn, halb elf trainiert, um elf, damit sich der Körper adaptiert an diese späten Live-Zeiten, Live-Zeiten im Fernsehen. Ähm, also das ist,

00:51:38: ,060 [Dr. Christine Theiss] die, die Trainingsintensitäten, die wir haben, sind halt höher und, ähm, und jede Sparringsrunde birgt auch die Gefahr, dass du dich verletzt, weil du, insbesondere wenn du ja nicht mit Leuten trainierst, die du kennst, sondern wir haben ja dann die letzten Wochen auch immer Leute von außerhalb kommen lassen, teilweise aus dem Ausland eingeflogen, so die, die Gegner simulieren und die bist du ja nicht immer in Deutschland fündig geworden oder im eigenen Stall, sondern die kamen von überall her, die Leute, mit denen ich trainiert habe. Und, ähm, um mich auf die Gegner einzustellen und das ist, ähm, ich war wirklich damals extrem fit. Aber das ist wie gesagt, dadurch, dass es so hochpulsig ist, 'ne ganz andere Trainingssteuerung. Also, ähm,

00:52:22: ,760 [Dr. Christine Theiss] im Profibereich bist du halt an dem Tag X musst du bei hundert Prozent sein. Und diese hundert Prozent zu erreichen, ist halt echt zäh und das schaffst du, würdest du auf 'm, auf, auf so 'nem dauerhaften Level gar nicht halten können.

00:52:37: ,120 [Martina Eberl] Ja, das ist wahrscheinlich aber auch von, bei jedem anders. Das ist ja, manche machen drei, manche machen dann fünf wahrscheinlich. Was ist so das Maximale, was mal wirklich, wo man jetzt sagt, wenn man jetzt zu einer ist, der wahnsinnig schnell regeneriert. Was kann der, was kann der boxen? Oder wie viel Wettkämpfe kann der im Jahr machen?

00:52:51: ,840 [Dr. Christine Theiss] Na, Wettkäm-- Wie gesagt, im Amateurbereich, aber da hast du nur drei Runden.

00:52:54: ,300 [Martina Eberl] Ah ja, okay.

00:52:55: ,220 [Dr. Christine Theiss] Ich hab ja zehn gehabt.

00:52:56: ,279 [Martina Eberl] Ja, ja, okay.

00:52:57: ,320 [Dr. Christine Theiss] Das ist 'ne andere Hausnummer.

00:52:58: ,840 [Martina Eberl] Ja, okay.

00:52:58: ,400 [Dr. Christine Theiss] Also im Amateurbereich, da bist du teilweise jede Woche unterwegs. Also das ist dann irgendwie wie bei euch, ja. Also da hast du dann an 'nem Wochenende deine Turniere und das ist halt da irgendwie die Weltmeisterschaft, dann die, da dies und da jenes. Also ich war als Kind schon immer

00:53:14: ,920 [Dr. Christine Theiss] während der Saison

00:53:17: ,440 [Dr. Christine Theiss] spätestens, also alle zwei Wochen oder so unterwegs. Also das war völlig, völlig normal. Ähm,

00:53:24: ,760 [Dr. Christine Theiss] aber das ist, da trainierst du nicht auf diese, auf dieses krasse Niveau hoch, ja. Und nichts, vor allem nicht so spezifisch auch auf einen einzigen. Und das sind dann ganz andere Rundenzahlen. Also drei Runden

00:53:38: ,680 [Dr. Christine Theiss] ist 'ne ganz andere Hausnummer von der Kondition her wie zehn oder zwölf. Wobei, ist totaler Schwachsinn, Frauen haben zehn und Männer zwölf. Wieso sollen wir nicht zwölf kämpfen? Da sind wir wieder bei dem Gedöns. Also ich hab nicht weniger Kondition gehabt wie die Männer. Sicher nicht. Ich hab auch in meiner Trainingsvorbereitung hab ich auch immer zwölf gekämpft statt zehn. Dann lieber, lieber drüben mehr trainieren und dann-

00:53:57: ,260 [Martina Eberl] Witzig, dass dann wieder so mehr.

00:53:59: ,160 [Dr. Christine Theiss] Ich hab auch immer, zum Beispiel im Training hab ich immer, im, im WM-Kampf selber hatte ich ja nur wenig an, bis sehr wenig, was auch einfach daran liegt, dass halt jetzt zum einen, find ich, sieht's optisch im Fernsehen schöner aus. Ich will, dass die Leute das gucken. Warum, ist mir am Ende des Tages ist mir das so wurscht, warum sie es schauen, ob sie stellen ein. Ähm,

00:54:19: ,760 [Dr. Christine Theiss] äh, und zum anderen konnte ich dann meinen Körper mit Vaseline voll machen und das ist für mich angenehmer, wenn 'n, 'n Tritt auf, auf die Vaseline, eingecremt Vaseline, ähm, Körper knallt, als wenn er auf 'nem T-Shirt knallt. Und also ich fand das angenehmer, ähm.

00:54:35: ,120 [Martina Eberl] Aha, also der Körper war mit Vaseline eingecremt.

00:54:38: ,050 [Dr. Christine Theiss] Genau.

00:54:39: ,160 [Martina Eberl] Alles?

00:54:40: ,139 [Dr. Christine Theiss] Nee, die, die, die Treffer, die Trefferstellen hab ich mit Vaseline-

00:54:43: ,880 [Martina Eberl] Bei dir war das ja der ganze Oberkörper.

00:54:44: ,720 [Dr. Christine Theiss] Ja, aber nicht die Rückseite. Also im Prinzip hier unten der Bauch, die Seiten und das Gesicht. Und, ähm, das Gesicht war natürlich auch eingecremt und im Training selber hab ich aber immer mit ganz vielen Klamotten trainiert, damit ich mir dann im WM-Kampf leicht wie 'n Vogel vorkam.

00:55:00: ,660 [Martina Eberl] Okay.

00:55:01: ,160 [Dr. Christine Theiss] Da hab ich auch immer die komplette Schutzausrüstung gehabt. Ich hab nie ein Training ohne Kopfschutz gemacht.

00:55:06: ,079 [Martina Eberl] Klar. Ja, natürlich.

00:55:07: ,860 [Dr. Christine Theiss] Ja, viele finden, weiß ich, es gibt viele, die tun's nicht. Frage ich mich, warum? Bist du dumm? Noch nicht. Bald. Also zieh doch bitte 'n Kopfschutz auf. Ähm, ich hab immer ganz viele Klamotten angehabt, Pullis und lange Hosen und Schienbeinschoner und was weiß ich. Und im WM-Kampf, allein wenn ich das ganze Gedöns weggelassen hab, kam ich mir schon so leicht und schnell vor.

00:55:27: ,912 [Martina Eberl] Noch 'ne Frage zu Amateur und Profi.

00:55:32: ,712 [Martina Eberl] Bei uns ist der Unterschied, der Profi darf Geld verdienen, der Amateur nicht. Das ist der gravierendste Unterschied beim Golf, Amateur zu Profi.

00:55:39: ,312 [Dr. Christine Theiss] Mhm.

00:55:40: ,852 [Martina Eberl] Und den Schritt, den muss man sich auch wirklich gut überlegen, weil wenn du mal Profi bist, das dauert nämlich drei Jahre, dass du wieder zurück zum Amateur gehen kannst. Ähm, gibt's immer wieder. Mach, also ich, ich würd's jetzt nicht machen, weil auch wenn ich jetzt mehr, also ich verdiene ja durchs Coaching auch Geld, das dürfte ich als Amateur aber auch nicht. Also ab dem Zeitpunkt, wo man nur 'n Pfutzl ich an Geld damit verdient, ist man eigentlich schon Profi. Wann, was ist der krasse Unterschied beim Kickboxen? Wann wird man oder was ist die Entscheidung?

00:56:06: ,972 [Dr. Christine Theiss] Also Geld ist es normalerweise gar nicht bei uns. Normalerweise ist, selbst wenn du Profi bist, ist ein Draufzahlgeschäft. Also ich war schon Profi-Weltmeisterin, als ich erst angefangen habe, überhaupt damit Geld zu verdienen. Was heißt Profi? Profi heißt, dass du ohne Kopfschutz kämpfst.

00:56:23: ,492 [Martina Eberl] Okay, okay, gut.

00:56:25: ,252 [Dr. Christine Theiss] Also im Amateurbereich ist der, ist der Kopfschutz Pflicht.

00:56:28: ,432 [Martina Eberl] Aha, okay.

00:56:28: ,292 [Dr. Christine Theiss] Im Profibereich ist, hast du keinen Kopfschutz auf. Du hast auch keine Schienbeinschoner an, beziehungsweise kannst du selbst entscheiden. Ähm,

00:56:37: ,832 [Dr. Christine Theiss] dann ist es so, dass du im Profibereich nicht nach dem Turniermodus kämpfst wie im Amateurbereich, sondern dass du halt einen Gegner hast, von dem du weißt, dass der kommt in der Regel. Dann ist es so, dass du mehr Runden hast. Also es gibt natürlich auch im Profibereich irgendwelche kleine Titelkämpfe oder so, dann sind's drei Runden, aber normalerweise ist es, jetzt kämpfen sie fünfmal drei Runden. Ich find das so kacke, ey. Wa-warum wollen, warum machen wir das so klein? Lasst doch bitte schön nach hinten raus. Das macht doch taktisch viel mehr Sinn. Man kann so taktisch mehr arbeiten, wenn man viele Runden hat. Also bei mir waren's damals zehn, also, ah, warte mal, jetzt muss ich kurz überlegen. Fünf Runden war der DM-Titel, sieben Runden war der Europameistertitel und dann zehn Runden der Weltmeistertitel. Und jetzt können, warum auch immer, kann man jetzt fünfmal drei kämpfen und was wird im Vorfeld festgelegt. Also mit mir hätten sie's nicht machen können. Da hätte ich mich geweigert. Weil ich liebe zehn Runden. Ich liebe dieses, wo sich die Streu vom Weizen trennt, dass man schon oft eigentlich, eigentlich, ja, ich wurde von Runde zu Runde besser. Wenn die anderen schon anfingen, blau zu werden, dann kam meine Sternstunde und dann hat sich die ganze Ackerei ausgezahlt und du kannst auch taktisch, na ja, hast du halt mal 'ne Runde hergegeben. Ist doch völlig wurscht, bleib ruhig, arbeite an deinen Fehlern, besprech das mit dem Trainer in der Runde, setze neue Akzente. Ich liebe, ich hab diese zehn Runden geliebt.

00:58:07: ,172 [Martina Eberl] Gibt's da so 'ne Schwelle, wo, wo's so eindeutig auch für so Laien wie für mich jetzt erkennbar wäre, dass man sagt, okay, die meisten, die bauen dann so nach acht Runden ab?

00:58:17: ,432 [Dr. Christine Theiss] Na gut, die Deckung fängt an zu hängen, du läufst in, in Dinger rein, du wirst langsamer.

00:58:23: ,612 [Martina Eberl] Aber dass es so 'ne klassische Anzahl an Runden gab, wo, wo's dann einfach zach wurde für die meisten, wo du sagst, da bist du eigentlich so richtig erst zur Hochform aus, aufgelaufen?

00:58:32: ,512 [Dr. Christine Theiss] Ja, also a, ab Runde acht fängt's schon an weh zu tun. Und, äh, wie sagt Ramin Abtin immer? "Last round is championship round." [lacht] Die letzte Runde ist halt noch mal, aber ist halt auch die gefährlichste Runde. Weil wenn einer hinten liegt, ist das die Runde, wo noch mal alles in die Waagschale we, werfen kann, weil er liegt ja eh schon hinten.

00:58:50: ,492 [Martina Eberl] Mhm.

00:58:51: ,012 [Dr. Christine Theiss] Ähm, da muss man aufpassen.

00:58:53: ,472 [Martina Eberl] Mhm. Ja, also faszinierend. Ich, ich find das immer toll, so von anderen Sportarten so viel zu lernen, was man eigentlich nicht so mitbekommt, ja. Also cool. Also das ist jetzt der, der grundlegende Unterschied. Du bist ja bekannt gewesen, dass du so taktisch klug gekämpft hast. Wenn ich jetzt sag, okay, taktisch, wann, irgendwann muss ja die Taktik aufhören. Weil wenn die andere ein extremes Aggressionspotenzial gegen dich hat, dann kannst du ja nicht die ganze Zeit nur taktieren. Da musst du ja auch deinen Spielplan quasi umlegen.

00:59:22: ,432 [Dr. Christine Theiss] Mhm, taktieren heißt ja nicht, dass, ähm, taktieren heißt ja nicht, dass du nur rückwärts gehst oder so, sondern, also ich hab nie gleich gekämpft.

00:59:31: ,452 [Martina Eberl] Mhm.

00:59:32: ,442 [Dr. Christine Theiss] Wenn ich 'ne, 'ne kleine Gegnerin zum Beispiel bekomme, also die, die hab ich eigentlich, ja, ich hab, meine Gegnerinnen waren meistens kleiner, ja. Und ich kämpf nie-

00:59:42: ,791 [Martina Eberl] Du bist ja auch groß. Wie groß bist du?

00:59:43: ,452 [Dr. Christine Theiss] Ich bin eins fünfundsiebzig, hab halt damals entweder sechzig und dann später zweiundsechzig fünf gekämpft. Das heißt, ich bin für 'ne Kampfsportlerin relativ groß für mein Gewicht, aber ich bevorzuge es, gegen Größere zu kämpfen. Die waren nur nicht so oft in meiner Gewichtsklasse. Also ich fand das eher 'n Nachteil, dass ich gegen Kleinere kämpf. Ähm, das heißt, wenn ich gegen Kleinere kämpfe, dann, dann muss ich schauen, dass ich auf Distanz bleibe, dass ich sie nicht reinlasse, ähm, weil wenn die erst mal in meiner Distanz drin bist, ist, dann komm ich mit meinen Kackelarmen gar nicht so hinterher. Die Leute haben immer gedacht, ich schlag nicht hart, weil das so, so...

01:00:16: ,152 [Martina Eberl] Nach unten.

01:00:17: ,092 [Dr. Christine Theiss] Ja, nee, weil das so flapsig ausschaut mit meinen Affenarmen, ja, mit meinen langen.

01:00:21: ,082 [Martina Eberl] Ach so, okay.

01:00:22: ,772 [Dr. Christine Theiss] Und ganz oft kam von Gegnerinnen hinterher, "Boah, ich hätt nicht gedacht, dass du so hart haust", wo ich mir auch denke, du, ich hab 'ne, äh, Knock-out-Quote von fünfzig Prozent. Also irgendwo muss ja mal die, äh, die kommt ja nicht vom Himmel gefallen. Aber es sieht selbst für den Profi sah das anscheinend recht flapsig aus. Ähm, dabei ist es, hängt das halt davon ab, wann du wie auch eindrehst und, und die Schulter fixierst und so weiter und so fort. Aber das sah halt bei mir durch die langen Arme immer anscheinend nicht so aus, wie es gewirkt hat an, dann beim Gegner. Das heißt, wenn jemand kleines, stämmig ist und nach vorne geht, muss ich anders agieren und anders mit dem Raum im Ring umgehen, wie wenn's jemand ist, der eher auf Konter aus ist und dann muss ich den Kampf führen. Aber letztendlich hab ich trotz immer versucht, mein Ding

01:01:09: ,792 [Dr. Christine Theiss] umzusetzen, ja. Und, ähm, und das Ding heißt aber nicht immer zwingend nach vorne gehen. Also es gibt halt Gegner, wo mein Plan von Anfang an war, ich lock den, ich, ich geh raus, ich, ich nutze die Ringmitte aus. Und bei dem nächsten Gegner heißt es, du musst den stellen, du musst ihn, äh, in die Ecke drängen und so. Also, ähm, was ich n-nie gemacht hab, ist, dass ich mit blinder Wut rein binDas bringt überhaupt nichts. Und was ich im Gegensatz tatsächlich zu vielen,

01:01:40: ,911 [Dr. Christine Theiss] insbesondere Kollegen, [lacht] ähm, anders gemacht habe und das wird mir von sehr vielen Coaches bestätigt, ist, ich hab, ich höre meinen Trainer im Ring.

01:01:51: ,432 [Martina Eberl] Mhm.

01:01:52: ,292 [Dr. Christine Theiss] Also viele gehen rein und sind ab da nicht mehr erreichbar. Das ist die, die, das ist, wie wenn du da irgendwie 'n Mute-Modus reinstellst oder hier Noise-Cancelling. Das Noise hinten ist der Coach. Da, und, und ich hab immer ein Ohr wie, also wenn ich ein Pferd wäre, dann würde man immer sehen, dass mein Ohr hinten in der Ecke ist. Ich hab immer genau gehört und selbst wenn ich nicht ... Wenn er jetzt mal gesagt hat: „Schlag links", und selbst wenn ich noch nicht gesehen habe, warum ich links schlagen soll, dann hab ich das getan, weil der Coach von außen 'n viel besseren Blick noch mal auf die Situation hat als ich.

01:02:22: ,352 [Martina Eberl] Okay.

01:02:23: ,032 [Dr. Christine Theiss] Und, und das war das, das ist dieses unfassbare Vertrauen zwischen Coach und, und Schützling, dass ich ihm vertraue: „Okay, ich mach das, was du sagst."

01:02:33: ,042 [Martina Eberl] Wow.

01:02:33: ,292 [Dr. Christine Theiss] Und das war, glaub ich, das schon mit ruhig und Taktik und man muss jetzt kein Quantenphysiker sein, um Leistungssportler zu werden, aber es ist in manchen Dingen nicht verkehrt, nicht-

01:02:42: ,032 [Martina Eberl] Absolut.

01:02:43: ,252 [Dr. Christine Theiss] Nicht blöd zu sein.

01:02:44: ,132 [Martina Eberl] Ja, absolut, dass man-

01:02:46: ,682 [Dr. Christine Theiss] Also, ne, ne-

01:02:46: ,592 [Martina Eberl] Ein bisschen mitdenken kann.

01:02:47: ,032 [Dr. Christine Theiss] Ja.

01:02:48: ,132 [Martina Eberl] Ja. Und auch ein bisschen Feingefühl hat.

01:02:50: ,292 [Dr. Christine Theiss] Also, ne, ne, ne, Intelligenz zumindest für die Situation. Ich rede jetzt nicht von Mathekenntnissen, aber f-für die Situation muss schon vorhanden sein und das macht ja auch zum Beispiel beim Fußball unterscheidet das den einen vom anderen Spieler. Der eine hat ein unglaubliches Gespür für den Raum, für die, für die ... Nehmen wir Thomas Müller. Der ist ja von der Technik her, also mit was, welchen Körperteilen der Tore schießt, äh,

01:03:15: ,652 [Dr. Christine Theiss] macht überhaupt keinen Sinn, ja.

01:03:17: ,812 [Martina Eberl] Schade, Thomas.

01:03:18: ,492 [Dr. Christine Theiss] Ja, aber ... Nein.

01:03:21: ,812 [Dr. Christine Theiss] Ich bewundere ihn, weil er genau so die Tore schießt, weil er nämlich das Gefühl für den Raum hat. Ein unglaubliches Gespür dafür hat, ähm, wann er wo zu stehen hat, wann er wo hinzugehen hat. Der erfasst das mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und dann kommt er mit seinem Storchenbein an und hält halt irgendwie sein Knie rein, weil er weiß, dass er da jetzt irgendwie hin muss und dann ist der Ball drin im Tor, wo kein anderer diesen Ball überhaupt ... Die anderen würden da gar nicht stehen. Und das ist das, was ich mit, mit Intelligenz für das Metier meine.

01:03:51: ,652 [Martina Eberl] Mhm. Ich hätte noch mentale Fragen an dich.

01:03:54: ,432 [Dr. Christine Theiss] Mhm.

01:03:55: ,652 [Martina Eberl] Mehrere sogar. Jetzt muss ich mir nur kurz überlegen, welche ich jetzt zuerst stell. Also du hast jetzt gerade gesagt, du hast fünfzig Prozent Knock-out-Quote gehabt.

01:04:02: ,872 [Dr. Christine Theiss] Mhm.

01:04:02: ,432 [Martina Eberl] Ich versuch, das mir mal selber vorzustellen. Knock-out heißt ja dann wirklich, die fallen um und bleiben erst mal liegen, oder?

01:04:08: ,492 [Dr. Christine Theiss] Entweder das oder sie werden ausgezählt oder rausgenommen. Ja. Auf jeden Fall nicht mehr-

01:04:12: ,332 [Martina Eberl] Hat man denn da überhaupt kein schlechtes Gewissen?

01:04:15: ,872 [Dr. Christine Theiss] Tatsächlich ist es ein sehr geiles Gefühl.

01:04:17: ,472 [Martina Eberl] Ja, okay. [lacht]

01:04:19: ,372 [Dr. Christine Theiss] Also ich hatte ein einziges Mal hab ich mir gedacht: „Wow, warum macht hier keiner was? Ich mache hier nur meinen Job." Das war gegen Kathy Le May aus Frankreich und da war die besondere Situation gewesen: Wir hatten schon 'nen WM-Kampf, ähm, angesetzt gehabt. Die war Weltmeisterin in der Gewichtsklasse drüber

01:04:40: ,112 [Dr. Christine Theiss] und, ähm, wollte sozusagen auch meinen Titel noch haben. Dann ist,

01:04:48: ,152 [Dr. Christine Theiss] ist irgendwie beim ersten Kampf, der schon ausgemacht war, ist ihr Vater hatte, glaube ich, eine, ich glaube, es war eine Hirnblutung oder ein Schlaganfall und er lag im Koma. Daraufhin haben wir natürlich, der war auch ihr Trainer, den, den Kampf, ähm, verschoben und ihr Vater hat sich komplett berappelt und das war die große Sensation, dass er wieder zurückgekehrt ist, mit ihr auch an den Ring und, und dann wollten die beiden sich ihren Traum erfüllen, nämlich meinen WM-Titel.

01:05:16: ,412 [Dr. Christine Theiss] Und das war dann auch ausgerechnet mein Geburtstag, 22.02.2013, äh, im Postpalast fand dann dieser Kampf statt.

01:05:27: ,952 [Dr. Christine Theiss] Und Gott, ich hab das Mädel ... Ah, es war echt, ich hab die so hergeschellt und die war da gestanden und die hatte Tränen in den Augen.

01:05:40: ,201 [Dr. Christine Theiss] Und ich hab mir nur gedacht:

01:05:42: ,532 [Dr. Christine Theiss] „Warum nimmt die keiner raus?" Also ich kann ja jetzt nicht aufhören. Dafür ist sie zu gefährlich. Also wenn ich nachlass, ist die Gefahr viel zu groß, weil sie ist ja stark.

01:05:52: ,812 [Martina Eberl] Ja, ja. Das kann aber nur der Referee machen, oder?

01:05:54: ,912 [Dr. Christine Theiss] Ja, oder ihr Vater.

01:05:55: ,492 [Martina Eberl] Okay, okay.

01:05:56: ,982 [Dr. Christine Theiss] Oder halt der Coach. Aber da waren wir ... Also es, der Referee kann abbrechen, der Ringrichter kann abbrechen oder der Coach kann abbrechen.

01:06:03: ,012 [Martina Eberl] Okay.

01:06:04: ,372 [Dr. Christine Theiss] Also es kann von außen abgebrochen werden. Und das hat aber keiner getan und ihr standen schon die Tränen in den Augen

01:06:11: ,072 [Dr. Christine Theiss] und das ist dann so: wow. Also, ähm ...

01:06:15: ,552 [Martina Eberl] Und du musst weitermachen.

01:06:16: ,092 [Dr. Christine Theiss] Natürlich mache ich weiter, aber das war das erste Mal und auch das einzige Mal in der ganzen Zeit, dass mir da wirklich jemand,

01:06:24: ,712 [Dr. Christine Theiss] ähm, schon leidgetan hat, äh, auch mit der ganzen persönlichen Geschichte dahinter und, und die ist auch eine wahnsinnig sympathische. Ähm, und das war schon, das war doof.

01:06:38: ,902 [Martina Eberl] Mhm.

01:06:40: ,972 [Dr. Christine Theiss] Ich glaub, das war dann noch, also, äh, war dann fünfte Runde oder so, Gott sei Dank. [lacht]

01:06:44: ,192 [Martina Eberl] Also relativ bald.

01:06:46: ,012 [Dr. Christine Theiss] Ja, also wir sind nicht, äh, der Kampf ist dann letztendlich nicht ... Ich weiß gar nicht mehr, in welcher Runde er war. Ich, ich weiß nur, dass ich ... Also das war echt, die war da und hatte Tränen in den Augen. Ich dachte nur: „Boah, das ist doof."

01:06:59: ,052 [Martina Eberl] Ich stell mir das jetzt gerade, wie, als ich die Frage gerade gestellt habe, hab ich mir gedacht: eigentlich auch geil, wenn du sagst, das ist so ein geiles Gefühl und aber auf der anderen Seite bist du ja Ärztin, die ja genau das Gegenteil eigentlich ... Auf der einen Seite willst du welche auf den Boden hauen und auf der anderen Seite willst du welche wieder vom Boden hochbekommen, du.

01:07:18: ,732 [Dr. Christine Theiss] Ja, aber das an dem Tag dann nicht mehr.

01:07:19: ,972 [Martina Eberl] Natürlich, um Gottes willen. Ja, aber trotzdem, was für 'n, was für 'n, ähm,

01:07:25: ,252 [Martina Eberl] wie, hin und wieder.

01:07:26: ,052 [Dr. Christine Theiss] Also was ich nicht möchte, ist jemanden verletzen. Also das ist ja schon noch mal ein Unterschied, äh, ob ich jetzt reingehe und jemanden verletzen möchte. Ich glaube, ich war immer eine sehr faire Gegnerin. Ich hab

01:07:38: ,536 [Martina Eberl] Ist das für dich nicht das Gleiche? Also für mich wäre das jetzt das Gleiche. Wenn du den, die haust, verletzt du die doch.

01:07:45: ,916 [Dr. Christine Theiss] Ja, also komm jetzt, also wegen 'nem blauen Flecken rumzumachen, das zählt für mich nicht als Verletzung.

01:07:49: ,036 [Martina Eberl] Na ja gut, wenn die Tränen in den Augen sind, dann tut da ja schon was weh, oder?

01:07:54: ,815 [Dr. Christine Theiss] Ja, ich, ich glaube, in dem Moment war es nicht das Wehtun, sondern in dem Moment war, glaube ich, dieser Frust, dass das nicht funktioniert hat-

01:08:00: ,455 [Martina Eberl] Ja, okay.

01:08:01: ,676 [Dr. Christine Theiss] Was man sich so erhofft hat. Ich glaub, das-- Ja, also ich war im Ring komplett schmerzfrei. Du hättest mir, glaube ich, den Bein abtrennen können, ähm, ohne, ohne irgendwas. Ich hätt's nicht mitgekriegt. Ich war im, also ich zumindest war vom Adrenalinspiegel immer dermaßen voll. Ich hab auch nicht schlafen können. Das kennst du ja, wenn, also-

01:08:22: ,296 [Martina Eberl] Klar.

01:08:23: ,796 [Dr. Christine Theiss] Wenn man vom Cortisolspiegel so hoch ist. Ich hab immer, ich war nach 'm Kampf, bin ich am nächsten Tag abends um neun hat, kam dann der Mann mit 'nem Dampfhammer. Bis dahin war ich wach. Keine Chance zu schlafen. Ich bin dann immer,

01:08:37: ,176 [Dr. Christine Theiss] also das eben auch mit dem Adrenali, Adrenalinspiegel und den Schmerzen, deswegen glaube ich, bei der Kathy Le May,

01:08:44: ,735 [Dr. Christine Theiss] ich glaub nicht, dass es Schmerzen waren.

01:08:46: ,536 [Martina Eberl] Enttäuschung.

01:08:47: ,375 [Dr. Christine Theiss] Enttäuschung, Wut, ähm, es haut alles nicht hin.

01:08:52: ,116 [Dr. Christine Theiss] Das Wehtun, glau-- Also wie gesagt,

01:08:55: ,676 [Dr. Christine Theiss] wenn du, wenn du so fokussiert und du wirst ja auch härter. Also wenn ich dann denke, was ich da, also heute würde ich auch bei manchem Schlag: „Hey, hast du, kannst mich doch nicht so hauen", und das, v-vor zehn Jahren hätte mich das überhaupt nicht interessiert.

01:09:07: ,256 [Martina Eberl] Mhm.

01:09:08: ,976 [Dr. Christine Theiss] Du wirst, du härtest ab.

01:09:09: ,426 [Martina Eberl] Ja, klar.

01:09:10: ,926 [Dr. Christine Theiss] Kriegst das alles gar nicht mit.

01:09:10: ,676 [Martina Eberl] Das ist ein Prozess.

01:09:11: ,696 [Dr. Christine Theiss] Ja, natürlich.

01:09:12: ,396 [Martina Eberl] Das haben auch, ähm, die Skifahrer, die ja jetzt hier auch schon im Podcast waren, auch mal gesagt: Das ist ja nicht so, dass du von einem Tag auf den anderen die Eisplatte runterfährst.

01:09:20: ,016 [Dr. Christine Theiss] Nein.

01:09:21: ,486 [Martina Eberl] Du kommst da ja rein. Ja, genau so. Und ich schätze mal, das ist dann auch jetzt erst mal die letzte Frage zum Kickboxen, ähm, was das Mentale betrifft. Du hast ja vorher auch dann gesagt, dann, dann kam das Fernsehen dazu. Das war ja auch nicht von heute auf morgen, sondern es hat sich ja dann auch so angebahnt und auf einmal schauen da ja nicht nur die Leute außen am Ring zu, sondern ein paar mehr Leute. Wie war das für dich? Konntest du das dann ganz gleich ausblenden oder hattest du das dann im Kopf, dass da auf einmal ein paar, ein paar zehn, 100.000 Leute zuschauen? Oder?

01:09:51: ,136 [Dr. Christine Theiss] Ja, es waren tatsächlich Millionen, die zugeschaut haben. Es war mir komplett wurscht.

01:09:56: ,656 [Martina Eberl] Ja?

01:09:56: ,516 [Dr. Christine Theiss] Also, ähm, was vielleicht auch ...

01:09:59: ,796 [Dr. Christine Theiss] Wie kamen wirklich aus dem Nichts.

01:10:02: ,606 [Dr. Christine Theiss] Meine ersten Gagen waren, dass ich Karten bekommen hab und die verkaufen durfte. Und ich hab, hätte das behalten dürfen, was ich nicht gemacht habe, weil ich nicht ... Wem, wem biete ich Karten an? Das sind Leute, die ich mag, von denen möchte ich kein Geld. De facto habe ich nichts verdient.

01:10:17: ,496 [Martina Eberl] Mhm.

01:10:18: ,436 [Dr. Christine Theiss] Meinen ersten WM-Kampf in Portugal, Profi-WM-Kampf, da war ich schon Europameister, hab ich, äh, mit Sponsoren überhaupt die Reise dahin finanziert. Ich wusste schon noch, wo wir herkommen.

01:10:29: ,696 [Martina Eberl] Okay.

01:10:29: ,266 [Dr. Christine Theiss] Ja? Und dann mein allererstes Interview war gewesen, das war nach der, äh, Amateurweltmeisterschaft 2005, da bin ich Amateurweltmeisterin geworden in, in,

01:10:40: ,435 [Dr. Christine Theiss] in Buffalo in den USA

01:10:42: ,056 [Dr. Christine Theiss] und, äh, bei den Niagarafällen. Und dann saß ich anschließend mit 'm, mit 'm Pawel Zastejko, ist der Bruder vom Laden, überhaupt ganz brav in Trainingsklamotten bei,

01:10:54: ,336 [Dr. Christine Theiss] bei München TV, ähm, Goofy Förster. Ich weiß nicht, ob du den auch noch kennst.

01:10:58: ,606 [Martina Eberl] Ja, klar.

01:10:58: ,336 [Dr. Christine Theiss] Ja, genau. Beim Goofy saß ich da. Das war mein allererstes Fernsehinterview

01:11:03: ,416 [Dr. Christine Theiss] und dann hab ich das hinterher gesehen und dachte mir: „Ey, du schaust ja gut aus." Da ist mir das das erste Mal bewusst gewesen, dass ich eine gewisse Telegenität habe.

01:11:11: ,436 [Martina Eberl] Mhm.

01:11:12: ,016 [Dr. Christine Theiss] Das war mir vorher überhaupt nicht klar, weil ganz ehrlich, also ich bin so eine, wie oft gucke ich in Spiegel? Vielleicht einmal am Tag früh beim Zähneputzen. Das ist jetzt nicht das Highlight, ja. Und danach gucke ich den nicht mehr an. Und da ist mir das das erste Mal bewusst geworden und dann kam das so nach und nach und das war, glaube ich, schon der Vorteil, dass ich zu jedem Zeitpunkt wusste: Wo hast du angefangen?

01:11:33: ,536 [Dr. Christine Theiss] Du konntest dich ausprobieren. Du hast in München TV angefangen, dann wurde es größer, dann kam der Bayerische Sportpreis dazu. Das hat noch mal, also dieser Staatspreis hat schon noch mal dafür gesorgt 2008, dass da noch mal ein großer Popularitätssprung dazu kam. Auch eine Adlung. Schau mal, selbst die konservative bayerische Staatsregierung erkennt das als Sport an.

01:11:52: ,036 [Martina Eberl] Ja.

01:11:53: ,896 [Dr. Christine Theiss] Und dann kam eben Sat.1 dazu. Aber das kam alles nach und nach und das ist, glaube ich, schon der Nachteil von denen, die nach mir kamen. Die sind mit der Erwartung reingekommen, das wird so wie bei der Theiss.

01:12:03: ,196 [Martina Eberl] Mhm.

01:12:04: ,856 [Dr. Christine Theiss] Die haben nicht dieses von klein auf

01:12:07: ,336 [Dr. Christine Theiss] entwickeln und, und ... Ich mein, die ersten Fernsehübertragungen, die wir hatten, die Profikämpfe wurden alle im Fernsehen gezeigt, aber die liefen nachts im DSF, im Zusammenschnitt zwischen damals noch Damen, die leicht bekleidet sich über 'n Tennisplatz räkelten oder am Boxsack so 'n bisschen machten, ja, in, in Werbeunterbrechungen. Das waren meine Anfänge. Und da war mein Kampf irgendwie auf drei Minuten geschnitten. Und das kannst du nicht vergleichen mit dem, was ich später hatte.

01:12:35: ,636 [Martina Eberl] Klar. Würdest du, wenn dir

01:12:39: ,456 [Martina Eberl] so ein Format wie jetzt der Regina Halmich mit dem Stefan Raab so was angeboten würde, würdest du das machen?

01:12:45: ,356 [Dr. Christine Theiss] Ja, hab gesagt, für eine Million mach ich's.

01:12:48: ,616 [Martina Eberl] Jetzt hat es jeder gehört.

01:12:49: ,256 [Dr. Christine Theiss] Ja, ich weiß. [lachen]

01:12:52: ,506 [Dr. Christine Theiss] Sat.1 ist auch schon häufiger auf mich zugekommen und ich so: „Ja, für 'ne Million mach ich's.

01:12:56: ,796 [Dr. Christine Theiss] Drunter nicht."

01:12:57: ,056 [Martina Eberl] Fänd ich auch.

01:12:58: ,066 [Dr. Christine Theiss] So ein Riesenaufwand, so ein Chiss. Und wenn, dann würde ich gewinnen wollen. Drunter mache ich es nicht. Und dann, weil ich weiß ja haargenau, was es heißt. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich hab keine alten Verletzungen, ich muss auf nichts Rücksicht nehmen. Ähm, ich,

01:13:14: ,356 [Dr. Christine Theiss] nach sechs Monaten könnte ich's wieder so bringen.

01:13:17: ,355 [Martina Eberl] Sechs Monate?

01:13:18: ,116 [Dr. Christine Theiss] Ja, sechs Monate bräuchte ich, um da wieder anzukommen und ich wäre absolut fähig. Aber, ähm ...

01:13:25: ,376 [Martina Eberl] Wo du warst?

01:13:26: ,456 [Dr. Christine Theiss] Ja.

01:13:27: ,936 [Martina Eberl] Respekt.

01:13:28: ,148 [Dr. Christine Theiss] Das schon. Das würde ich mir zutrauen. Aber da müsste ich halt wirklich alles andere beiseiteschieben, mich komplett drauf fokussieren, ähm, keine anderen Projekte nebenher und nichts anderes wieder machen so wie früher.Ähm Fokus darauf und dann, dann würde ich das hinbekommen und das ist ein Rieseneinschnitt und dementsprechend drunter mache ich's nicht. Dann mache ich lieber mein Leben jetzt. [lacht]

01:13:52: ,468 [Martina Eberl] Ich fänd, ich fänd's ja schon wirklich alleine,

01:13:55: ,188 [Martina Eberl] wie du schon sagst, das wäre ein, ein massiver Aufwand, aber, äh, ich fänd's schon mega spannend rauszufinden, ob das wirklich so, so funktionieren könnte, ja.

01:14:05: ,268 [Dr. Christine Theiss] Bin fest davon überzeugt.

01:14:06: ,908 [Martina Eberl] Ja, natürlich. Und vor allem das Gedankengut ist unser höchstes Gut. Und ich bin hundertprozentig, vor allem bei dir, jemand, der mental so stark ist, dass man das dann auch schafft, ja. Äh, das werde ich nämlich auch noch oft gefragt, ja. Wenn du Bock hättest, auf die Tour wieder zu gehen, wo ich sage: "Nee, keine Chance." Also wenn ich jetzt sechs Monate wirklich jeden Tag trainieren könnte, kann sein, aber ich habe dafür einfach, mein Rücken leidet zu stark an der Vergangenheit. Ähm, wobei ich jetzt echt, so fit wie ich, wie ich jetzt bin, war ich noch nie. Deswegen Ball weit hauen kann ich schon immer noch, aber das ist schon wirklich extremster Trainingsbedarf, den man dann braucht.

01:14:41: ,748 [Dr. Christine Theiss] Ja, das ist ja das, was ich meine. Also ich müsste wirklich ein halbes Jahr alles beiseite legen und deswegen auch dieser hohe Preis, damit nicht einer auf die Idee kommt, dass ich das für 'n Apple und 'n Ei mach, äh, nur für die Quote. Nee, das interessiert mich nicht, weil ich bin perfekt abgetreten. Ich hatte eine einzige Niederlage-

01:14:58: ,248 [Martina Eberl] Mhm.

01:14:59: ,068 [Dr. Christine Theiss] Da sind etliche Dinge schiefgelaufen. Ich hab intensivst drüber nachgedacht, was ich ändern muss. Brauchen wir jetzt gar nicht eingehen, weil das ist eine ganze Keynote. [lacht] Ähm-

01:15:08: ,388 [Martina Eberl] Die ich schon gehört hab, ja.

01:15:09: ,368 [Dr. Christine Theiss] Ja, genau. Ähm, und dann aus diesen Fehlern gelernt habe und dann am 13.12.2013 so fit war wie nie in meinem Leben davor und auch nie wieder danach. Und, ähm, das war der perfekte Abschluss. Und warum sollte ich das,

01:15:27: ,148 [Dr. Christine Theiss] warum sollte ich das ändern, diesen perfekten Abschluss? Und genau deswegen müsste man mir schon, wie gesagt, viel bieten, dass ich diesen Leidensweg noch mal eingehe. Ich hab schon Bock, ich, ich liebe Kickboxen, das ist schon geil, aber wenn, dann würde ich zu hundert Prozent-

01:15:43: ,348 [Martina Eberl] Wobei ich glaube, das würde niemand so einstufen als Next Fight, ja. Also ich glaub, das würde ja jeder total abgrenzen von deiner aktiven Karriere. Das wär ja jetzt ... Aber ja, ja, ich verstehe, was du meinst.

01:15:55: ,168 [Dr. Christine Theiss] Im Prinzip könnte ich ja eigentlich nur verlieren.

01:15:57: ,608 [Martina Eberl] Du hast mir jetzt gerade eigentlich schon die Antwort so ein bisschen auf meine letzte Frage gegeben. Ähm, dein biggest learning. Das ist wahrscheinlich dein Learning damals gewesen, wie du schon gesagt hast, das ist eine eigene Keynote aus deinen Fehlern bei deinem einzigen, bei deiner einzigen Niederlage, die du eigentlich hattest.

01:16:10: ,528 [Dr. Christine Theiss] Also zumindest im, ähm, Profibereich.

01:16:12: ,048 [Martina Eberl] Im Profibereich, ja. Dass du da draus, dass du reflektiert hast, ähm, und daraus dann deine Fehler verbessert hast. Das war der Klassiker bei Sportlern eben. Eigentlich im ganzen Leben ist das ja eigentlich so. Zu reflektieren, zu sehen, was kann ich besser machen und das nächste Mal, wenn ich die Chance habe, das wieder besser zu machen.

01:16:31: ,568 [Dr. Christine Theiss] Also ich hab mit dieser Niederlage, bin ich tausend Mal mehr gereift, wenn ich eine makellose Bilanz gehabt hätte. Und das ist wirklich das große Learning daraus. Scheitern

01:16:41: ,888 [Dr. Christine Theiss] gehört dazu. Wir scheitern ständig.

01:16:46: ,848 [Dr. Christine Theiss] Aber was unterscheidet den Sieger von demjenigen, der dann nicht weiterkommt? Dass derjenige, ich glaube, dass der Sieger auch öfters scheitert als derjenige, der nicht Sieger ist. Weil der Sieger macht's halt immer und immer und immer wieder.

01:16:59: ,308 [Dr. Christine Theiss] Und er lernt daraus den Fehlern und er bleibt beharrlich dran und wir scheitern ständig. Ich bin heute schon an, täglich an unserer Terminvereinbarung gescheitert.

01:17:08: ,787 [Martina Eberl] lacht]

01:17:08: ,348 [Dr. Christine Theiss] Ja, gut. Learning.

01:17:10: ,438 [Martina Eberl] Ja.

01:17:10: ,578 [Dr. Christine Theiss] Beim nächsten Mal noch genauer drauf schauen, ja.

01:17:12: ,628 [Martina Eberl] Ja.

01:17:12: ,988 [Dr. Christine Theiss] Alles fein. Da ist nix passiert. Oder, ähm, also diese, dieses tägliche Scheitern. Jetzt Biggest Loser, mei-meine Show, die sechzehn Staffeln lang gemacht wird, die pausiert aktuell. Kein Mensch weiß, was das heißt. Doof, ja, es ist ein Scheitern. Habe ich auch zwei Stunden lang geheult und geflucht und gemacht und dann hab ich gesagt: "So, und jetzt mache ich's selber." Ja, und jetzt läuft The Boot Villa auf, auf YouTube. Das ist auch und auch da bin ich natürlich immer wieder mal gescheitert und vielleicht bin ich auch gerade in einem Scheit-Scheiterungsprozess drin. Vielleicht aber auch nicht. Wir haben irgendwie im Moment Angst zu scheitern, weil auch immer so viele draufhauen und Scheitern nicht gewürdigt wird. Aber das gehört dazu und man muss sich dann schütteln und man muss schauen, was kann ich besser machen und dann geht's weiter und weiter und weiter.

01:17:54: ,488 [Martina Eberl] Das ist aber, glaube ich, auch, ähm, jetzt nicht typisch deutsch. Kann sogar auch ein bisschen europäisch sein. In Amerika läuft das ja ganz anders. Da wirst du ja teilweise erst wirklich von, kriegst du richtig coole Jobs, wenn du so ein bisschen nachgewiesen hast, dass du ein paar Sachen mal an die Wand gefahren hast, dass du dich ausprobiert hast, dass du auch weißt, was funktioniert und was nicht funktioniert. Also ich bin ein Riesenfan von, von Niederlagen und das, wie du schon sagst, das, das macht's ja dann eigentlich aus, daraus zu lernen und, und oft in dem Moment, wo es scheitert, weiß man nicht, warum. Und das ist sch--

01:18:24: ,278 [Dr. Christine Theiss] Und es tut weh.

01:18:26: ,368 [Martina Eberl] Und es tut weh, aber früher oder später kriegt man das dann schon raus, ähm, dass es alles ja so einen Grund hat und man draus lernen kann, ja.

01:18:33: ,928 [Martina Eberl] Liebe Chrissi, ich hab dir einen Lifescore. Ein bissel was muss ich ja aus meinem, äh, Sport von den wörtlich, von den Wordings, äh, mitnehmen. Und zwar darfst du das jetzt mal selber vorlesen. Das habe ich dem Thorsten Otto von seiner blauen Couch geklaut. Ähm, muss ich ja sagen, der Thorsten ist mein, mein Podcast-Coach gewesen und er hat auch gesagt, ich darf ihm gerne was klauen. Und ich fand das immer ganz cool, wenn die Gäste selber was vorgelesen haben. Und das ist dein Lifescore.

01:19:01: ,428 [Dr. Christine Theiss] Der Lifescore.

01:19:04: ,428 [Dr. Christine Theiss] So, mein Lifescore von mir selbst gelesen. Wenn ich mein Leben in Punkten messen müsste, dann wäre es kein perfektes Spiel, aber ein verdammt intensives.

01:19:14: ,288 [Dr. Christine Theiss] Karriere: zehn von zehn. Ich habe alles erreicht, was ich mir im Sport erträumt habe. Weltmeisterin, Titel verteidigt, ungeschlagen abgetreten. Mehr geht nicht.

01:19:25: ,208 [Dr. Christine Theiss] Aber was man nicht sieht: die Zweifel, die harten Tage, die Opfer. Eine Zehn, aber hart erkämpft. Disziplin: elf von zehn.

01:19:36: ,368 [Dr. Christine Theiss] Ohne Disziplin wäre ich nie da angekommen. Frühes Aufstehen, Training, Studium, wieder Training, immer wieder. Disziplin ist kein Talent. Es ist eine Entscheidung. Jeden Tag. Körper:Acht von zehn.

01:19:50: ,008 [Dr. Christine Theiss] Ich habe meinen Körper gefordert, manchmal überfordert.

01:19:54: ,798 [Dr. Christine Theiss] Er hat unglaublich viel geleistet, aber natürlich hinterlässt Leistungssport Spuren.

01:19:59: ,148 [Dr. Christine Theiss] Ich bin stolz drauf, aber ich höre heute besser hin als früher.

01:20:04: ,908 [Dr. Christine Theiss] Umgekehrt.

01:20:04: ,488 [Martina Eberl] Okay.

01:20:05: ,788 [Dr. Christine Theiss] Ich habe früher besser hingehört als heute.

01:20:07: ,847 [Martina Eberl] Okay.

01:20:07: ,368 [Dr. Christine Theiss] Kopf neun von zehn. Die größten Kämpfe finden im Kopf statt. Durchhalten, wenn es wehtut. Weitermachen, wenn Zweifel laut werden. Ich habe gelernt, dass Stärke nichts mit Lautstärke zu tun hat, sondern mit Klarheit.

01:20:20: ,808 [Dr. Christine Theiss] Herz

01:20:21: ,298 [Dr. Christine Theiss] zehn von zehn. Familie, Liebe, Verantwortung, das ist heute mein größter Antrieb. Früher war es der Titel, heute sind es Menschen.

01:20:30: ,728 [Dr. Christine Theiss] Balance sieben von zehn.

01:20:34: ,468 [Dr. Christine Theiss] Ganz ehrlich, das ist die schwierigste Disziplin. Ärztin, Sportlerin, Moderatorin, Mutter, alles gleichzeitig gut machen, das geht nicht immer. Aber ich arbeite dran.

01:20:42: ,627 [Dr. Christine Theiss] Oh, es gibt Wochen, da ist das, glaube ich, eine drei von zehn. [lacht]

01:20:46: ,548 [Martina Eberl] Kennen wir.

01:20:47: ,608 [Dr. Christine Theiss] Ja, kennen wir alle, ne?

01:20:48: ,088 [Martina Eberl] Ja.

01:20:49: ,588 [Dr. Christine Theiss] Mut neun von zehn. In den Ring zu steigen, ist das eine, sein Leben immer wieder neu auszurichten, das andere. Ich habe beides gemacht. Zufriedenheit neun von zehn. Ich bin angekommen, aber nicht stehen geblieben. Ich will mich weiterentwickeln, nicht perfekt sein, sondern echt.

01:21:07: ,168 [Dr. Christine Theiss] Das nicht perfekt sein,

01:21:09: ,968 [Dr. Christine Theiss] das ist, glaube ich, ein Problem, was wir Leistungssportler haben, weil wir perfekt sein müssen, was aber nicht zu Alltag passt. Dieses nicht perfekt sein, das lernst du als Mutter.

01:21:17: ,687 [Martina Eberl] Das stimmt.

01:21:18: ,158 [Dr. Christine Theiss] Weil wenn du da perfekt sein willst-

01:21:20: ,208 [Martina Eberl] Krank.

01:21:20: ,088 [Dr. Christine Theiss] Dann kannst du nur scheitern.

01:21:22: ,268 [Martina Eberl] Ja. [lacht]

01:21:22: ,708 [Dr. Christine Theiss] Also da locker in der Hüfte werden und, äh, [räuspert sich] nicht ganz so genau sein, das, das bringen einem Kinder bei. Gesamtscore vielleicht eine neun von zehn. Und der eine Punkt, der fehlt, der sorgt dafür, dass ich morgen wieder aufstehe und weitermache.

01:21:36: ,248 [Dr. Christine Theiss] Ähm.

01:21:38: ,768 [Martina Eberl] Außer mit dem auf den Körper hören?

01:21:41: ,408 [Dr. Christine Theiss] Ja, genau. Ich glaube, dass ich das als Leistungssportler viel, viel mehr gemacht habe als heute. Also, ähm, aber insgesamt bin ich schon jemand, der sehr auf seinen Körper hört. Äh, von daher.

01:21:53: ,448 [Martina Eberl] Unterschreiben wir's so halb.

01:21:55: ,168 [Dr. Christine Theiss] Können wir das unterschreiben mit der Balance. Wie gesagt, das ist da sieben von zehn an guten Tagen und an schlechten Tagen ist es einfach weniger, weil ich halt

01:22:08: ,638 [Dr. Christine Theiss] keinen festen Job hab, von dem ich einfach weiß. Sondern es ist, als Selbstständige weißt du selber, ist jeder Tag ein Kampf und man muss gucken und muss schauen-

01:22:15: ,838 [Martina Eberl] Immer dranbleiben.

01:22:15: ,768 [Dr. Christine Theiss] Wo steht man?

01:22:16: ,068 [Martina Eberl] Wie geht's dir damit?

01:22:18: ,008 [Dr. Christine Theiss] Ich mag das.

01:22:19: ,488 [Martina Eberl] Ja?

01:22:19: ,628 [Dr. Christine Theiss] Ich mag das. Ich brauch, also ich, einen Nine-to-five-Job würde ich eingeben wie 'ne Primel. Du kannst mich nach drei Wochen abholen und zum Biomüllhaufen bringen. Ähm, ich mag das und

01:22:30: ,977 [Dr. Christine Theiss] ich habe für mich tatsächlich, ähm,

01:22:34: ,268 [Dr. Christine Theiss] vor einiger Zeit meinen,

01:22:37: ,668 [Dr. Christine Theiss] meinen Seelenort gefunden, nämlich Naxos, wo wir ja auch gedreht haben und da bin ich, habe ich auch mittlerweile gebaut und wohne da zum Teil des Jahres und das ist für mich der absolute

01:22:48: ,108 [Dr. Christine Theiss] Friedensort. Also wenn ich nur dran denke, habe ich das Gefühl, mein Puls geht drei Schläge runter und, ähm,

01:22:54: ,068 [Dr. Christine Theiss] das, das ist so für mich der Ausgleich. Also dann kann ich, ich kann mich total in was reinknien, dann kann ich auch wirklich wochenlang jeden Tag bis zwei, drei nachts arbeiten und schuften und durchziehen und dies und jenes und gefühlt viele Dinge gleichzeitig. In Wirklichkeit funktioniert, funktioniert es natürlich nur, weil man's nacheinander macht und nicht parallel. Aber dann dieses Ankommen in Griechenland und ganz anderes Lebensgefühl, ganz andere Mentalität und da hab ich auch dann keine Uhr mehr dran und es ist mir so wurscht und, ähm,

01:23:28: ,678 [Dr. Christine Theiss] das ist geil.

01:23:28: ,398 [Martina Eberl] Du sagst, du lebst da teilweise. Wie, wie muss man sich das vorstellen? Deine Tochter ist jetzt in der Schule?

01:23:34: ,918 [Dr. Christine Theiss] Die ist in der Schule.

01:23:34: ,868 [Martina Eberl] Hast du quasi nur Ferien.

01:23:36: ,477 [Dr. Christine Theiss] Jein, also sie war jetzt im Herbst, es ging jetzt tatsächlich in der Vierten noch. Jetzt dieses Jahr wird's nicht funktionieren. Da habe ich ja The Boot Villa unten gedreht im Herbst. Ähm, da war sie mit dabei die ersten fünf Wochen.

01:23:47: ,507 [Martina Eberl] Okay.

01:23:47: ,228 [Dr. Christine Theiss] Bis dato war es so gewesen, dass mein Mann in der Zeit, wo ich, ich habe ja seit 2011 keinen deutschen Herbst mehr erlebt. Wahrscheinlich wird dieses Jahr, 2026, mein erster deutscher Herbst, weil ich immer zu dem Zeitraum entweder damals in Spanien und dann später in Griechenland die Dreharbeiten für Biggest Loser hatte.

01:24:03: ,618 [Martina Eberl] Mhm.

01:24:03: ,048 [Dr. Christine Theiss] Und jetzt für The Boot Villa. Und die ersten Jahre war das Kind mit dabei. Dann kam's in die Schule, dann hat mein Mann das alleine gemanagt. Also der kann das genauso gut wie ich. Ähm, ist vielleicht der Zopf nicht ganz so ordentlich, aber ist auch völlig wurscht. Da müssen wir Frauen uns oder Mütter uns mal locker machen. Passt halt die Socke nicht perfekt zur Klamotte, auch egal. Da halte ich mich dann auch wirklich komplett raus. Das ist dann nicht mehr meine Baustelle-

01:24:27: ,208 [Martina Eberl] Mhm.

01:24:27: ,288 [Dr. Christine Theiss] Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Aber jetzt ist mein Mann, ähm, in den Bundestag eingezogen.

01:24:33: ,748 [Martina Eberl] Oh.

01:24:33: ,558 [Dr. Christine Theiss] Das heißt, er ist jede zweite Woche in Berlin.

01:24:35: ,528 [Martina Eberl] Mhm.

01:24:36: ,028 [Dr. Christine Theiss] Und, ähm, nach den Sommerferien war es so gewesen, dass er von den ersten fünf Wochen, ersten fünf Schulwochen vier Sitzungswochen hatte. Und das geht nicht, dass eine Woche die eine Oma da ist, dann die andere Oma, dann der Opa, dann dies, das, das. Also was ein Kind braucht, ist ja Konstanz.

01:24:51: ,168 [Martina Eberl] Ja, ja.

01:24:51: ,818 [Dr. Christine Theiss] Und dann habe ich gesagt: „Okay, dann geht sie in Griechenland in die Schule." Und dann war sie jetzt drei Monate mit mir am Stück in Griechenland. Ähm, erst als der Papa dann nach München gekommen ist

01:25:02: ,508 [Dr. Christine Theiss] für, für zwei Wochen, dann hat sie die letzten zwei Wochen, die ich unten war, war sie dann in Deutschland, damit sie nicht noch mehr deutsche Schule verpasst, aber die ist tatsächlich dann fünf Wochen in Griechenland auf 'ne griechische Dorfschule gegangen.

01:25:13: ,008 [Martina Eberl] Wirklich? Ach, cool.

01:25:15: ,688 [Dr. Christine Theiss] Und hat da mit Händen und Füßen Englisch, Griechisch, Deutsch den Unterricht gemacht. Und sie hat sich da so super wohlgefühlt und es war so 'ne tolle Zeit und, ähm, die Griechen sind so ein unfassbar gastfreundliches Volk und, und offen und herzlich und laut und chaotisch und alles, wie sie sind. Ich liebe es. Ich liebe diese Mentalität da.

01:25:39: ,688 [Dr. Christine Theiss] Und, ähm, deswegen, sie war tatsächlich mit dabei und das ist jetzt auch der Grund, warum ich jetzt dieses Jahr im Herbst The Boot Villa nicht machen kann, weil meine Tochter jetzt aufs Gymnasium kommt und dieser Schulwechsel, da muss ich da sein.

01:25:52: ,964 [Martina Eberl] Ja.

01:25:52: ,404 [Dr. Christine Theiss] Also es muss nicht ich da sein. Es müsste zumindest ein Elternteil muss da sein. Und mein Mann kann's jetzt eben nicht mit Berlin. Und jetzt bin ich halt diejenige, dann sagt: „Okay, dann halt nicht diesen Herbst." Ähm, aber jetzt muss ich das Kind erst mal eingrooven und dann schaue ich zu, dass ich zu 'nem späteren Zeitpunkt dann die neue Staffel drehe. Da muss ich mich jetzt anfangen, Geldgeber zu suchen, weil noch mal kann ich das nicht alles komplett privat machen, weil sonst [lacht]

01:26:16: ,624 [Martina Eberl] Wir stei, wir steigen jetzt auch gleich komplett-- Ich habe noch ein paar Themen eigentlich mit dir, aber die blättere ich jetzt einfach mal oben, weil, ähm, immer wieder-

01:26:23: ,524 [Dr. Christine Theiss] Weißt du viel reden.

01:26:24: ,524 [Martina Eberl] Nein, um Gottes willen. Also ich mein, was ist, was gibt's Tolleres in 'nem Podcast, als dass jemand was erzählt? Ist doch super. Aber ich find das, äh, erst mal Chapeau, ähm, weil das, äh, war bei mir auch schon ganz oft, weil bei mir ist es ja auch mit der Saison so, ja, dass wir, bei mir ist es ja wie der Winterreifen von O bis O, äh, oder der Sommerreifen, äh, von Ostern bis Oktober ist Gas angesagt, sieben Tage die Woche und dann, ähm, kommt's Oktoberfest und dann merkt man so, okay, es, das Wetter schlägt um und dann, ähm, und dann hören die Golfer auf so langsam. Vor allem bei uns natürlich hier unten, wo's dann wirklich dann auch irgendwann mal frostig wird und so weiter. Und jetzt gibt's Gott sei Dank ja auch so bissl schon Indoor-Geschichten, aber diese Indoor-Trainings-Geschichten, das hat ja nichts mit Golf an sich zu tun. Und das ist schon sehr saisonal und da habe ich mir schon oft gedacht: „Boah, jetzt pack ich meine Kinder ein, jetzt gehen wir da irgendwohin, wo es weitergeht in die Sonne." Ähm, aber das ist dann nicht so leicht. Aber jetzt, ich bin ja schon 'n Schritt weiter. Meine große Tochter ist nächste mit der Schule fertig und so.

01:27:18: ,024 [Dr. Christine Theiss] Ja, du hast paar Jahre Vorsprung.

01:27:20: ,074 [Martina Eberl] Chaka Chaka, genau.

01:27:21: ,044 [Dr. Christine Theiss] Ich, äh, lauf grade sehenden Auges in die Pubertät.

01:27:25: ,563 [Dr. Christine Theiss] lacht]

01:27:25: ,864 [Martina Eberl] Du hast meine Nummer.

01:27:27: ,094 [Dr. Christine Theiss] Ja.

01:27:28: ,964 [Martina Eberl] Also, ähm, es fühlt sich katastrophal manchmal an, aber, ähm, ich sag immer, was mich so bissl rettet, ähm, ist, dass ich das noch ganz genau weiß, was ich für eine Hexe war, wie ich selber war. Das rettet mich dann selber, wo ich dann mal sag: „Okay, es geht vorbei. Es wird eines Tages, schau dich an, es geht vorbei." Ähm, und meine Mutter sagt auch: „Du warst ein Besen."

01:27:50: ,764 [Dr. Christine Theiss] Ja, meine sagt das gar nicht. Die sagte, ich war so unkompliziert. Ich hab halt immer verräumt. Ich war entweder beim Kickboxen oder im Tierheim. Es hat sich eigentlich nix geändert.

01:28:00: ,244 [Dr. Christine Theiss] lacht] Und, äh, ich bin einfach ein sehr konstanter Mensch und, ähm, in der Hinsicht, ja-

01:28:08: ,314 [Martina Eberl] Vielleicht, vielleicht hast du's ja deiner Tochter vererbt. Musst du mal, lass es auf dich zukommen.

01:28:11: ,604 [Dr. Christine Theiss] Nee, ich glaube nicht. Äh, ich glaube nicht. Also die Vorzeichen stehen auf Sturm. [lacht]

01:28:16: ,784 [Martina Eberl] Gut, aber wenn das jemand abhaben kann, dann bist es ja du. Jetzt hast du schon ganz oft, ähm, ähm, The Biggest Loser erwähnt. Ähm, ich hatte den mit dem Philipp Boy, mit dem ich den Podcast gestartet hab, der, der hat tatsächlich den Podcast so begonnen: „Ich war schon in fast jedem TV-Format zu Gast", ja. Also er war ja quasi immer der Teilnehmer bei Let's Dance und so weiter und so fort. Und du bist ja der Host, ja, von The Biggest Loser und, ähm,

01:28:42: ,584 [Martina Eberl] ich bin jetzt nicht mehr so oder was heißt denn, ich war noch nie so 'ne Riesen-Fernsehmaus, die extrem viel angeschaut, aber The Biggest Loser war für mich schon auch immer 'n Begriff. Äh, kommen die ursprünglich aus Amerika. Und du hast ja so mit der Moderation, du moderierst das ja und bist aber auch gleichzeitig Coach.

01:28:58: ,944 [Dr. Christine Theiss] Genau, also die, die, meine Position hat sich geändert in den letzten Jahren zu... All die Jahre war ich erst nur der Host,

01:29:06: ,084 [Dr. Christine Theiss] ähm, und schwebte gefühlt immer ein, wenn irgendwas Wichtiges war, war aber de facto immer vor Ort. Also ich war immer da.

01:29:12: ,364 [Martina Eberl] Du warst, seit es gibt.

01:29:13: ,504 [Dr. Christine Theiss] Die ganze Zeit war ich vor Ort. Ich war auch jeden Tag mit den Kandidaten zusammen und so weiter und so fort. Aber es war halt für den Zuschauer, ähm, nicht ersichtlich,

01:29:22: ,724 [Dr. Christine Theiss] ähm, wie intensiv eigentlich die, die Verbindung war. Und die letzten Staffeln war ich aber dann der Coach.

01:29:29: ,454 [Martina Eberl] Dem, okay.

01:29:30: ,484 [Dr. Christine Theiss] Also und wir haben dann die Mode-, die Host-Rolle im Prinzip

01:29:34: ,244 [Dr. Christine Theiss] aufgelöst und, äh, Ramin und ich, mein, mein Freund, Partner, ähm, Coach-Partner, ähm, und wir beiden waren dann gleichberechtigt, äh, und hatten dann jeweils Teams.

01:29:48: ,444 [Martina Eberl] Okay, also du hattest-

01:29:49: ,384 [Dr. Christine Theiss] Sind mal gegeneinander, mal miteinander angetreten, je nach Konzept.

01:29:52: ,964 [Martina Eberl] Also für alle, die dieses, ähm, Format nicht kennen, es sind, es sind, es ist 'n Format für, für Menschen, die abnehmen wollen.

01:29:59: ,304 [Dr. Christine Theiss] Mhm. Aber nicht fünf bis zehn Kilo.

01:30:01: ,764 [Martina Eberl] Am besten du erklärst es am besten.

01:30:02: ,064 [Dr. Christine Theiss] Na ja, schwer übergewichtige Menschen wollen ihr Leben ändern, äh, ziehen gemeinsam in ein Camp, das Biggest-Loser-Camp, und mit Hilfe von den beiden Coaches Ramin Abtin, Christine Theiss, ähm, nehmen sie dann, ähm,

01:30:17: ,284 [Dr. Christine Theiss] je nach, je nach Format, ähm, acht Wochen ungefähr im Camp gemeinsam ab. Acht bis, wir hatten auch schon zwölf Wochen. Pff, das ist halt schon echt hart, sehr lange. Ähm, insgesamt betreuen wir sie 'n, äh, ungefähr vier bis sechs Monate, auch wieder je nach Konzept und Budget. Und, ähm-

01:30:36: ,084 [Martina Eberl] Was auch begleitet wird du dann?

01:30:38: ,044 [Dr. Christine Theiss] Nee, also da sind wir zwar im Hintergrund, aber wir sind jetzt nicht vor Ort, sondern das ist ja 'n zu Hause.

01:30:43: ,444 [Martina Eberl] Okay.

01:30:43: ,264 [Dr. Christine Theiss] Und dann trifft man sich zum großen Finale und schaut, wer hat am meisten abgenommen.

01:30:46: ,684 [Martina Eberl] Okay.

01:30:46: ,554 [Dr. Christine Theiss] Und im Finale stehen aber letztendlich dann nur drei, die halt über den ganzen Zeitraum immer übers Gewicht, äh,

01:30:52: ,084 [Dr. Christine Theiss] sich praktisch qualifiziert haben, bis ins Finale zu kommen. Und, äh, in den letzten Jahren hat der Sieger immer so um die mal 48, mal 52 % abgenommen. Also das sind schon krasse Zahlen.

01:31:03: ,904 [Martina Eberl] Krass, Wahnsinn, ja.

01:31:03: ,344 [Dr. Christine Theiss] Und uns, also das Haupt... Also wir hatten auch schon mal 'nen Gießzeitraum von 100 Kilo. Abnahme, also nicht bis, sondern ab.

01:31:12: ,984 [Martina Eberl] Ja, da müssen wir, da müssen wir gleich drüber sprechen. Das ist ja, äh, 'n tolles Thema auch. Ähm, ähm, aber der Start von, von jeder Staffel ist, sind immer diese acht Wochen im Ausland erst mal. Das ist der Startschuss.

01:31:23: ,784 [Dr. Christine Theiss] Ja, wie gesagt, wir hatten auch schon mal zwölf Wochen gehabt, aber das ist so der Beginn des Ganzen. Ähm, auch der Start ist mal in Deutschland, mal im Ausland, aber die letzten Jahre war's so, dass wir dann eben auf Naxos waren und dann von da aus ging's dann nach Deutschland und zwischen acht und zwölf Wochen war der Zeitrahmen auf Naxos.

01:31:40: ,824 [Martina Eberl] Okay, wie, wie bist du dazu gekommen?

01:31:42: ,548 [Dr. Christine Theiss] Ich bin angefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte und ich guck praktisch kein Fernsehen, aber das Format kannte ich. Das hat vor mir Regina Halmich gemacht und, ähm, ich hatte dann kurz bevor man mich angefragt hat, hatte ich so 'ne Kleinigkeit gemacht. Dort, ähm, hab ich, war ich 'ne Woche lang mitFünf Prominenten aufm Schiff und die wollten sich das Rauchen abgewöhnen.

01:32:03: ,598 [Dr. Christine Theiss] Und das schein ich ganz gut gemacht zu haben. Auf jeden Fall ist man so auf mich aufmerksam geworden, hat mich dann gefragt,

01:32:09: ,408 [Dr. Christine Theiss] ob ich's machen würde statt Regina und ich hab sofort Ja gesagt. Also man hat mich gefragt, ich war völlig perplex und hab aber sofort Ja gesagt. Und dann ich hatte auch nur paar Wochen Zeit und dann ging's schon los. Und ich hatte ja auch, hab dann da auch parallel meine WM Vorbereitung gemacht und ähm-

01:32:23: ,688 [Martina Eberl] Das war noch zu deiner aktiven Zeit.

01:32:24: ,828 [Dr. Christine Theiss] Das war zu meiner aktiven Zeit.

01:32:25: ,448 [Martina Eberl] Okay.

01:32:26: ,778 [Dr. Christine Theiss] Ich hab das, der Ramin Abtin war überhaupt nicht am Anfang der Coach von Biggest Loser, sondern das war mein Auslandstrainer, der mitgekommen ist, um mich da zu coachen. Und der hat das dann aber so gut gemacht, auch hinter der Kamera hat er den den Hintern gerettet, weil das damals nicht ganz so funktioniert hat, dass sie ihn dann vor die Kamera geholt haben. Aber eigentlich war das mein Coach. Und da auch noch 'ne Bemerkung am Rande. Ich mein, ich hab echt der Regina echt 'n, 'n schönen Job weggenommen, äh, und ich war gespannt, wie sie drauf reagieren würde, wenn wir uns mal sehen würden.

01:32:53: ,848 [Martina Eberl] Mhm.

01:32:53: ,428 [Dr. Christine Theiss] Und dann kam sie zu mir her und meinte nur, "Ich wollt dir nur sagen, du machst das toll."

01:32:58: ,128 [Martina Eberl] Cool.

01:32:59: ,998 [Dr. Christine Theiss] Also krieg ich jetzt noch Gänsehaut hier-

01:33:00: ,998 [Martina Eberl] Ja, ja

01:33:00: ,788 [Dr. Christine Theiss] ... wirklich, wenn ich nur dran denk. Also das zeigt auch, was für 'ne großartige Sportlerin und Mensch sie ist. Ähm, da-damit, und das ist ja 'ne Niederlage, damit so umzugehen und die wenigsten können mit 'nem direkten Nachfolger was anfangen oder finden den gut. Im Gegenteil. Und sie kommt her und sagt: "Ich wollte einfach nur sagen, du machst das gut."

01:33:19: ,427 [Martina Eberl] Super.

01:33:20: ,548 [Dr. Christine Theiss] Es ist unglaublich. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie das damals gemacht hat, weil ich schon echt 'n schlechtes Gewissen hatte, dass ich jemandem, den ich eigentlich bewundere, ähm, gnadenlos und trotzdem sag, ich mach's, ähm, mir in dem Fall näher war als ihr. Wir kannten uns zu dem Zeitpunkt auch wirklich nur, also nicht in echt, sondern nur über Bildschirm. Und das hat sich seitdem aber geändert. Und ähm, ja, tolle Frau.

01:33:41: ,988 [Martina Eberl] Stark.

01:33:41: ,268 [Dr. Christine Theiss] So kam ich an in den Job ran.

01:33:44: ,098 [Martina Eberl] Okay. Okay, also am Anfang hast du moderiert und warst noch gar nicht als Coach so richtig tätig, wie du's jetzt zum Schluss gemacht hast oder jetzt immer noch so machst. Ähm, als Coach hast du ja quasi die, die Rolle übernommen, die in Amerika, also diese Ursprungsrolle, die Jillian Michaels, ähm, so heißt ja die Dame, die beim Biggest Loser quasi die Female Coach darstellt, die, äh, ich weiß das jetzt nur, tatsächlich, das wusst ich tatsächlich, das musste ich gar nicht groß recherchieren, weil ich auf Netflix diese, äh, zusammen oder diese Doku gesehen habe oder mir angeschaut hab, wie's da in Amerika, jetzt hab ich, jetzt muss ich mal kurz auf meine Karten schauen, aber ich hab's mir nicht aufgeschrieben, weil die Doku heißt nämlich anders. Die heißt nämlich, ich glaub irgendwie The True Story Behind the Scenes oder irgendwie sowas.

01:34:29: ,928 [Dr. Christine Theiss] Irgendwie sowas ist.

01:34:29: ,888 [Martina Eberl] Ja, ja. Ähm, wo tatsächlich, also wo tatsächlich 'n ganz harter Ton, ähm, oder ganz harter Tobak eigentlich herrscht, wo geschrien wird, wo die Teilnehmer, ähm-

01:34:42: ,788 [Dr. Christine Theiss] Ja, Menschen scharf sind.

01:34:43: ,348 [Martina Eberl] Ja, richtig beschimpft werden. Und, ähm,

01:34:48: ,728 [Martina Eberl] da musste ich dann auch witzigerweise damals schon an dich denken, als ich, äh, das angeschaut hab. Weil abgesehen davon, klar, Motivation,

01:34:58: ,948 [Martina Eberl] wie man sie auch immer hervorruft, aber das war dann, wie du sagst, Mens-Menschen missas-ma-missachtend, aber auch vor allem ungesund. Also das, äh, du hast ja gesehen, die sind kollabiert. Das war ja alles andere als Sinn und Zweck der ganzen Geschichte. Also dass die gesund abnehmen letztendlich. Da ging's nur um die Schnelligkeit. Ähm, ist da 'n Unterschied? Also halt, erzähl mal, wie, wie das so abläuft, ähm, so die Dreharbeiten.

01:35:23: ,688 [Dr. Christine Theiss] Ich denke, dass auch bei,

01:35:27: ,808 [Dr. Christine Theiss] bei uns am Anfang Fehler gemacht wurden, wo wir dann auch gesagt haben, das geht so nicht, wir müssen, wir müssen anders handeln, ähm, 'n Fokus mehr auf Nachhaltigkeit legen und, ähm, und es gab auch immer wieder Situationen, mit denen wir Coaches so nicht ganz einverstanden waren oder wo uns auch der Transfer von dem, was wir tun, für den Zuschauer gefehlt hat, weil der Zuschauer sieht immer nur die Trainingseinheit für die Kamera. Der sieht aber, hat kein einziges Mal das wahre Training. Wir haben ja zweimal am Tag mit denen trainiert. Das hat der Zuschauer nie gesehen. Wenn, dann hieß halt einmal in der Woche ja und dann drehen wir 'n Training. Und dann haben sich die Redakteure ausgedacht, was für die Kamera gut ausschaut. Dann haben wir uns so 'n bisschen gefragt, was, was, was geht und was nicht geht. Beziehungsweise wir haben uns dann immer häufiger geweigert, das zu machen. [lacht leise] Fehlt dann am Anfang fehlt da auch die Erfahrung und du machst vieles und auch am Anfang, ich hab da, ähm, solche Karten wurde mir 'ne Stunde vorm Dreh ist man zu mir in die Maske gekommen, hat mir das in die Hand gedrückt und dann musste ich das 'ne Stunde später, ähm, auswendig können. Das ist so 'n Quatsch. Sag mir, wo, ey, ich, ich hab 'n Mund, ich hab 'n Hirn, sag mir, was du willst und ich sag's dir, wenn die Kamera an ist. Also du brauchst mir nicht irgendwas zum Auswendiglernen geben. Ich krieg das sofort hin. Ich hab Medizin studiert. 'n Mediziner fragt nicht warum, 'n Mediziner fra-fragt bis wann. Und dann kann er's. Ja? Und, ähm, das

01:36:56: ,768 [Dr. Christine Theiss] ist natürlich

01:36:58: ,008 [Dr. Christine Theiss] von Vorteil gewesen für die Texte, hat aber nichts mit der Show zu tun. Und man, da am Anfang weiß man auch zu wenig. Und dann, und dann lernt man, versteh, fängt man an, Fernsehen zu verstehen. Man emanzip-emanzipiert sich und, äh, ich glaube, die meiste Emanzipation haben wir jetzt geschafft mit, mit The Boot Villa. Das Projekt, was wir jetzt gemacht haben, was wir jetzt genutzt haben, während Biggest Loser nicht läuft, wo wir einfach wirklich gesagt haben, was wir wollen, ist, dass derjenige, der sich das daheim anschaut, das Maximum für sich selbst mitnimmt. Das heißt, es ist jede Trainingseinheit gecovert. Nicht immer in der vollen Länge, aber du siehst, bei, okay, da läuft Details mit denen. Oder Ramin macht Krafttraining oder es ist Boxtraining. Ähm, die Gespräche laufen nicht geschnitten, sondern die sind so, wie sie sind. Wir sprechen Themen an, die es schon immer gegeben hat bei Big-Biggest Loser, aber die nie vor der Kamera bespielt wurden, sprechen wir an. Sexueller Missbrauch.

01:37:50: ,248 [Martina Eberl] Ich wollt grad sagen. Mhm. Okay, ja.

01:37:52: ,008 [Dr. Christine Theiss] Das haben wir jedes Jahr gehabt.

01:37:55: ,388 [Martina Eberl] Mhm.

01:37:55: ,228 [Dr. Christine Theiss] Jedes Jahr. Natürlich gibt es Menschen mit schwerem Übergewicht, die mit sich komplett im Reinen sindVöllig fein. Ich misch, ich misch mich da auch wirklich komplett nicht ein. Das ist nicht meine Baustelle. Aber es sind sehr wenige und wer uns fragt und um Hilfe bittet, bekommt sie. So einfach. Punkt. Ja, und wer uns nicht fragt, dem reden wir auch nicht rein. Ist nicht mein Leben. Ähm, aber wir haben dieses Thema sexueller Missbrauch

01:38:20: ,108 [Dr. Christine Theiss] bespielt vor der Kamera. Wir haben da intensive Gespräche, wir haben eine Triggerwarnung davor gehängt, aber diese, die, die, wer sich das anschauen kann, kann sich das anschauen. Wir haben unsere komplette Ernährungsberatung, die schon immer stattgefunden hat, einfach komplett aufgezeichnet. Das ist eine Sondersendung, anderthalb Stunden Ernährung. Das ist das, wie wir unseren Kandidaten versuchen beizubringen, wie man-- Das ist nämlich kein Hexenwerk, ja. Ähm, alles über gesunde Ernährung. Dann, ähm, wie, wie baut man Training auf? Wir hatten auch jede Woche Live-Q&As in der Zeit, wo wir auf Naxos waren, mit unseren Followern. Wir haben, ähm, wir haben diese Wissensstunde, die wir da jede Woche gemacht haben, haben wir auch live übertragen. Wir sind zweimal in der Woche mit Trainingsstunden live gegangen, damit die Leute zu Hause mitmachen können. Die Trainings kann man immer noch abrufen. Das ist halt jetzt nicht mehr live, aber dann tun sie es halt nicht live nach. Ist ja völlig wurscht. Aber so haben wir versucht, die Leute mitzunehmen, ja. Und auch offen zu sagen: „Und Donnerstag ist Ruhetag. Punkt."

01:39:17: ,968 [Dr. Christine Theiss] Ich mein, auch unsere Kandidaten, das ist Leistungssport, was sie in der Zeit machen, ist ein Ruhetag. Den brauchen sie auch, den gab's früher auch schon. Es wurde nur nie so benannt. Wir sagen's halt einfach ganz normal und wollen auch den, den Tag sozusagen aktiver Ruhetag. Wir wollen nicht, dass die Kandidaten von früh bis abends im Bett liegen und daddeln, sondern wir wollen, dass sie zum Beispiel gehen, aber wir wollen nicht, dass sie, äh, joggen. Wir wollen nicht, dass sie, äh, sie können im Pool planschen, also aktive Erholung sozusagen. Und all das spielen wir ganz, ganz offen.

01:39:49: ,068 [Dr. Christine Theiss] Genauso wie dann auch mal 'n Anschiss ganz offen gespielt wird, ja.

01:39:53: ,708 [Martina Eberl] Ist ja eigentlich fast, wenn ich jetzt so zuhöre, fast tatsächlich ein cooleres Format für die sozialen Medien oder für so 'ne, wie ihr's jetzt macht, als im klassischen Fernsehen.

01:40:03: ,688 [Dr. Christine Theiss] Ich glaub, fürs klassische Fernsehen sind wir zu langweilig. Wir haben auch ganz unterschiedlich geschnittene Folgen. Wir, wir schneiden tageweise. Also das ist wirklich, wir haben auch kein Drehbuch im klassischen Sinne. Hätten wir gerne gehabt, aber das hat das Budget einfach nicht hergegeben. [lacht] Das nicht vorhandene Budget hat das nicht hergegeben. Äh, deswegen haben wir auch keinen roten Faden. Dann haben wir uns entschieden, wie machen wir's? Und dann haben wir gesagt: „Ja gut, wenn jetzt an einem Tag gar nichts passiert, dann sind's halt nur zwanzig Minuten", ja. Zum Beispiel 'n Ausflug in die Berge, dann, der ist in zwanzig Minuten erzählt. Aber 'ne Challenge oder ein intensives Gespräch, wir haben 'ne Dreiviertelstunde lang nur ein Gespräch.

01:40:39: ,488 [Dr. Christine Theiss] Ist geil.

01:40:40: ,858 [Martina Eberl] Ja klar. Klar, absolut. Ist ja auch interessant, ja.

01:40:42: ,368 [Dr. Christine Theiss] Und da hält man auch die Pausen aus. Manchmal steht man nur da und schaut sich eine Minute an und nimmt den anderen in den Arm. Die Pause ist so drin, wie sie war, mit allem, was dazugehört und ohne viel dazwischen und, und Schnitt und Gegenschnitt und was weiß ich. Weil die Situation so intensiv ist, dass ich gar nicht mehr Leute dabei haben wollte. Ich wollte eine Kamera dabei haben, der sich im Prinzip ins Nichts aufgelöst hat.

01:41:05: ,588 [Martina Eberl] Mhm.

01:41:06: ,868 [Dr. Christine Theiss] Und ansonsten

01:41:09: ,148 [Dr. Christine Theiss] nichts, nur uns beide im Gespräch.

01:41:12: ,228 [Martina Eberl] Vom Aufwand her, ist es

01:41:14: ,548 [Martina Eberl] immens anders wie Fernsehproduktionen?

01:41:17: ,848 [Dr. Christine Theiss] Im Prinzip, ich war ja alles in einer Person.

01:41:19: ,748 [Martina Eberl] Okay.

01:41:20: ,288 [Dr. Christine Theiss] Also ich habe letztes Jahr im, ich glaub, Mitte Mai oder Ende Mai haben wir erfahren, dass es nicht mehr stattfindet. Dann habe ich eben zwei Stunden geflucht und dann habe ich angefangen, ähm, wir müssen was ändern. Und ab da habe ich gefühlt, keinen einzigen freien Tag mehr gehabt.

01:41:36: ,188 [Martina Eberl] Mhm.

01:41:37: ,808 [Dr. Christine Theiss] Ich hab früh um sechs angefangen bis nachts um zwölf, jeden einzelnen Tag, weil ich habe ja alles gemacht. Ich habe von der Reiseplanung, über Geld sammeln, über, ähm, Drehpläne schreiben, über Crew zusammenstellen, über einkaufen. Alles hab ich gemacht. Alles. Es war wirklich alles. Und dann gleichzeitig noch das Kind da haben-

01:41:56: ,558 [Martina Eberl] Mhm.

01:41:57: ,368 [Dr. Christine Theiss] was in die Schule muss und gleichzeitig griechische Schule hat und deutsche Schule und das muss am Ende des Tages funktionieren. Ich bin nach d, ich bin nach der-- Es war eine wahnsinnig intensive Zeit und ich würd genauso alles noch mal machen, weil ich weiß, das war die einzige Chance, um überhaupt dieses Projekt machen zu können. Aber ich bin nach Hause gekommen und ich konnte die ersten drei Wochen lang nichts machen. Ich war so was von Akku alle. Also, ähm, kennst du das, wenn das Handy schon so lange leer ist, dass es eine Weile braucht, bis überhaupt-

01:42:24: ,968 [Martina Eberl] Das ich gar nicht mehr hoch får, ja. [lacht]

01:42:24: ,748 [Dr. Christine Theiss] dass es überhaupt, äh, anfängt zu zeigen, dass es geladen wird. Und genauso war ich. Ich war, hab mich hingesetzt an den Schreibtisch. Ich wusste, dass ich ma, Sachen machen muss, war fünf Stunden da gesessen,

01:42:36: ,147 [Dr. Christine Theiss] bin aufgestanden, hab nichts geschafft. Nichts. Also.

01:42:39: ,268 [Martina Eberl] Ach, das kenn ich. Ja.

01:42:40: ,528 [Dr. Christine Theiss] Ja. Und das halt wirklich nach drei Wochen fing ich wieder an: Okay, jetzt. Das war brutal. Also das waraa, das war leer vom Feinsten, aber in dieser Zeit hab ich funktioniert. Damn, damn, damn, damn, damn. Jeden Tag aufs Neue. Also im Nachhinein fragt man sich, wie, aber es ging.

01:42:59: ,428 [Martina Eberl] Und das kannst du mega stolz drauf sein. Und, ähm, prinzipiell kannst du auch sagen, wenn die sechzehn Jahr, sechzehn Jahr, sechzehn Staffeln hast du gemacht, ne, hast du gesagt.

01:43:09: ,448 [Martina Eberl] Ohne die sech-- Das war deine Ausbildung dafür.

01:43:11: ,028 [Dr. Christine Theiss] Das war meine Ausbildung dafür und tatsächlich, ähm, hat, hab ich sehr, sehr, sehr viel gelernt in der Zeit, weil ich halt dann auch immer mehr und mehr angefangen hab, mich einzumischen. Eben nicht nur meine Zettelchen abzuholen und den Text darauf anzuschauen, sondern zu hinterfragen: „Nee, das können wir jetzt nicht machen", oder, ähm, „das ist auch medizinisch fragwürdig. Lass das bitte", oder „das finde ich gegenüber den Kandidaten nicht fair. Ist vielleicht nett, dass es fürs Fernsehen gut ist, aber das, ich finde, das können wir nicht machen menschlich." Und andere Dinge,

01:43:38: ,080 [Dr. Christine Theiss] da sagen dann andere: „Leute, das könnt ihr doch nicht machen." Und ich so: „Ey komm, das sind erwachsene Menschen, die haben sich hier eingetragen, die sollen jetzt hier den Berg hochlaufen." Und sind wir mal ganz ehrlich, wenn sie fitter wären, ist das überhaupt kein Thema. Äh, und in der ersten Woche schauen die Sporteinheiten so ganz, ganz schlimm aus und sie sind's überhaupt nicht. Überhaupt nicht. Die sind 'n Ringelpiez mit anfassen, aber natürlich, wenn man gar keinen Sport macht, dann f-fühlt sich das erst mal furchtbar an. Ich bin auch angegangen worden: „Wie kannst du mit solchen Menschen joggen?" Leute, wir sind eine Minute gelaufen, eine Minute gegangen.Eine Minute gelaufen, eine Minute gegangen. Also das ist jetzt nicht joggen. Ja.

01:44:11: ,780 [Dr. Christine Theiss] Nach sechs Wochen sind wir elf Kilometer am Stück gelaufen. Elf. Und sie haben's einfach geil gemacht. Dieselben Leute, die sechs Wochen vorher noch eine Minute gegangen und eine Minute gelaufen sind. Das waren dieselben. Und das ist so Wahnsinn zu sehen. Und, ähm, die sechs, die bei uns mitgemacht haben,

01:44:31: ,000 [Dr. Christine Theiss] die haben echt konsequent ihr Leben umgedreht. Also die sind nicht rückfällig geworden. Die, auch die struggeln mal, aber sie haben von uns gelernt, das ist normal.

01:44:40: ,600 [Martina Eberl] Klar.

01:44:40: ,680 [Dr. Christine Theiss] Du darfst scheitern.

01:44:41: ,280 [Martina Eberl] Ja, ist klar.

01:44:42: ,900 [Dr. Christine Theiss] Du darfst scheitern. Ruf uns an, wenn du Hilfe brauchst. Und, ähm, das funktioniert ganz, ganz wunderbar und ich bin froh die sechs, die wir da hatten.

01:44:50: ,740 [Martina Eberl] Wie viel Bewerbungen habt ihr dann dafür?

01:44:52: ,830 [Dr. Christine Theiss] Wir hatten jetzt für die Staffel, glaub ich, ähm, warte mal, es waren fünf. Gut, das war ja aus dem Nichts heraus. Wir haben uns auf null aufgebaut. Da hatten wir fünfzig Bewerbungen gehabt und wir haben dann sechs genommen. In die End, in die Endentscheidung kamen, glaube ich, vierundzwanzig waren dann hier in München, wo wir dann das Casting gemacht haben und sechs haben wir dann genommen, wo es dann auch noch mal den einen oder anderen rausgekegelt hat bei Medizincheck. Es kommt halt auch immer noch dazu.

01:45:15: ,620 [Martina Eberl] Wie kegeln sich die dann raus, indem sie einfach nicht fit genug dafür sind oder?

01:45:18: ,360 [Dr. Christine Theiss] Ja genau, dass zum Beispiel dann Werte auftauchen, wo wir sagen, das können wir nicht machen. Oder dass die Gelenke schon so geschädigt sind durch das Übergewicht, dass wir sagen, das können wir nicht bringen, ähm, da wä, sind Schmerzen vorprogrammiert. Oder dass beim Belastungs-EKG was auffällt, wo wir sagen: „Okay, wow, schwierig." Oder 'ne Lungenfunktion oder was weiß ich.

01:45:37: ,820 [Martina Eberl] Klar. Wo ihr einfach auch keine Verantwortung übernehmen wollt.

01:45:40: ,160 [Dr. Christine Theiss] Ne, das, ne, nicht nur, nicht nur übernehmen wollen, sondern es auch nicht können, weil wir auf Naxos sind, einer Insel-

01:45:47: ,650 [Martina Eberl] Ja, ja.

01:45:47: ,179 [Dr. Christine Theiss] wo, wenn die Kacke am Dampfen ist, du richtig ein Problem hast, weil du dann auf den Hubschrauber wartest, der dich nach Athen fliegt. Es ist eine kleine griechische Insel mit siebzehntausend Einwohner und einem Krankenhaus, was okay ist.

01:46:03: ,879 [Martina Eberl] Klar, ja.

01:46:03: ,440 [Dr. Christine Theiss] Aber wo du jetzt keinen Herzkathetertisch hast, vor allen, also ja.

01:46:07: ,000 [Martina Eberl] Bei all den Staffeln und was du da jetzt gemacht hast, ähm, zu dieser Thematik, ich muss da vielleicht ausholen. Ich, ähm, da geht's ja wirklich um, um Menschen, die wirklich sehr, sehr unglücklich sind mit ihrem Körper, die was verändern wollen, die tatsächlich auch diesen Schritt machen, den ich wahnsinnig toll finde und respektiere. Ich hab letztes Jahr selber 'ne ziemliche Body Transformation hinter mich gebracht. Ich find das super, aber nichtsdestotrotz die Frage an dich, die ich jetzt eigentlich hätte: Woran denkst du, könnte das liegen, wenn du mal, wir sind ja in München der Westen, wenn ich nach Pasing fahr, zu den Arkaden und mich da mal hinsetze.

01:46:44: ,260 [Martina Eberl] Es gibt so viele Menschen, die, ob das jetzt das Gewicht ist, aber die einfach auch nicht gesund ausschauen. Wo du einfach merkst, die, die hangeln sich wirklich durch den Tag, die sind nicht gesund. Denen ist das aber überhaupt nicht bewusst. Also abgesehen davon, ob sie jetzt dazu noch rauchen und so, das ist jetzt keine Raketenforschung, dass man das weiß, dass das nicht gesund ist. Aber es kommen ja so viel Beglei-- Du als Ärztin weißt das ja auch noch. Ich bin, ich bin ausgebildete Ernährungsberaterin, auch Fitnesstrainerin. Es kommen ja so viele, so 'n Rattenschwanz immer hinterher, was das, wenn, wenn's jetzt ums Gewicht, um Entzündungsprozesse und so weiter geht. Was müsste man da tun oder was müsste passieren, dass, dass es gar nicht mehr so weit kommt, dass die Leute da einfach aktiver selber schon drauf gucken können? Weil wenn ich im, im Supermarkt stehe und da, das sehe, was teilweise vor mir auf dem Band ist, wo ich sage: „Leute, mal die Chips am Abend, mal das Popcorn, mal das, den Zazane-Joghurt, kein Thema." Aber wenn das ganze Band da voll ist, wo ich mir denk, was muss da passieren, dass die Awareness.

01:47:47: ,680 [Dr. Christine Theiss] Also, ähm, tatsächlich ist, glaub ich, äh, nicht, also

01:47:52: ,880 [Dr. Christine Theiss] das ist nicht glaub ich, sondern es, es gibt ja mittlerweile klare, klare Studienlage dazu. Das Hauptproblem ist dieses hochindustriell verarbeitete Essen. Dir sagt der Score sicherlich was, der Nova Score, mit dem ja eingeteilt wird, wie sehr, ähm, Lebensmittel verarbeitet sind und wir fangen halt mit der nackten Kartoffel an und wir enden bei der, beim Kartoffelchips.

01:48:15: ,420 [Dr. Christine Theiss] Und

01:48:16: ,820 [Dr. Christine Theiss] dieselbe, dasselbe Ausgangsprodukt

01:48:20: ,180 [Dr. Christine Theiss] ist kein Problem,

01:48:22: ,100 [Dr. Christine Theiss] auch wenn's dieselbe Kalorienzahl hat und das Endprodukt in Nova Ski-, äh, Nova vier, ähm, mit irgendwelchen Transfetten und tausend Prozessen, bis es endlich mal in die Chipstüte kommt und noch Salze und was weiß ich, ähm, ist halt, auch wenn's dieselbe Kalorienzahl ist, ein Riesenproblem, weil der Körper eigentlich nicht damit, damit nichts anfangen kann. Das heißt, diese Kalorienzahl hier hat eine Wertigkeit für unseren Körper und er kann was damit anfangen, die nicht, außer dass es in die Fettzellen geht und, äh, sich da breit macht. Und dieses Bewusstsein muss von Tag eins an geschult werden. Es geht doch schon los. Wir fangen schon mit der Babynahrung an. Die Babynahrung, es, ich will jetzt keine Glaubensfrage auslösen und wer nicht stillen kann, kann nicht stillen, aber wer die Möglichkeit hat zu stillen, sollte das bitte nutzen. Warum? Es ist einfach mit Abstand die natürlichste Ernährung für unser Kind und die Milch passt sich immer genau an das an, was das Kind gerade braucht. Wenn man dann schon Ersatzprodukte geben will, geben muss, dann bleibt bitte bei der allerersten Pre-Nahrung. Das Regal ist voll mit Pre-Nahrung, die ist angeblich bis Woche sowieso und dann kommt die erste Folge nach, zweite Woche, dritte, vierte, vierte. Ab der ersten ist nur noch mehr Zucker.

01:49:36: ,400 [Martina Eberl] Mhm.

01:49:36: ,270 [Dr. Christine Theiss] Nur noch mehr Zucker und mehr Chemie.

01:49:39: ,052 [Dr. Christine Theiss] Nur die allererste kann man, egal in welchem Monat, problemlos geben. Ab da ist schon nur noch Mist. Ab da werden die Kinder schon daran gewöhnt, dass sie mehr Zucker brauchen, mehr Energie brauchen, als sie eigentlich nötig haben. Das ist das Erste. Dann geht's weiter mit der Babynahrung. Ich hab, es, es ging bei mir los, das Kind fängt an, an meinen Teller zu langen und will was zu essen. Sage ich: „Okay, dannWird's, will es jetzt auch noch neben der, neben Stillen noch mehr Nahrung haben. Also was machst du? Dann hab ich, bin ich losgezogen, hab mir mehrere Babynahrungsbreichen da gekauft und hab einen selber gemacht. Und dann hab ich gekostet. Dann hab ich gesagt, Erklärung, ich bin da völlig unideologisch rein. Ich hab mich damit mit dem Thema überhaupt nicht vorher beschäftigt. Ich hab nur für mich selber probiert. Hab ich gesagt, das hier schmeckt doch alles künstlich. Das heißt, von Tag eins an, wo ich mit dieser Brei, diesem Babybrei anfange, und zwar egal welche Marke, lernt das Kind schon, wird es von wieder entfernter von dem, was eigentlich das Natürliche ist.

01:50:41: ,332 [Martina Eberl] Mhm.

01:50:41: ,792 [Dr. Christine Theiss] Also hab ich die vier Gläser weg und hab mir halt, mein Gott, das sind doch nur paar Monate, die Mühe gegeben, selber zu kochen. Dann hab ich eigentlich alle zwei Wochen hingestellt, hab, ähm, Meal Prep gemacht, ja, hab das Ganze, äh, da hatte ich immer 'n Fach gehabt mit Gemüse, da war 'n Fach mit Obst, da war 'n Fach mit Kohlenhydrate, da 'n Fach mit Fleisch. Ich hab die einfach immer in diese Förmchen rein.

01:51:03: ,071 [Martina Eberl] Mhm.

01:51:04: ,732 [Dr. Christine Theiss] Silikonförmchen. Dann hab ich abends aufgemacht und hab gesagt, ah, morgen kriegt sie meinetwegen Hirse mit Fleisch und Spinat, zack, zack, zack, aufgetaut, war am nächsten Morgen fertig. War auch nicht aufwendiger, wenn ich so 'n Gläschen warm mach. Aber das Kind hat von Anfang an natürlichen Geschmack gehabt. Und von Anfang an verbiete ich ihr keine Süßigkeiten, aber es ist limitiert. Mein Kind wächst mit dem Bewusstsein auf,

01:51:30: ,452 [Dr. Christine Theiss] du kannst 'n Kuchen essen, aber einen. Und dann ist gut. Und wenn du eine Geburtstagsfeier hast, alles fein. Und ich merke zum Beispiel auch, mein Kind ist kein Kind von Traurigkeit, woher sollst du's auch haben, ja. Ich bin [Zischlaut], mein Mann ist [Zischlaut], also ist das Kind auch [Zischlaut], logisch. Ja, wenn dann aber noch Süßigkeiten draufkommen-

01:51:48: ,852 [Martina Eberl] Dann ist es [Zischlaut].

01:51:48: ,352 [Dr. Christine Theiss] Kannst du's, kannst du's vergessen. Ich hätt früher nicht gedacht, dass das so krass ist.

01:51:53: ,692 [Martina Eberl] Mhm.

01:51:53: ,282 [Dr. Christine Theiss] Aber du siehst, wenn, wenn ich nicht da war, Mama, ich muss schon auf die Mama verzichten, dann muss ich doch nicht auch noch auf Süßigkeiten verzichten. Hat beim Papa natürlich voll geholfen. Dann komm ich nach Hause nach paar Monaten und denk mir, was ist denn mit dem Schriftbild meines Kindes passiert? Zack, zack, alles wieder gestrichen. Ja, die ist doch schlank, ja, darum geht's doch gar nicht. Und mittlerweile ist es, ist sie wieder so eingegroovt, dass sie, äh, 'n Eis isst und dann ist das für sie auch wieder gut, weil der Körper gar nicht mehr das Bedürfnis nach mehr hat. Das, diese kurze Lust wurde befriedigt. Man weiß, man, das ist, das ist Gimmick, was Cooles, ich lieb das auch und dann ist aber auch wieder gut. Und das geht komplett flöten und die, die ganzen Firmen, die unsere Nahrung herstellen, die haben, denen ist scheißegal, wie's uns geht. Die wollen ihr Produkt verkaufen. Und wenn sie dafür noch 'n, äh, 'n, 'n Aroma mehr reintun müssen und noch irgendwie 'n, 'n, 'n, 'n, 'n Füllstoff reintun, dann werden sie das tun. Bleibt so nah wie möglich am Original und lernt selber kochen. Bei mir gibt's daheim keine Fertigprodukte, Punkt. Die gibt es nicht.

01:53:03: ,312 [Martina Eberl] Nein, ja.

01:53:03: ,152 [Dr. Christine Theiss] Der Süßigkeitenschrank ist bei uns leer, außer wir kriegen mal was geschenkt. Und wenn das Kind, äh, sich 'ne Süßigkeit holen will, sage ich, ja, dann lauf rüber. Dann allein schon dieses wroom, zoom, zoom, wir müssen rüberlaufen, wir müssen uns den Riegel holen, wieder zurücklaufen, hat sie schon wieder was dafür getan.

01:53:19: ,102 [Martina Eberl] Mhm. Ja, ja, also mit den Kindern ist es noch mal natürlich noch mal ein anderes Thema, aber-

01:53:24: ,961 [Dr. Christine Theiss] Aber es fängt da an.

01:53:24: ,122 [Martina Eberl] Ja, natürlich fängt's da an und wenn der Zug durchgefahren ist, ist er durchgefahren, ja.

01:53:28: ,152 [Dr. Christine Theiss] Es fängt da an, dieses alles, was wir nicht in der Kindheit wir als selbstverständlich lernen, wird schwieriger und der Mensch ist 'n Gewohnheitstier. Diese alten Gewohnheiten zu durchbrechen, ist unfassbar schwierig. Es geht, selbstverständlich geht es.

01:53:43: ,652 [Martina Eberl] Anstrengend.

01:53:43: ,492 [Dr. Christine Theiss] Aber es ist schwierig.

01:53:44: ,502 [Martina Eberl] Ja.

01:53:44: ,292 [Dr. Christine Theiss] Und es geht für Menschen, die mal schlank waren in ihrem Leben und die sportlich waren in ihrem Leben, leichter als für Menschen, die es noch nie waren.

01:53:50: ,632 [Martina Eberl] Das stimmt auch, ja.

01:53:51: ,152 [Dr. Christine Theiss] Und, ähm, weil der Körper da komplett falsch abgebogen ist. Bei uns beiden ist es so, wenn wir was essen, dann speichert der Körper die Energie in Glykogenspeicher, weil er doch weiß, er braucht den Sumpf sowieso gleich wieder. Es lohnt sich bei uns gar nicht, da sind die Fettreserven zu stopfen.

01:54:06: ,132 [Martina Eberl] Ah ja, bei mir, das hat er schon auch mal gelernt gehabt zwischendrin, aber-

01:54:09: ,372 [Dr. Christine Theiss] Ja, aber-

01:54:10: ,012 [Martina Eberl] Hat's wieder selber retour gelernt.

01:54:13: ,392 [Dr. Christine Theiss] Genau, bei mir-

01:54:13: ,092 [Martina Eberl] Aber du hast da recht, aber ich kann dir das nur sagen, ähm, deine Tochter ist noch bisschen frisch-frisch, frischer ist auch 'n guter Wort, äh, gutes Wort, ähm, bisschen kleiner. Aber es ist, ähm, dann als Mama schon ein, äh, Ritt auf der Rasierklinge mit, äh, Essstörung oder dann nicht, ne. Also du, wenn du zu viel verbietest, du musst immer wieder aufpassen, oh Gott, hoffentlich ist das jetzt nicht zu krass, weil letztendlich, ich halt von Zucker per se gar nichts, bin mittlerweile aber auch 'n bisschen schlauer geworden, was die Süßstoffe betrifft. Das ist 'n extremes, hm, bin ich selber auch bisschen reingetappt, ähm, ein extremes Suchtpotenzial haben. Ja, muss man-

01:54:48: ,992 [Dr. Christine Theiss] Das ist Teufelszeug.

01:54:48: ,142 [Martina Eberl] Ja, ja, man muss da wirklich extrem aufpassen. Aber da gehen wir jetzt nicht drauf ein, weil sonst müssen wir wirklich, das wär übrigens 'n guter Podcast, noch mal 'n zusätzlicher. Ähm, aber nichtsdestotrotz, ähm, an dem liegt es halt schon auch. Du hast da absolut recht, geb ich dir recht mit den verarbeiteten Geschichten, weil wir da gar keinen großen Einblick haben, was da alles drin ist und was dann tatsächlich auch noch das Suchtpotenzial und dann im Kopf natürlich vom, ähm, vom Dopamin et cetera alles, das hervorruft. Da kann man sich gar nicht-

01:55:18: ,692 [Dr. Christine Theiss] Wenn du die Brauchsanweisung anschaust, die Zutaten liest und ab dem dritten Wort Nummer weiß, was drin ist, sollte sie die Finger von lassen.

01:55:24: ,672 [Martina Eberl] Das ist wirklich, das hab ich schon sehr oft gehört. Ich find das ganz gut. Bloß dann in dem Moment, wo man so Bock drauf hat, dann scheißt man auf das vierte Wort. Dann, ähm, muss man sich aber trotzdem immer wieder ... Ich erinner mich dann immer wieder an den Satz, den, ähm, den ich mir als Sportler noch immer wieder gesagt hab. Es ist, jeder hat Niederlagen und es kann dir alles Mögliche passieren. Bloß es, it depends how you react on it. Ja, also es kommt einfach, wie der nächste Tag dann wird. Wenn's einfach jeder Tag schlecht wird, ist es schwierig. Wenn du aber sagst, du hast jetzt 'n Megaausreißer, also ich hab auch ständig wieder Ausreißer, ja, wo ich dann auch wieder sag, boah, war jetzt nicht so 'n optimaler Tag auch, ja, aber am nächsten Tag ist dann wieder besser.

01:56:01: ,592 [Dr. Christine Theiss] Weißt du, was ich meinen Kunden beibringe? Achtzig Prozent.

01:56:04: ,332 [Martina Eberl] Ja, achtzig, zwanzig Regel, die hilft immer ganz gut.

01:56:06: ,742 [Dr. Christine Theiss] Genau, sag ich auch. Fünf Tage in der Woche, du warst fünf Tage in, in der Kantine und an vier Tagen hast du's super gemacht und an einem Tag war's Mist. Ja, ist okay.Pfeif auf diesen Tag und nächste Woche machst du wieder achtzig Prozent und du wirst sehen, irgendwann kommst du vielleicht sogar mal bei hundert an, weil du merkst, die Gier lässt nach. Das ei-, aber die Leute geißeln sich immer zu sehr und, äh, dann geben sie ganz auf, weil es lohnt sich ja alles nicht. Die ganze Anstrengung lohnt sich nicht. Wenn man aber ihnen von Anfang an beibringt, das Scheitern wird kommen und das wird dazu gehören, dann sei entspannt. Mach weiter und die, die, die Abstände zwischen dem Scheitern werden größer und größer mit der Zeit.

01:56:45: ,461 [Martina Eberl] Genau.

01:56:46: ,182 [Dr. Christine Theiss] Und das ist das Ziel, wo wir hinwollen. Und was ich den Leuten auch sage, die, die bei mir abnehmen im, im Coaching, das sind ja fünfzig Prozent meiner Kunden wollen abnehmen, die anderen fünfzig Prozent, ähm, kommen eher wegen Selbstbewusstsein und, ähm, Leben umkrempeln. Dann sag die, denen gebe ich meine, die sogenannte Theiss-Latte mit auf den Weg. Wenn du jetzt abnimmst, dann ziehst du immer mit die drei Kilo Theiss-Latte hinter dir her. Das heißt, das, was du jetzt gerade hast, das Gewicht, ähm, du hast ein neues Minimum erreicht, dann da ist die Theiss-Latte drei Kilo. Die darfst du dir zugestehen, ohne dass du hysterisch wirst, Selbstgeißelung anfängst und entspannt bitte. Damit kann man so Sachen wie, ich fahr in den Urlaub mal auffangen, ohne dass, dass man ihn total flöten lässt. Oder, ähm, da ist eine Hochzeit. Genießt die Hochzeit, meine Güte. Das Gewicht wird nicht auf der Hochzeit gemacht. Das Gewicht wird in den Tagen davor und danach gemacht. Also genießt die Hochzeit. Und, ähm, wenn jetzt jemand zum Beispiel hundertzwanzig Kilo hat, ist jetzt bei hundertzehn, dann sage ich bei hundertdreizehn, da musst du die absolute Bremse reinhauen, weil sonst entgleitet's dir wieder.

01:57:49: ,602 [Martina Eberl] Mhm.

01:57:49: ,802 [Dr. Christine Theiss] Das heißt, bis dahin bist du entspannt und die Leute merken, ach Mensch, guck mal, dann sind sie bei anderthalb Kilo noch entspannt und fangen nicht an, sich selbst zu geißeln, sondern sagen: „Mensch, die Theiss hat gesagt, drei Kilo passt noch. Jetzt reiße ich mich wieder zusammen." Und wenn sie dann hundertacht sind, dann ist die, ist die Theiss-Latte bei hunderteleb und so arbeitet man sich nach und nach nach unten.

01:58:05: ,592 [Martina Eberl] Okay, spannend. Mensch-

01:58:07: ,092 [Dr. Christine Theiss] Ich brauche so Merch-Ding, so eine Theiss-Latte.

01:58:10: ,882 [Martina Eberl] Chrissi, Wahnsinn.

01:58:11: ,022 [Dr. Christine Theiss] Aus Pickenstoff.

01:58:13: ,442 [Martina Eberl] Wir sitzen schon so lang zusammen und ich hab eigentlich noch so viele Sachen, deine Tätigkeit als Ärztin. Also uns geht die Zeit tatsächlich aus, aber eine Sache möchte ich doch erwähnen: D-du bist quasi eigentlich gar nicht aktiv als Ärztin tätig-

01:58:27: ,781 [Dr. Christine Theiss] Mhm, ja.

01:58:27: ,442 [Martina Eberl] Aber du bist, ähm, ehrenamtlich, so wie ich das verstanden hab, ja mit deinen Hunden in der Hunderettungsstaffel der Samariter. Stimmt das?

01:58:36: ,602 [Dr. Christine Theiss] Genau, also ich bin ärztlich nicht tätig. Die Zeit hätte ich leider gar nicht und bin auch jetzt ehrlich gesagt zu weit weg, um noch mal, also um den Facharzt zu machen, müsste ich mich noch mal zu sehr in ein System eingliedern, von dem ich mich mittlerweile zu sehr entfernt habe. Mein Helfersyndrom lebe ich in meinem Ehrenamt aus. Ich bin sehr aktiv im Arbeiter-Samariter-Bund. Angefangen hat's mit der Rettungshunde-Arbeit, wo ich immer noch tätig bin. Seit 2008 mache ich das. Ich führe einen Rettungshund aus. Mit meinem zweiten habe ich morgen meinen Eignungstest. Dann, ähm, also ich, einer ist schon lange geprüft, den zweiten habe ich gerade in der Ausbildung, ähm, und bin selber Ausbilderin. Also ich bilde seit 2011 bin ich Ausbilderin und bin federführend bei uns in der Staffel für die Ausbildung der sogenannten Mantrailer zuständig. Ich gehe auch viele Einsätze. Der letzte Einsatz war jetzt, was haben wir heute? Dienstag, letzter Einsatz war am Samstag.

01:59:26: ,772 [Martina Eberl] Mhm.

01:59:26: ,162 [Dr. Christine Theiss] Direkt nach dem Kindergeburtstag, um achtzehn Uhr war der Kindergeburtstag zu Ende. Ich komme nach Hause und sage tschüss und gehe in den Einsatz.

01:59:32: ,062 [Martina Eberl] Was habt ihr gemacht?

01:59:33: ,272 [Dr. Christine Theiss] Eine Dame, die seit früh abgängig war, schwerst dement, ähm.

01:59:38: ,722 [Martina Eberl] Wiedergefunden.

01:59:39: ,722 [Dr. Christine Theiss] Ähm, mein Hund ist zu einer Bushaltestelle gelaufen. Der Bus fährt in Lehel und in Lehel wurde sie gefunden. Also sie ist definitiv nicht von da, wo wir gesucht haben, das ist im Süden von München oder im südlichen München, ähm, definitiv nicht zu Fuß da hingekommen. Ähm, also das hat er gut gemacht, der Bube. Ähm, ich bin aber noch mehr im ASB. Ich bin seit 2014 sitze ich im Bundesvorstand, bin seit 2018 stellvertretende Bundesvorsitzende vom Bundesverband und wir haben ja doch vom Arbeiter-Samariter-Bund 1,6 Millionen Mitglieder.

02:00:08: ,182 [Martina Eberl] Wow.

02:00:09: ,402 [Dr. Christine Theiss] Auch das ist aber komplett ehrenamtlich. Ähm, ich sitze, ich bin die Vorsitzende der Arbeiter-Samariter-Stiftung seit 2015 bin ich in der Stiftung, seit 2016 Vorsitzende

02:00:21: ,102 [Dr. Christine Theiss] und seit zwo, was haben wir denn? '26. Seit vier Jahren sitze ich im Vorstand vom ASB München und bin jetzt ganz frisch neu gewählt die Vorsitzende des Vorstandes hier in München.

02:00:32: ,941 [Martina Eberl] Gratuliere.

02:00:32: ,402 [Dr. Christine Theiss] Danke.

02:00:33: ,662 [Martina Eberl] Wahnsinn. Ein Tausendsassa. Du kannst ja alles.

02:00:36: ,592 [Dr. Christine Theiss] Ob ich's kann, wird sich zeigen, aber ich, äh, geb zumindest alles dafür.

02:00:40: ,502 [Martina Eberl] Toll. Meg, echt super.

02:00:42: ,722 [Martina Eberl] Die Quick Neun.

02:00:45: ,482 [Martina Eberl] Die schnellen Neun, wie der Name schon sagt, äh, schnelle Antworten, ähm, kurzes Denken und antworten. Lerche oder Eule?

02:00:54: ,262 [Martina Eberl] Du.

02:00:55: ,062 [Dr. Christine Theiss] Lerche.

02:00:57: ,011 [Martina Eberl] Tracker oder Gefühlssportler?

02:01:00: ,422 [Dr. Christine Theiss] Gefühlssportler.

02:01:02: ,162 [Martina Eberl] Sommer oder Winter?

02:01:05: ,082 [Dr. Christine Theiss] Oh, das kann man so gar nicht sagen. Beides, wirklich beides.

02:01:10: ,392 [Dr. Christine Theiss] Ich mag dazwischen nicht.

02:01:11: ,302 [Martina Eberl] lacht] Wir stellen sie dann, da kommt der Lachs, das wär sehr gelegen dazwischen. Ausdauer oder Kraft?

02:01:20: ,422 [Dr. Christine Theiss] Ich kombiniere tatsächlich beides am liebsten.

02:01:23: ,022 [Martina Eberl] Okay. Süß oder salzig?

02:01:26: ,522 [Dr. Christine Theiss] Süß.

02:01:27: ,582 [Martina Eberl] Kino oder Theater?

02:01:30: ,802 [Dr. Christine Theiss] Kino.

02:01:32: ,862 [Martina Eberl] Lieblingsstadt.

02:01:35: ,022 [Dr. Christine Theiss] Stadt?

02:01:36: ,322 [Martina Eberl] Mhm.

02:01:38: ,102 [Dr. Christine Theiss] Ich liebe München

02:01:40: ,262 [Dr. Christine Theiss] und als, und im Ausland Sevilla als Stadt.

02:01:43: ,182 [Martina Eberl] Sevilla?

02:01:44: ,382 [Dr. Christine Theiss] Ja.

02:01:44: ,822 [Martina Eberl] Nice, okay. Vervollständige folgenden Satz: Wenn ich nicht Kickboxerin geworden wäre, dann hätte ich was gemacht?

02:01:53: ,011 [Dr. Christine Theiss] Ja, dann hätte ich, äh, Medizin gemacht. Dann wäre ich im Idealfall, da ist mein Mann dazwischenge-- Also

02:02:02: ,002 [Dr. Christine Theiss] eigentlich wollte ich Allgemeinmedizinerin werden und den Laden meiner Eltern in Bayreuth übernehmen. Ähm, genau. Aber ich-

02:02:09: ,622 [Martina Eberl] Dem Mann sei Dank. Okay.

02:02:11: ,242 [Dr. Christine Theiss] Ich hab 'n Münchner geheiratet, der geht nicht nach Bayreuth.

02:02:14: ,542 [Martina Eberl] Da bin ich bei ihm. Das-

02:02:16: ,542 [Dr. Christine Theiss] lacht]Deswegen hatte sich dieser Lebensplan erledigt. [lacht]

02:02:21: ,642 [Martina Eberl] Zwei haben wir noch. Drei Dinge, für die du dankbar bist.

02:02:25: ,682 [Dr. Christine Theiss] Drei Dinge, für die ich dankbar bin. Für meine Familie, also mein, mein Mann, meine Tochter. Dass mir das Schicksal zugestanden hat, mein Leben so zu führen, wie ich's liebe.

02:02:39: ,782 [Dr. Christine Theiss] Das ist nicht immer nur Können, sondern es ist auch ganz viel Glück.

02:02:43: ,182 [Martina Eberl] Mhm.

02:02:45: ,302 [Dr. Christine Theiss] Dass ich und auch meine Familie gesund sind.

02:02:47: ,922 [Martina Eberl] Toll.

02:02:47: ,802 [Dr. Christine Theiss] Ja.

02:02:48: ,322 [Martina Eberl] Kommen wir gleich noch mal drauf auf die Dankbarkeit. Und jetzt die letzte Frage: Wie schaffst du es, jeden Tag die Welt für eine Person

02:02:56: ,742 [Martina Eberl] besser zu machen? Zumindest für diesen einen Tag.

02:02:59: ,362 [Dr. Christine Theiss] Ha, zehn PMS-Tage auch dazu? [lacht] Da mache ich niemanden glücklich. Ah. Ähm,

02:03:08: ,062 [Dr. Christine Theiss] ich versuche gegenüber Menschen freundlich zu sein. Das klappt nicht immer, aber eigentlich ist es dann eigentlich immer nur 'ne Reaktion. Also wenn man mir

02:03:17: ,722 [Dr. Christine Theiss] ans Bein pisst, dann-

02:03:19: ,602 [Martina Eberl] Pisst du zurück.

02:03:20: ,622 [Dr. Christine Theiss] Dann piss ich durchaus mal zurück. Insbesondere wenn's nicht gegen mich geht, sondern gegen einen, der mir Schutzbefohlen anvertraut ist. Also mein Kind, ähm, meine Hunde oder jemand, der unter mir ist. Da, da kann ich echt zündig werden.

02:03:33: ,702 [Martina Eberl] Was bist du für ein Sternzeichen?

02:03:34: ,502 [Dr. Christine Theiss] Fisch.

02:03:35: ,502 [Martina Eberl] Ah, okay.

02:03:36: ,542 [Dr. Christine Theiss] Ich versuche immer zur Bäckereifachverkäuferin nett zu sein. Ich versuche den, also ich grüße den Briefträger, ich, ähm, halte die Tür auf. Das sind so Kleinigkeiten.

02:03:47: ,242 [Martina Eberl] So 'n bisschen so

02:03:49: ,042 [Martina Eberl] wie ich dir, du mir dann auch.

02:03:51: ,952 [Dr. Christine Theiss] Ja, genau.

02:03:51: ,182 [Martina Eberl] Ja, genau.

02:03:52: ,112 [Dr. Christine Theiss] Also dieses,

02:03:54: ,702 [Dr. Christine Theiss] ähm,

02:03:56: ,462 [Dr. Christine Theiss] seid's nett miteinander.

02:03:57: ,862 [Martina Eberl] Ja.

02:03:57: ,542 [Dr. Christine Theiss] Ja.

02:03:58: ,361 [Martina Eberl] Oh, das ist doch schön. Das ist doch jetzt mal ein toller Abschluss. Seid's nett zueinander. Und das Dankbarkeit, das bekommt jeder Podcast, ähm, Gast von mir. Und zwar kriegst du ein Journal.

02:04:10: ,752 [Dr. Christine Theiss] Ja, danke.

02:04:10: ,492 [Martina Eberl] Wo du genau solche Fragen jetzt ab sofort jeden Tag gestellt bekommst, wie du den Tag für jemanden anders besser machen kannst. Nur eine Tätigkeit, ähm, für was du dankbar bist. Da fragt sich das Buch jeden Tag drei Sachen. Es ist natürlich pink.

02:04:24: ,502 [Dr. Christine Theiss] Ja, selbstverständlich.

02:04:24: ,922 [Martina Eberl] Was auch sonst, ja. Als Glücksbringer, das, wenn du jetzt nicht so auf Pink abfährst, kannst du es auch gerne deiner Tochter schenken, gibt es einen Glücksbringer.

02:04:31: ,871 [Dr. Christine Theiss] Ja, sehr gut.

02:04:32: ,122 [Martina Eberl] Den habe ich auch. Den kriegen alle meine Female-Gäste. Und dass du weiterhin so blendend ausschaust, wie du's hier eh schon tust, aber dass das halt so erhalten bleibt. Von unserem Partner fortyeight grams zwei ganz, ganz tolle, ähm, Gesichtsmasken.

02:04:45: ,302 [Dr. Christine Theiss] Die muss ich verstecken, weil das Kind entdeckt grade Wellness.

02:04:48: ,852 [Martina Eberl] Ja, ganz wichtig.

02:04:48: ,622 [Dr. Christine Theiss] Das Wellness für sich. [lacht]

02:04:49: ,742 [Martina Eberl] Vor allem in dem Alter schon.

02:04:50: ,401 [Dr. Christine Theiss] Ganz wichtig und, ja.

02:04:52: ,802 [Martina Eberl] Also Chrissi, vielen herzlichen Dank dir. Alles Gute für deine Hundestaffel, für alles, was du dir vornehmen magst, für deine neue, für dein neues Format The Biggest Looser.

02:05:01: ,542 [Dr. Christine Theiss] Nee, The Boot Villa.

02:05:02: ,832 [Martina Eberl] The Boot Villa, genau.

02:05:03: ,302 [Dr. Christine Theiss] The Boot Villa, ja.

02:05:04: ,542 [Martina Eberl] Falls du mal tatsächlich so 'ne, so 'ne Kofferträgerin brauchst, ich komme gerne mit, ja. Und ich hoffe natürlich, euch hat der Podcast auch wieder gefallen. Ähm, lasst uns gerne 'ne gute Bewertung da und auch gerne Kommentare. Und falls ihr Fragen an die Chrissi habt, schickt sie mir, ich geb sie gerne weiter. Danke fürs Zuschauen und natürlich fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Schön, dass ihr da wart. So, und das war eine weitere Folge von The Pink Table. Ich hoffe, dir hat der Podcast gefallen und du könntest mir einen Riesengefallen tun, indem du ihn abonnierst auf dem Kanal, auf dem du diesen Podcast sehen möchtest. Eine Fünf-Sterne-Bewertung ist natürlich mega oben drauf und vor allem wünsche ich mir einen Kommentar, wenn du einen Wunschsportler hättest, einen Wunschathleten, einen Wunscholympioniken oder Paralympics. Und ich werde natürlich mein Bestes geben, diesen Sportler bald hier am Pink Table empfangen zu dürfen. Also bis dahin frohes Weiterhören.

02:05:56: ,462 [Song] outrot music]