Der Sportpodcast mit Martina Eberl
00:00:00: ,039 [Sven Hannawald] Die, die Gedanken beschäftigen sich mit dem, äh, was danach ist. Oh guck mal, Siegerehrung, schön alle Leute drumherum. Kannst du direkt zu Hause bleiben? Weiß ich nicht mehr.
00:00:08: ,710 [Martina Eberl] Weiß ich nicht mehr?
00:00:08: ,240 [Sven Hannawald] Bin direkt, direkt so gestürzt mit Gehirnerschütterung.
00:00:11: ,120 [Martina Eberl] Oh nein, oh Gott.
00:00:13: ,480 [Sven Hannawald] Wie soll ich, wenn ich mich rausnehme, weniger tu oder gar nichts tu, wie soll ich da erfolgreich sein? Und dann war ich dort und dann hat er innerhalb von einer halben Stunde gesagt: „Dringendst in die Klinik, Burnout."
00:00:24: ,080 [Martina Eberl] Alle meine Gäste bisher haben etwas gemeinsam. Sie sind oder waren alle extrem erfolgreiche Sportler, haben Olympia und Weltmeisterschaften gewonnen. Mein heutiger Gast allerdings hat Geschichte geschrieben und wir alle waren damals 2001 auf 2002 live dabei, als Sven Hannawald die Vierschanzentournee gewonnen hat und nicht irgendwie alle vier, den Grand Slam.
00:00:48: ,320 [Martina Eberl] Nur wenige Sportler können von solchen Höhen, aber auch extremen Tiefen berichten, wie es Sven kann. Heute gilt er als Pionier der mentalen Gesundheit, hält Vorträge darüber und gibt seit vielen Jahren seine Erfahrung zum Thema Burnout weiter. Ich freue mich wie Bolle auf unser Gespräch. Herzlich willkommen, Sven Hannawald.
00:01:05: ,910 [Sven Hannawald] Ciao. Hello.
00:01:05: ,760 [Martina Eberl] Intro-Musik] This is The Pink Table.
00:01:11: ,100 [Martina Eberl] Speak your story. Cool. Also ich sage dir eins, lieber Sven.
00:01:15: ,780 [Sven Hannawald] Jetzt bin ich gespannt.
00:01:17: ,280 [Martina Eberl] Du kannst auf ganz viel gespannt sein.
00:01:18: ,720 [Sven Hannawald] lacht]
00:01:19: ,260 [Martina Eberl] Als ich mir gedacht habe, okay, wenn du da bist, dann werde ich schon ein bisschen nervös sein und vor allem muss ich mir da richtig gute Sachen einfallen lassen und ob das dann auch wirklich so viele Sachen werden. Aber ich bin dann jetzt die letzten Tage da gesessen. Ich habe so viele Fragen, die ich an dich-
00:01:33: ,020 [Sven Hannawald] Echt jetzt?
00:01:34: ,000 [Martina Eberl] Und zwar wahrscheinlich für dich auch mal was Cooles, nicht nur über die Vierschanzentournee. Das ist ja, schätze ich mal, der, das Thema, was immer noch am meisten bei dir gefragt wird, oder?
00:01:46: ,340 [Sven Hannawald] Anfang, ne. Das ist natürlich, das steht ja bis heute noch für mich, äh, obwohl knapp 25 Jahre jetzt schon rum sind. Also das ist ja schon eine lange Zeit, ähm, aber steht da nach wie vor
00:01:59: ,700 [Sven Hannawald] über allem, egal ob es jetzt bei der Tournee geht es wieder darum. Haben zwar auch jetzt mittlerweile, ähm, mit Kamil Stoch und Kobayashi ja zwei weitere geschafft, aber am Ende geht es dann immer um den ersten und egal was ist, dann natürlich leider bisher immer noch kein Deutscher nach mir. Also es ist immer so ein bisschen die Tournee, mein großer Anker und das war vom kleinen Sven das große Ziel, die zu gewinnen.
00:02:18: ,180 [Martina Eberl] Ist es jetzt wirklich leider?
00:02:21: ,740 [Sven Hannawald] Ja.
00:02:21: ,000 [Martina Eberl] Ja?
00:02:22: ,800 [Sven Hannawald] Ja, weil am Ende bin ich ja jetzt in so einer Position, ich leide ja mit den Jungs mit. Das ist so, wir waren, wir haben so viele Saisons, wo ich gesagt habe: „Okay, dieses, ja, jetzt klappt's. Carl Geiger und Gelb hin. Jetzt weiß man, dass die in Gelb zur Tournee, die da kommen, ähm, einfach aus irgendwelchen Gründen es einfach nicht hinbekommen oder schwer hinbekommen, die dann am Ende auch zu gewinnen, obwohl sie bis dahin alles richtig machen. Aber ich glaube, dieser, dieser Bruch von dem, von dem Wochenende für Wochenende im Rhythmus sein und dann Weihnachten ist so ein Bruch drin und dann kommen die irgendwie nicht mehr in die Spur. Dann ist irgend so eine andere Hansel da, auf einmal, ähm, fühlt sich gut, gewinnt das erste Springen und dann, äh, kommen die in Gelb nicht mehr hinterher. Und, ähm, das war die letzten Saisons wirklich knapp dran, auch mit Wellinger in mit Oberstdorf auch gewonnen und dann über die Station ging's und dann, äh, am Ende steht Kobayashi mit viermal Zweiter,
00:03:11: ,840 [Sven Hannawald] steht er ganz oben. So, und das sind einfach, da geht's um so Kleinigkeiten und ich leide mit und diesem Jahr auch wieder und, äh, dieses Jahr war's ein bisschen, ja, weiter weg. Und jetzt die kommende Saison hoffe ich natürlich wieder. Neuer Bundestrainer.
00:03:23: ,020 [Martina Eberl] Aber approachen die dich dann auch, dass sie sagen, sie kommen dann, wenn sie jetzt quasi so ein Failure haben, so 'n, dass sie's dann nicht schaffen, dass sie sagen, sie fragen, sie fragen dich dann einfach mal, was sie verbessern können und wie du das siehst, dass der nächste Schritt gemacht werden könnte?
00:03:41: ,710 [Sven Hannawald] Nein, die sind ... Also ich habe ja selber
00:03:43: ,420 [Sven Hannawald] vor unserer Zeit, vor Martin und mir hatten wir ja auch unsere Vorreiter Schispringer, äh, wo wir ja sicher auch hingehen hätten können-
00:03:51: ,000 [Martina Eberl] Mhm.
00:03:52: ,970 [Sven Hannawald] um dann einmal zu fragen: „Wie geht man denn in der Situation um, wenn man mal was gewonnen hat oder noch gar nicht gewonnen hat?", sondern das haben wir auch nicht gemacht. Und das-
00:03:58: ,100 [Martina Eberl] Das ist eigentlich voll schade.
00:04:00: ,299 [Sven Hannawald] Ist aber eigentlich, glaube ich, irgendwie-
00:04:02: ,710 [Martina Eberl] Nicht einfach.
00:04:02: ,870 [Sven Hannawald] Hängt so ein bisschen an den, an den Zeiten, die sich ändern. Natürlich im Sport ist ja im Golf genau das Gleiche, wenn's um die Wurst geht, müssen so paar Gedankenmuster stimmen, dass du alles für dich ausblenden kannst, dass du in dem Moment auch locker bleibst. Und das geht auch hin und wieder auch mal mit der einen oder anderen Erfahrung, die du mehr hast als vielleicht beim ersten Mal. Und, ähm, aber die Zeiten ändern sich so und, und die sind alle so ein bisschen tief drin, obwohl's schon psychologisch gesehen eigentlich die gleichen Prozesse sind vor 25 Jahren.
00:04:29: ,380 [Martina Eberl] Ja, mhm.
00:04:30: ,440 [Sven Hannawald] Äh, aber, ähm, wir haben auch nicht gefragt. Also mich wundert's nicht. Also wenn jemand kommen würde, klar, würde ich mit ihm quatschen. Kein Thema, aber ich glaube, dass sie wirklich für sich so auf dem Weg sind, sich selber zu finden und dann vielleicht nicht dran denken, mal jemanden Ehemaligen zu, zu, zu fragen.
00:04:45: ,530 [Martina Eberl] Vielleicht ist es auch-
00:04:45: ,660 [Sven Hannawald] Was wir ja überhaupt nicht gemacht haben. Nein, glaube ich nicht. Also wir haben nicht dran gedacht. Also ich hätte, also Jens hätte uns nicht geschlagen, wenn wir ihn gefragt hätten irgendwas, sondern, ähm, irgendwie war das, wir haben gar nicht dran gedacht, weil wir so tief in unserem, in unserer Welt waren. Trainer drumherum, ja natürlich auch dann auch mit, mit Therapeutinnen und, und, und, und, und, äh, die nahestehenden Personen vom Team hast du ja immer irgendwie auch Zugang gehabt und das eine oder andere auch mal bequatscht,
00:05:10: ,460 [Sven Hannawald] aber grundlegend, äh, grad so die, die, die Themen, wo's dann am Ende im Wettkampf drum geht.
00:05:15: ,570 [Martina Eberl] Nee.
00:05:15: ,900 [Sven Hannawald] Die willst du eigentlich selber erfahren. Keine Ahnung.
00:05:17: ,280 [Martina Eberl] Im Golf gibt's das schon. Da gibt's auch so Tutorials, wo Tiger mit, ähm, auch Scottie Scheffler und mit anderen wirklich schon richtig, richtig Erfolgreichen auch so Trainingssessions machen und so weiter und auch so Gespräche führen. Und da, da wird Tiger schon viel gefragt.
00:05:33: ,550 [Sven Hannawald] Ja, das glaub ich.
00:05:33: ,330 [Martina Eberl] Finde ich, ich mein, ganz ehrlich, würde ich auch machen. Also, äh, klar.
00:05:37: ,230 [Sven Hannawald] Ja, also beratend ist ja immer schnell was da. Das heißt ja dann nicht oder ich weiß nicht, ob sie Angst haben, dass dann's irgendwie heißt, derjenige, den sie gefragt haben, äh, steht für 'n Erfolg. Ich weiß es nicht. Also wir waren auch ruhig und haben das versucht, so ein bisschen für uns zu lösen.
00:05:51: ,240 [Martina Eberl] Ja.
00:05:51: ,940 [Sven Hannawald] Klar, auch mit unserem Team drumherum oder in meinem Fall habe ich ja dann auch so ein bisschen auch die Fühler weiter rausgestreckt mit dem Sportpsychologen, was ja eigentlich neu war.
00:05:58: ,080 [Martina Eberl] Mhm.
00:05:59: ,840 [Sven Hannawald] Wir hatten immer Teampsychologen, aber den, den ich hatte, das wusste ja niemand. Das war wirklich nur einer für mich. Und ähm-
00:06:04: ,680 [Martina Eberl] Das wusste niemand?
00:06:05: ,256 [Sven Hannawald] Nee. Also meine Eltern nicht, mein Trainer nicht, nur mein Manager, der Sportpsychologe, also der Herr Dr. Hans Eberspächer und ich. Also wir waren drei. Weil ich eben nicht wollte, dass gerade zu der RTL-Zeit und es hat ja am Ende dann war's für mich im Nachgang das letzte Puzzle-Steinchen, wo mir dann eben das Bild gebracht hat und wollte ich dann eben nicht, dass das dann rauskommt und bewusst ist, dass ich vor der Saison, wo dann alles super lief,
00:06:31: ,936 [Sven Hannawald] 'nen Sportpsychologen hatte, weil es dann heißt, Sportpsychologe bringt den Erfolg. Und das waren die Trainer, die gefühlt von klein auf an meiner Seite sind. Das sind dann die Schlagzeilen, die schnell geschrieben werden, die natürlich gleich mal für kommen muss ich auch lesen, aber die tun dem einen oder anderen Trainer weh und das wollte ich nicht. Deswegen habe ich das bei mir behalten.
00:06:48: ,616 [Martina Eberl] Okay, ja, so habe ich das noch nie gesehen, aber verstehe ich, ja.
00:06:52: ,026 [Sven Hannawald] Ist Medienlandschaft. Ist nicht negativ, aber sie funktionieren so, dass sie dann wirtschaftlich bleiben. Alles zwischendrin liest ja keiner. Wird keiner 'ne Kau..., ein Abo ab, ab, ähm, abschließen oder 'ne, 'ne Zeitung heutzutage noch kaufen. Das muss immer entweder voll positiv oder richtig im Keller. Zwischendrin interessiert kein Mensch.
00:07:11: ,836 [Martina Eberl] Aber da musst du nachher noch ein bisschen mehr dazu erzählen. Eine Frage, die ich immer gerne am Anfang stelle, ist: In wie viele Kapitel würdest du dein Leben unterteilen oder einteilen?
00:07:22: ,036 [Sven Hannawald] Klar, Kindheit
00:07:24: ,036 [Sven Hannawald] ist im Nachgang. Dann habe ich auch mal so eine Biografie geschrieben: Höhenflug, Absturz. Meine Landung im Leben haben wir schon vier und Landung im Leben ist eigentlich das jetzt, was ich mache. Ja, vier Kapitel.
00:07:36: ,596 [Martina Eberl] Vier Kapitel?
00:07:36: ,436 [Sven Hannawald] Ja.
00:07:37: ,936 [Martina Eberl] Und alle waren gut?
00:07:38: ,716 [Sven Hannawald] Nee, das ist, äh, also da hätte ich ja ein Leben, da hätte ich ja auch Lotto spielen können. Zum Leben gehört immer dazu, dass negative Sachen dabei sind. Egal, ob das jetzt, äh, viel Erfolg ist oder, ähm, auch die, die sich heute so nach außen geben von wegen toll und super Leben, die haben irgendwas hintendran, was sich beschäftigt.
00:07:57: ,076 [Martina Eberl] Das stimmt.
00:07:58: ,536 [Sven Hannawald] Das ist aber das normale Leben. Es gibt kein Wetter ohne, ohne Regen, gibt immer Abwechslung.
00:08:03: ,606 [Martina Eberl] Keine Täler ohne Berge.
00:08:04: ,326 [Sven Hannawald] Ja, das ist alles-
00:08:05: ,016 [Martina Eberl] Ja, absolut.
00:08:06: ,686 [Sven Hannawald] Das normale Leben und dementsprechend ist, gehört der Absturz jetzt von dem einen Kapitel dann einfach auch dazu, weil ich das Höhenflugkapitel natürlich so forciert habe, weil ich einfach die Tournee gewinnen wollte. Unter Biegen und, über Biegen und Brechen, alles unter, unter, ähm, gegraben und, und-
00:08:23: ,216 [Martina Eberl] War das so dein, ähm, Go-to? War das höher gesteckt als Olympia?
00:08:29: ,796 [Sven Hannawald] Mhm.
00:08:29: ,236 [Martina Eberl] Ja.
00:08:30: ,016 [Sven Hannawald] Ja, weil, ähm, habe ich für mich natürlich immer die Erklärung, weil die Tournee sich über zehn Tage zieht. Olympia-Entscheidung ist ein Tag. Da kann auch mal der Favorit schlechtes, schlechte Bedingungen haben, einen schlechten Tag haben. Es gibt glückliche Olympiasieger und Weltmeister. Es gibt aber keinen glücklichen Tournee-Sieger. Es gibt Überraschende. Die gibt's. Aber es gibt keinen, der zehn Tage Glück hat. Definitiv nicht. Und deswegen steht die in meiner Sicht-
00:08:54: ,896 [Martina Eberl] Über alles.
00:08:54: ,556 [Sven Hannawald] Über allem und danach kommen die, die Skiflug-Weltmeistertitel, weil auch die zwei Tage haben. Da musst du zwei Tage, musst du einmal über Nacht mit den Gedanken klarkommen, wenn du führst nach dem ersten Tag. So eine Tagesentscheidung, da gibt's Favoriten. Es kann sein, dass du dazu gehörst und dann hast du einen Tag, oh, okay, und dann ist aber schon rum. Und das schon rum ist nicht, sondern du schleppst diesen, äh, zehn Tage mit oder zwei. Deswegen ist für mich die,
00:09:20: ,276 [Sven Hannawald] ja, die, die, die Höhe. Kategorie höher.
00:09:23: ,456 [Martina Eberl] Du hast ja gerade gesagt, die Gedanken über Nacht.
00:09:25: ,576 [Sven Hannawald] Mhm.
00:09:26: ,316 [Martina Eberl] Was sind das für Gedanken?
00:09:28: ,516 [Sven Hannawald] Ja, die, die, die Gedanken beschäftigen sich mit dem, äh, was danach ist. Oh, guck mal, Siegerehrung. Schön, alle Leute drumherum. Hörst die Hymne, hast einen Pokal in der Hand. Boah, sensationell, oder? So. Kannst du direkt zu Hause bleiben, weil du dich völlig an das danach... Du malst dir ein schönes Bild aus und es hat nichts mit der Realität zu tun. Weil ab dem Zeitpunkt, wenn du morgens aufstehst, könntest du schon stolpern und irgendwas könnte passieren, ähm, hast du nicht im Griff. Und diese Gedanken, so schön wie sie sind und so toll wie sie sich anfühlen,
00:09:59: ,476 [Sven Hannawald] die platzen zu lassen, so schnell wie möglich, dass du gar nicht so in Fahrwasser kommst, dass du wirklich in der realen Arbeitswelt noch bleibst bis zu dem Punkt, in unserem Fall dann im zweiten Durchgang, im zwei-- bei der Landung. Wenn da alles klappt und da alles durch ist, dann kannst du
00:10:13: ,375 [Sven Hannawald] alles freilassen. Aber vorher, und das ist das Schwierige, ähm, umso länger die Anspannung dann noch halten muss und das Ergebnis sich auch noch irgendwie hinzieht, ist das schwierig, diesen, dieses Gedankenthema da oben irgendwo einzufrieren.
00:10:28: ,996 [Martina Eberl] In der, in der Gegenwart bleiben.
00:10:29: ,416 [Sven Hannawald] Ja.
00:10:30: ,976 [Martina Eberl] Nicht nach vorne. Es ist so das Gleiche auf dem Golfplatz auch, dass du schon irgendwie an der 13, äh, deine Siegesrede übst. Ja. [lacht]
00:10:36: ,276 [Sven Hannawald] Das ist, finde ich eh. Also ich gucke ja auch viel Golf und, ähm, das ist ja auch so ein Sport. Ähm, klar kannst du mal einen schönen ersten Tag haben und wie oft es dann ist, dass du gefühlt drei, vier Schläge Vorsprung hast und dann irgendwie die nächsten Tage völlig in, im Eimer gehen.
00:10:51: ,516 [Martina Eberl] Beim Golf sind es ja immer mehrere Tage. Ja, also es ist ja.
00:10:54: ,936 [Sven Hannawald] Ja.
00:10:54: ,086 [Martina Eberl] Ich weiß ganz genau, von was du redest, aber deswegen ich wollte jetzt mal hören, wie [lacht]
00:10:59: ,136 [Martina Eberl] diese Über-Nacht-Geschichte, das ist schon knallhart, ja. Und, und abgerechnet wird zum Schluss. Es gibt immer diese schlauen Sprüche, Sprüchal, und, äh, die haben alle die Wahrheit. Also, ähm, stay in the present. Also beim, bei mir war ja der Mentaltrainer Ameri, ähm, Engländer oder Walliser und, ähm, das, ich hatte da immer meine, meine, meine Sprüche: „Stay in the present, stay focused, ähm, feel your toes."
00:11:24: ,776 [Sven Hannawald] Mhm.
00:11:24: ,296 [Martina Eberl] Weil wenn du deine Zehen spürst, dann bist du in der Gegenwart und so weiter und so fort. Aber cool. Aber wir kommen auf die ganzen Sachen noch. Ich habe noch so viel Vorlauffragen, die noch überhaupt nichts groß, ähm, mit der Tournee und überhaupt mit dem Wettkampf zu tun haben. Was wärst du denn eigentlich geworden, wenn du nicht Skispringer geworden wärst?
00:11:41: ,596 [Sven Hannawald] Fußballer.
00:11:42: ,676 [Martina Eberl] Ja?
00:11:42: ,936 [Sven Hannawald] Ganz klar. Ja, wir hatten, äh, in meiner Gegend, wo ich aufgewachsen bin, ähm, Erzgebirge Aue ist ja heute auch ein Thema. Ähm, das wäre der Verein gewesen und wir sind alle, weil es Sibirien des Ostens, ja, bis heute noch ist, die Gegend, immer harte und, und tiefe Winter. Auch da hat sich's jetzt verändert leider. Ähm, aber da war Wintersport Nummer eins. Fußball gab's auch und wenn das mit dem Springen nicht geklappt hätte,-
00:12:06: ,316 [Martina Eberl] Fußballer.
00:12:06: ,376 [Sven Hannawald] Direkt, ja, weil ich liebe es heute. Ich habe meinen Verein mit Freiburg. Ich, ähm, versuche dann irgendwie noch ein bisschen im Training mit den Jungs vom Verein mitzukicken. Das ist einfach schön, macht Spaß.
00:12:16: ,416 [Martina Eberl] Und warum ging's dann Richtung Skispringen?
00:12:19: ,340 [Sven Hannawald] Weil das gef-- weil das funktioniert hat. Also ich saß aufm Sofa mit Papa, hab die Tournee gewonnen, äh, Tournee gewonnen, hä, Tournee gesehen. Die fand ich mega. Du hast natürlich auch die Möglichkeiten dann, äh, in unserem Ort waren kleine Schanzen. Wir haben uns dann mit unseren Jungs nach jedem Wettkampf hinterm Haus getroffen, Schanze gebaut, den, den Wettkampf nachgespielt, Namen vergeben, alles. Wir waren völlig in unserem, in unserem Skisprungwahn. Und wenn das dann nicht klappt, also wenn Kinder irgendwas machen und die kriegen nur auf die Mütze oder stürzen die ganze Zeit oder irgendwas, dann hätt sich's erledigt gehabt. Aber es ging halt natürlich dementsprechend gut. Locker leicht von der Hand, hab alles gewonnen als Kind und dementsprechend war mein Weg Richtung Tournee geebnet aus meiner Sicht.
00:13:00: ,540 [Martina Eberl] Äh, okay. Wie, wie, w-wie ist das? Man fängt da mit kleineren Schanzen an, ne?
00:13:04: ,820 [Sven Hannawald] Ja. Also wenn man Skifahren kann, dann, ähm, und so 'n, so 'n, so 'n Hang runterfährt und mal schnell über 'nen Hügel, den man so nicht aufm Schirm hatte. Der Hügel wirft einen auch mal zwei, drei, vier Meter. Das sind die Anfänger von den Schanzen. Da kannst du maximal vom Profil her sehen sie ähnlich aus wie die Großen, nur in Mini.
00:13:22: ,500 [Sven Hannawald] Und, äh, da fährst du dann irgendwie runter und springst gar nicht ab, sondern da hast du nur, fährst über den Schanzentisch und bist dann gleich wieder am Boden und fährst dann halt auch das Profil runter. Das sind die Anfänge. Und dann ist die so langweilig. Du siehst ja als Kind schon nebendran rechts oder links im Augenwinkel die nächstgrößere. Bist teilweise noch froh, dass du nicht hinmusst. Und irgendwann ist aber relativ schnell, dass die, ah ja klar, jetzt weiß ich halt natürlich schon, wie's sich anfühlt. Ah, da gibt's ja eine. Und dann, wenn der Trainer sagt: „Also aus meiner Sicht, wenn du willst, bitte." Du hast noch 'n bisschen Magenkreisen, [lacht] bisschen Aufregung. Und dann, äh, aber wenn du erstmals dann von der größeren runter bist, hast du wieder völlig Adrenalin und wow, wow. Und, und dann geht's auf der so lang, bis die auch langweilig ist. Und dann und das zieht sich natürlich dann über fünf bis sechs, sieben, acht Jahre, bis du dann von der ganz kleinen wirklich mal auf so 'ner großen Schanze springst, die wir,
00:14:14: ,940 [Sven Hannawald] äh, in der Saison immer im Fernsehen sehen.
00:14:16: ,360 [Martina Eberl] Und wie viel verschiedene Schanzen gibt's?
00:14:19: ,020 [Sven Hannawald] Es gibt die, also die, die wahrscheinlich auch 'ne Sieben oder Fünfzehner. Dann gibt's zwischen Dreißig- und Vierziger, dann gibt's dann so Fünfundsiebziger.
00:14:28: ,020 [Martina Eberl] Heißt det, det springt man dann?
00:14:29: ,460 [Sven Hannawald] Also es ist immer der, der, ja, so grob ist es der K-Punkt, wo dann der Hang unten-
00:14:33: ,020 [Martina Eberl] Ah, okay.
00:14:34: ,080 [Sven Hannawald] ... wieder flach wird, ne. Und den Punkt da. Äh, mittlerweile heißt's ja Hillsize, weil man dann irgendwie auch 'ne richtige Neigung hat und dann kann man die, die, die Schanzen bisschen besser einstufen, äh, weil's dann wirklich um 'nen gewissen Winkel geht. Oder d-- wenn er zu flach ist, dann wird's zu gefährlich für Verletzungen und somit kann man dann anhand von dem Hillsize besser ein, die, die, die Schanze besser einnorden. Bei 'nem Kalkulationspunkt, wie's früher immer war, wie ich jetzt gesagt hab, fünfundsiebzig, neunzig, dann irgendwie die Hundertzwanziger früher und Skiflugschanzen waren ja Hundertachtziger, also hundertachtzig Meter, bis dann das kam. Da gab's dann unterschiedliche Radien, wo dann vielleicht bei dem einen der Radius bisschen größer war und der andere bisschen enger und da war's natürlich schwieriger, zehn Meter nach 'm Kalkulationspunkt dann schon, äh, zu landen. Äh, wenn der schärfer ist, dann hat's da schon früher wehgetan und es gab Schanzen, wo du dann vielleicht zwanzig Meter oder fünfundzwanzig Meter nach dem K-Punkt gelandet bist und es hat, war easy. Hat mit dem Winkel dann wirklich zu tun, ne. Und da wächst du rein und, äh, irgendwann kommst du hin.
00:15:33: ,320 [Sven Hannawald] Einzig große Thema ist natürlich dann noch mal zwischen den Großschanzen und der Skiflugschanze-
00:15:37: ,830 [Martina Eberl] Mhm.
00:15:37: ,680 [Sven Hannawald] ... wo's dann über zweihundertfünfzig Meter mittlerweile geht. Da gibt's keine Zwischenschanze. Die ist [lacht] also von der dann, wenn die langweilig ist und sagst: „Ach komm, Skifliegen ist ja auch ganz cool und so", da gibt's dann keine Zwischenschanze, wo man dann vielleicht mal so hundertachtzig, hundertneunzig Meter springt, sondern da geht's dann wirklich von hundertvierzig auf zweihundertfünfzig.
00:15:58: ,380 [Martina Eberl] Und das Fliegen, d-also das musst du mir jetzt einfach noch mal erklären. Man fliegt dann so viel weiter. Ist, hat man da einfach 'n längeren Anlauf? Ist die dann größer, die Schanze? Oder warum fliegt man dann dann so viel weiter?
00:16:10: ,400 [Sven Hannawald] Weil die Schanze allgemein größer ist. Das Profil, so wie sie ganz klein ist vom Maßstab, ist einfach eins, eins größer. Das Profil muss 'ne gewisse, äh, Norm haben. Ähm, das ist alles, äh, festgelegt, weil's dann auch mit der Flughöhe und Ballistik teilweise zu tun hat. Und so sind die alle so bisschen eingestuft. Und Skifliegen ist eigentlich auch nur noch mal größer. Wir fahren dann im Gegensatz zu den Großschanzen, wo wir um die neunzig km/h anfahren, fahren wir auf 'ner Skiflugschanze hundert, hundertfünf km/h an. Und das ist so, und das ist so 'n bisschen der Unterschied, wenn du's die Hand aus 'm fahrenden Auto hältst, dreißig, vierzig, fünfzig. Da merkst du einfach, dass das Polster unter der Hand größer wird. Und dadurch, dass es größer wird, fliegen wir natürlich auch weiter, weil wir schneller sind, mehr Geschwindigkeit mitnehmen und dann segeln wir länger. Aber auch alles anhand von so 'nem Profil entlang. Alles ausgerechnet.
00:17:00: ,940 [Martina Eberl] Das war ja auch so 'n bisschen deine Spezialität, gell?
00:17:02: ,350 [Sven Hannawald] Fliegen war meins, ja.
00:17:05: ,960 [Martina Eberl] Als du das zum ersten Mal gemacht hast, hast du das dann gleich gesagt, das, das taugt mir am allerbesten?
00:17:11: ,700 [Sven Hannawald] Weiß ich nicht mehr.
00:17:12: ,399 [Martina Eberl] Weiß ich nicht mehr?
00:17:13: ,940 [Sven Hannawald] Bin direkt, direkt so gestürzt mit Gehirnerschütterung.
00:17:15: ,440 [Martina Eberl] Oh nein. [lacht] Oh Gott.
00:17:17: ,180 [Sven Hannawald] Also ich hab, ich hab mit meinem ersten Flug direkt viel bezahlt oder gefühlt für meine komplette Karriere im Schiefen. Nein, nein, das ist, ist total, also ich, ich lach heut drüber-
00:17:26: ,510 [Martina Eberl] Ja.
00:17:26: ,600 [Sven Hannawald] ... weil's am Ende natürlich schon auch wieder so 'ne Geschichte ist. Also eigentlich, wenn man direkt im ersten stürzt, sagt man: „Okay, ich lass es lieber."
00:17:31: ,250 [Martina Eberl] Ja, ja.
00:17:32: ,890 [Sven Hannawald] Aber irgendwie war's 'n Materialdefekt, ähm, obwohl ich jetzt nichts dafür kann, aber es war halt einfach so und deswegen bin ich gestürzt und am Ende, äh, ging's ja dann trotzdem super erfolgreich weiter.
00:17:41: ,840 [Martina Eberl] Das war ein Materialdefekt?
00:17:42: ,000 [Sven Hannawald] Ja, ja.
00:17:43: ,770 [Martina Eberl] Boah, das ist ja noch bitterer.
00:17:43: ,584 [Sven Hannawald] Du kontrollierst ja alles mit Schrauben und so weiter und wir hatten dann damals, früher gab's noch so 'ne Seilzugbindung, die, wie so 'n Seilzug um die Ferse herum. Das war dann justiert und dann ging's mit so 'ner, mit so 'ner Seilbindung. Also da war nur 'n Band, was natürlich schon auch reißfest war, ähnlich wie im Bergsport. Und dann so 'n kleiner Clip wurde in den Schuh gesteckt. So, und das hat eigentlich gehalten und wir haben alles vor, am Vorabend noch alles neu gemacht, also dass wirklich alles schön fixiert drin ist, aber hat irgendwie nicht gehalten und dann hat's mir das Ding rausgerissen und dann, ja. Aber das ist das Schöne beim oder das nicht das Schöne, aber das, das Clevere vom, vom Körper ist, dass, ähm, ich erinner mich nicht an den Flug
00:18:22: ,044 [Sven Hannawald] Grob hab ich noch so um die Mittagszeit noch aufm Schirm und das beschreibt mir, dass der Körper natürlich schon auch so 'n, so 'n, so 'n geniales System hat, dass er in, in Momenten, wo dann was passiert, noch 'n Stück zurückspult, dass er wirklich sicher ist, dass du keine Erinnerung hast, was passiert ist. Weil wenn ich jetzt natürlich prägnant wüsste, ich bin rausgesprungen, kam der Ski und dann ist er weg und dann hab ich so große Augen gehabt und ich wusst gar nicht, was ich machen soll und dann hat's geknallt und dann war's schwarz, dann hätt ich natürlich mehr Probleme gehabt, wieder zu springen. Aber so hat mir dann irgendwie kurz vor Mittag, ich weiß noch, dass wir dann, glaub ich, 'ne, 'ne Suppe gegessen haben, bevor wir immer rausfahren. Die ist noch prägnant. Das Aufwärmen früh war auch noch prägnant und danach weiß ich nix mehr.
00:19:04: ,183 [Martina Eberl] Und wann hast du's dich dann noch mal getraut?
00:19:06: ,004 [Sven Hannawald] Ja, dann irgendwie Jahre später, also die Saison, glaub später und, ähm, es war ja '95.
00:19:12: ,564 [Sven Hannawald] Dann bin ich's nächste Mal zum Skifliegen, äh, '97, '98 zur Skiflug-WM und war dort Zweiter. Also
00:19:18: ,484 [Sven Hannawald] war alles gut.
00:19:20: ,924 [Sven Hannawald] Hab ich gern bezahlt. [lacht]
00:19:21: ,314 [Martina Eberl] Ich wollt grad sagen, das hört sich ja echt so nice an.
00:19:24: ,504 [Sven Hannawald] Ja, aber es ist bei so Sportarten ist dann halt immer hin und wieder hat man so Geschichten im Nachgang und lächelt mal drüber. Währenddessen, dadurch, dass man auch jünger ist, steckt man das ganz anders weg. Wenn ich so 'n Sturz vielleicht mit 25, 26, 27 hab, dann denkst du mehr drüber nach und du denkst auch allgemein schon vom, vom, vom genetisch bedingten Alter her denkst du mehr als danach, was passieren kann. Das machst du ja früh. Also als Kinder, wenn du Kinder zuguckst, als Eltern immer, oh Gott, die denken ja gar nicht so. Das haben wir genauso gemacht und somit bist du da einfach früh, schüttelst dich kurz und dann geht's weiter. Aber es geht im hohen Alter natürlich oder jetzt nicht mehr.
00:19:57: ,264 [Martina Eberl] Beschreib mir das Gefühl, wenn man dann so fliegt. Ist das dann
00:20:03: ,964 [Martina Eberl] ... Ich mein, um Gottes willen, ich werd das in meinem Leben nie machen, aber ist das dann so 'ne Freiheit oder so, so 'ne, dass man über allem steht? Was ist das für 'n Gefühl?
00:20:12: ,904 [Sven Hannawald] So 'n, so 'n, so 'n schwereloses Dahinschweben, ähm, wo am Ende, hab ich immer beschrieben, dich keiner nervt, weil du einfach für dich allein bist. Du hast dieses, dieses Gefühl, dass unter dir ist irgendwas, siehst aber nichts, was dich hält und schwebst da drauf und, ähm, ist einfach irgendwie das, das freie Gefühl,
00:20:33: ,994 [Sven Hannawald] das, das Fliegens. Urtraum ja eigentlich, dass Menschen fliegen zu können und ähm-
00:20:38: ,924 [Martina Eberl] Könntest du's noch? Also würdest, also ...
00:20:41: ,264 [Sven Hannawald] Theoretisch ja, aber das ist der große, das große Thema, dass Skispringen eine reine Vertrauenssportart ist. Also wenn du das in gewissen Abständen immer machst, weißt du, passiert nix. Ich weiß auch, dass nichts passiert. Ich weiß auch, was ich zu tun und zu lassen hätte, wie's funktioniert und dass nichts passiert. Aber dadurch, dass ich so 'n längeren Abstand hab, schon nach, das merkst du schon nach zwei, drei Wochen, wenn du nicht gesprungen bist, kommen schon die ersten Fragezeichen. Das, was du abgespeichert hast. Ja, ist das wirklich so, dass ich rausspringe und der Ski mir entgegenkommt? Ja, weiß ich nicht. So. Aber wenn du das immer machst, denkst du da gar nicht drüber nach und machst einfach. Und es ist halt so und ich weiß, dass es auch so ist, wenn ich rausspring, dass der Ski kommt.
00:21:18: ,464 [Sven Hannawald] Aber ich hab irgendwie kein Gefühl der Garantie in mir und dementsprechend lässt man's.
00:21:23: ,564 [Martina Eberl] Wann war das letzte Mal, dass du runtergesprungen bist?
00:21:26: ,964 [Sven Hannawald] Ähm,
00:21:28: ,444 [Sven Hannawald] das letzte Mal, dass ich gesprungen bin, war eigentlich jetzt nach meiner Klinikzeit, wo ich gehofft hab, dass ich wieder zurückkomm und, äh, wo ich noch mal gesprungen bin, ähm, zu Hause. Die anderen waren schon, es war November 2004 muss es gewesen sein. Die anderen waren schon in der neuen Saison unterwegs und ich bin mit 'nem anderen Heimtrainer zu Hause gesprungen. Das waren die letzten. Die letzte offizielle war 2004 im Februar, Salt Lake City auch wieder. Typisches Thema dann eigentlich gewesen. Körperlich total platt, auch so komisches Gefühl in mir. Funkt..., glaub ich, zweiten Durchgang hab ich nicht erreicht. Und es ist ja dann so, wenn das Niveau
00:22:04: ,804 [Sven Hannawald] dann irgendwo, ähm, stattfindet, dann muss ich mich selber vor mir schonen, ne. Das ist, kann ich so nicht akzeptieren, weil ich ja schon auch immer viel gebe und viel reinbutter. Und wenn da solche Ergebnisse reinkommen, dann muss ich mich selber schützen, indem ich die Saison früher aufhör. Das war in dem Fall auch so und dann kam ja Klinik und alles.
00:22:21: ,124 [Martina Eberl] Da kommen wir gleich noch drauf. Okay. Aber das ist ja schon zwei, drei Tage her, also dass du da mal runtergesprungen bist.
00:22:27: ,004 [Sven Hannawald] Ja. Es wird auch so bleiben. [lacht]
00:22:30: ,904 [Martina Eberl] Ja, also ich versteh das ja total. Also den höchsten Respekt, aber da, da frag ich dich nachher eh gleich noch. Ähm, du bist ja, du hast ja gerade gesagt, du hast, also wenn du jetzt nicht Skispringen geworden wärst, wärst du Fußballer gewesen. Und es ist, ich vergleich das so 'n bissl auch mit 'm Golf. Was mich so
00:22:48: ,624 [Martina Eberl] mit 'm Golf immer wieder beschäftigt hat oder ich war immer neidisch den Mannschaftssportlern gegenüber, weil mei, wenn einer Mist baut von den elf, dann hast du da immer noch zehn andere Hansel, die dir da raushelfen können und die dann einfach noch mal 'n Gas,
00:23:03: ,024 [Martina Eberl] noch mal 'n Gang zulegen, dass sie schneller am Ball sind, whatever.
00:23:08: ,024 [Martina Eberl] Und beim Golf und beim Skispringen auch, ich sag, auch ihr habt ja 'ne Mannschaft gehabt, ja. Aber letztendlich bist du alleine da oben und musst deine Leistung abrufen. Genauso war's ja bei mir auch. Also ich stehe vorm Ball und ich muss den Trigger ziehen. Ich muss den, den Schlag machen und ich mach den Putt, ob der reingeht oder nicht. Also ich trage vollste Verantwortung. Hast du da so in der Reflexion zu früher
00:23:32: ,724 [Martina Eberl] das bereut, dass du den Einzelsport ... Natürlich warst du mega erfolgreich da drin, aber hast du das dann so 'n bissl bereut, dass du gesagt hast, vielleicht wär eigentlich Mannschaft noch geiler gewesen?
00:23:42: ,284 [Sven Hannawald] Mannschaftssport ist auf der einen Seite natürlich schöner, weil, äh, grad in, in Zeiten, wenn, wenn Erfolg da ist, hatten wir ja dann auch unser, unser, unseren Teamspringen, ähm, wo dann zumindest vier sich fe..., sich feiern konnten. Und das hat dann schon immer Spaß gemacht und war echt immer gut. Weil so die Einzelsiege im Hotel hab ich natürlich jetzt nicht zelebriert, ne, weil dann irgendwo die anderen fünf mit hängenden Köpfen sitzen und ich dann hier den Kasper mach und hallo. Da hast du dann schon auch Respekt den anderen gegenüber. Das nimmt dir so 'n bisschen diese Freiheit und das, was du als Team merkst immer wieder, wenn sie feiern, dass sie völlig eskalieren. Und das ist schön, aber auf der anderen Seite ist es so, dass, dass, äh, natürlich,
00:24:20: ,888 [Sven Hannawald] wenn speziell ich als Typ in 'nem, in 'ner Mannschaft bin und ich seh natürlich im Fußball auch viele, die ähnlich ticken wie ich, ne. Wenn ich dann merk, dass ich da irgendwelche Leute in der Mannschaft hat, die nur Labern und dann aber wenn's um die Wurst geht, nichts machen, sondern immer nur auf die anderen zeigen, dann flipp ich aus. Da kann ich richtig ungemütlich werden und deswegen ist der Vorteil bei mir, dass ich für mich selbst verantwortlich bin und in der, in der Geschwindigkeit, wie ich mich natürlich dann auch reinarbeite und, und, und fokussiere, komme ich vorwärts. So und ich bin nicht abhängig von anderen, ne. Das ist das erfolgreich, schnellere Erfolgreiche, wenn's dann, äh, auch so sein soll. Aber klar, äh, was das Thema Feier und das Thema dann auch wenn du mal schlecht, schlechten Tag hattest, das gegenseitige Auffangen, ne, das ist natürlich auch was anderes. Aber es gibt da auch immer Für und Wider. Ich kann das vollkommen verstehen, ähm, dass das so auch das Mannschaftsthema schon auch 'n bisschen mehr humaner ist, aber am Ende, wenn du da so gestrickt bist, dass du vorwärtskommen willst und so zwei, drei Lampen in der Mannschaft hast, die wirklich nicht blicken, sondern einfach nur gefühlt Zeit absitzen, schwierig.
00:25:26: ,608 [Martina Eberl] Also dann doch besser so wie es gelaufen ist.
00:25:27: ,308 [Sven Hannawald] Es war okay so. Ja. Also ich hätt mich natürlich wahrscheinlich auch ändern müssen, wenn ich dann Fußballer gewesen wär, aber ich seh ja schon auch heute im Fußball, ähm, einzelne Spieler, die wirklich, äh, dann auch vorwärtskommen wollen, wo du dann auch wirklich im Spiel merkst, wenn die anderen dann einfach irgendwo das Gefühl ausstrahlen, ähm, ja, ist okay so. Ja. Und ist aber mehr möglich, ähm, dann gibt's das auch im Mannschaftssport.
00:25:54: ,888 [Martina Eberl] Ja, ja, ja natürlich klar. Musst auch mal selber als, ähm, sieht man selber bei den ganzen Spielern, dass, äh, ob das jetzt die mega erfolgreich sind, ähm, Ronaldo et cetera, was die dann einfach noch alleine auch noch trainieren und noch extra die Schippe drauf, das nächste Level und so weiter, ja. Wie schaut denn jetzt so, jetzt bist du ja doch schon 'n paar Tage aus'm, aus der aktiven Zeit raus.
00:26:18: ,228 [Martina Eberl] Wie schaut 'n jetzt so dein klassischer Tag im Winter und ein klassischer Tag im Sommer aus?
00:26:24: ,628 [Sven Hannawald] Also
00:26:25: ,688 [Sven Hannawald] Winter und Sommer eigentlich gleich. Ähm, wenn ich zu Hause bin, dann ist natürlich Schulzeit für die Kinder, dann ist, äh, sechs Uhr dreißig aufstehen,
00:26:33: ,548 [Sven Hannawald] kurz fertig machen, Kinder frühstücken, zur Schule bringen. Na, das ist, also ich,
00:26:40: ,488 [Sven Hannawald] ich unterstütze, aber Melissa macht jetzt zum Beispiel auch immer, die steht 'n bisschen früher auf, macht schon mal die Brotzeiten, dann komme ich 'n bisschen dazu, übernehme die Kinder mit frühstücken und sie macht sich fertig und sie bringt sie dann auch meistens immer zur Schule, weil das auch immer der Punkt ist,
00:26:54: ,788 [Sven Hannawald] ich bin ja derjenige, der öfter nicht da ist und wenn ich dann immer zum Beispiel das zur Schule bringen übernehmen würde, hätte ich natürlich im Winter, wenn ich wieder vier Tage nicht da bin oder jetzt wieder auch eine Veranstaltung hab und vielleicht nicht, äh, äh, in der Nacht noch nach Hause kommen kann, dann würfelt's das Programm dauernd immer um. Und so hab ich den Part, der vielleicht am wenigsten ausmacht, aber troch, trotzdem unterstützt. Und wenn ich dann halt eben nicht da bin, dann kann's sein, dass das Frühstück halt dasteht, die Kinder halt alleine frühstücken, sich Melissa oben fertig macht und dann ist es okay. Und dann wenn die, äh, Kinder dann in der Schule sind, dann geht's halt in Richtung Büro oder hab ich noch irgendwas zu tun oder hab ich jetzt irgendwie Vorgespräche von Veranstaltungen, hab ich, äh, irgendwelche Gespräche, was jetzt im Winter die, die Übertragungen angeht, haben wir da irgendwelche Online-Meetings, wo's schon mal zu 'ner Vorbesprechung geht, wie wir gewisse Pausen füllen und so weiter und so fort.
00:27:43: ,748 [Sven Hannawald] Ja, und dann, ähm, ja, kommen die Kinder wieder von der Schule Mittagessen
00:27:48: ,508 [Sven Hannawald] und, ähm, dann guck ich noch, was ich sonst noch so zu tun hab. Aber gibt sich halt immer teilweise, dass da Sachen vom Haus, am Haus zu tun. Teilweise muss man da vielleicht auch irgendwie übernehme ich's Einkaufen mal, weil Melissa noch irgendwie da, äh, noch was anderes machen muss. Und dann, ähm, klar, glännt da noch Training. Das sind so die Fahrten am Nachmittag auch immer alle drei Tage,
00:28:06: ,828 [Sven Hannawald] wo da wieder was noch dazwischen kommt und so rufen wir uns so bisschen durch. Und wenn ich nicht da bin, klar, übernimmt Melissa dann natürlich komplett alles. Und wenn ich da bin, so zumindest den Part, der eigentlich so, ja, schon auch normal ist. Der ist nicht so, so bisschen zum, zum großen Austausch.
00:28:22: ,408 [Martina Eberl] Hört sich eigentlich alles total normal an.
00:28:24: ,508 [Sven Hannawald] Ja.
00:28:26: ,048 [Martina Eberl] Wirst du noch oft erkannt?
00:28:28: ,668 [Martina Eberl] Sprechen dich viele Leute an?
00:28:29: ,428 [Sven Hannawald] Äh, wenn Leute wissen, dass ich vor Ort bin, ja, ne. Aber, äh, wenn ich jetzt irgendwie blind-
00:28:34: ,148 [Martina Eberl] So im Supermarkt
00:28:36: ,568 [Martina Eberl] und so.
00:28:36: ,888 [Sven Hannawald] Na, also in, da wo ich wohne in Gauting wissen sie, dass ich da wohne. Also da ist es nix Neues, dass ich auch einkaufen gehe oder vielleicht auch mal was zu trinken kaufe. Äh, das war vielleicht, äh, anders, wo wir dann, glaub ich, 2019, ja, hingezogen sind aus München raus,
00:28:50: ,608 [Sven Hannawald] ähm, dass man dann mein Gesicht erstmals dort gesehen hat. Äh, und das sind ja auch nicht nur die, nicht die Jungen, sondern wirklich eher die Generation, die früher mit ihren Eltern an der Schanze waren, die jetzt groß sind und Kinder bekommen haben. Also die Kinder kennen mich nicht mehr, aber die Eltern natürlich schon. Und wenn die mich dann irgendwo beim Einkaufen sehen, klar. Und das ist dann halt auch deutschlandweit von der Generation her ähnliches Alter, um die fünfzig, sechzig, vielleicht 'n Stück tiefer, aber alles, was so zwanzig ist, keiner, die wissen natürlich nicht.
00:29:19: ,868 [Martina Eberl] Wie geht's dir denn damit zu wissen, dass der Sport so krass schnell vergänglich ist? Also ich seh das ja, meine Kinder sind dreizehn und sechzehn, ja. Also die, ähm, natürlich kennen sie dich, weil ich natürlich auch immer von meinen, von meinen Sportlerfreunden erzähle und von den Erfolgen und die interessieren sich auch sehr stark für, für Sport. Aber zum Beispiel hab ich mal 'n Vortrag gehalten in der Schule von meiner großen Tochter, das ist auch schon 'n paar Tage her. Und da hab ich, ähm, erzählt, wie ich vom, vom, dass ich eigentlich vom Tennis ganz ursprünglich kam und dass Ste-Steffi Graf mein großes Vorbild war. Und dann haben sie sich alle gegenseitig angeschaut: „Wer ist denn Steffi Graf?"
00:30:00: ,588 [Sven Hannawald] Oh Gott, echt?
00:30:01: ,198 [Martina Eberl] Ja.
00:30:02: ,727 [Sven Hannawald] Oh Gott, ey.
00:30:02: ,018 [Martina Eberl] Ja, ja, eben. Wo ich mir gedacht hab: „Oh, okay, gut, also Steffi Graf", da musste ich erst mal erklären, wer Steffi Graf war.
00:30:08: ,628 [Sven Hannawald] Ah, okay.
00:30:08: ,348 [Martina Eberl] So und, ähm, wo ich dann einfach aber auch wieder gemerkt hab,
00:30:12: ,668 [Martina Eberl] wie schnell oder wie vergänglich das alles ist.
00:30:16: ,088 [Martina Eberl] Ich mein, Steffi ist ja auch so wie du, die, die ja eigentlich für Deutschland schon in ihrem Sport Geschichte geschrieben hat, ja. Aber wie, wie fühlt sich das für dich an, dass das ...
00:30:26: ,607 [Martina Eberl] Du hast ja wirklich extrem was gewuppt.
00:30:29: ,918 [Martina Eberl] Wie du jetzt grade schon gesagt hast, die Kinder von denen, die kennen dich dann nicht mehr
00:30:33: ,656 [Sven Hannawald] Ist dann so. Also es ist auch die Zeit, weil's, ich kann mich schon noch erinnern, dass als wir dann aufgewachsen sind, ähm, hab ich ja zum Beispiel von der, von der Fußball-WM '74 auch gar nichts mitgekriegt. Aber trotzdem, ähm, haben mir die, die Namen Beckenbauer, äh, Breitner, die haben mir was gesagt dann irgendwann, ne. So und das ist jetzt heut anders, weil's irgendwie sie sich anders informieren oder andere Helden suchen. Klar, in unserem Fall sind das viele Fragezeichen behaftet, aber es ist einfach so. Die suchen sich irgendwie andere Idole. Und, ähm, deswegen, also das, das Thema Steffi Graf hab ich ja auch so halb mitgekriegt und dann natürlich schon auch mit. Aber, äh, mir waren auch viele, die ich eigentlich nicht kennen dürfte, war mir trotzdem bewusst, weil die immer so 'ne Rolle gespielt haben, weil natürlich auch in Sportsendungen sie immer aufgezeigt wurden. Ja, und heute ist das irgendwie alles bisschen breiter
00:31:27: ,036 [Sven Hannawald] und es ist alles 'n bisschen, ich würd's jetzt nicht sagen oberflächlicher, aber, ähm, einfach mehr, weil der Zugang mehr ist, weil's mehr, mehr, mehr Leute gibt, äh, die dann irgendwie 'ne Möglichkeit haben, da sich vielleicht irgendwie dann auch ganz vorn zu präsentieren, die vielleicht damals gar keine Rolle gespielt hätten, weil's ja eher um Leistung ging und nicht um ADS. Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Aber, ähm, ja, das ist, äh, hat sich verändert und dementsprechend, das ist mir völlig kommen klar, ähm, weil's ja auch andersrum so ist, dass die Kinder zu den Eltern kommen: „Oh Papa, kennst du den und den?" „Äh, nee." So und der redet da mit leuchtenden Augen oder die und kann's nicht fassen, dass der jetzt grad 'ne Autogrammstunde, äh, irgendwo in 'nem Kaufhaus macht. Kennt keiner von uns, aber das ganze Kaufhaus ist völlig,
00:32:13: ,316 [Sven Hannawald] müssen sie abbrechen, weil viel zu viele Leute dahin wollen. Keine Ahnung, kriegen wir gar nicht mit.
00:32:17: ,736 [Martina Eberl] Nee, überhaupt nicht.
00:32:17: ,696 [Sven Hannawald] Und so ist es jetzt halt einfach dann auf der anderen Seite oder andersrum mit den, mit den neuen Gesichtern, die's gibt. Und deswegen, das ist völlig normal. Aber in der Not, wenn man nichts weiß, kann man ja dann auch googeln oder-
00:32:29: ,116 [Martina Eberl] In der Not.
00:32:30: ,075 [Sven Hannawald] Ja, und in der Not und dann wird's ja irgendwas rauswerfen. Kann man mal, kann man mal nachlesen und ob's dann toll ist für einen oder nicht.
00:32:37: ,456 [Martina Eberl] Ja. Du sitzt ja jetzt hier so superentspannt. Bist du 'n entspannter Typ eigentlich so?
00:32:42: ,196 [Sven Hannawald] Ja, also
00:32:44: ,076 [Sven Hannawald] ich bin nur nicht entspannt, wenn ich dann schon auch vorwärtskommen möchte.
00:32:48: ,136 [Martina Eberl] Im Sport, gell?
00:32:49: ,456 [Sven Hannawald] Und dann irgendwie teilweise Sachen nicht klappen, dann, dann werd ich bisschen unruhig. Teilweise aber auch, wenn ich mit, mit, äh, anderen Leuten zusammenarbeite und merk, dass, äh, irgendwie das, äh, auf blindes Verständnis trifft, dass da irgendwie nicht vorwärtsgeht und ich dann irgendwo merk, also irgendwie müsste eigentlich schon klar sein, wie's jetzt weitergeht, aber zum siebten Mal irgendwie noch was erklären, das ist immer schwierig. Und das ist dann-
00:33:13: ,066 [Martina Eberl] Das triggert dich, ja.
00:33:14: ,436 [Sven Hannawald] Dann, dann wird's, dann werd ich unruhig. Aber ich bin schon auch so, ich hab mich selber im Griff und bin da wahrscheinlich weiter der Einzelsportler in Anführungszeichen. Mach das eine oder andere natürlich schon auch mit, mit, mit anderen Menschen zusammen. Aber ich merk immer, dass ich von anderen Menschen teilweise erwarte-
00:33:30: ,826 [Martina Eberl] Mhm.
00:33:30: ,116 [Sven Hannawald] ... dass sie schon auch merken, was ich
00:33:33: ,496 [Sven Hannawald] denke, was sie tun sollten. Und wenn das dann einfach, äh, so nicht ankommt, dann guck ich mir das 'ne Weile an. Hat vielleicht auch mit meinem, mit meinem, äh, Horoskop zu tun. Bin ja Skorpion. Also wir haben hier 'ne lange Leitung, aber irgendwann, wenn Schluss ist, ist dann wirklich vorbei. Und deswegen, ich, ich lass mich eigentlich ungern so 'n bisschen auf Sachen ein, wo ich dann von mehreren Leuten abhängig bin.
00:33:53: ,445 [Martina Eberl] Mhm.
00:33:54: ,116 [Sven Hannawald] Weil ich schon öfter dann einfach auch die, dies gemerkt hab, das ist irgendwie wild.
00:33:59: ,136 [Martina Eberl] Mhm.
00:34:00: ,476 [Sven Hannawald] Und ich für mich selber, ich bin entspannt. Wenn ich nicht vorwärtskomm, klar, arbeite ich mit mir selber, dass ich vorwärtskomm und kann mir aber jetzt – und das hab ich ja jetzt gelernt im Gegensatz zu früher – dass ich dann schon, auch wenn 'ne Aufgabe nicht fertig ist, dass ich die stehen lassen kann und am nächsten Tag weitermach.
00:34:14: ,636 [Martina Eberl] Das war früher nicht so?
00:34:15: ,956 [Sven Hannawald] Na ja, früher ging's, musste erledigt werden. Ja, war auch gut so.
00:34:19: ,755 [Martina Eberl] Ja, ja, natürlich. Um Gottes willen, klar. Als im Sport, klar. Kannst nicht einfach aufhören und sagen: „Äh, doch nicht."
00:34:25: ,516 [Sven Hannawald] Ja, wobei es gab schon welche, die konnten's und dementsprechend haben die natürlich jetzt nicht solche Sachen wie Depression oder Burnout durchleben müssen, ne. Also es ist ja auch schon so 'n, so 'n Teilhintergrund, dass das dauernd Durcharbeitens gefühlt wie heute auch 24/7, dass, äh, solang das Gefühl mir nicht signalisiert hat: „Jetzt pass",
00:34:45: ,816 [Sven Hannawald] hab ich da durchgemacht so. Und das ist, ja, und das kann ich jetzt aber. Hab immer noch nach wie vor meinen Anspruch. Also halbe Sachen mach ich nach wie vor nicht. Aber ich hab gelernt, wenn das, die Zeit am Tag nicht reicht und ich das dann durchprügel bis mitten in die Nacht, äh, lass ich's lieber liegen und sag: „Komm, schlaf 'ne Runde, morgen früh machen wir weiter." Das geht.
00:35:04: ,716 [Martina Eberl] Hast du 'n Lieblingsmotivationszitat?
00:35:10: ,336 [Martina Eberl] Was so 'n ... Kann auch so, so 'ne total wie ... Äh, zum Beispiel ich liebe, weil es, es ist wirklich wahr: Der Weg ist das Ziel.
00:35:21: ,556 [Martina Eberl] Wenn du dich auf 'n Weg konzentrierst, dann bringt's dich auch dann dahin, wo du eigentlich hin willst. Wenn du immer nur auf das Endresultat, dann, dann ist das irgendwie so 'n Space, wo du dich nicht drauf fokussieren kannst. Wenn du dich drauf fokussierst: Was muss ich tun, damit ich da, da, da hinkomm?
00:35:35: ,256 [Sven Hannawald] Mhm.
00:35:36: ,026 [Martina Eberl] Dann kommst du auch zum Ziel. Also so, das ist so auch, das ist so 'n abgefieselter Motivationsspruch. Der Weg ist das Ziel, aber das stimmt total in meinen Augen.
00:35:45: ,026 [Sven Hannawald] Mhm.
00:35:45: ,796 [Martina Eberl] Hast du so was?
00:35:45: ,016 [Sven Hannawald] Äh, boah, keine Ahnung. Schritt für Schritt.
00:35:49: ,116 [Martina Eberl] Ja?
00:35:49: ,366 [Sven Hannawald] Also dadurch, dass ich jetzt für mich selber auch die Ruhe hab, wenn ich weiß, wo ich hin möchte,
00:35:53: ,596 [Sven Hannawald] geh ich lieber 'n Stück langsamer vor-vorwärts, dass ich wirklich auch in, in dem langsamen Tempo alle Sachen rechts und links einpack, die ich dafür brauch für das gute Ergebnis, ne. Wenn ich da so 'n Hektiker wär und lossprinten würde, gefühlt als Erster da ins Regal greife-
00:36:07: ,086 [Martina Eberl] Mhm.
00:36:08: ,056 [Sven Hannawald] ... dann, ähm, hätte ich irgendwie so 'n bisschen
00:36:11: ,066 [Sven Hannawald] die Angst, das eine oder andere Wichtige im Nachhinein, wenn ich's dann hab, vergessen zu haben. Und deswegen eigentlich so in der Ruhe liegt die Kraft oder Schritt für Schritt. Das sind so zwei Sachen,
00:36:21: ,616 [Sven Hannawald] die, ja, die beschreiben mich.
00:36:23: ,386 [Martina Eberl] Mhm.
00:36:24: ,116 [Sven Hannawald] Dass wenn ich was will, hab ich 'ne lange Leine und ich weiß, dass ich da hinkomm.
00:36:29: ,836 [Martina Eberl] Wie ist 'n das beim Golf dann? Wenn du Golf spielst, hast du da auch 'ne lange Leine? Weil das ist ja auch so 'ne
00:36:35: ,536 [Martina Eberl] So 'ne Geduldsthematik
00:36:37: ,296 [Sven Hannawald] Ich bin froh, dass ich viel Golf guck und dass ich schon allein da sehe, dass ich mich gar nicht in eine Welt reindenken brauch, dass ich Golf im Griff haben werde. Also die im Fernsehen, die ich sehe, die haben's natürlich auf 'nem hohen Niveau im Griff, aber selbst deren Motto ist ja,
00:36:53: ,836 [Sven Hannawald] die schlechten Schläge zu verbessern, dass sie nicht so die Aussetzer haben, dass der Ball irgendwie gefühlt quer ins Wasser fliegt oder in die Walachei und sie irgendwie gucken müssen.
00:37:03: ,156 [Martina Eberl] Mhm.
00:37:04: ,156 [Sven Hannawald] Die gehen ja nicht dran, dass jeder Schlag perfekt sein muss, sondern die, die, die versuchen, die schlechten Schläge zu minimieren und auch die irgendwie zu verbessern oder das Niveau zumindest 'n bisschen anzuheben. So, und das, ähm, deswegen, das hab ich auch lernen müssen, weil ich natürlich mit meinem Herangehen vom Skispringen, ja klar, kriegen wir schon hin, geht ja nur den Trefferpunkt und dann erstmals siehst du ja dann schon auch, okay, geht ja nicht nur grad aus, sondern du hast im Körper ja noch 'ne Verdrehung, dann winkelt sich ja alles noch anders. Also ist ja alles noch mal komplexer. Und, äh, ich hatte schon am Anfang, hat's mir viel Spaß genommen, wenn ich die Kugel nicht getroffen hab.
00:37:41: ,916 [Martina Eberl] Da kann ich mich dran erinnern. Ich glaub, da hatte ich dich mal-
00:37:43: ,976 [Sven Hannawald] Ja, ja. Und das nervt mich dann. Aber mittlerweile hab ich jetzt gelernt, wie, wie schön der Sport als solches im Alter dann auch ist, ne. Man muss ja sagen, das ist ja der einzige Sport, der wirklich dann übrig bleibt, den du auf 'nem hohen Niveau wirklich noch spielen kannst.
00:37:57: ,216 [Martina Eberl] Ja.
00:37:58: ,865 [Sven Hannawald] Also egal, ob, wenn du jetzt Tennisspieler bist, die meisten spielen natürlich auch immer, äh, relativ lang im Leben noch, aber haben dann Knie, Hüfte, Rücken, das ist schwierig so. Aber Golf ist immer noch dieses, schon allein vom Handicap wirst du anders eingerechnet. Ähm, du musst nicht so auf 'm Top-Niveau spielen, dass du dann wirklich dann auch wie im Tennis dann noch gewinnst, sondern das wird alles verrechnet. Du hast das Schöne drumherum, das ist so und ich freu mich da drauf so. Und ich kann mich da bisschen runterreduzieren. Ich kann dir jetzt nicht sagen, wenn ich dann wirklich auch mal, äh, wenn die Kinder so weit sind und dann mehr bei den Freunden sind als zu Hause, das ist der Zeitpunkt, da bin ich nur noch aufm Golfplatz. Und da kann ich dir jetzt noch nicht sagen, wenn ich dann wirklich mehr Zeit investiere, ob ich dann wirklich auch so locker bleibe. Aber jetzt hab ich gelernt, ähm, dass wenn ich mal zum Golfspielen komm, genieß ich's einfach. Ich weiß, dass die Dinger irgendwie quer wegfliegen werden, ist mir egal. Ich genieß es einfach nur diese Ruhe, dieses, dieses einfach Schöne.
00:38:50: ,416 [Martina Eberl] Da komm ich ja dann wieder ins Spiel. Weißt du, da mach ich dich so gut, dass die Dinger nicht einfach irgendwo hinfliegen, sondern da fliegen's einfach-
00:38:56: ,596 [Sven Hannawald] Sehr gut
00:38:56: ,156 [Martina Eberl] ... dahin, wo du sehen haben willst.
00:38:58: ,516 [Sven Hannawald] Sensationell.
00:38:59: ,336 [Martina Eberl] Apropos Sport:
00:39:01: ,836 [Martina Eberl] Du warst ja siebenmal bei Ninja Warrior.
00:39:04: ,676 [Sven Hannawald] Mhm.
00:39:05: ,136 [Martina Eberl] Ja, das stimmt, ja.
00:39:08: ,296 [Sven Hannawald] Jja.
00:39:08: ,796 [Martina Eberl] Du warst einmal, also bei dem prominenten Ninja Warrior und einmal warst du bei dem normalen.
00:39:13: ,036 [Sven Hannawald] Mhm.
00:39:15: ,316 [Martina Eberl] Ist das dann, war das dann so 'n krasser Unterschied eigentlich?
00:39:18: ,506 [Sven Hannawald] Das ist, äh, Ninja allgemein ist natürlich schon auch 'n Anspruch. Das, da waren auch damals, also die Anfänge der, der Promistaffeln waren für mich auch schon schwierig, ja, wo ich mich nicht halten konnte. Aber da merkst du, das macht dir Spaß. Und somit war ich jetzt in vielen Promistaffeln. Das gibt's jetzt leider seit letztem Jahr nicht mehr. Also war letztes Jahr dann, äh, erstmals dann, wo wir dann auch in die normale ran mussten. Dann haben natürlich viele gesagt: „Oh nee, machen wir doch lieber nicht", aber Martin und ich, wir haben's durchgezogen, ne. Und, äh, dementsprechend haben wir letztes Jahr erstmals die Erfahrung gemacht, worum's da wirklich geht. Und da sind die Hindernisse eben nicht festgeschraubt und dann kannst du drüber laufen und das war's. Die Abstände, äh, sind dann auch 'n bisschen anders und die Hindernisse sind auch anders. Und da ist natürlich in der ersten Runde immer Schluss im Vorlauf, ähm, das ist klar. Ähm, das Ziel wäre, da vielleicht irgendwann mal buzzern zu können, weil das im Promi-, äh, Special dann eigentlich schon immer sind wir einmal durch in beiden, in beiden Läufen. Am Ende dann, ähm, das ist natürlich jetzt noch nicht möglich und jetzt steht die nächste Aufzeichnung wieder an, auch im normalen Format. Und da [lacht] lassen wir uns wieder-
00:40:22: ,216 [Martina Eberl] Bist wieder dabei
00:40:23: ,376 [Sven Hannawald] ... überraschen, ja. Ähm, bin ich froh. Lassen wir uns überraschen, wie viele Hindernisse ich schaff.
00:40:28: ,175 [Martina Eberl] Und musst du dir oder bereitest du dich da richtig vor drauf, oder?
00:40:31: ,576 [Sven Hannawald] Ja, ich hab jetzt mittlerweile dann auch angefangen zu klettern. Äh, weil dann auch, hörst du ja immer Griffkraft. Dann hab ich irgendwann mal angefangen, mit Klimmzüge zu machen, aber hast du gemerkt, okay, du kannst zwar Klimmzüge machen, aber wenn du diese, diese Fingerkraft nicht hast, dann, ja, könntest du vielleicht noch zwei, drei Mal hochziehen, aber wenn die Finger loslassen, dann lassen sie los. Und das ist eigentlich das, was dir das Leben als Ninja wirklich erleichtert, wenn das besser geht. Und dann sind wir oft klettern gegangen. Äh, mein, mein Kleiner, also Glenn auch, hat sich auch, äh, immer, hat Spaß gehabt dabei und da gehen wir hin und wieder mal dann zu zweit in die Kletterhalle. Da in München gibt's ja viele.
00:41:03: ,766 [Martina Eberl] Mhm. Okay, Klettern.
00:41:04: ,596 [Sven Hannawald] Das bringt einfach raus. Und aber am Ende müsstest du auch so wissen, was der nächste Sprung für mich wahrscheinlich sein wird, in so Kletterhallen gehen, weil's dann natürlich, äh, auch darum geht, von Hindernis zu Hindernis, ne. Wie bewegt sich das? Weil ich letztes Jahr auch so 'ne Erfahrung gemacht hab, dass ich dann zu spät losgelassen hab und mich das Hindernis, das war so 'ne Walze, eigentlich schon wieder zurückgezogen hat und ich dann nicht an Becken, über den Beckenrand bin, sondern an den Beckenrand ran und war aber mit dem Schwerpunkt so weit hin, dass ich ins Wasser gefallen bin. Und das sind so Erfahrungen, die
00:41:33: ,856 [Sven Hannawald] gibt's kein Zurück. Du da, darfst ja vorher auch nicht trainieren.
00:41:36: ,516 [Martina Eberl] Da darf man nicht, ne?
00:41:37: ,116 [Sven Hannawald] Nee. Du siehst den Parcours, du wirst eingewiesen, dann siehst du so, so, so Ninjas, die das, also die da nicht mitmachen, sondern die zeigen dir, wie's geht. Und bei denen sieht das natürlich super aus, wie Golfspielen ja auch im Fernsehen. Oh geil, super, schön leicht, easy, mach ich auch. Treff gar nichts. Und so ist bei, bei Ninja dann auch, wenn du erstmals dann da drin bist: Oh Mist, das sieht bei denen so leicht aus, weil der das eine mit dem anderen verbindet und natürlich blind weiß, wie der das machen muss, wie er Physik und alles, äh, äh, nutzen muss. So, und da musst du bisschen zugucken. Und, äh, ja, und dann in so Ninja-Hallen gibt's dann schon mittlerweile viele Hindernisse, die nachgebaut sind, wo du dann auch mehr 'n Gefühl dafür kriegst für Bewegung. Wenn ich da reinspring, kann ich da direkt weiter oder muss ich dann noch mal Schwung holen? Wenn ich Schwung hol, wo muss ich loslassen? Das sind so die Sachen, die ich jetzt, ähm, versuche noch bis zur Aufzeichnung noch vielleicht mal in so 'ne Ninja-Halle zu gehen, dass ich da mal bisschen mehr Erfahrung, mehr Gefühl dafür hab.
00:42:28: ,616 [Martina Eberl] Die gibt's, ja? Wusste ich gar nicht.
00:42:29: ,256 [Sven Hannawald] Ja, in Rosenheim gibt's eine. Es gibt im Olympiapark gibt's 'ne Ninja-Halle.
00:42:33: ,176 [Martina Eberl] Oh, okay.
00:42:34: ,496 [Sven Hannawald] Ja, da ist so 'n kleiner Ab..., so 'ne kleine Abteilung. Aber in Rosenheim gibt's dann, glaub ich, Stuntweg heißt das. Das ist dann wirklich spezialisiert. Da gibt's dann alles Mögliche.
00:42:41: ,716 [Martina Eberl] Okay.
00:42:42: ,916 [Sven Hannawald] Und da gehen die dann alle hin und vertreiben sich die Zeit und gehen morgens rein und abends raus. Und deswegen sind die so gut und das sieht so faszinierend leicht aus. Wie natürlich alles, ob das jetzt mal Skispringen war, ob jetzt Golf in Perfektion, da kannst du nur zugucken. Du genießt das und es sieht so schön aus. Und das bei denen auch alles mit Kraft, aber du siehst die Kraft nicht, weil die wie so ganz leicht und mit Schwung und Geschwindigkeit zack, zack, zack, easy da durch,
00:43:09: ,736 [Sven Hannawald] äh, äh, schleudern. Und, ähm, ja, und das ist das Schöne. Das interessiert und macht und hält natürlich auch fit. Darum geht's, glaub ich, auch bei mir, dass ich immer wieder noch merk, dass ich einfach fit bleib. Wenn ich merk, dass irgendwie so Wehwehchen kommen und ich da irgendwie gefühlt morgens nicht aus dem Bett komme, das ist schwierig für mich. Deswegen versuche ich, das alles so wirklich aufzuhalten mir gegenüber.
00:43:28: ,436 [Martina Eberl] Wie, wie versuchst du das? Also halt, also
00:43:31: ,636 [Martina Eberl] healthy Lifestyle, klar. Aber Klettern hast du gesagt. Was du sonst noch so machst.
00:43:35: ,316 [Sven Hannawald] Viel Bewegung.
00:43:36: ,756 [Martina Eberl] Viel Bewegung.
00:43:36: ,536 [Sven Hannawald] Allgemein Bewegung würde ich schreiben. Es ist jetzt nicht so, dass, äh, nur Klettern für mich das ist, was mich ausgleicht, sondern mal klettern gehen, mal Golf spielen gehen, mal wieder mit den Jungs, äh, Fußball spielen, dann aber auch normales Krafttraining, dass die Wehwehchen mit Knie,
00:43:50: ,066 [Sven Hannawald] Hüftrücken und Hüfte von früher einfach überlagert sind von der Muskulatur, dass die einfach meinen Körper gerade halten. Das sind so paar Sachen, aber mir geht's mehr um Bewegung. Auch mit den Kindern so ‘n bisschen was machen tut mir auch schon gut.
00:44:03: ,676 [Martina Eberl] Super.
00:44:03: ,356 [Sven Hannawald] Ja, also nur das, das Rumliegen wie heute und
00:44:07: ,506 [Sven Hannawald] Rumskram.
00:44:08: ,376 [Martina Eberl] Wahnsinn, ja.
00:44:09: ,236 [Sven Hannawald] Boah, bäh.
00:44:10: ,556 [Martina Eberl] Wie trainiert man denn eigentlich, wenn man Skispringer ist? Was ist da, also Schnellkraft wahrscheinlich, oder? Also Sprungkraft vor allem sowieso, ist eh klar.
00:44:17: ,796 [Martina Eberl] lacht]
00:44:17: ,196 [Sven Hannawald] Aus meiner Zeit war’s Training bisschen anders, weil wir größere oder großflächigere Anzüge hatten und dann brauchtest du eigentlich
00:44:25: ,916 [Sven Hannawald] nicht so viel Kraft, weil du das, das Aerodynamische, dieses, dieses viel Fläche richtig in den Wind stellen, dass es nicht bremst. Da ging's mehr um Technik und um Gewicht. Ja, also wenig Gewicht haben, Körpergewicht und dann die, die, die, äh, perfektionelle Technik, die dann irgendwie so abrufen, dass du aerodynamisch im Wind bist. Heute ist es so, dass die, die, ähm, Anzüge wieder enger sind, auch die Ski kürzer sind und da braucht's Beinkraft. Und die trainieren schon mehr nur für die Beine, also Rücken, äh, auch noch mit, bisschen mit Haltemuskulaturen, aber oben Oberkörper, also da werden keine Liegestütze gemacht oder Klimmzüge oder irgendwas, sondern das ist-
00:45:01: ,356 [Martina Eberl] Der würde auch was wiegen. Muskeln sind ja auch schwer und-
00:45:04: ,116 [Sven Hannawald] Das ist natürlich dann alles irgendwie so proportioniert und die Muskulatur ist jetzt auch nicht wie so ‘n Gewichtheber, sondern die haben auch ganz, ganz schmale, ähm, Oberschenkel, aber die Muskulatur, die Fasern sind natürlich bis in die letzte Faser austrainiert, komplett mit dementsprechenden Krafttraining. Und dann haben die ‘ne Beschleunigung aus der Hocke, springen die da gefühlt dann anderthalb Meter hoch oder eins achtzig über Hürden, äh, über Hürden.
00:45:27: ,996 [Martina Eberl] Das wollt ich jetzt grad fragen. Ich, ich seh das ja immer dann, ich komme ja so bissel vom [räuspert sich] Fangschner-Training mit den ganzen Boxes und so weiter. Wenn man das dann übt, diese Boxjumps und so weiter, das ist ja auch immer so bissel ‘ne Überwindung, das zu üben, aber auch für Golf wichtig übrigens, weil Beugen, Strecken ist ja Kraftfreisetzung.
00:45:45: ,916 [Sven Hannawald] Mhm.
00:45:46: ,016 [Martina Eberl] Und manchmal denk ich mir dann, wenn da welche davorstehen und so auf so drei Boxen hochspringen, dann denk ich mir: „Ja krass."
00:45:53: ,066 [Martina Eberl] Und was sagst du? Eins achtzig aus'm, aus'm Stand raus?
00:45:56: ,156 [Sven Hannawald] Mit so ein, zwei Schritten Anläufen. Wir machen ja immer so, so Hürden. Also mich hat's nicht betroffen, weil ich genetisch bedingt leider der, nicht der Schnellkräftige war, sondern ich musste mir dann eben Lösungen suchen. War damals mit den breiten Anzügen möglich, mit weniger Gewicht und der Technik. Das hatte ich dann einfach dieses Gefühl vielleicht, äh, besser als alle anderen. Und, ähm-
00:46:14: ,996 [Martina Eberl] Ja, aber trotzdem musstest du ja schnellkräftig sein.
00:46:15: ,996 [Sven Hannawald] Ja, aber ich hab, also um jeden Zentimeter, den ich mir irgendwie über den Sommer erarbeitet hab, war ich froh. Das hast du dann auch immer im Ergebnis gemerkt. Aber da waren andere, die dann irgendwie auch über die Saison drüber hinaus das Level gehalten haben und dann darauf wieder aufgestockt haben und ich hab immer von Neuem angefangen mit meinen, keine Ahnung, was siebenunddreißig Zentimeter Treibhöhe, das ist ja eigentlich gar nichts. Die siebenunddreißig Zentimeter bedeuten dann am Ende, dass du so auf, so keine Ahnung, so auf so Kästen, wenn du davor stehst, so Bauchnabelhöhe oder so was halt draufspringst, ne. Und heute ist es so, dass die dann gefühlt irgendwie vor Hürden stehen, die wahrscheinlich dann gleich hierhin gehen und da flippen die da drüber, aber nicht hier mit Rücken aufkommen, wie man's kennt aus der Leichtathletik, sondern die flippen dann rüber, angehockt und dann kommen sie auf die Beine wieder auf. Ja, ja und das ist halt die Beschleunigung, dieses, und das ist das, was, wo du, du dir dann irgendwo noch zusätzliche Geschwindigkeit in den Flug reingibst, ne. Dieses Abspringen können. So und da hat sich das Training komplett geändert. Komplett, ja. Auch wieder bisschen mehr körperlicher, weil der ein oder andere dann schon auch viele Rückenoperationen haben. Das ist nicht viel Gewicht, aber dieses immer auffangen und dann unten gegenarbeiten, dieses Beschleunigen, das ist das, was kaputt macht. Wenn da nicht irgendwo alles eins zu eins in die Richtung stimmt und vielleicht mal der Rücken nach hinten ausweicht oder das Knie nach innen oder außen, das, da gibt's dann, äh, Material. Da geht's aufs Material.
00:47:37: ,796 [Martina Eberl] Okay. Und im Sommer? Was machen Skispringer im Sommer?
00:47:42: ,656 [Sven Hannawald] Sicher nicht ins Freibad gehen und Eis essen, wie die meisten immer denken. Ähm, sondern das ist also der Wintersportler, unser, unser, ähm, großer Cheftrainer damals, Reinhard Hess, hat gesagt: „Der Wintersportler wird im Sommer gemacht." Also das war für uns die, die harte Arbeit, da irgendwo dann auch nach Saisonende mal vier Wochen hatten wir damals noch Luft und dann ging's schon wieder mit, mit konditionellen Sachen los, laufen, dann Krafttraining begleitend, dann springen und dann über Lehrgangsmaßnahmen, Sommerwettkämpfe, wirklich dann auch so ‘ne gewisse Substanz antrainieren, dass man dann im Winter über, ähm, dann auch die, die, ja die Reserven hat.
00:48:17: ,536 [Martina Eberl] Sommerwettkämpfe, okay.
00:48:18: ,996 [Sven Hannawald] Ja, ja.
00:48:18: ,456 [Martina Eberl] Ja, okay.
00:48:19: ,216 [Sven Hannawald] Also die sieht jetzt halt keiner mehr, weil es keinen mehr interessiert. Zu unserer Zeit damals mit RTL war's natürlich schon noch anders. Da hat das auch mehr Spaß gemacht, weil im Sommer dann auch was los war. Aber heute, ja, hat sich das so ‘n bisschen verlaufen und der Fokus ist voll auf Winter.
00:48:32: ,656 [Martina Eberl] Ich habe ein Attentat auf dich vor. Davon habe ich überhaupt nichts erzählt. Ich hab dir grad angeschnitten, dass ich so aus dieser Fangstellrichtung komme und ich mach da ja echt viel mittlerweile.
00:48:41: ,536 [Sven Hannawald] Ja.
00:48:42: ,516 [Martina Eberl] Bin da, also so fit, wie ich mittler-- im Moment bin, war ich noch nie in meinem Leben.
00:48:46: ,756 [Sven Hannawald] Okay.
00:48:47: ,764 [Martina Eberl] Und so weit vom Alter sind wir jetzt auch nicht auseinander. Und, ähm, ich denk mir immer wieder: Boah, kennst du Hyrox?
00:48:54: ,684 [Sven Hannawald] Ja, sagt mir irgendwas, aber ich hab mich damit nicht beschäftigt.
00:48:56: ,804 [Martina Eberl] Der Moritz Fürz, Fürste.
00:48:57: ,324 [Sven Hannawald] Ja, genau.
00:48:58: ,854 [Martina Eberl] Ja. Mit dem haben wir auch mal zusammen in Hamburg trainiert.
00:49:00: ,964 [Sven Hannawald] Du hast ihm auch mal, ähm, beim Einschlagen etwas mitgegeben, wo er dann danach nach'm 18. Loch in 'n Teich springen durfte, weil er da einstellig vom Handicap gekommen ist.
00:49:09: ,103 [Martina Eberl] Das war da in Hamburg dann.
00:49:11: ,304 [Sven Hannawald] Genau, da hast du ihm irgendetwas mitgegeben, was er dann auf den 18. Loch mitgenommen hat, weil er da irgendwie Schwierigkeiten hatte. Also Hockeyspieler allgemein haben ja eh so 'n Gefühl für den Touch, ne, da unten.
00:49:20: ,844 [Martina Eberl] Ja.
00:49:20: ,744 [Sven Hannawald] Und irgendwie hat er da irgendwie noch Probleme gehabt und du hast ihm beim Einschlagen vor dem Turnier irgendwas mitgegeben und dann-
00:49:26: ,534 [Martina Eberl] Ich kann mich da noch supergut dran erinnern-
00:49:28: ,024 [Sven Hannawald] Dann ist er in 'n Teich gesprungen.
00:49:29: ,564 [Martina Eberl] Weil die natürlich immer so auf diese Hook-Nummer unterwegs sind, ja. Und dann hab ich ihm seinen Griff 'n bisschen geändert.
00:49:34: ,064 [Sven Hannawald] Ach echt, oder?
00:49:35: ,504 [Martina Eberl] Ja, ja. Aber cool, dass du das sagst, weil dann hab ich nämlich was gut bei ihm.
00:49:39: ,964 [Sven Hannawald] Ja.
00:49:39: ,784 [Martina Eberl] Ähm, nee, genau. Und dann hab ich mir nämlich überlegt,
00:49:42: ,583 [Martina Eberl] ich, vorher hab ich gesagt, der Weg ist das Ziel. Also ich trainier wirklich viel und auch echt hart. Ich bin also getrieben, mir taugt das total, mir gibt es wahnsinnig viel. Aber so im Moment bin ich schon so: Wo geht denn die Reise hin? Und so diese Hyrox-Nummer, ich bin fest davon überzeugt, dass das olympisch wird.
00:49:59: ,904 [Sven Hannawald] Mhm.
00:49:59: ,304 [Martina Eberl] Das ist weltweit schon so, also mal kurz erklärt, das sind acht Übungen, ja, aus 'm funktionellen Bereich eigentlich, ob das jetzt Wall Balls sind, Burpee Broad Jumps. Also, ähm, dann gibt's aber auch wieder den Ski-Ergometer und so weiter. Und dazwischen läufst du immer 'n Kilometer.
00:50:15: ,004 [Sven Hannawald] Okay.
00:50:16: ,624 [Martina Eberl] Also nach jeder Übung, die musst du erst mal fertig machen-
00:50:18: ,504 [Sven Hannawald] Mhm.
00:50:19: ,124 [Martina Eberl] Wird eine, ein Kilometer gelaufen und dann kommt die nächste Übung. Ich hab ich selber noch keinen Wettkampf gemacht. Ich hab das alles immer nur so 'n bisschen hören, sagen, beobachtet und dann mir gedacht: Ah ja, und jetzt hab ich letztes Mal auch noch meine Freundin von mir, die Susan Patterson, die hat, ähm, ist 'ne, ist 'ne Ikone eigentlich im Damengolf, ähm, Solheim Cup Captain und so weiter. Und die hat das jetzt mit ihrem Mann gemacht. Da hab ich mir gedacht: Boah, jetzt ist es so weit. Ich glaub, ich muss das jetzt mal machen.
00:50:42: ,744 [Sven Hannawald] Okay.
00:50:42: ,764 [Martina Eberl] Aber nur im Partner. Du kannst es zu zweit machen.
00:50:45: ,094 [Sven Hannawald] Okay.
00:50:46: ,124 [Martina Eberl] Du kannst es alleine machen.
00:50:47: ,644 [Sven Hannawald] Ja.
00:50:47: ,424 [Martina Eberl] Du kannst es sogar als Pro machen, also Elite.
00:50:50: ,764 [Sven Hannawald] Mhm.
00:50:50: ,604 [Martina Eberl] Dann kannst du's aber auch halt einfach zur Gaudi machen und dann kannst du's halt auch noch als Vierer quasi machen. Im Vi, im Golf kannst du ja vierer-
00:50:56: ,434 [Sven Hannawald] Ja, ja.
00:50:57: ,673 [Martina Eberl] Da hab ich mir gedacht: Ah ja, ich würd das jetzt mal mit so 'nem, in so 'nem Doppel machen. Da hab ich mir gedacht: Mit wem mach ich 'n das? Weil wer macht 'n das mit mir? Da haben ja wieder alle Schiss, dass sie, keine Ahnung, mir da nicht nachkommen oder was auch immer. Und vorher hab ich mir überlegt, ich müsste eigentlich echt den Sven fragen, ob du das-
00:51:13: ,304 [Sven Hannawald] Kommst du auf mich?
00:51:14: ,034 [Martina Eberl] Ja, weil du auch so mega fit bist und weil du da auch so 'n Buck hast.
00:51:17: ,574 [Sven Hannawald] Ja, ich seh vielleicht fit aus, aber es ist, ähm, also ich hab da vor solchen Sachen halt wirklich auch Respekt, auch teilweise vor, vor Triathlon, weil ich natürlich schon auch so einer bin, ich will ja da überall all in gehen, ne.
00:51:28: ,104 [Martina Eberl] Ja. [lacht]
00:51:29: ,164 [Sven Hannawald] Ja, total, aber am Ende vergisst man ja da irgendwo und das ist immer die Gefahr, kopfer immer all in, aber man vergisst ja dann schon auch irgendwie, alt man ist, ne.
00:51:37: ,624 [Martina Eberl] Das vergess ich jeden Tag, aber ist gut so.
00:51:38: ,024 [Sven Hannawald] Ja, das ist, aber grad bei solchen Sachen, wenn man sich da so reinsteigert, da kann ich ja wahrscheinlich vier Monate nicht mehr laufen, oder?
00:51:44: ,543 [Martina Eberl] Nein. Da müssen wir uns ja schon 'n bissel miteinander drauf vorbereiten, aber--
00:51:48: ,744 [Sven Hannawald] Ich müsst mal ausprobieren, was man da überhaupt macht und dann wirst du wirklich relativ schnell einsehen, dass ich zwar fit aussehe und das ist ja
00:51:55: ,344 [Sven Hannawald] dank der Genetik eines Skispringers werden wir Lebzeit fit aussehen, weil wir immer schmal sind. Und schmal bedeutet ja heut trainiert.
00:52:04: ,404 [Martina Eberl] Ist das wirklich so? Weil das ist ja zum Beispiel, ich war ja früher viel durch den Tobi, Tobi Angerer viel beim, beim Langlaufen dabei. Bei denen ist das aber nicht so, dass die immer so schmal bleiben.
00:52:16: ,924 [Sven Hannawald] Ja, deswegen sind die auch Langläufer, keine Skispringer. 'N Skispringer ist genetisch so.
00:52:20: ,964 [Martina Eberl] Es ist Mu, ist 'n Muss.
00:52:21: ,544 [Sven Hannawald] Wenn du 'n bisschen, ja, also muss nicht, aber wenn's nicht ist, dann hast du keine Chance. Also das war ja auch im, im, im System der DDR damals so, dass, dass die schon geguckt haben, wenn ein Kind Lust hat, Schi sp... zu springen, sind die auch schon automatisch immer die Blicke zu den Eltern gegangen. Werden die groß, werden die kräftig.
00:52:39: ,144 [Martina Eberl] Ach so. Aha.
00:52:40: ,124 [Sven Hannawald] Ja, ja, weil das macht keinen Sinn. Du kannst das, du kannst das Kind natürlich springen lassen, aber ab dem Zeitpunkt, wenn's dann zwölf, 13 ist, ja, und das wirklich in die Richtung der Eltern gehen sollte und zu muskulös wird und zu schwer wird, ab zwölf, 13 kommen die Chancen, wo's ums Fliegen geht. Dann wird das Kind keine Chance mehr haben. Und dann musst du dem Kind mit 13, 14 sagen: „Wird leider nix mehr." Und wenn 'n Kind dann mit 13, 14 etwas Neues anfangen muss, dann wird es in keiner Sportart Weltspitze, weil das zu spät ist. Und deswegen war's im Osten eher so, dass man die Kinder, die mit sieben irgendwas machen wollten, anhand den, den Eltern schon gesehen: „Oh, das wird schwierig", hat man den Kindern beigebracht, lieber die oder die Sportart zu machen, weil da die Option ist, dass die da halt von klein auf-
00:53:21: ,844 [Martina Eberl] Krass, okay.
00:53:21: ,824 [Sven Hannawald] Durchlaufen können. So, und das, ich find das total genial.
00:53:24: ,934 [Martina Eberl] Ja, natürlich ist das mega schlau.
00:53:25: ,484 [Sven Hannawald] Das ist natürlich einmal im Leben ist es 'n, 'n schwieriger Moment, aber danach ist alles offen. Wenn du den Moment nicht schwierig machst, sondern erst den Sp, den zweiten Moment schwierig gestaltest, ist das Thema für immer durch.
00:53:36: ,164 [Martina Eberl] Ja, ja, ja.
00:53:37: ,344 [Sven Hannawald] Keine Chance. Keine Chance. Und das find ich und das ist heut, wir sehen immer fit aus, egal wo ich rumlauf. Boah, krass fit. Ja gut,
00:53:45: ,504 [Sven Hannawald] hab eigentlich nichts gemacht.
00:53:47: ,244 [Sven Hannawald] Das ist halt nur, hat nur mit, hat nur mit, äh, Schlankheit zu tun.
00:53:51: ,364 [Martina Eberl] Ja.
00:53:51: ,364 [Sven Hannawald] Schlank, schlank ist fit, weil natürlich leider drumherum
00:53:56: ,924 [Sven Hannawald] viele
00:53:58: ,283 [Sven Hannawald] mehr zunehmen, weil natürlich zu jeder Tages-, Nachtzeit man essen kann.
00:54:01: ,104 [Martina Eberl] Essen kann.
00:54:02: ,104 [Sven Hannawald] Und wenn die sich nicht bewegen, deswegen ist, deswegen ist heute im, im Alltag ist 'n Schmaler ist fit. Der muss irgendwie Sport machen.
00:54:09: ,604 [Martina Eberl] Kannst du alles essen und nimmst nicht zu?
00:54:11: ,584 [Sven Hannawald] Ich würd eigentlich gern mehr haben, weil ich ja schon auch viel Krafttraining mach, aber ich merk, ich krieg das gar nicht rein. Also ich hab's auch mit Shakes probiert und alles Mögliche zwischendrin. Dann hau mal so 'n Shake rein und danach noch Mittagessen. Wenn ich den Shake drin hab, bin ich vier Stunden satt. Ich krieg da nichts mehr rein. Keine Chance. Und das ist halt wahrscheinlich auch das Leben von damals.
00:54:27: ,624 [Martina Eberl] Ja, ja klar.
00:54:28: ,164 [Sven Hannawald] Vielleicht auch so 'n Schutz vom Körper, weil zu viel Nahrung ist ja auch nicht gut, ne. Und irgendwie ist das dann halt so. Genetisch bedingt werd ich so immer so bleiben.
00:54:35: ,424 [Martina Eberl] Aber wenn wir schon beim Thema sind, ist es auch das tatsächlich, das hab ich mir auch auf, aufgeschrieben, weil's mich wirklich brennend interessiert: Wie stark sind denn Essstörungen eigentlich beim Skispringen verbreitet?
00:54:44: ,408 [Sven Hannawald] Es, es sieht nach außen immer nach Essstörung aus. Also wenn ich jetzt heute von mir Bilder sehe von damals, gibt's ja das eine mit so 'm, wenn man da googelt, mit, mit so 'm, ähm- Surfsegel da in der Hand. Wenn ich mich nicht kennen würde und den sehen würde: „Ey, guck mal den magersüchtigen Typen an." Ja, sofort, definitiv. Aber bei uns geht's um Leistungssport. Wir sind alle mit den Ärzten in Kontakt. Da geht's um minimales Gewicht und, ähm, dementsprechend muss ja auch Leistung stattfinden. Und ich hatte ja Zeiten, wo ich dann gemerkt hab, dass es in die Richtung geht, dass leichter besser ist. Ist natürlich automatisch die nächste Frage: „Ja, wo ist'n da Ende?"
00:55:19: ,747 [Martina Eberl] Mhm.
00:55:19: ,608 [Sven Hannawald] So, und dann bin ich natürlich weiter runter, runter, runter. Tournee war dann auch so mein vierund-- 63, 64 Kilogramm war dann mein eigentlich optimales Gewicht fürs Skispringen.
00:55:28: ,968 [Martina Eberl] Bei einer Körpergröße von?
00:55:29: ,628 [Sven Hannawald] Von, äh, damals 1,85. Jetzt haben sie mich 1,86 gemessen. Ich weiß aber nicht warum.
00:55:33: ,508 [Martina Eberl] Schau, du wächst noch.
00:55:34: ,507 [Sven Hannawald] Nee, aber keine Ahnung. Vielleicht haben sie auch mit Haare gemessen. Ich weiß es nicht. Also ich schätz mal so 1,85, 1,86 so. Und natürlich ist das, ja, das war das optimale Gewicht. Ähm, ich kam von 70 Kilo, so was hatt ich normal.
00:55:47: ,858 [Sven Hannawald] Und das ist-
00:55:47: ,208 [Martina Eberl] Also noch mal sieben weniger.
00:55:49: ,588 [Sven Hannawald] Ja. Und, ähm, hab dann aber auch nach der Tournee noch mal geguckt, ob noch 'n bisschen mehr geht und das war aber nichts. Das merkst du sofort. Und das ist aber auch der Schutz im Leistungssport, dass du nicht abdriftest in Magersucht, in noch schlimmere Sachen.
00:56:03: ,598 [Martina Eberl] Wie, wie?
00:56:03: ,508 [Sven Hannawald] Weil du, weil du immer, weil du es-- Ich mein, wir machen das ja freiwillig. Es, also wir gucken uns in den Spiegel an und finden's nicht toll, was wir da sehen, sondern das ist wirklich nur in der Sportart ist es so, da gibt's noch zwei andere, wo es einfach auch mehr um Gewicht geht, dass du vorwärts kommst. Wir machen das aber nicht bis 67, bis zur Rente, sondern wir machen das nur so lang, bis wir aufhören. Und von dem Tag, wo wir aufhören, am nächsten Tag sind wir normale Menschen. Wir essen normal.
00:56:27: ,888 [Sven Hannawald] Da ist nicht jeder dann nach'm Essen, geht auf die Toilette. Das ist nicht. Wir sehen so aus, aber das ist alles noch klar für einen jeden selber vom, vom ganzen, vom ganzen, äh, inneren Organismus und von, von allem, ähm, ist es so: Du kennst dich mittlerweile, du hast mit, mit 'm Arzt alles kontrolliert, komplett.
00:56:45: ,268 [Martina Eberl] Aber es wird schon drauf geachtet.
00:56:47: ,348 [Sven Hannawald] Natürlich wird drauf geachtet. Total. Du musst da drauf achten. Also früher dieses, dieses blinde Diät machen, das geht natürlich in die Hose. Aber noch mal, wir sind Leistungssport und auch an, an mir hab ich's ja gesehen. Ich hab's noch mit weniger probiert, hat gar nicht funktioniert. Dann gehst du direkt wieder ein, zwei Kilo hoch und dann bist du in deinem Wohlfühlgewicht fürs Springen. Dann passt das so und dann lernst du, damit umzugehen. Und sobald du aufhörst, bist du normaler Mensch. Ich kann's aber nachvollziehen, dass, dass, äh, Leute, die jetzt nichts damit zu tun haben, äh, solche Bilder sehen, denken: „Guck mal die magersüchtigen Typen an." Ist halt so.
00:57:20: ,758 [Martina Eberl] Ja, ja.
00:57:20: ,548 [Sven Hannawald] Gibt mehrere Sportarten, die sind, ist halt so. Pferde jockey hab ich mal jemanden kennengelernt, da war ja Skispringen Schlaraffenland, was der mir erzählt hat. Das ist knallhart,
00:57:30: ,668 [Sven Hannawald] aber nur während der Karriere. Das ist nicht Lebenszeit. Wenn du in 'nem privaten Leben jetzt, und das ist ja, find ich, ja heute das Verantwortungslose,
00:57:39: ,908 [Sven Hannawald] äh, der, der, der, der Jungen gegenüber, dass du Social-Media-mäßig dann irgendwo immer toll suggerierst, äh, dünn ist toll und dünn ist toll. Wenn du im normalen Leben anfängst, hast du dieses Leistungssport nicht, dass du's nur für die Leistung machst, sondern du findest es schön und fängst dann an und dann wird's schwierig.
00:57:56: ,428 [Martina Eberl] Mhm.
00:57:57: ,768 [Sven Hannawald] Weil hör dann mal auf, das kannst du vergessen.
00:57:59: ,248 [Martina Eberl] Ja, ja, ja.
00:58:00: ,588 [Sven Hannawald] So, und das ist, da ist bei uns so 'n bisschen so 'n Schutz davor, obwohl's so 'n schmaler Grad ist, den wir auch gehen, äh, wegen der Sportart, aber es ist halt einfach so.
00:58:09: ,448 [Martina Eberl] Ich stell mir das halt einfach wahnsinnig schwierig vor, so nie-- so wenig zu wiegen, aber du musst ja trotzdem noch deinem Körper das richtige Benzin geben oder genug Benzin geben, dass du leistungsfähig bist. Das rauszufinden, weil wenn du das sagst, bei 1,85, 63 Kilo, das ist ja schon ein immenser Unterschied,
00:58:26: ,288 [Martina Eberl] ja. Ähm, dass du dann einfach sagst: „Gut, ähm, ich, wie find ich das raus?" Aber wie du sagst, ihr, ihr wart sehr gut betreut. Was darf ich noch essen? Was an, ähm, Makronährstoffen? Was, was ist erlaubt? Was ist nicht erlaubt? Ja.
00:58:42: ,488 [Sven Hannawald] Also es ist alles eigentlich, du, du, du liest ja immer mehr ums, ums Gesunde herum. Also du wirst viel, du endest dann immer bei viel Gemüse. Du isst natu... auch bei, bei auch, äh, wenn, dann richtiges Fleisch. Ähm, natürlich, dann gibt's auch mal Pommes oder so 'ne, so 'n Mist, aber eben nicht täglich, so. Weil du dich einfach ganz anders ernährst.
00:59:01: ,828 [Martina Eberl] Mhm.
00:59:01: ,308 [Sven Hannawald] Das ist das. Äh, du hast hin und wieder dann auch mal so bisschen so Zuckerspitzen, wo der Körper einfach dann von der Energie, wenn du so bisschen am Limit bist, da eher so bisschen nach Zucker schreit.
00:59:11: ,728 [Martina Eberl] Mhm.
00:59:11: ,038 [Sven Hannawald] Dann gibst du ihm da halt auch mal, ähm, 'n Stück Schokolade. Also das ist nicht alles-
00:59:16: ,108 [Martina Eberl] 'N Stück Schokolade.
00:59:17: ,948 [Sven Hannawald] Ist nicht alles weg, sondern du, du hörst in deinen Körper herein, der signalisiert, du kommunizierst mit ihm. Du weißt dann auch genau, was er braucht und was nicht. Wenn du mehr trainierst, kannst du dir mehr erlauben. Ich jetzt selber hab jetzt auch nie ge... Also ich komme ja aus dem Erzgebirge, grad Weihnachten ist, äh, am, am Heiligabend die Gans heilig, hab ich natürlich nicht gesagt, ich ess nur die Klöße und das Rotkraut. Da hab ich natürlich auch die Gans gegessen, ja. Aber wusste, das hat mehr Kalorien und bin am nächsten Tag natürlich dann anstatt der halben Stunde 'ne Dreiviertelstunde oder 'ne Stunde laufen gegangen. Dass du einfach weißt, dass du die Kalorien wieder loswirst. Und das ist 'n ganz normaler Prozess, wo du dich in- und auswendig kennst. Du, du sparst dich nicht ein und sagst: „Das darf ich nicht", sondern du isst alles, weißt eigentlich von den meisten Dingen den Kaloriengehalt und weißt dann auch, was du zu tun hast. Ja, ja klar. Aber das muss ja so sein. Ist ja klar. Ist ja kein Blindflug mehr. Das wär ja immer böses Erwachen. Aber es ist alles Profi, kein Hobby. Da kümmert sich jeder selber drum.
01:00:11: ,787 [Martina Eberl] Ja, also, ähm, ich, es, es ist ja etwas, was ich meinen Kindern auch immer wieder sag: Wenn ein Auto getankt wird, muss das Auto auch fahren, dass es wieder getankt werden darf. Also diese ganz klassische, wie der Körper eigentlich auch funktioniert, ja. Ist nur interessant, wenn so Essstörungen, wie eigentlich so Essstörungen auch so 'n bisschen deklariert werden. Mir wurde mal gesagt, ab dem Zeitpunkt, wenn man über Kalorien oder über irgendetwas nachdenkt, also sprich, wenn man jetzt quasi nicht isst, worauf man grad Bock hat, ja, ist, gehört man schon zu den Essgestörten.
01:00:44: ,508 [Sven Hannawald] Also das sind 75% der Leistungssportler essgestört.
01:00:47: ,188 [Martina Eberl] Äh, mindestens. Also ich,
01:00:50: ,648 [Martina Eberl] ich mich ganz ausgenommen, aber ganz, ganz viel, ja.
01:00:52: ,664 [Sven Hannawald] Fürs normale Leben. Also für die, die sich um nichts kümmern müssen und mit nichts beschäftigen. Dann ist okay
01:00:58: ,724 [Martina Eberl] Dann ist okay natürlich.
01:00:59: ,484 [Sven Hannawald] Aber sobald du in Richtung Leistung gehst, ist es ja wie, wie überall auch gehst du in die Kleinigkeiten und beschäftigst dich damit: Wie kannst du dich verbessern?
01:01:08: ,884 [Martina Eberl] Ja, selbstverständlich. Ja, ja. Jetzt haben wir schon eigentlich fast 'n Podcast voll und jetzt kommen wir aber mal auf-
01:01:13: ,064 [Sven Hannawald] Die zweite Folge. Ist auch so. Klappe, die zweite.
01:01:17: ,084 [Martina Eberl] Klappe, die zweite. [lacht] Jetzt kommen wir mal tatsächlich, ähm, zu deinen, ähm, zu deinem Highlight in deiner Karriere, deine Vierschanzentournee. Und es ist, ich hab, ich bereite mich zwar immer sehr ordentlich auf meine Podcasts vor, aber ich auch nicht zu viel, ja, weil ich immer sag, ich, ich möchte was erfahren, indem ich, ähm, zuhöre und auch Fragen stell. Aber es ist ja tatsächlich, wenn man über dich recherchiert, das, das Allererste, was natürlich immer kommt, ist die Vierschanzentournee und den Grand Slam und dass du da Geschichte geschrieben hast. Nervt dich das 'n bisschen? Dass das so ist, dass ... Also um Gottes willen, ich bin Sportlerin, ich, ich reduzier dich mit Sicherheit nie auf deinen Erfolg, aber dass du auf, auf diese Sache, auch wenn's dein Hauptziel war, aber auf diese Sache erst mal reduziert wirst.
01:02:02: ,404 [Sven Hannawald] Ich seh das irgendwie anders. Es ist mein, der, der Traum des kleinen Sven von klein auf gewesen. Das natürlich am Ende hätt mir auch der normale Gewinn der Tournee gereicht, geb ich auch offen zu. Dass es am Ende auch mit allen vier Siegen als Erster war und mit dem Grand Slam dann eigentlich abgeschlossen wurde, äh, bin ich unheimlich dankbar, ähm,
01:02:23: ,504 [Sven Hannawald] dass ich der sein durfte. Und, ähm, aber für mich, ich, ich hab ja schon früher immer gesagt, Tournee ist mein Ein und Alles. Skispringen natürlich auch toll und, und alles gut, aber, aber oder die einzelnen Sprünge und Flüge, jetzt auch die, die Weltmeisterschaften im Skifliegen da, die ich dann auch gewinnen durfte, auch unheimlich toll. Aber die Tournee hat von, von der ganzen, von der ganzen Historie drumherum so eine lange Geschichte. Wenn du da reingehst, das ist wie, ja, in manchen Sportarten dann eben auch oder wie im alpinen Kitzbühel oder, oder dat, oder jetzt auch in Golf, was war, ähm-
01:02:55: ,644 [Martina Eberl] Masters.
01:02:55: ,404 [Sven Hannawald] Mit dem Green, Green. Ja genau, der Green Jacket und so weiter und so fort. Das, dieses grüne Jackett haben so viele Golfer
01:03:03: ,044 [Sven Hannawald] über die Jahrzehnte und gefühlt Jahrhunderte schon getragen und dann bist du einer, ein Teil davon. Deswegen war für mich die Tournee schon immer das Ein und Alles. Und dadurch, dass ich für die alles gegeben hab, ähm, reduziert's mich heut auch nicht, sondern, ähm, das war mein Ein und Alles und bin froh, dass ich's gewinnen konnt. Das Drumherum, was noch dazukam, äh, nehm ich mit.
01:03:24: ,604 [Sven Hannawald] Aber die Tournee ist, äh, mein Baby auch heute noch. Äh, wenn wir übertragen, freu ich mich schon, wenn die Tournee dann irgendwo auch nach Weihnachten losgeht, weil's wieder was Spezielles ist. Bisschen auf der anderen Seite jetzt. Aber dieses Beobachten, wie bringen sie sich alle so bisschen in Stellung? Wer hat Pech? Wer hat mal Glück? Oh, aber sehr überraschend und so. Also dieses, das ist einfach spannend über die zehn Tage. Hab jetzt natürlich keine Erwartungen mehr und aber dieses Beobachten und Betrachten, das macht einfach unheimlich Spaß.
01:03:49: ,764 [Martina Eberl] Mhm. Oh, das ist schön, wie du da drüber redest. Echt cool. Wie oft hast du dir deine Sprünge damals noch angeschaut danach?
01:03:56: ,464 [Sven Hannawald] Also selber ich nicht, aber ich nutz jetzt speziell die zwei letzten Sprünge von Bischofshofen. Gibt's in, äh, YouTube so 'n, so 'n kleinen Clip von den zwei letzten Sprüngen. Das, die nutz ich immer, äh, in meinen Veranstaltungen heute,
01:04:08: ,524 [Sven Hannawald] dass ich, ähm, das Publikum, ähm, noch mal in die alte Zeit mit zurücknehm, ne. Tom Bartels hat's ja kommentiert, äh, und, äh, sehr dramatisch und, und alles. Und dann wissen die meisten, außer es sitzen halt Junge drin, ähm, die wissen's natürlich dann nicht. Äh, die wissen dann meistens, wo sie früher und damals zu der damaligen Zeit waren und dann hab ich sie so 'n bisschen dabei und dann geht's ja eben mit dem, mit dem Vortrag oder dem Talk los. Und da seh ich sie immer, aber von mir selber Sachen angucken, mach ich nach wie vor nicht. Auch wenn ich heut in Sendungen bin oder Ninja zum Beispiel, wenn da irgendwelche Aufzeichnungen sind, hab ich eigentlich bisher noch keine angeguckt.
01:04:45: ,783 [Martina Eberl] Aber dafür hast du ja das Bischofshofen schon öfter jetzt gesehen.
01:04:47: ,304 [Sven Hannawald] Das seh ich ja dann immer. Das, das sieht, das fühlt sich immer gut an. Und, ähm, ja, man müsste mal irgendwie dann auch die Tournee ist ja nicht nur Bischofshofen, sondern ich müsste dann mal wirklich auch mit der Qualifikation, die ich ja mal ausgelassen hab, äh, wo dann immer Spekulationen waren von Günther Jauch und Dieter Thoma damals, ähm, die ja das, äh, betreut haben oder begleitet haben, ähm, sendertechnisch. Äh, war natürlich immer, dann ist er doch nicht gesprungen und ja und hier und so diese Dramatik, ne. Und dann das erste Springen und zweite ist, glaub ich, schon mal so in der, in der Reihe nach-nacheinander anzugucken, ist, glaub ich, schon cool. Ein Springen selber ist dann der Reiz weg, ne. Die Tournee ist zehn Tage lang und, äh, das müsst ich mal machen, aber ja-
01:05:25: ,183 [Martina Eberl] Mach mal mit deinen Kindern. Ist bestimmt nice.
01:05:27: ,844 [Sven Hannawald] Die haben, die haben doch, also das kannst doch du nachvollziehen bei deinen Kindern, dass die keine Ruhe haben, sich da irgendwie gefühlt 'ne halbe Stunde auf so was zu setzen.
01:05:34: ,864 [Martina Eberl] Noch nicht, das kommt noch.
01:05:35: ,284 [Sven Hannawald] Das ist, ähm-
01:05:36: ,734 [Martina Eberl] Die sind ja noch viel kleiner.
01:05:36: ,644 [Sven Hannawald] Wenn ich das jetzt anfang, die sind währenddessen stehen sie wieder auf. Äh, Liv holt wahrscheinlich irgendwie 'ne Puppe und zieht sie noch mal um. Und Glenn keine Ahnung, was er wieder macht. Äh, und dann kommt er wieder. Also das brauch ich nicht anfangen, ne. Das muss ich, glaub ich, für mich mal in Ruhe-
01:05:48: ,284 [Martina Eberl] Oder so.
01:05:49: ,604 [Sven Hannawald] Noch mal, äh, ruhig passieren in, in, in 'ner ruhigen Stunde. Irgendwann mal.
01:05:54: ,164 [Martina Eberl] Nimm uns doch mal in diese vier Tage noch mal mit, an was du dich da so erinnern kannst.
01:06:00: ,334 [Sven Hannawald] Also es hat angefangen eigentlich rückwirkend, ähm, dass die Tournee ja wieder anstand und ich gemerkt hab, die Form ist gut, aber in der Saison war Adam Malysz der Springer, der alles im Griff hatte, ne. Der hatte natürlich dementsprechend auch das gelbe Trikot, das bis dato Weltcupführenden und Weltcupbesten. Und, ähm, wenn wir im Vorfeld der Tournee 'ne Umfrage gemacht hätten unter uns Springern, 99 % hätten gesagt, Adam gewinnt. Er von sich selber natürlich nicht, deswegen nur 99.
01:06:30: ,864 [Sven Hannawald] Aber wir waren uns alle einig, der gewinnt. Und dann ist eigentlich Oberstdorf für mich überraschend gewesen.
01:06:35: ,104 [Martina Eberl] Okay.
01:06:36: ,324 [Sven Hannawald] Ich dachte so: „Oh, ich hab gewonnen. Krass, wie geil, cool." Hab's natürlich total gefeiert, ne. Und, ähm, weil, ähm, Oberstdorf für uns statistisch gesehen aus deutscher Sicht auch die erfolgreichste Station ist mit den Siegen und, ähm, das ist irgendwas Heimisches. Irgendwas hat Oberstdorf, was die anderen nicht haben. Die anderen sind auch okay und gut und anders, aber irgendwie Oberstdorf ist so vielleicht auch mit Beginn, mit nach Weihnachten. Irgendwie sind die Leute dann auch schön, in schöner, geselliger Stimmung. Also es irgendwie, wenn jemand mal Zeit hat, auf jeden Fall Tournee, dann Oberstdorf.
01:07:06: ,824 [Martina Eberl] Okay.
01:07:06: ,130 [Sven Hannawald] Ja, und dann hab ich das überraschend gewonnen. Ich dachte so: „Okay. Ja, Adam wahrscheinlich Erwartungen oder irgendwas hat er nicht auf die Reihe gehabt, aber er wird eh, ob Garmisch ist er wieder da. So dann ging das Garmisch für ihn auch in die Hose. Hat mehr zu tun dann, äh, mit, mit, äh, Andi Wittelsl. Hat für mich auch, ähm, knapp ge-gereicht zum Sieg. Denk so: „Krass." Scheint für Adam ja schon größeres Problem zu sein mit der nicht wirklich so Fuß fest, ne, oder, oder und, und irgendwie wieder in die Spur kommt. Und hab mich natürlich gefreut und kamen natürlich immer die, aber die, die Fragen ist ja immer das: Ab Oberstdorf der, der gewinnt, ist derjenige, der alle vier gewinnen kann. So und dementsprechend gibt's nach dem, äh, nach dem Gewinn schon die ersten Fragen. Aber ich kam immer so bisschen raus nach Garmisch auch. Mir egal, was in Österreich passiert. Ich habe jetzt die deutschen Springen gewonnen. Fühlt sich sensationell an. Also ich habe immer so meine Alibi-Ausreden gehabt, wegzukommen von den Fragen. Grand Slam und Tournee. Wie sieht's denn aus? Hä und, ähm, war mir alles wurscht. Ähm, ich mach mein Zeug, hieß es früher immer. Kam irgendwie-
01:08:09: ,080 [Martina Eberl] Das war dir wirklich wurscht? Hast du da nicht angefangen, schon
01:08:13: ,180 [Martina Eberl] ...
01:08:13: ,160 [Sven Hannawald] Nach außen. Und wenn ich's mir selber gesagt habe, habe ich's gehört, dass es jemand gesprochen hat.
01:08:18: ,300 [Martina Eberl] Ja.
01:08:18: ,780 [Sven Hannawald] Und dann war's mir einleuchtend. Stimmt, ist mir ja eigentlich auch wurscht. Eigentlich nicht, aber hört sich doch cool an, ne. So, ich kam einfach, weil ich's gehört habe, dass es jemand gesagt hat, kam ich, hat mich das abgelenkt von denen, was eigentlich innerlich schon gesagt: „Oh, es könnte ja doch sein. Ist es dieses Jahr denn so weit, dass du die Tournee gewinnst? Wäre ja krass." Also und dann immer: „Egal." Blödsinn geredet einfach, ne, nach außen, der sich irgendwie verkaufen lässt. Und, äh, dann kam, äh, Innsbruck, Schanze, die keiner von uns kannte. Die wurde ja bis kurz vorher grad fertig. Also oben war alles noch Baustelle am, am Anlauf und so weiter, aber Profilschanze an sich stand. Keiner wusste, wie die ging und dann habe ich, äh, gleich gemerkt, dass die mir wie auf den Leib geschneidert ist, ne. Hab dann im Nachgang da den besten Wettkampf abgeliefert mit Schanzenrekord und 20 Punkte Vorsprung und, ähm, ja, dritten Sieg. Und dann dachte ich: „Oh Kack,
01:09:09: ,209 [Sven Hannawald] könnt ja doch sein, dass das klappt." Und jetzt, wenn ich sag: „Äh, auf keinen Fall, da kommt jetzt noch jemand", dann belüge ich mich ja selber. Ich lüg ja nicht, ne. So und deswegen kam ich aus der Nummer dann ab da nicht mehr raus. Da war dann nicht mehr: „Ach, jetzt habe ich ja erste österreichische Springen gewonnen. Hahaha, freue ich mich als Deutscher." Kam ich nicht raus. Da ging's nur noch um den Grand Slam. Tournee war so schon drin, weil ich hätte ein- oder zweimal stürzen können in Bischofshofen, hätt, hätt die Tournee schon trotzdem gewonnen und es ging ab Innsbruck Ergebnis, ähm, ging's, äh, nur noch um das Grand-Slam-Thema, weil's ja wirklich möglich ist mit dem Abstand. Also so souverän. Die Schanze, die kommt, ähm, bin ich 99 auch Schanzenrekord gesprungen. Also die kann ich. Ähm, hatte auch 98 komischerweise bei der Tournee 97, 98 habe ich ja Katsuyoshi Funaki mit meinem ersten Weltcup-Sieg in Bischofshofen den Grand Slam kaputt gemacht. Der hatte bis Innsbruck alle gewonnen und brauchte nur noch Bischofshofen. Habe ich ihm kaputt gemacht, dass ich dann Jahre später selber der Erste sein darf. Also das sind so paar Sachen, die dann einfach, da schmunzle ich heute noch und wie gesagt, Dankbarkeit. Aber, äh, zurückzukommen, war das natürlich für mich dann ab dem Zeitpunkt die Hölle, weil dann genau diese Gedanken,
01:10:22: ,020 [Sven Hannawald] Ballons hoch: „Oh guck mal, du wirst der Erste sein. Was meinst, was da los ist?" Drumherum nur überall Mikrofone und da die ganzen Leute, Hymne, Pokal. Boah, mega cool. Und das ist ja, da kannst du nur verlieren. Und somit habe ich mich mit irgendwelchen Dingen beschäftigt. War froh
01:10:37: ,230 [Sven Hannawald] jeden Termin in der Mannschaft mit Frühstück, Mittag, Abendessen, dass du irgendwie unter Leute bist.
01:10:41: ,480 [Martina Eberl] Mhm. Ja klar.
01:10:42: ,520 [Sven Hannawald] Ab dem Zeitpunkt, wo ich dann im Zimmer war, war da Ruhe und dann ging's natürlich wieder hier Gedanke, da Gedanke, über Nacht sowieso. Geschlafen habe ich eigentlich nur, weil ich so kaputt war von den Gedanken wegschieben, dass ich einfach platt war und dann habe ich natürlich nicht durchgeschlafen, sondern mal ein, zwei Stunden. Dann war ich wieder zwei wach. Ja super. Jetzt können wir eigentlich frühstücken gehen. Ja, gibt's aber erst in fünf Stunden. Ja super. Was mache ich denn jetzt? Ne so und das war echt die Zeit.
01:11:05: ,940 [Martina Eberl] Und was hast du dann gemacht?
01:11:05: ,500 [Sven Hannawald] Keine Ahnung.
01:11:07: ,520 [Sven Hannawald] Äh, weiß ich nicht. Irgendwie habe jetzt nicht Fernsehen angemacht irgendwie, sondern habe versucht, dann wieder zu schlafen. Bin irgendwann wieder eingeschlafen, wieder für 'ne Stunde und war irgendwann froh, dass, das, äh, Frühstück gab. Also war wirklich komplett wie durch,
01:11:20: ,200 [Sven Hannawald] wie, wie durch die Wäscheschleuder gedreht, ähm, bin ich dahin. Aber ich hab profitiert von dem guten Paket an sich, Skispringen, was ich abgerufen habe. Aber körperlicherseits hast du gesehen, in den zwei Tagen war ich wie ein Kaugummi komplett. Also ging eigentlich gar nichts mehr. Nur die Anspannung, dieses Adrenalin, dieses, diese Vorfreude, ähm, das hat mich, glaube ich, irgendwie wach gehalten, ne. Ich sehe ja anhand von den Bildern, wie ich gejubelt habe. Also wenn ich mich da reinversetze, wie ich mich damals gefühlt habe, hätte da eigentlich gar kein Arm hochgehen können.
01:11:48: ,950 [Martina Eberl] Weil du zu fertig warst.
01:11:48: ,140 [Sven Hannawald] Ja, komplett. Ja, weil das ist, wenn dir die zwei Nächte dann fehlen nach den acht Tagen, die du ja schon hinter dir hast. Da habe ich ja schon auch, äh, so 'ne Art Belustigung stattfinden lassen und immer so meine Ausreden gehabt, aber tief im Inneren war ja trotzdem schon Aufregung, ob's denn so ist.
01:12:03: ,200 [Martina Eberl] Aber gab's denn da jemanden, der, der da bei dir war? Du hast ja gesagt, du hattest 'nen Psychologen.
01:12:08: ,000 [Sven Hannawald] Den hatte ich aber erst-
01:12:09: ,940 [Martina Eberl] Der hast du danach erst.
01:12:09: ,520 [Sven Hannawald] Nach.
01:12:10: ,340 [Martina Eberl] Aber gab's da irgendjemand vom Team? Weil ich mein, das ist ja jetzt keine Raketenforschung, dass es dir da zu wissen, da, dass da was abgeht in deinem Körper und in deinem Kopf, dass dich da jemand an die Hand genommen hat, der gesagt hat: „Komm, ich lenk dich jetzt ab", oder wir machen ... Gab's da nicht irgendwo?
01:12:26: ,039 [Sven Hannawald] Ja, ich, ich, ich habe auch dem, dem, dem Umfeld, das hat mich alle, die haben mich alle in Ruhe gelassen, weil die natürlich Angst hatten-
01:12:32: ,710 [Martina Eberl] Dass sie dich ablenken.
01:12:32: ,664 [Sven Hannawald] Wenn sie mich ablenken und vielleicht was Gutes wollen und das dann am Ende der Grund ist, dass es nicht klappt. Die waren alle, die lassen, lassen einfach in Ruhe, lassen einfach machen. Wir können leider nicht helfen. Ich hätt gerne was, aber nee, weiß ich nicht. Zu riskant, ob das in die Hose geht oder nicht. Also ich habe da jetzt irgendwie keinen, also in den zehn Tagen, also von Station zu Station haben mich immer mehr Leute in Ruhe gelassen mit der Gefahr hin, dass die irgendwie dafür verantwortlich sind, dass es am Ende doch nicht klappt. Und dann bist du natürlich die ganze Zeit allein. Dann, ähm, die Tage vergehen natürlich über die Zeit und auch Oberstdorf dann, wenn du mal an der, wenn ich mal an der Schanze war, dann war es ja auch was anderes, weil dann konnte ich mich mit den, den, den Blick auch habe ich immer genossen zu die Zuschauer runter, was da los war. Da war die komplette Hütte voll, ne. Und, und auch bei der, bei der Quali auch. Das war ein Erleben. Das war, das war der Traum, Skispringen. Warum du Skispringer warst als Kleiner? Das erleben zu dürfen, ne, dass die alle da sind, dass die sich alle freuen, dass jetzt der Wettkampf losgeht. Und kann mich auch noch erinnern, wo die dann Im Zuschauerraum, die ja eh schon alle da waren, mitbekommen haben, dass wir dann aus dem Bus ausgestiegen sind und dann unten so langgelaufen sind mit dem Lift, dass wir dann hochfahren. Dann hat die erste Kamera uns inspiziert und, äh, aufgenommen und dann haben die Zuschauer: „Oh, dieses Raunen", und, ne, und Stadion spreche: „Ah, jetzt ist er da." Und das war schon irgendwie cool und hat irgendwie auch abgelenkt, weil sich's gut angefühlt hat, auch zusätzlich so Energie wieder zurückgegeben hat, dieses Raunen und so. Dieses, du merkst halt auch die Unterstützung. Irgendwie im Fußball auch, finde ich auch diese Stimmung im Stadion immer dieses, das Mitten oder dieses, diese, dieses Unterstützende von den Zuschauern. Wenn du da unten am, am, am Platz bist, natürlich hast du hin und wieder auch Fracksausen, aber diese Energie, die von den Zuschauern auf den Platz kommt, das ist Wahnsinn. Und das war ähnlich im Skistadion dann damals auch an der Schanze, habe ich alles aufgenommen und, ähm, ja, und das hat irgendwie dann irgendwie noch gereicht. Und vor dem letzten Sprung,
01:14:19: ,464 [Sven Hannawald] keine Ahnung. Mir war's eigentlich egal, ob das jetzt klappt oder nicht. Hauptsache, das ganze Theater ist rum. Weil bis dahin, ja, weil bis dahin, das war, war mir gar nicht so geläufig, aber irgendwie auch über die, über die zehn Tage hast du erst mal gemerkt, dass was so ein bisschen die Schwierigkeiten sind. Die Schwierigkeiten ist ja nicht das Springen selber oder jetzt vielleicht war die Schwierigkeit in dem Jahr, dass keiner Innsbruck gekannt hat, die Schanze. Und dann kannst du sie lieben oder du hast sie direkt gelernt am ersten Wettkampf zu hassen, ja.
01:14:49: ,764 [Sven Hannawald] Ähm, sondern was das Hauptproblem ist, ist, dass am Anfang in, vor Oberstdorf eigentlich alle Medienvertreter und das sind ja keine Ahnung wie viel über zweihundert, was weiß ich,
01:15:00: ,624 [Sven Hannawald] sind ja alle verteilt auf die jeweilige Nation. Norweger, Norweger, Schweiz, Schweiz, Deutsch, Deutsch, alle so verteilt. So, und von Station zu Station, Norweger haben eh keine, keine Chance mehr. Ja, brauchen wir nicht drüber berichten. Was gibt's noch? Ah ja, guck mal da, der eine, der da eventuell den Grand Slam kriegt. So, und dann ist von Nation zu Nation alle keine Chance mehr. Sind alle, die akkreditiert sind, gehen ja nicht nach Hause, sondern die wollen ja irgendwie auch noch berichten, wie die Tournee weitergeht und so. Am Ende war in Bischofshofen jeder, der irgendeine Akkreditierung hatte für 'ne Kamera oder Bewegtbildkamera, sind mir hinterhergelaufen und das hast du gemerkt. Du hast jedes Mal, jeder Schritt aus'm Bus, klick, klick, klick. „Ey, geh mal aus'm Bild." Also nur so, nur immer Terror hinter dir.
01:15:41: ,054 [Sven Hannawald] Immer im Abstand von zehn Meter. Wie so 'ne Leine, die nicht mehr Abstand hatte, sondern immer, egal wo du hingelaufen bist, immer dieses Thema. Und dann habe ich mich in Bischofshofen in unserem Wachszelt warm gesprungen. Also normal gehen wir immer warm laufen bisschen. Ging ja nicht, weil genau die ganze, ganze Leute draußen waren. Und dann habe ich mich in unserem Wachszelt warm gesprungen. Währenddessen unser Wachser, Peter damals,
01:16:05: ,264 [Sven Hannawald] dann die Ski präpariert hat, äh, bin ich nebenher bisschen hin- und hergesprungen, dass ich bisschen warm werde. Da hatte ich meine Ruhe.
01:16:11: ,564 [Sven Hannawald] Und dann war vor dem zweiten Sprung war's mir echt egal, weil es sich so zugespitzt hat und wirklich noch mal von Innsbruck
01:16:18: ,354 [Sven Hannawald] mit dem dümona-dominanten Sieg wirklich dann noch mal auf Bischofshofen, dass wirklich jeder hinterhergelaufen ist. Ich kann's ja wirklich verstehen, aber die wollten halt dieses Bild, was eventuell dann in die Geschichte eingeht, wollten die in ihrer Kamera haben. Und deswegen sind die natürlich alle hinterher.
01:16:31: ,284 [Martina Eberl] Ist ja verständlich, ja.
01:16:32: ,664 [Sven Hannawald] Und das war das Erdrückende, was du nicht trainieren kannst. Ich hatte meinen Fahrplan an der Schanze, meinen Ablauf. Ich wusste, was ich zu tun, zu lassen habe. Das habe ich, äh, über den Sommer dann auch, äh, mit dem Psychologen dann auch gelernt. Konnte ich gut annehmen und, und, äh, abrufen. Aber dieses Thema
01:16:48: ,004 [Sven Hannawald] kannst du im Sommer ja auch nicht trainieren. Sag mal den ganzen Medien, ihr könnt ja mal kurz kommen und zehn Tage lang, weil wir hatten auch mal 'n Bundestrainer, Werner Schuster, der so mal nachgelebt hat im Sommer über dann mit den Jungs 'ne Tournee, ne. Also angefangen in Oberstdorf mit Qualitag und so weiter, also auch mit dem Rhythmus von neuen Hotel und Wechsel und hin- und herfahren. Ja, aber Startnummer, Startnummer kannst du dir noch anziehen, aber am Ende fehlen die Zuschauer und die ganzen Medienvertreter, die natürlich irgendwie so 'n Hype brauchen so. Und deswegen, du kannst es nicht trainieren. Du kannst immer das, was du bis dahin erfahren hast, in der nächsten Saison bei der nächsten Tournee wieder anwenden. So, und, und das war so noch nie und war danach auch, äh, wahrscheinlich nicht mehr so und dementsprechend war das 'n Punkt: Komm zurecht.
01:17:35: ,414 [Martina Eberl] Konzentrier dich auf das, was du kannst, was, ja.
01:17:37: ,404 [Sven Hannawald] Ja, also bleib, versuch bei dir zu bleiben und versuch aber dieses, das war halt einfach dieses, dieses locker leichter, was ich trotzdem noch, äh, immer hinbekommen habe, äh, war da nicht, weil es einfach nur drumherum schwer war und deswegen war's eigentlich vor dem zweiten Sprung
01:17:50: ,884 [Sven Hannawald] war's mir egal, ob das klappt oder nicht. Im Nachhinein bin ich froh, dass es geklappt hat. Wenn's nicht geklappt hätte, ich würde mich trotzdem über die Tournee freuen, aber die Gegebenheit, dass ich der Erste hätte sein können-
01:17:59: ,634 [Martina Eberl] Ja.
01:18:00: ,434 [Sven Hannawald] ... und es hat nicht geklappt, dann wäre ich 'n bisschen traurig, aber ja, ist halt so und deswegen bin ich dankbar, dass es geklappt hat, aber ich war schon auch erleichtert, dass das alles rum war. Also 'ne fünfte Station hätte ich sicher nicht geschafft, nee, nee.
01:18:13: ,004 [Martina Eberl] Wurde das jemals gemessen eigentlich, wie viele Leute dann da zugeschaut haben?
01:18:18: ,824 [Sven Hannawald] Also RTL damals knapp fünfzehn Millionen.
01:18:20: ,784 [Martina Eberl] Fünfzehn Millionen, ja.
01:18:21: ,824 [Sven Hannawald] Und, äh, alle, die vor Ort waren, ja.
01:18:25: ,684 [Sven Hannawald] Und das merkst du ja nicht, aber du hast spätestens dann gemerkt, dass gefühlt, wenn ich 'n Sponsorentermin in Hamburg hatte, dass gefühlt da alles, alles voll war. Das hast du gemerkt, dass viele Leute, ähnlich wie heute die ganzen Influencer, die natürlich auch, äh, zig Millionen Follower haben, die wir vielleicht teilweise nicht kennen, aber wenn die 'n Termin haben, dann, äh, platzt da so 'n,
01:18:47: ,744 [Sven Hannawald] so 'n Kaufhaus mal auseinander. Ja. Und so war das damals und es war tolle Zeit für mich.
01:18:54: ,684 [Sven Hannawald] Sagen ja immer viele: „Ja, aber das, das, da kommst du nicht zurecht. Da hast du gar nichts mehr vom Leben." Ich sag: „Ja, Leben kann ich, wenn ich aufhör." Aber ich hab's immer gesehen, solche Sachen, wenn Fans uns so, so auch unterstützt haben und auch, äh, bejubelt haben, habe ich immer wieder so bisschen als Balsam für die Seele genommen, für die Zeit, die wir uns ja dann gefühlt immer nur mit dem Training, ja, auseinandersetzen.
01:19:13: ,804 [Martina Eberl] Also was mit Sicherheit Fakt war damals, also ich--
01:19:18: ,684 [Martina Eberl] Es gibt ja so Momente, wo du selber eigentlich gar nicht involviert warst. Zum Beispiel, ich weiß noch ganz genau, 9/11, wo ich war und so weiter, ja. Genauso weiß ich noch gen..., ich weiß noch genau, wo ich war, als du gewonnen hast.
01:19:30: ,334 [Sven Hannawald] Ich auch. [lacht]
01:19:31: ,334 [Martina Eberl] lacht]
01:19:33: ,594 [Martina Eberl] Aber, ähm
01:19:35: ,024 [Martina Eberl] Eine Sache, was sicher war, dass,
01:19:38: ,394 [Martina Eberl] also das möchte ich jetzt mal behaupten, dass alle, die zugeschaut haben, dir die Daumen gedrückt haben.
01:19:43: ,894 [Martina Eberl] Und, ähm, ob, keine Ahnung, Fan oder nicht Fan, weil das war halt einfach 'n Sensationsmoment, ja. Ähm, hast du das, du hast ja vorher gesagt, du hast es im Stadion gemerkt, dass die Leute hinter dir gestanden sind. Und hat dich da dieses Gefühl dann auch noch mal mitgenommen, dass du einfach sagst oder be-bestärkt, dass du sagst: „Okay“, weil letztendlich
01:20:08: ,394 [Martina Eberl] könnte man ja auch echt sagen: „Ich kann da jetzt nicht runterspringen. Es ist einfach, das ist einfach too much", ja. Aber letztendlich hast du dann deinen Job getan.
01:20:16: ,914 [Sven Hannawald] Mhm.
01:20:16: ,034 [Martina Eberl] Im Englischen, also bei uns im Golf heißt es dann control the controllables. Also sprich, du hast das kontrolliert, was du ja konntest, ja. Hast also ja alles richtig gemacht. Aber dass du sagst, du hast das schon gespürt, dass, dass du da Aufwind hattest vom, von der Aura außen rum.
01:20:32: ,303 [Sven Hannawald] Ja, das, das, das überlagert sich. Also ich bin ja auch so 'n bisschen empfänglicher für, für solche Sachen
01:20:37: ,224 [Sven Hannawald] und nicht so grob eingestuft im, im, fürs Leben und deswegen nehm ich solche Sachen ja auf. Ich bin ja auch grundlegend immer 'n, 'n Bauchgefühlsmensch. Also wenn ich auch jemanden neu kennenlern und nicht weiß, wie er heißt oder wie er ist oder was er gemacht hat, hab ich anfänglich schon 'n gewisses Gefühl, wie der tickt. Und so nehm ich natürlich dann auch so 'n Stadion voll auf und, äh, nicht nur von einem, sondern von damals auch 15, 18, 20.000, äh, Leute, je nachdem, wie viel rein durften.
01:21:03: ,694 [Sven Hannawald] Und das hat mich total aufge, aufge-, äh, geladen, ähm-
01:21:07: ,894 [Martina Eberl] Cool
01:21:07: ,514 [Sven Hannawald] ... mit Energie, die ich so für mich nicht bekommen konnte. Und natürlich ist es für den einen Stress, für mich war's auch mehr Erwartung und vielleicht auch Stress, aber ich hab das mehr gesehen: „Ey, wie geil." Ja. Arbeitest das ganze Leben, ne, und es gibt so viele, die dann irgendwie rumeiern und leider aufhören müssen und, und weil die, weil's dann irgendwie vielleicht auch Zeitverschwendung war nach außen, obwohl's trotzdem 'ne tolle Zeit war, auch 'ne Erfahrung fürs, fürs weitere Leben. Aber guck mal, jetzt sind die alle da, ey, die jubeln dir zu. Ist das geil, voll cool. Aber war trotzdem immer so, dass wenn ich nach Hause gegangen bin, war ich der Normale. Mir war das jetzt nicht wichtig, dass ich am nächsten Tag jetzt auch wieder auf die Straße rausgeh und dass mir weiter alle zujubeln, sondern nur in den Momenten, ähm, hab ich das einfach aufgesaugt und das hat mir auch die Energie gegeben wieder, weil ich wusste,
01:21:51: ,294 [Sven Hannawald] wenn jetzt in dem Fall die Tournee rum ist,
01:21:54: ,674 [Sven Hannawald] hab ich jetzt keine Zusatzpunkte irgendwo bei den Kampfrichtern, sondern ich muss selber für mich wieder nicht von null anfangen, aber weiterarbeiten.
01:22:00: ,254 [Martina Eberl] Weitermachen.
01:22:01: ,534 [Sven Hannawald] Und diese Energie hab ich dann mitgenutzt. Die hab ich irgendwie im Koffer gehabt, hab sie schön fest verschlossen, dass nix rausfällt, dass ich die dann wieder die Woche für Woche, dass ich davon leben kann.
01:22:10: ,613 [Martina Eberl] Okay.
01:22:11: ,504 [Sven Hannawald] Und der Rest ist das Privatleben, klar, musst du dich halt 'n bisschen, äh, zurückstufen. Hab dann auch einmal 'n Fehler gemacht, dass ich dann auch vor meiner Wohnung damals im Schwarzwald dann auch Autogramme gegeben hab. Da konntest du zugucken, wie die Busse da kamen, ne. Das ist dann schwierig. Da musst ich dann irgendwann anfangen zurückrudern, dass ich's nicht mehr machen kann. Hab's auch erklärt. Und, äh, das waren so paar, paar, paar Anfängerfehler.
01:22:32: ,974 [Sven Hannawald] Aber jetzt so an der Schanze wussten die, wann ich Autogramme geb und wann ich, und wann ich ... Ja, also kam keine Busse an, aber am Ende des Tages am ersten Tag standen zehn, ja, und am zweiten Tag schon 50. Und, ähm, das war dann kurz, äh, ja, das ist aber nachvollziehbar. Wenn ich so 'n Fan wär und merk, ich hab hier das, das Idol und ich wär, ich hätt's ja selber gemacht und ich fand's auch toll und schön, aber irgendwie musst ich denen dann mitgeben, dass hier kann ich jetzt keine Autogramme machen. Im Wettkampf, wenn ihr an der Schanze seid, geb ich auf Brief und Siegel, ich steh da drei Stunden nach 'm zweiten Durchgang. Ist mir egal, wann ich ins Hotel komm, ist mir völlig wurscht. Da schreib ich, bitte. Aber nicht hier, weil das ist so 'n bisschen die Zeit. Ich brauch noch auch Abstand von dem Ganzen. So, und das, das ging dann irgendwie 'ne Weile und, aber dann war's auch gut. Die wussten, wann ich Autogramme schreibe.
01:23:16: ,454 [Martina Eberl] Wie ist 'n das, wenn man eigentlich von jedem erkannt wird? Wie ist das? Also das hab ich mich schon oft gefragt, wenn so 'n Robbie Williams auf die Straße geht. Der, der ist ja, bei dem ist es ja wirklich weltweit so. Aber bei dir ist es ja so zu dem Zeitpunkt damals, dich kannte ja wirklich jeder.
01:23:31: ,914 [Sven Hannawald] Ja, es ist, ähm, also auch da hat's mir viel zurückgegeben für die Zeit, wo ich wusste, ich muss eh wieder arbeiten. Ähm, hab jetzt aber mich nicht damit identifiziert, dass es jetzt so sein muss, dass wenn ich irgendwo reinkomm, dass jemand wissen muss, wer ich bin, sondern dann war ich halt der Normale. Und, ähm, ja, und das war ja auch das Thema. Ich, ich vergleich mich ja trotzdem nicht mit so Größen wie von der Musik und das ist ja noch mal was ganz anderes, weil es dann irgendwie noch mal 'n zusätzlicher Schub ist. Aber für uns als Sportart, äh, war's schon auch extrem und, ähm, hatte auch da zwei Seiten, die ich für mich selber, ähm, Lösungen finden musste, ne. Die hab ich dann auch gefunden und dann konnt ich das handeln.
01:24:10: ,334 [Martina Eberl] Was waren die Lösungen?
01:24:12: ,214 [Sven Hannawald] Ja, einfach dann auch ...
01:24:14: ,214 [Martina Eberl] Auch mal Nein zu sagen.
01:24:15: ,324 [Sven Hannawald] Ja, auch Nein zu sagen in Momenten, ähm, wo sie wussten, ja, ich hätt's auch probiert, aber im nächsten Moment, wo sie's Nein hören: „Ach stimmt, ist ja private Zeit, ist ja logisch." Ja, so. Also wir kamen dann auch selber drauf, dass das, äh, dann vielleicht zwar aus Euphorie war, dass sie hinterhergefahren sind, auch jetzt, äh, zur Wohnung hin, aber das eigentlich keinen Sinn macht, weil, ähm, klar hätt ich's machen können, aber dann hätt ich weniger Energie gehabt. Dann wär ich da an der Schanze Zwölfter geworden und dann hätten sie sich nicht so gefreut. Und dann war das so 'n Kreislauf, dass sie's verstanden haben. Ich hatt meine Routine, dass ich vor Wettkämpfen mich meistens zurückgezogen hab und, ähm, auch was Interviews anging, dieses Vorgeblenkel: „Wie wird's denn?" Völliger Schwachsinn. Also schaufelst dir nur deinen Rucksack voll mit irgendwas, was du da redest, ja. Und dann wirst du daran gemessen. Deswegen, ich hab da immer nie was gesagt und ab 'm ersten Durchgang gab's was zu, zu erzählen. Dann hab ich zumindest die, die, die Interviews und alles gemacht und, äh, ab 'm zweiten Durchgang dann Interviews und dann stand ich, keine Ahnung,
01:25:13: ,254 [Sven Hannawald] zwei Stunden an der Schanze unten, hab alle möglichen Autogramme gegeben. Und das war dann das Zurückgeben zu 'nem Moment, wo's mir nix ausgemacht hat. Im Gegenteil, so, so länger stehen an der Schanze war weniger Zeit im Hotel, wo nichts los ist, wo wieder hier Gedanken hochkommen. Da dacht ich: „Komm, schreib mal 'n bisschen."
01:25:31: ,858 [Martina Eberl] Gab's irgendwann mal noch mal nach der Vierschanzentournee einen Moment Oder so eine Situation, wo du sagst, das war jetzt so vergleichbar. Das, was du gerade vorher erzählt hast mit dem Gedankenkarussell, mit dem Druck. All eyes on you.
01:25:49: ,248 [Martina Eberl] Gab es irgendwann mal in deinem Leben dann noch mal einen Moment, der vergleichbar war? Oder war das einfach dieser Moment und never again?
01:25:57: ,098 [Sven Hannawald] War, glaube ich,
01:25:59: ,148 [Sven Hannawald] der Zeitraum. Also es war nicht der eine Moment, sondern mit der Tournee und in der kompletten Saison. Und, äh, aber dieser, dieser komplette Fokus war
01:26:08: ,578 [Sven Hannawald] nicht mehr so. Vielleicht habe ich ihn auch nicht mehr so wahrgenommen, weil ich natürlich ein anderes Level gelernt hatte der Wahrnehmung.
01:26:14: ,398 [Martina Eberl] Mhm.
01:26:15: ,078 [Sven Hannawald] Und das ist ja klar. Wir hatten jetzt auch die Springen in Willingen, äh, die Saison drauf war genauso voll Alarm. Wenn ich heute Bilder sehe, also weiß ich gar nicht, wo die ganzen Leute hin sollen heute, die damals da waren, ne. So und das, aber da war es mir nicht mehr so bewusst,
01:26:30: ,498 [Sven Hannawald] weil irgendwie es da auch nur ums Weltcup-Springen Willingen ging, was ja auch viel los war, aber, ähm, nicht die Tournee war so, ne. Also mein Baby habe ich, hatte ich halt irgendwie in trockenen Tüchern und danach hatte ich so wie so ein nicht Abschieds-, Abschiedstournee, aber einfach so eine Genuss-
01:26:46: ,948 [Martina Eberl] Mhm.
01:26:46: ,578 [Sven Hannawald] der Rest der Saison. Und klar, mit, mit noch mal Skiflugweltmeister war eh cool. Dann mit Olympia, äh, in der Mannschaft war sensationell, äh, mit den Jungs. Das war mega. Der, der Sieg, das war auch wunderbar, dieses Gefühl. Und dann hat man die Saison so ausklingen lassen und dann, ähm, ja, aber so wirklich mit dem Ultrafokus, das war wirklich nur bei der Tournee. Klar, es, es war natürlich auch, es ging um was, was, äh, es noch nie gab, ne. So, Weltcup Willingen haben schon viele gewonnen. Äh, Olympiasieger sind auch schon viele. Also
01:27:15: ,498 [Sven Hannawald] das, äh, klar,
01:27:17: ,158 [Sven Hannawald] kann man erklären, warum es nicht mehr so war.
01:27:19: ,798 [Martina Eberl] Klar. So, lieber Sven, nun ist es so weit. Du bekommst von mir deinen Live-Score.
01:27:25: ,638 [Sven Hannawald] Was ist das denn? Vorlesen?
01:27:27: ,198 [Martina Eberl] Ja.
01:27:28: ,438 [Sven Hannawald] Okay.
01:27:29: ,998 [Martina Eberl] lacht] Das mag ich. Okay.
01:27:31: ,258 [Sven Hannawald] Was soll ich da jetzt machen? Einfach vorlesen?
01:27:33: ,078 [Martina Eberl] Du darfst es jetzt mal vorlesen und danach kannst du mir gerne Feedback geben, ob das so stimmt.
01:27:37: ,938 [Sven Hannawald] Wer hat das geschrieben?
01:27:37: ,878 [Martina Eberl] Ich.
01:27:38: ,718 [Sven Hannawald] Okay. Also soll ich dich dann korrigieren oder wie?
01:27:41: ,678 [Martina Eberl] Äh, lies mal.
01:27:42: ,648 [Sven Hannawald] Oder soll ich dir Noten mit beamen?
01:27:44: ,558 [Martina Eberl] Du kannst einfach mal nicken oder Kopf schütteln. Ja, also erst mal human bitte. Keine Noten.
01:27:50: ,438 [Martina Eberl] Der Live-Score.
01:27:52: ,018 [Sven Hannawald] Ich bin Sven Hannawald. Mein Leben begann mit dem Traum vom Fliegen und wurde zu einer Reise durch Höhen, die kaum jemand erreicht und Tiefen, über die ich lange geschwiegen habe. Vier Chancen, vier Siege. Perfektion, wie sie im Skispringen nie wieder erreicht wurde. Damals fühlte es sich an wie der Gipfel der Welt. Doch genau dort oben wurde es still in mir. Der Druck, die Erwartungen, das permanente Funktionieren. Irgendwann hat mein Körper gestoppt, bevor ich es selbst konnte. Burnout. Ein Wort, das mein Leben geteilt hat in davor und danach. Der schwerste Sprung war nicht der über hundertvierzig Meter, sondern der zurück zu mir selbst. Heute weiß ich: Stärke heißt nicht, immer weiterzumachen. Stärke heißt, rechtzeitig zu erkennen, wann man stehen bleiben muss. Ich bin nicht nur der Mann der perfekten Tournee. Ich bin auch der, der gelernt hat, wieder aufzustehen.
01:28:52: ,518 [Sven Hannawald] Schön geschrieben.
01:28:54: ,198 [Martina Eberl] Glück gehabt.
01:28:55: ,958 [Sven Hannawald] Hä?
01:28:55: ,938 [Martina Eberl] Kriege ich jetzt ein Nicken?
01:28:56: ,298 [Sven Hannawald] Ja.
01:28:57: ,518 [Martina Eberl] Das ist doch toll.
01:28:57: ,438 [Sven Hannawald] Wo hast du das alles her? Was ist eigentlich schon-
01:29:00: ,998 [Martina Eberl] Das du jetzt gern wissen, gell?
01:29:01: ,958 [Sven Hannawald] Ja, es ist ja irgendwie so ein Sportlerleben. Geht ja für dich auch, ist ja eigentlich lang. Und das dann irgendwie, wenn man das dann anfängt aufzuschreiben, fällt dir ja doch noch das doch ein. Und dann ist das-
01:29:11: ,108 [Martina Eberl] Ja, das habe ich hier, habe ich ja hier bestens bewiesen mit meinen Moderationskarten, dass mir viele Sachen eingefallen sind. Aber
01:29:18: ,838 [Martina Eberl] um es auf den Punkt zu bringen, fand ich das eigentlich ganz nice so.
01:29:22: ,838 [Martina Eberl] Ich schenk's dir.
01:29:22: ,138 [Sven Hannawald] Und ist halt auch extrem, ne. So wie ich halt bin. Bei mir gibt's kein Halbes, sondern entweder oder. Entweder das und wenn das eine extrem ist, ist das andere natürlich auch extrem. Deswegen mit dem Burnout natürlich auch die genau andere Seite.
01:29:38: ,058 [Sven Hannawald] Aber gehört dazu.
01:29:40: ,318 [Martina Eberl] Dann führen wir doch da mal hin.
01:29:42: ,658 [Sven Hannawald] Mhm.
01:29:42: ,597 [Martina Eberl] Ja, Richtung diese Burnout. 2004 hast du offiziell dann deine Karriere beendet.
01:29:49: ,798 [Sven Hannawald] Mhm.
01:29:51: ,958 [Martina Eberl] Was mich jetzt wirklich selbst interessieren würde,
01:29:55: ,037 [Martina Eberl] wie du das gemerkt hast,
01:29:58: ,858 [Martina Eberl] dass da einfach was nicht stimmt.
01:30:00: ,678 [Martina Eberl] War das, waren das Gedanken? War das im Kopf? War das, äh, körperlich Kraftverlust? Waren das tatsächlich depressive Momente? Wie, wie hast du gemerkt,
01:30:14: ,758 [Martina Eberl] jetzt geht es einfach komplett in die falsche Richtung?
01:30:16: ,528 [Sven Hannawald] Also angefangen hat es mit körperlichen Themen wie Müdigkeit. Also ich war ja immer einer, habe ja schon öfter beschrieben, dass, äh, eigentlich Grund-Erfolgsrezept bei mir war, dass ich mehr gemacht habe als alle anderen, ne. Musste ich vielleicht auch teilweise durch die fehlende Schnellkraft, aber irgendwie war ich schon auch als Kind immer tiefer drin und habe mehr gemacht und wollte dann noch mal springen und noch einen Sprung und alle anderen haben sich schon umgezogen. Und, äh, machst du ja-
01:30:40: ,478 [Martina Eberl] Was dich, Entschuldigung, dass ich noch, was dich dann aber zum Schluss auch zu dem gemacht hat, was du dann warst.
01:30:44: ,677 [Sven Hannawald] Ja, genau.
01:30:44: ,698 [Martina Eberl] Die Extra-Schippe.
01:30:45: ,278 [Sven Hannawald] Genau.
01:30:46: ,688 [Martina Eberl] Ist es halt so, ja.
01:30:46: ,548 [Sven Hannawald] Das fällt natürlich dann dieses mehr tun, fällt am Anfang nicht auf und die Erfolge, die da kamen mit DDR-Meister, Spanner, gerade Sieger und so was, das war ja alles handlebar. Du hast einen jungen Körper, ist egal, was du mit ihm anstellst. Am nächsten Morgen schreit er: „Was machen wir denn heute?" Und, ähm, und so habe ich mir nichts dabei gedacht, sondern war auf meinem Weg: „Ah ja gut, da habe ich noch ein bisschen mehr gemacht und das und ja, und das war auch noch gut, super." Und ging ja immer. Und dann hat es irgendwann angefangen, äh, schon vor der Tournee, dass ich, ähm, gemerkt habe, dass im Gegensatz zu den normalen Jahren, wenn ich dann selbst auch nach einer langen Wintersaison nach Planica heimkomme und wirklich alles in die Ecke stellen wollte, weil ich platt war, konnte es sein, dass ich zwei Tage später aufgewacht bin und innerlich grünes Licht war: „Ey, wie wär's denn, wenn wir die neue Saison schon mal anfangen? Wir gehen schon mal laufen." Ja, so, und das war nach zwei Tagen. Und dann ist mir irgendwann aufgefallen, dass aus den zwei Tagen eine Woche geworden ist, zwei Wochen. Drei Wochen, vier Wochen. Und dann irgendwann mal an 'nem Punkt war, das war dann, äh, nach der Tournee, ähm, wo's Training für die neue Saison losging offiziell und ich keinen Bock hatte.
01:31:55: ,217 [Martina Eberl] Mhm.
01:31:56: ,018 [Sven Hannawald] So, und das ist eigentlich das, was sich grundlegend von Anfang an geändert hat. Nur sprechen wir da nicht wie bei 'ner Erkältung. Wenn du am Abend ins Bett gehst, merkst du schon Halskratz, oh, oh, am nächsten Morgen: Tadaa, hier bin ich.
01:32:10: ,558 [Sven Hannawald] Das sind so Dinge, die sind schleichend und die werden schleichend mehr. Und du, du, du über die Zeit hast du aber auch immer wieder Lösungen, dass es wieder weg ist, dass es wieder weg ist. So, dass es zwar mal länger geht, aber falls es dann nicht weggeht, wird's schon weggehen. So. Ging halt immer weiter. Und da, dass es im Hintergrund immer dramatischer wird, realisierst, siehst du nicht so. Und, ähm, speziell vor meiner Tournee hatt ich ja schon erstmals 'ne Saison, die ich früher aufgehört hab. Also Skifliegen haben wir ja vorhin schon gesprochen, war für mich ja aufn Leib geschneidert. Das ging bling, blind rückwärts und da waren wir, ähm, 2001 im Februar dann auch gegen schon fast Ende der Saison, ähm, Skifliegen Oberstdorf und es ging gar nichts, ne. Schlecht, schlechte Platzierung und da hab ich dann mit Trainern am Abend haben wir zusammen gesprochen und gesessen und hab erstmals 'ne Saison früher aufgehört. Und mit dem früher aufhören, vier Wochen mehr Luft, weil die waren noch in Skandinavien und Planica dann noch und plus die vier Wochen, die's noch zusätzlich gab. Also acht Wochen lang hab ich dann, ähm, mit unserem Er..., unserem, äh, Arzt Ernst Jakob bei sich in der Klinik, äh, damit verbracht, mich richtig aufzupäppeln. Und ich stand da zum Trainingsbeginn wie ein Kornhiss hin. Voll Alarm, komm, es geht los. Und dann kam ja eine gute Saison. Und dann mit dem, mit dem, mit dem Gewinn der Tournee hab ich gemerkt, dass ja auch durch die Anspannung und die Saison natürlich supertoll war, aber irgendwie die Tournee so sch..., äh, die, die, die Saison dann so schwer war, dass ich dann extrem zu tun hatte. War auch im Urlaub, äh, zwei Wochen, aber irgendwie hatt ich erstmals kein Gefühl, dass sich das wieder regeneriert.
01:33:42: ,438 [Martina Eberl] Das war noch vor der Vierschanzentournee?
01:33:44: ,718 [Sven Hannawald] Nee, also nach meiner guten.
01:33:45: ,778 [Martina Eberl] Äh, danach, okay.
01:33:46: ,838 [Sven Hannawald] Ja, ja, weil da mit dem ganzen Trubel. Und im Nachhinein sag ich, dass mit dem jetzt auch schon vor meiner guten Saison, das frühere Aufhören, da waren ja auch schon so Sachen. Ne? Auch 'ne Jahr vorher, ich glaub, 2001 hatten wir WM in Lahti in Finnland, war ich auch neben der Spur, ne. So, also ich hatt schon immer wieder, äh, äh, Zeiten, wo ich gemerkt hab, ich bin nicht ganz fit und nicht da. Und klar, am Ende, ähm, ja, mach ich auch viel. Ähm, so und, und das ging irgendwie nicht mehr weg und, und aber durch dieses Wiederaufladen hab ich mir keine Gedanken gemacht. Und nach der Tournee, ähm, merk ich dann auch, dass das Ziel mich vielleicht auch die Jahre vorher schon über Wasser gehalten hat, auch wenn ich da mal müde war oder nicht, äh, Lust hatte oder so was. Die Tournee war so tief drin, ich wollte die gewinnen. Da bist du natürlich dann, das hält dich irgendwie über Wasser und mit Gewinn der Tournee wird's alles noch mal dramatischer. Ich hab noch mehr Energie gebraucht, mich dann aufzuraffeln und, äh, zum Training zu schleppen und so weiter. Hatte da Gott sei Dank noch 'ne Verletzung, ähm, nach der guten Saison, wo ich drei Monate im,
01:34:46: ,658 [Sven Hannawald] äh, äh, aufm Sofa liegen musste. Knie, äh, Innenmeniskus war da irgendwie eingerissen und das haben sie irgendwie so gemacht, dass ich da irgendwie zumindest Ruhe brauchte fürs Knie. Und nach drei Monate,
01:34:57: ,158 [Sven Hannawald] äh, Sofa liegen war ich natürlich auch wieder motiviert. Nur kam die darauffolgende Saison dann, hatt ja auch sechs Weltcupsiege, der tolle Wettkampf in Willingen unter anderem. Und dann hab ich gemerkt, ab Hälfte der Saison schon wieder platt. Also ich hab jetzt mich jetzt wirklich übern Sommer drei Monate noch auch ausruhen müssen und hab da wirklich auch gut trainiert. Ich stand wirklich auch wieder gut da, aber die Haltbarkeit, ich beschreib's heut wie Handy, wenn du das neu kaufst, aufgeladen, hält zwei, drei Tage der Akku. Wenn du das gleiche Handy zwei Jahre, drei Jahre nimmst und auflädst, ist nach 'nem Jahr, äh, nach 'nem Tag schon der Akku weg. So, und so hab ich mich gefühlt. Ich bin eigentlich dann verzögert in die, dank, wegen der Verletzung in die nächste Saison. Hatte da, war fit, hatte sechs Weltcupsiege und dann gemerkt, schon zur WM hin 2003 in Predazzo, schon wieder wie so'n Kaugummi. Und dann kam irgendwie noch so 'ne zusätzlich so 'ne, so 'ne Unruhe rein. So, also nicht mehr diese Müdigkeit nur, sondern noch glei..., begleitend so immer mehr Unruhe. Und da wusst ich nicht mehr, was ich mit mir anstellen soll. Wenn ich, wenn ich irgendwo von allem überfordert war und mich alles genervt hat, ziehst du dich ja automatisch irgendwo in deine Ruhe zurück. Wollte immer mein Einzelzimmer, obwohl ich jetzt kein Einzelzimmer-Typ bin, ja. Ich fühl mich schon auch unter Menschen wohler als jetzt, äh, wenn ich mein Ding immer allein durchzieh und immer in mein Einzelzimmer. Und wenn ich dann in meinem Einzelzimmer war, kam ich mit der Unruhe nicht klar. Also egal, was ich gemacht hab, hat mir wieder Schuhe gebunden, wieder raus, mich bewegt. Also egal, was ich gemacht hab, rausbewegen bedeutet wieder mehr Belastung vom Körper.
01:36:21: ,618 [Martina Eberl] Noch mehr Medial...
01:36:21: ,158 [Sven Hannawald] Das Ausruhen an sich, was mein Körper möchte, kann ich nicht zulassen, weil die Unruhe mich so kirre macht. Und da haben wir dann angefangen mit unserem Mannschaftsarzt, ähm, jetzt nicht nur mich aufzupäppeln, sondern, ähm, wirklich Ärzte zu konsultieren. Blutbilder, klein, groß, organisch, was mit mir los ist. Weil ich merk ernst, irgendwas stimmt nicht. Du kennst mich. Jahre zuvor haben wir alles im Griff gehabt. Bin so unruhig und irgendwie keine Ahnung. Auf der einen Seite krieg ich keinen Fuß voneinander und aber irgendwie, wenn ich mich ausruhen will, schlafen kann ich nicht. Ich werd, ist kirre, ja, wirklich. Und, ähm-
01:36:53: ,018 [Martina Eberl] Was haben dann diese Ergebnisse gezeigt?
01:36:56: ,138 [Sven Hannawald] Super Werte.
01:36:57: ,728 [Martina Eberl] Ich wollt grad sagen, ja.
01:36:57: ,098 [Sven Hannawald] Für einen Leistungssportler. Ja, das ist halt immer, du bist ja bei den Ärzten, die ja andere Sachen kontrollieren, ne, und nicht das Wesentliche, wo du dann wirklich auch damals schon die Marker gesetzt hättest
01:37:07: ,418 [Sven Hannawald] und gewusst hättest, Vollalarm, ja. So und somit, ähm, somit, ähm, waren wir dann bei den Arztbesuchen und was das große Thema war, ist, dass ich mir selber nicht eingestehen konnte, loszulassen. Der Körper hat geschrien: „Nimm uns bitte raus. Es macht keinen Sinn, was wir hier veranstalten." Aber was mich erfolgreich gemacht hat, ist, dass ich mehr getan hab als alle anderen. Wie soll ich, wenn ich mich rausnehm, weniger tu oder gar nichts tu, wie soll ich da erfolgreich sein? Also
01:37:37: ,158 [Sven Hannawald] Zeitung stand nirgends: „Vom Ausruhen wird man Weltmeister." Sondern mein Credo war ja, ich hab immer mehr gemacht, erfolgreich. Noch mehr gemacht, noch erfolgreicher. Also-
01:37:47: ,978 [Martina Eberl] Der Klassiker halt.
01:37:47: ,906 [Sven Hannawald] So, ganz klar. So, und ich hab nie gelernt und das wär vielleicht das, was ich heute annehmen würde, frühzeitig lernen, dass ich, was ich ja heut auch mache, diese Aufgaben, die ich in Perfektion für mich erledigen möchte. Wenn sie nicht fertig sind und ich merk, Körper ist durch für heute, dass ich die auch stehen lassen. Kann und hätte auch damals stehen lassen können. Das hätte funktioniert, weil ich am nächsten Tag dann ausgeruhter an die Aufgabe rangehe und eigentlich kommt da ein besseres Ergebnis als dieses Durchpowern und Durchdrücken, ne, bis du dann halt irgendwie zufrieden bist und dann merkst, na ja, super, bist du ja richtig am Arsch, ne. So, und das sind die Dinge, die Learnings, die ich vielleicht heute für mich hab, aber damals kam ich aus diesem, aus diesem Thema nicht raus und somit, äh, war für mich der Alltag, mich irgendwo in jedes Training zu schleppen, zu jedem Wettkampf zu schleppen, obwohl ich gar keinen Bock hab und parallel aber vom Kopf her mit dem guten Gewissen, ich kümmer mich ja mit den Arztbesuchen drum, dass ich so schnell wie möglich weiß, was mit mir los ist, dass ich das abhaken kann, wegkrieg, um endlich wieder so befreit Ski zu springen. Und das, ähm, kam nicht. Wir waren bei allen Ärzten, selbst, äh, Pfeiffersches Drüsenfieber, was damals 2003 hoch im Kurs war, äh, bei vielen Sportler, Sportlerinnen. Sommer wie Winter, keine Ahnung, ob die, ob die, äh, ja, irgendwas komisch war in der Luft, dass das irgendwie viel betroffen hat oder, ja, keine Ahnung. Und das war einfach so und, und, ähm, die Anfangssymptome gingen in die Richtung mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, aber es hat die Unruhe gefehlt und somit klar, auch das nicht. Und, ähm, ja, weiter in der, in der Saison gewesen und 2004 dann, ähm, meinen offiziell letzten Sprung hab dann am Ende in, äh, Salt Lake City in den USA beim Weltcup den zweiten Durchgang nicht erreicht und da war für mich dann auch wieder so'n Punkt wie zwei Jahre vorher in Oberstdorf bei dem Skifliegen, wo nichts ging.
01:39:36: ,986 [Sven Hannawald] Und da auch mit dem Trainer, äh, war ja mein Heimtrainer, der da auch dann, äh, Bundestrainer war von uns, ähm, Wolfi, komm, vor zwei Jahren hat's auch funktioniert. Das tu ich mir nicht an. Also morgen noch mal springen und dann krieg ich wahrscheinlich, schaff ich wahrscheinlich die Quali nicht. Auf keinen Fall, ne. Ich flieg heim, ich lass mich jetzt hier am Punkt lecken und, äh, fertig. Geh in, geh in Urlaub mit der Freundin und dann greifen wir nächstes Jahr an. Hat ja vor zwei Jahren gut funktioniert. Und aber mit dem Zweierverzug dann wirklich noch mal traumatisiert innen drin, mit der noch mehr Müdigkeit, mit der Unruhe und so weiter, bin ich dann in dem Urlaub in der vollkommenen Ruhe zu zweit. Passiert da nix. Ist ja jetzt hier nicht, äh, Ballermann irgendwie, dass da High Life ist, sondern wir waren ja wirklich komplett in 'nem ruhigen, ähm, äh, Destinationen und, und, und, äh, da bin ich dann körperlich komplett in der Ruhe zusammengeklappt, weil da in der Ruhe noch mal mehr Unruhe war und, ähm, ich da schweißgebadet aufgewacht bin, nur rumgeheult hab aus irgendwelchen Gründen. Ich kannt mich selber gar nicht mehr. Und anhand von dem vielen Weinen ging's dann auch vom Arzt aus in die, für 'nen Arzt für Psychosomatik. Den hatten wir vorher so nicht aufm Schirm, weil natürlich immer irgendwie
01:40:40: ,166 [Sven Hannawald] Gelenke anatomisch kontrolliert wurde. Blut hat man ja eh, Organe ja auch. Und, äh, dann ging's irgendwie, ach komm, vielleicht hat's ja auch irgendwas, wollt ja keiner sagen, zum, zum Psychoklempner, ne, oder Psychodoktor, wie's dann halt immer verschrien war früher zu der Zeit.
01:40:56: ,826 [Sven Hannawald] Und da gehen wir halt mal zu dem. War mir aber egal, wie der heißt. Ich wusste nur, in der Abteilung war ich noch nicht oder bei der Art, äh, von Arzt und dann guck ich halt, dann guck ich halt mal, guck ich halt mal bei dem vorbei. Mal sehen, was der erzählt. Wird man wahrscheinlich wieder sagen: „Toll, sieht man die Werte richtig gut. Sie weint zwar 'n bisschen, aber Sie sind topfit." Und dann war ich dort und dann hat er innerhalb von 'ner halben Stunde gesagt: „Dringends in die Klinik, Burnout." Und das war klar, wenn jeder heute Klinik hört, oh, weißer Kittel, Kastenwagen und auf Nimmerwiedersehen, ne, war ja so bisschen das Thema. Für mich selber kam direkt Sebastian Deisler in den Kopf, der damals auch schon, wo ich mich gewundert hab, das Jahrhunderttalent bis heute noch im Fußball. Ja, du kannst doch anhand von 'nem Burnout oder was auch immer das sein soll, da kannst du doch nicht Fußball aufhören. Du musst doch Weltfußballer werden. Du musst doch Weltmeister werden. Du musst hier Alarm machen. Du hast Talent. Du bist derjenige, der, du bist mit etwas gesegnet. Da musst du durchpowern. Hab ich nicht verstanden. Nach meiner Diagnose hatt ich eins zu eins,
01:41:57: ,586 [Sven Hannawald] konnt ich komplett nachvollziehen, warum das nicht bei ihm nicht mehr ging. War mir aber auch egal, weil am Ende ging's bei mir ums Skispringen und dann dacht ich, hab ja auch nicht, mir auch keine Gedanken macht, was andere draußen denken, ob ich jetzt 'n Ballerballer bin oder nicht, mir völlig egal.
01:42:11: ,386 [Sven Hannawald] Und, ähm, bin dann halt direkt in die Klinik, ähm, wollt mir anhören, was ich falsch gemacht hab, wollt mir anhören, was ich richtig machen soll und dann springen wir wieder und dann geht's wieder.
01:42:20: ,046 [Martina Eberl] Also das war tatsächlich dann dein Ziel, dass es wieder-
01:42:23: ,526 [Sven Hannawald] Ja.
01:42:23: ,785 [Martina Eberl] Also heilen und zurück.
01:42:24: ,345 [Sven Hannawald] Genau.
01:42:25: ,146 [Martina Eberl] Okay.
01:42:26: ,446 [Sven Hannawald] Bisschen Vitamin C und genug schlafen und dann geht das wieder. Ja, aber es ist dann am Ende, äh, was Tieferes gewesen, was mir relativ schnell klar war in der Klinik, aber ich konnte da an dem Punkt, wo ich war, Skispringen wirklich weglassen. Ich hatte in 'ner ganz kleinen Schublade hinten drin, hatt ich das Comeback noch drin. Diese Schublade wollt ich aber nicht zu schnell und zu früh aufmachen, weil ich wusste, das geht in die Hose, sondern ich wollt mir wirklich die Zeit geben. War für mich klar, ich will an den Punkt nie wieder kommen. Ich will jetzt lernen, ähm, wie ich wieder zu mir komme und das war in der Klinik,
01:42:59: ,105 [Sven Hannawald] ähm, war das möglich. Auch eigentlich nur mit Aufarbeiten des Lebens, mit Gesprächen, auch parallel traditionelle chinesische Medizin. Es waren noch andere Anwendungen, aber die hab ich jetzt, äh, jetzt nicht so als, als fördernd empfunden, ähm, wie die Gespräche, die mich wirklich dann auch, klar, teils mit Tränen und teils vielleicht irgendwie auch schwierig, aber nach jeder Therapiestunde hab ich mich besser gefühlt, ja. Hab gemerkt-
01:43:23: ,526 [Martina Eberl] Wie lang warst du da?
01:43:23: ,626 [Sven Hannawald] Ähm, sechs bis acht Wochen, so was. Äh, ich weiß jetzt nicht mehr, glaub, es ging Richtung acht Wochen.
01:43:28: ,866 [Sven Hannawald] Und am Anfang noch, äh, medikamentös, ähm, zumindest über die Nacht, dass ich runterfahr und zumindest mal zum Schlafen komme und das dann aber auch nicht mehr gebraucht und, ähm, ich gemerkt hab, dass diese, diese Kluft in mir,
01:43:40: ,240 [Sven Hannawald] der Arbeiter, der Erfolgreiche und die Seele, ne, die ich ja immer irgendwo-- hab's auch immer beschrieben als kleinen Sven, den ich an der Hand hatte. Hab gemerkt, dem geht's nicht gut, ähm, konnt mich aber jetzt nicht kümmern. Ich hab den aber nie losgelassen, sondern immer hinterhergeschleppt und, ähm, kümmer ich mich schon irgendwann mal drum. Aber dann war wieder das und hier und jenes und dann Ablenkung, dann war's ja doch wieder nicht so schlimm. Und somit, ähm, war für mich jetzt klar, hab ich gemerkt, wie diese Kluft durch die Gespräche Wieder so aneinander wachsen und ich dann von immer mehr näher kommen, ähm, ich, ich mich wieder ausgeglichener gefühlt hab, äh, irgendwie wieder meine Füße aufm Boden gespürt hab und teilweise dann auch schon nach vier, fünf Wochen Lust gehabt hab, mal wieder was zu unternehmen, ja. Mal bisschen Fahrradfahren, bisschen spazieren, dann auch dort war ja nie. Hatte auf nichts mehr Lust, wollt irgendwie nur in meinem Zimmer liegen, sitzen. Niemand sollte mich ansprechen und da hab ich gemerkt, es geht, äh, schnell vorwärts und war auch dann nach den sieben, knapp acht Wochen
01:44:34: ,230 [Sven Hannawald] so, dass ich wieder Lust hatte,
01:44:36: ,710 [Sven Hannawald] nach Hause zu gehen, ne. Also Klinik war gut und ähm-
01:44:39: ,050 [Martina Eberl] Aber Skispringen ...
01:44:41: ,750 [Sven Hannawald] Noch nicht, sondern das war nur, es ging erst mal nur ums Zuhause. Und dann hab ich schon erstmals gemerkt, dass das ein längeres Thema wird, äh, weil ich dann vor der Haustür von den Eltern stand und wieder so 'ne Unruhe in mir hatte. Also in der Klinik war alles okay, hab ich mich wohlgefühlt und stand dann da und wieder unruhig und das beschreibe ich heute, dass innerlich natürlich wahrscheinlich dann es so war: „Äh, was machst du jetzt hier? In der Klinik hatten wir es so schön. Jetzt fängst du das alte Leben wieder an." Also diese innere Stimme, die mich ja dann, wie ich ja über Jahre dann ignoriert hatte, hat natürlich direkt wieder eins und eins zusammengezählt: „Oh, jetzt geht der Mist wieder los." Ja. So jetzt, jetzt kriegen wir wieder Schwierigkeiten.
01:45:17: ,310 [Sven Hannawald] Bis dann das Innere natürlich gemerkt hat nach zwei Wochen, kein Mal mit'm Trainer telefoniert, was ja normal war, wenn ich bei meinen Eltern war. Nach vier bis sechs Wochen bei den Eltern noch nicht einmal laufen gewesen. Hä, komisch. Hat er doch sonst immer hier gemacht. Und das sind so die Sachen, wo dann auch da wieder ich gemerkt hab, dass der Zugang oder das Vertrauen dann irgendwie vom Inneren wieder mehr Vertrauen gekriegt hab. Und dann war das Gleiche bei meinen Eltern, dass es mir da super ging und ich mich gefreut hab auf meine Wohnung. Gleiche wieder vor der Wohnungstür Schwarzwald.
01:45:48: ,690 [Sven Hannawald] Schon wieder Alarm. Hat natürlich parallel immer meine Therapiestunden telefonisch oder ich bin dann auch mal vorbeigefahren mit meiner Ärztin von der Klinik
01:45:56: ,559 [Sven Hannawald] und, ähm, da auch wieder Alarm, aber auch da erst mal wirklich das Leben anders gestaltet und, ähm, irgendwann auch mal langsam angefangen mit, mit Krafttraining wieder. Auch kein schlechtes Gefühl gehabt. Dann angefangen mit mal wieder springen. Also es ging immer in langsamen Schritten über den Sommer bis Spätherbst, Anfang Winter, ging's dann in Richtung, äh, Skispringen und irgendwie hatte ich's aufm Schirm, hab aber meinem Trainer immer gesagt: „Du, ich bin zwar jetzt gesprungen, aber es heißt noch nicht, dass ich zurückkomm. Ich sag dir, Tag X, wenn ich mir das, wenn ich weiß und spüre, wir kommen wieder zurück, dann sag ich's dir und dann kannst du's jedem erzählen. Jedem im Dorf, jedem in der Stadt, jeder Zeitung, jedem Fernsehsender, ist mir egal. Aber wenn ich nicht komme, Ruhe." So, und dann hab ich mich eigentlich so bisschen Schritt für Schritt,
01:46:38: ,219 [Sven Hannawald] ähm, auf dem Weg befunden vom Gefühl her, ja, das, das wird wieder und war ja auch springen. Und dann bin ich nach dem Springen, glaub ich, zwei, drei Wochen später war ich wieder auf dem Weg zum Krafttraining, ne. Hatte ja schon so meinen Trainingsalltag wieder.
01:46:52: ,520 [Sven Hannawald] Und das hatte ich ja bis dato schon seit zwei Monaten und lauf da so den Weg zur Halle runter und hab wieder seit Langem diese Unruhe in mir. Und da wusste ich, wenn ich jetzt durch die Hallentür durchgehe, bring ich mich selber wieder dahin, wo ich war. Ich spring jetzt nicht nur mit oder 20. Plätze oder so. Olympia ist super, ne, von den, von dem ganzen Drumherum und so weiter, aber olympisches Motto: Dabei sein ist alles. Da kann ich nichts damit anfangen, sondern ich wusste, wenn ich da reingehe, werd ich wieder alles dafür tun. Ich muss nicht gewinnen, weil gewinnen ist immer abhängig von anderen Sachen, die du selber nicht im Griff hast. Aber zumindest muss ich die Möglichkeit haben, 'ne Rolle mitzuspielen. Ja, und dann, wenn's sein soll, vielleicht gewinnen wir noch was oder vielleicht sind wir aber auch nur mit dabei. Reicht ja auch, alles in Ordnung. Und, ähm, oder
01:47:37: ,310 [Sven Hannawald] ich dreh jetzt hier um und muss leider Skispringen sein lassen. Und das war der Tag bis heute der schwerste von der Entscheidung. Ich weiß aber trotzdem, dass die richtige Entscheidung war, dass ich Skispringen losgelassen hab. Das ging nicht anders. Und dann war das alles vorbei.
01:47:53: ,230 [Martina Eberl] Wahnsinn, gell?
01:47:54: ,270 [Sven Hannawald] Mhm.
01:47:55: ,150 [Martina Eberl] Wenn du überlegst, also kann ich mir das ja vorstellen, wie du dann da stehst und die Entscheidung triffst.
01:48:00: ,010 [Sven Hannawald] Mhm.
01:48:01: ,890 [Martina Eberl] Das ist 'ne Entscheidung, die ja wegweisend ist, ja.
01:48:06: ,570 [Martina Eberl] Wo man eigentlich sagt: „Gut, die muss gut überlegt sein", oder sonst irgendwas, aber-
01:48:10: ,140 [Sven Hannawald] Fragst du nicht mal jemanden, was der darüber denkt.
01:48:12: ,430 [Martina Eberl] Genau.
01:48:13: ,870 [Sven Hannawald] Ja, nee, das war ... Ich war so im Einklang mit mir und hab auf der einen Seite gemerkt, wie gut's mir wieder ging. Natürlich hat die Aufgabe gefehlt, aber auch das hab ich erst, sobald du dann auch an Aufgaben denkst, wär's auch schon wieder Unruhe. Was soll ich denn jetzt mit mir anstellen? Sondern ich war wirklich im Einklang mit mir, war im Reihen, hab mich gut gefühlt, hab mich, äh, im Hier und Jetzt gut gefühlt und aber immer wieder diesen kleinen Schritt wieder mehr Richtung Skispringen getestet. Ah, ging wieder gut. Super. Jawoll, ja. Weitermachen. Aber nie forciert, zwei Schritte auf einmal, fünf oder schneller noch, sondern und dann, ähm, ja, aber ...
01:48:48: ,930 [Martina Eberl] Hast du's jemals bereut?
01:48:50: ,630 [Sven Hannawald] Nee.
01:48:51: ,730 [Martina Eberl] Nee?
01:48:51: ,910 [Sven Hannawald] Weil am Ende, ähm, ich wär liebend gern durch diese Hallentür durchgegangen, aber eben nicht mit diesem unruhigen Gefühl, weil ich wusste,
01:48:59: ,210 [Sven Hannawald] ich forzier mich. Wenn ich diesen Weg weitergehe, komm ich an den Punkt, da ist es mir wieder egal. Da werd ich wieder alles dafür tun, dass ich wieder mitschwimm. Ähm, Tournee als
01:49:09: ,710 [Sven Hannawald] Ziel
01:49:10: ,050 [Sven Hannawald] noch mal zu gewinnen mit allen vier ist ja utopisch. Aber grad Skiflug-Weltrekord wär so was gewesen. Das hätte mich noch gereizt. Das hätte jetzt nicht so'n, so'n großes, große Erwartungen gezeugt mir gegenüber, sondern ich wusste, wenn alles zusammenpasst von Materialien und alles Mögliche, ich hätt's drauf gehabt, ja. Weil ich auch in meinem weitesten Flug bisher, die 220, hatte ich auch 'n Fehler, der extrem viel ausgemacht hat.
01:49:31: ,950 [Martina Eberl] Okay.
01:49:31: ,730 [Sven Hannawald] Und da wär's auch schon knapp geworden. So, und ich hatte, das wär möglich gewesen. Das hätte gereizt. Alles andere, Weltmeister und so, brauche ich gar nicht anfangen. Das muss ich ja geben. Aber dieses Skiflug-Weltrekord, das wär noch was gewesen. Und, äh, aber gut, äh, am Ende bin ich dann, ich bin da auch nicht nur eine Sekunde gestanden, sondern stand da schon, glaub ich, 15 Minuten, weil ich dann teilweise auch da schon so bisschen mit dem Loslassen so 'ne Art Trauer in mir hatte dann und aber die jetzt auch nicht wegdrücken wollte, wie ich's immer gelernt hab, ne. Alles wegdrücken und überspielen und ablenken, sondern in der Klinik hab ich gelernt, gewisse Dinge zuzulassen so. Und das hat da angefangen,
01:50:08: ,514 [Sven Hannawald] dass ich da dann erst mal in dem Moment verharrt bin und ja, kacke.
01:50:13: ,814 [Sven Hannawald] Ist echt blöd.
01:50:14: ,294 [Martina Eberl] Ich mein, auf der anderen Seite ist es natürlich auch immer wieder so beim Sport, im Leistungssport, im Profisport: Wann hörst du auf? Ja, also so,
01:50:23: ,534 [Martina Eberl] hör mal, ich hab damals aufgehört, als meine zweite Tochter auf die Welt kam, weil für mich das klar war: Ich kann diesen Aufwand, diese zehn Stunden Training am Tag unmöglich mit zwei Kindern.
01:50:35: ,794 [Sven Hannawald] Mhm.
01:50:37: ,134 [Martina Eberl] Viele hören auf, wenn die Leistung einfach nicht mehr kommt. Also das, es gibt ja keinen perfekten Zeitpunkt aufzuhören.
01:50:46: ,774 [Martina Eberl] Für dich schien es ja dann der perfekte Zeitpunkt zu sein. Es ist natürlich 'ne bittere Nummer, wie's gekommen ist, ja. Aber wenn man sagt, wann hört man auf, ob du dann noch mal weitergemacht hättest, ob sich dann trau, der, der Skiflug-Weltrekord noch ergeben hätte. Who knows, ja.
01:51:02: ,514 [Sven Hannawald] Keine Ahnung, ja.
01:51:03: ,774 [Martina Eberl] Aber für dich fühlt sich das ja jetzt in Anführungszeichen-
01:51:05: ,854 [Sven Hannawald] Im Nachhinein, ja. Im Nachhinein richtig. Aber in der Situation selber, ich, aber ich, ich kenn mich als Typ und
01:51:13: ,364 [Sven Hannawald] ich hätte nicht anders aufhören können. Mich musste man rausreißen.
01:51:16: ,584 [Martina Eberl] Ja, ja.
01:51:16: ,434 [Sven Hannawald] So, und das ist, ähm, jetzt auf die Art, ist dann halt eben so. Im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass dieses Rausreißen nicht vor dem großen Erfolg der Tournee war. Das hätte ja auch sein können,
01:51:26: ,494 [Sven Hannawald] äh, wenn's vielleicht noch zwei, drei Jahre länger geht. Ähm, klar, das Ziel hätt mich immer noch über Wasser gehalten, aber irgendwann mal kommt der Körper wirklich an den Punkt, da kannst du auch 'n tolles Ziel vor dir haben, was sich immer noch gut anfühlt, aber es geht halt einfach nicht mehr. Also es hätte ja auch alles anders kommen können und dann würd ich jetzt heut hier sitzen, würd eigentlich von nichts reden. Tournee hab ich leider nicht geschafft, aber Burnout hab ich hingekriegt. Ja, super. Ne. So, und jetzt hab ich für mich, ähm, steh ich drüber, weil ich einfach auf der einen Seite etwas habe, wo mir klar ist, die andere Seite, die kam. Ist logisch. Also das, was du da gewonnen hast, war jetzt keine Dorfmeisterschaft, sondern da musste man sich dann schon auch 'ne längere Zeit zusammenreißen dafür. Ja, und dass sich's ergeben hat und so weiter und so fort. Und dann ist es für mich heute pari pari
01:52:06: ,054 [Sven Hannawald] und, ähm, dementsprechend. Aber jetzt, wenn ich mir vorstelle, ich hab den größten Respekt, wenn jemand dann auch sagt:
01:52:12: ,614 [Sven Hannawald] „Ja, es fühlt sich so an, als, äh, ich hör jetzt auf“, weil ich immer wieder verpass ich noch was. Lägt vielleicht irgendwie-
01:52:19: ,054 [Martina Eberl] Geht noch was
01:52:20: ,224 [Sven Hannawald] ... übernächste Saison noch was Großes in der Luft, was ich nicht, äh, erreicht hätte dann deswegen. Das ist doch total dumm. So, und deswegen, ich musste, glaub ich, vom Typ her, mich musste man so rausreißen. Ansonsten würd ich wahrscheinlich heute noch springen. Na, ich weiß es nicht, keine Ahnung.
01:52:35: ,254 [Martina Eberl] Ja.
01:52:35: ,014 [Sven Hannawald] Aber das Ende wär anders, ähm, weil du natürlich dann bei anderen Springern siehst oder, oder ich dann schon sehe, wenn's zu lang ist, geb ich natürlich schon irgendwann auf, ne. Also ich, ich, ich, äh, würde mir jetzt nicht, ich, ich würd's jetzt nicht dazu bringen lassen oder kommen lassen, dass dann, äh, meine ganzen Titel, die ich in der Vergangenheit mir ersprungen hab,
01:52:55: ,324 [Sven Hannawald] viele Fragezeichen kriegen, weil ich gefühlt irgendwo als 30. rumudere. Ne. Also bevor das, bevor die 'n Kratzer kriegen, die Erfolge, hör ich natürlich dann freiwillig auf. Aber an dem Punkt damals war natürlich alles noch im Lot und, äh, war alles noch oder viel möglich und somit, ähm, musste dieses gewaltsam von außen rausreißen stattfinden.
01:53:14: ,274 [Martina Eberl] Mhm. Jetzt hast du ja damals quasi das, den Ausdruck Burnout
01:53:20: ,534 [Martina Eberl] quasi salonfähig gemacht. Davor hatte auch keiner irgendwie so: „Ei, da gab's Depressionen und der hat halt 'n Schuss“, oder was auch immer, ja. Auf einmal kam dieses Wort Burnout und auf einmal wurde dieses Wort nicht nur salonfähig, sondern ich glaube, ich finde, dieses Wort wurde sogar vergewaltigt. Ja. Also auf einmal hatte jeder irgendwie 'n Burnout. Das wurde dann so 'n Mainstream. Jeder, der halt a bissl fertig war und bissl, ähm, ja,
01:53:47: ,534 [Martina Eberl] bissl zu viel gearbeitet hat, möcht ich jetzt mal sagen, hatte dann auf einmal einen Burnout. Hast du das so mitbekommen und wenn ja, hat dich das dann geärgert? Weil 'n Burnout ist ja schon was Ernstzunehmendes, ja. Dass dann jeder gesagt hat, der bissl übernächtigt war und so weiter: „Ich glaub, ich hab jetzt 'n Burnout.“
01:54:04: ,454 [Sven Hannawald] Die Schwierigkeit ist ja, dass das, was in dir stattfindet, kannst du ja so nicht an 'ne Mand, an 'ne Wand skizzieren, dass es jeder versteht. Ne, wenn du Rückenschmerzen hast, hast du keine, aber wenn ich dir sage, ich hab Rückenschmerzen, meinst du nachzuvollziehen: „Ah, stimmt. Ah ja. Fühlt sich, glaub ich, echt blöd an.“ So, ja. So, aber das ist alles körperlicherseits. Das können wir komischerweise nachvollziehen, egal worum's geht. Hab mir noch nie was, äh, gebrochen, aber irgendwie mein ich, es nachzuvollziehen, wie sich's anfühlt, wenn ich mir 'n Arm brech. So. Hab ich aber noch nie. So, und bei psychischen, äh, Themen, mentalen, äh, Themen wie Depression oder Burnout, ähm, ist das schwierig so. Und jetzt, äh, sehe natürlich, hab ich irgendwie das Gefühl nicht, bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass man dann das da auch von irgendwelchen Seiten eher ausnutzt, Burnout zu sagen, was natürlich 'n Nackenschlag für die war, die es wirklich betroffen hat. Äh, teils natürlich auch von hier ganzen, äh, VIPs und alles. Kann ich mich noch an eine, an eine Bild-Schlagzeile erinnern, dass irgendeine,
01:55:00: ,494 [Sven Hannawald] äh, dann große Schlagzeile Burnout. Und im ersten Moment denkst du: Oh Gott, ja, Kacke und so weiter. Und dann ist zwei Wochen später tanzt die Trulla da auf 'm roten Teppich rum und ist alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Ne, und da kriegst du natürlich die komplette Krise. Die komplette Krise, wenn so was dann auch noch ausgenutzt wird. Man möcht's nicht wünschen ihr, dass sie das wirklich durchlebt, weil dann wird's ja noch mehr Drama machen. Aber, ähm, dieses dann ausnutzen, das war so ein Nackenschlag und, und klar, ähm, man hat gemerkt mit dem Viel-Auftreten dann auch, ich mach mir ja keinen Held draus und ich fühl mich jetzt nicht als Bekloppter oder sonst was, sondern ich weiß ja, wo es herkam und hab's dann eher dann, äh, schon auch gesehen, anderen helfen zu können, ne. Ich hab mich jetzt nicht freiwillig überall hingestellt und hab geschrien: „Ich hab Burnout. Ich weiß, wie ihr rauskommt.“ Aber wenn jetzt Nachfragen waren, hab ich jetzt nicht gesagt: „Ich will nichts damit zu tun haben“, sondern klar, mach ich, steh drüber. In meiner Geschichte gehört's dazu zu dem großen Erfolg. Ist für mich normal. Wenn jemand viel tut,
01:55:56: ,714 [Sven Hannawald] dass dann auch die Gefahr, äh, wenn man so strukturiert ist, äh, dass die Gefahr dann ist, dass man's auch, ähm, erleidet. Das ist so und somit, ähm, war das so. Und, und aber über die Zeit hast du gemerkt, dass jeder Dritte irgendwie 'n Burnout hat und so weiter und so fort. Jetzt heute in den Zeiten ist es so, ne, gefühlt, dass jeder Dritte wirklich's hat, weil das noch mal so
01:56:14: ,378 [Sven Hannawald] mit dem digitalen Zeitalter und mit den ganzen Anforderungen und so weiter so viel Geschwindigkeit aufgenommen haben, dass, äh, es einfach für uns schwerfällt Pausen zu machen. Ja, auch in der heutigen Zeit kannst du mit 40 Grad Fieber im Urlaub arbeiten. Wir haben keine körperliche Arbeit mehr, wo wir wirkliche Grenzen ziehen. Rückenschmerzen, trägst du nix, machst du Pause. Krämpfe, läufst du nicht mehr rum, machst du Pause. Aber heute bei der Arbeit, wenn 'ne andere Anforderung irgendwie hochkommt und dein Körper dir, äh, signalisiert, es reicht, sagst du doch heute zum Nachbarn nicht: „Du, ich geh nach Hause, ich schaff die E-Mail nicht mehr." Der lacht sich ja dann kaputt. Arbeiten ist heute in den meisten Fällen tippen, tippen, Enter, Wiedersehen. So, und deswegen in den Zeiten dann Grenzen zu setzen, zu sagst: „Nee, ich mach jetzt nichts", ist schwierig, weil du immer noch übers Wochenende 'ne E-Mail bearbeitest und das noch machst und hier noch machst und dir dann automatisch die Zeit, die ja früher gesetzt war, wenn alle Freitag nach Hause gefahren sind ohne Erreichbarkeit, waren die bis Montag früh im Büro nicht erreichbar. Zwei volle Tage. Die gibt's jetzt so nicht mehr.
01:57:17: ,878 [Martina Eberl] Nee.
01:57:17: ,237 [Sven Hannawald] Du machst alles voll und die A, die Arbeit als solches annehmen, ist auch nicht mehr, fühlt sich ja nicht an nach 100 Kilo oder „Oh, zu schwer, schaff ich nicht", oder „Krieg ich schon noch hin", sondern kannst mal drüber lesen, kannst mal übernehmen.
01:57:31: ,758 [Martina Eberl] Ja, ja.
01:57:31: ,148 [Sven Hannawald] Krieg ich schon noch irgendwie hin, die vier Minuten. So, und dann die vier Minuten, die acht Minuten noch mal zehn, noch mal 'ne halbe Stunde, weil's ein größeres Projekt ist. Zack, ist der Tag voll-
01:57:39: ,798 [Martina Eberl] Oder du musst es machen oder du bist raus, ja.
01:57:40: ,158 [Sven Hannawald] Ja, und dann, dann weißt du ja gar nicht mehr, wohin. Dann fährst du nach Hause, ja, und machst da noch nach. Und das ist, das hat sich geändert. Und dieses, dieses, dieses wirklich dann auch drüberstehen, wissen, wo es herkommt und dann auch wieder mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man kein schlechtes Gewissen mehr hat, wenn man zu Hause ist, wirklich dann auch mal das Handy wegzulassen.
01:57:58: ,098 [Martina Eberl] Das ist es, das schlechte Gewissen.
01:57:59: ,918 [Sven Hannawald] Und einfach du für dich in der Bewegung, was uns ja, wir reden immer von Kosten, das ist zu teuer und ah, kann ich mir nicht leisten. Das, was für uns am effektivsten für die Gesundheit ist, ist Bewegung, die kostet nichts. Kann ich barfuß draußen, nackt, willst du zwar hier nicht sehen, aber ja, also kostet gar nichts.
01:58:15: ,958 [Martina Eberl] Ja.
01:58:15: ,748 [Sven Hannawald] Ja, so. Das ist das Effektivste für uns, was ich auch, was ich selber heute auch merk, wenn mir die Birne brennt hier von, von Übertragungen und da noch das dazukommt und hier noch,
01:58:26: ,758 [Sven Hannawald] brauch ich keinen Sport. Der ist für mich wichtig,
01:58:28: ,308 [Sven Hannawald] aber ähm, ich brauch die Bewegung. Die gleicht mich innerhalb von 'ner halben Stunde, Stunde aus. Da brauch ich keinen Tag mehr.
01:58:34: ,158 [Sven Hannawald] Und das ist das, was, äh, der Unterschied ist.
01:58:36: ,158 [Martina Eberl] Ja, das kenn ich sehr, sehr gut. Jetzt, äh, erzählst du auch in deinen Vorträgen immer noch, äh, sehr viel darüber und versuchst, Leuten damit zu helfen. Kleine Randmerke an der Seite: Du hast deine eigene Speaker-Agentur zusammen mit dem Sven Erich.
01:58:49: ,478 [Sven Hannawald] Mhm.
01:58:49: ,938 [Martina Eberl] Die Sportspeaker, wo ich auch ein Teil sein darf, darf davon sein darf. Und ähm, genau, du betreibst es sehr stark in der Off-Season, quasi im Sommer, diese Vorträge zu halten und anderen Leuten damit zu helfen. Beziehungsweise auch, ich bin mir sicher, dass sich das auch viele anhören, die vielleicht 'ne Vermutung haben könnten, dass da was bei ihnen los sein könnte und sich das wahrscheinlich von dir erst mal anhören möchten. Was gibst du jetzt diesen Menschen weiter? Also ich mein, die Nummer, dass man sagt, äh, Leute, macht Yoga in tiefen Meditation und so weiter, wo ich mir denk: „Oh,
01:59:23: ,078 [Martina Eberl] nee." Aber gibst du konkrete Ratschläge, wenn man's geben kann? Ja, also jeder ist ja anders. Jeder hat seine anderen Wurzeln, wo es herkommt. Aber wo du jetzt sagst, welchen Mehrwert gibst du denen mit, die sich deine Vorträge anhören in-
01:59:38: ,918 [Sven Hannawald] Ganz einfach: Mehr Vertrauen wieder ins Innere. Diesen Kompass, die jeder von uns, ist jeder damit ausgestattet. Von klein auf siehst du schon, dass eine Stimme in Kindern ist, die nichts gelesen haben, dass das eine Kind von einem Meter runterspringt und sich freut und ein anderes Kind die Mama braucht oder vielleicht Papa noch. Auch da sind es schon unterschiedliche Stimmen. Und die Stimmen haben wir heute in uns immer noch, aber die ignorieren wir.
02:00:00: ,798 [Sven Hannawald] Die sagt zu den meisten heute, wenn sie morgens aufstehen:
02:00:04: ,058 [Sven Hannawald] „Pff, wie soll ich denn das heute wieder schaffen?"
02:00:07: ,438 [Sven Hannawald] So, und wenn wir die weiter übergehen, wie ich ja auch,
02:00:10: ,618 [Sven Hannawald] dann wird das schwierig. Und das wieder lernen, einfach wieder bewusst zu nehmen: „Oh Mist, warum bin ich eigentlich platt?" Ja.
02:00:18: ,638 [Sven Hannawald] Letzte Woche, okay, hab ich zwei Projekte abgegeben und hatte ja dann irgendwie noch Theater zu Hause mit Kindern und so weiter und so fort und irgendwie hab ich auch schlecht geschlafen. Ja, aber ja, stimmt. Ist es eigentlich. Und wie krieg ich das weg? Weil am Ende musst du dich drum kümmern, dass dein Körper, wie wir das Handy auch aufladen, Zeiten gibst. In der heutigen Zeit, wo ja doch alles einfach und immer wieder machbar ist, dass du wirklich zu dir sagst, strikt: „Ich war halt arbeiten, ich bin jetzt zu Hause. Ist erst mal keine Arbeit." Und wenn ich dann für mich Luft habe und Zeit habe, die ich mir selber auch setzen muss, ne, ist ja mein Thema, äh, dass ich auch bei mir heute, ich, ich liebe Aufgaben. Wenn jemand zu mir kommt und sagt: „Könntest du mir das und das?" Oh, da hab ich schon Funken in den Augen, weil ich für mich selber die Challenge hab, krieg ich's hin oder nicht. So, und wenn's schwierig ist, irgendwie krieg ich's doch wieder hin. Und die Grundvoraussetzung von meinem Tun, dass ich mich glücklich fühle, ist, dass ich auf der anderen Seite meinem Körper Pausen setze und die Gefahr bei mir relativ hoch ist und immer bleiben wird, dass ich das noch mach und das noch mach. So, und dieses, dieses proaktiv Setzen, da geht's nicht Tage, wie wir's vorhin gehabt hatten mit dem Samstag, Sonntag. Das geht natürlich nicht mehr. Ähm, es geht einfach in der Woche proaktiv zwei, drei Slots zu setzen, ob das 'ne halbe Stunde ist, Stunde. Wenn mehr übrig bleibt, alles kein Thema. Aber einfach zu setzen und dann zu gucken, was übrig bleibt. Weil ich war ja auch immer der Naive: „Ja, Urlaub, ah, gucken wir erst mal", ne. Ja, und dann kam die Anfrage, Anfrage, Anfrage, Anfrage, Anfrage. Dann ist August: „Äh, wollen wir eigentlich in Urlaub?" „Ja, ich guck mal." „Okay, ich könnte da drei Tage, dann müsste ich zwei Tage wieder zurück, dann muss ich noch mal vier Tage und danach geht's leider nicht mehr. Also wir könnten jetzt einmal drei und einmal vier Tage." „Ja, super." Du musst das proaktiv reinsetzen und nichts mehr dran lassen. Es ist verschiebbar noch ein bisschen. Es muss jetzt nicht exakt sein, ähm, aber jetzt auch meine Ta-- meine Zeit in der Woche ist jetzt nicht, dass ich dienstags um 9:17 Uhr trainieren gehe oder spazieren gehe oder vielleicht Zeit mit den Kindern verbringe, sondern die ist schiebbar. So, und je nachdem, was reinkommt, schiebe ich das. Und solang's, sobald's dann an die Zeit gehen würde, die Aufgabe,
02:02:20: ,804 [Sven Hannawald] sag ich: „Nein, die Zeit bleibt stehen." So, und das müssen die Leute lernen, dass die wirklich dann proaktiv für sich selber- Diese Zeit setzen und schaffen je nach Ablauf. Es kann natürlich auch von der Arbeit immer noch was reinkommen, aber am Ende immer schieben. Und wenn dann die Zeit da ist, nicht irgendwo aufm Sofa liegen, Chips essen, Bier, rauchen, Kaffee, Fernseh, tralala, sondern einfach was für sich tun. Das müssen die Leute lernen. Die Chefs und so weiter brauchen, müssen es so hinziehen oder so hinsetzen, dass es Möglichkeiten gibt, dass die Leute sich aufladen können. Und wenn sie dir die Zeit gegeben haben, natürlich jetzt nicht vertrellern mit Social Media und so, sondern dass es-
02:02:55: ,514 [Martina Eberl] Das ist ja die Gefahr heutzutage mit-
02:02:56: ,254 [Sven Hannawald] So und deswegen mein einfachstes Prinzip ist: Hör in dich rein.
02:02:59: ,554 [Martina Eberl] Ja.
02:02:59: ,254 [Sven Hannawald] Es wird bei den meisten wird sich's nicht gut anhören. Die fliehen ja auch teilweise vor denen, wie ich ja auch. Nur weg davon: Guck mal, kann ich jetzt eigentlich nicht. Guck mal, wir sind zu dritt im Büro, rechts und links, die machen jetzt gleich und ich, mir geht's nicht gut. Kann ich nicht. Doch, weil du anders aufgewachsen bist, weil du ein anderer Mensch bist, weil du andere Dinge mit dir rumträgst im Leben. Logisch darfst du. Du musst am Ende für dich gucken, wie du dein Leben wieder in Ordnung bringst. Stress in der Arbeit wird nicht weniger. Stress in der Arbeit ist auch gut. Das hält wach, fokussiert, konzentriert. Wenn's zu langweilig ist, kommt da nur Blödsinn raus. Das ist alles gut.
02:03:37: ,494 [Martina Eberl] Genau, das ist-
02:03:37: ,074 [Sven Hannawald] Will natürlich heute keiner mehr Stress, weil's so viel ist, weil's gar nicht endet, weil's im privaten Bereich endet und wenn ich im Bett das Licht ausmach, hört der Stress nicht auf, weil ich den mitnehm durch die Nacht.
02:03:48: ,534 [Martina Eberl] Ja, es ist natürlich, ähm,
02:03:51: ,674 [Martina Eberl] absolut, ich unterschreib da alles, was du jetzt grade gesagt hast, ähm, aber eben, dass die Tendenz jetzt so hingeht, so nach dem Motto Work-Life-Balance, ähm, extrem viel Balance, ja, und aber dann trotzdem massive Ergebnisse erwarten, ne. Also ich mein, das hab ich ja vorher schon mal gesagt, du bist so gut geworden, weil du noch mal den nächsten Schritt gegangen bist, ja. Und das darf man, glaub ich, aber auch nicht
02:04:17: ,114 [Martina Eberl] komplett wegradieren.
02:04:19: ,594 [Sven Hannawald] Ja klar.
02:04:19: ,114 [Martina Eberl] Dass wenn man erfolgreich werden möchte, dann muss man einfach noch mal die extra Meile gehen.
02:04:25: ,014 [Sven Hannawald] Mhm.
02:04:26: ,634 [Martina Eberl] Und, ähm, alles zu seinem Zeit, aber zu seiner Zeitarbeit dann irgendwann müssen auch die Pausen sein ohne schlechten Gewissen.
02:04:32: ,894 [Sven Hannawald] Mhm.
02:04:32: ,163 [Martina Eberl] Weil das kenn ich von mir hundert Prozent, dieses schlechte Gewissens,
02:04:37: ,414 [Martina Eberl] musst du jetzt machen. Ich kann jetzt nicht in Urlaub fahren und so weiter und so fort. Aber trotzdem, ich glaube, das ist, das ist so 'n, so 'ne Mischung. Wenn du was erreichen willst, musst du Gas geben.
02:04:47: ,714 [Sven Hannawald] Aber nicht blind. Das kann man in der heutigen Zeit so koordiniert und so clever machen, dass du in den Zeiten, wo du wirklich auch Alarm machen musst, dir für dich den Reiz setzt, der dich auch weiterbringt, aber den, den Reiz natürlich nicht über 'n halben Tag setzt, sondern wirklich nur ganz clever in den Momenten, wo du aufnahmefähig bist und die Aufnahmefähigkeit bedeutet, dass du erholt bist. Wenn du so dich halb zum Training schleppst, also 'n Gewichtheber, der gefühlt, äh, irgendwo in die, in die, in die Halle reinhumpelt, braucht er nicht von sich zu erwarten, ich muss die extra Meile gehen, äh, ich muss jetzt mehr Gewicht auflegen. Da sind die Voraussetzungen ja gar nicht geschaffen. Das ist, wenn du-
02:05:21: ,494 [Martina Eberl] Ja, das stimmt, das stimmt.
02:05:22: ,774 [Sven Hannawald] Und dieses Clevere, dieses und das ist genau das, was mich vielleicht dann auch früher dann gerettet hat, dieses, dieses Clevere, dieses natürlich vom Typ her nicht anders werden. Wenn ich was mach, all in, volles Rohr, ne. Und vielleicht mal fünf Minuten später und länger, aber eben nicht dann den ganzen Tag und nicht dann noch, äh, zu Hause noch drüber nachdenken musst, sondern wenn du dann zu Hause bist, abschalten, alles in der Tasche lassen, ohne schlechten Gewissen. Das hätte mich trotzdem weitergebracht. Das hätt jetzt nicht bedeutet, dass ich, äh, weiß ich jetzt nicht mit Tournee oder so, aber trotzdem hätt ich vielleicht, äh, weiter den Erfolg hat, vor allem aber auch länger.
02:05:53: ,014 [Martina Eberl] Mhm.
02:05:54: ,274 [Sven Hannawald] Also ich hätte nicht zu diesem Zeitpunkt, wo ich eingesehen hab, leider vorbei, nicht schon aufhören müssen, weil ich da dann noch ein ganz anderes Level an, an Energie und so was gehabt hätte. Und auch, auch vom, vom, vom Frischen her. Und das ist das, was die Ler, Leute lernen müssen. Nur bisschen cleverer sich aufstellen, gewisse kurze Momente, die ihnen gegeben ist, besser nutzen. Da muss ich kein Prophet sein und muss ich schwör nicht auf Yoga, sondern am Ende in der Zeit beschäftigt man sich jeder einzeln damit, was einem guttut. Und der eine macht Sport, der andere ist aber auch am Spazieren, der eine sammelt Briefmarken, der andere hat 'n Oldtimer, der andere geht Golf spielen. Also es gibt da so die Momente, was dir einfach guttut, wo du ohne schlechten Gewissen einfach da bist und sagst: „Oh, sensationell. Mega." Das ist das Ausgleichende.
02:06:38: ,234 [Martina Eberl] Zu guter Letzt spielen wir noch mal schnell die schnellen neun.
02:06:42: ,794 [Sven Hannawald] Schnelle neun?
02:06:42: ,894 [Martina Eberl] Mhm. Also das heißt, du ähm-
02:06:45: ,574 [Sven Hannawald] Ist genauso wie bei Hannah, weil kurz antworten. Hab ich schon verloren. [lacht] Geht gar nicht.
02:06:51: ,384 [Martina Eberl] Doch, doch. Wir haben die langen Antworten haben wir schon. Doch, das geht wirklich schnell.
02:06:55: ,414 [Sven Hannawald] Okay.
02:06:55: ,014 [Martina Eberl] Zu aller, bevor wir aber anfangen, gibt's noch irgendwas anderes, über was du hättest reden wollen heute? Wir haben eigentlich schon alles so-
02:07:02: ,094 [Sven Hannawald] Alles. Alles dabei gewesen.
02:07:03: ,604 [Martina Eberl] Wir sind alle-
02:07:03: ,694 [Sven Hannawald] Hast dich sehr gut vorbereitet.
02:07:04: ,314 [Martina Eberl] Fantastisch.
02:07:07: ,594 [Martina Eberl] Die Quick Nine.
02:07:09: ,254 [Martina Eberl] Lerch, bist du eine Lerche oder eine Eule?
02:07:12: ,974 [Sven Hannawald] Äh, ich glaube, Eule ist die Nacht.
02:07:13: ,214 [Martina Eberl] Mhm.
02:07:14: ,834 [Sven Hannawald] Ja.
02:07:14: ,674 [Martina Eberl] Eule ist die Nacht, ja. Ein Nachtmensch, okay. Tracker oder Gefühlssportler?
02:07:19: ,294 [Sven Hannawald] Gefühlssportler.
02:07:21: ,334 [Martina Eberl] Sommer oder Winter?
02:07:23: ,054 [Sven Hannawald] Keine Entscheidung. Liebe beides.
02:07:26: ,514 [Martina Eberl] Ausdauer oder Kraft?
02:07:28: ,814 [Sven Hannawald] Kraft.
02:07:30: ,914 [Martina Eberl] Süß oder salzig?
02:07:32: ,914 [Sven Hannawald] Salzig.
02:07:34: ,854 [Martina Eberl] Kino oder Theater?
02:07:37: ,454 [Sven Hannawald] Kino.
02:07:39: ,154 [Martina Eberl] Deine Lieblingsstadt?
02:07:41: ,074 [Sven Hannawald] Gute Frage. Oslo.
02:07:44: ,454 [Martina Eberl] Oslo?
02:07:44: ,754 [Sven Hannawald] Mhm.
02:07:44: ,514 [Martina Eberl] Ja, ist nice Stadt, ja. Oh, das ist jetzt 'ne Steilvorlage für dich. Lieblingsauto?
02:07:50: ,994 [Sven Hannawald] Da tendierst du jetzt hin.
02:07:51: ,334 [Martina Eberl] lacht] Nein, also ich mein, steht wahrscheinlich vor der, vor der Haustür, aber-
02:07:56: ,134 [Sven Hannawald] Ja.
02:07:57: ,454 [Martina Eberl] Ähm, ja.
02:07:58: ,714 [Sven Hannawald] Ja, kann ich mich auch nicht entscheiden, weil, ähm, ich natürlich auf der einen Seite Porsche habe, den Stromer, Volalarm, äh, auf der anderen Seite aber auch 'n Oldtimer hab. Und diese zwei Gegensätze
02:08:09: ,224 [Sven Hannawald] ist auch so wunderschön. Könnt mich für eines der beiden nicht entscheiden.
02:08:13: ,693 [Martina Eberl] Kannst dich nicht entscheiden.
02:08:13: ,414 [Sven Hannawald] Ich bin froh, dass ich beide hab.
02:08:15: ,834 [Martina Eberl] Aber beides Porsche?
02:08:16: ,454 [Sven Hannawald] Nee, Muslim.
02:08:18: ,014 [Martina Eberl] Oh, oh, oh, da ge, da kommst mal vorbei. Den würd ich gern sehen.
02:08:23: ,854 [Sven Hannawald] Zum Golftraining.
02:08:24: ,454 [Martina Eberl] Deal.
02:08:25: ,813 [Sven Hannawald] Ja.
02:08:25: ,446 [Martina Eberl] Sensation. Letzte
02:08:28: ,086 [Martina Eberl] Drei Dinge, sind jetzt drei Dinge. Darfst sogar ein bisschen mehr antworten, schau. Drei Dinge, für die du heute dankbar bist, außer natürlich für deine Familie.
02:08:38: ,966 [Sven Hannawald] Warum außer?
02:08:39: ,166 [Martina Eberl] Mhm, ja, weil das sind, das ist ja klar. Ja, es ist zum Beispiel auch eine Sache, die ich jeden Tag aufschreibe, dass ich mir f-für meine Kinder, dass ich dankbar bin, dass ich zwei so Sensationskinder habe. Das sind nicht Sin-- Ja.
02:08:51: ,766 [Martina Eberl] Drei Dinge, für die du heute rückblickend dankbar bist oder überhaupt dankbar bist.
02:08:56: ,646 [Sven Hannawald] Erstens, dass ich
02:08:59: ,026 [Sven Hannawald] meinen Sport und das, was ich in dem Sport erleben durfte, so erleben durfte. Klar, komme ich wieder auf die Tournee.
02:09:04: ,046 [Martina Eberl] Mhm.
02:09:05: ,906 [Sven Hannawald] Dass das, was mich betroffen hat mit dem Burnout, Gott sei Dank
02:09:09: ,946 [Sven Hannawald] so händelbar ist, dass es mir heute wieder gut geht.
02:09:11: ,226 [Martina Eberl] Mhm.
02:09:12: ,906 [Sven Hannawald] Weil es natürlich auch andere Schicksalsschläge gibt, ähm-
02:09:14: ,366 [Martina Eberl] Mhm
02:09:15: ,576 [Sven Hannawald] ... wo größeres Leid ist.
02:09:16: ,726 [Martina Eberl] Mhm.
02:09:17: ,326 [Sven Hannawald] Und dritte,
02:09:20: ,906 [Sven Hannawald] dass du mir Golfstunden gibst. [lacht]
02:09:22: ,806 [Martina Eberl] Wow. Wow.
02:09:24: ,586 [Sven Hannawald] Boah, der war gut, oder?
02:09:25: ,866 [Martina Eberl] Der war wirklich gut. Den vermerk ich mir gleich in meinem Journal, weil du bekommst nämlich von mir, wie soll es anders sein, ein pinkes Journal.
02:09:33: ,406 [Sven Hannawald] Okay.
02:09:34: ,006 [Martina Eberl] Ob du das dann selber führst, das kannst du dir noch mal überlegen.
02:09:37: ,486 [Sven Hannawald] Das schreiben wir alles, das was wir in den, in den Trainerstunden?
02:09:39: ,016 [Martina Eberl] Ich bin ein-- Nein, nein, nein, nein, das ist nicht, da kriegst du noch ein extra Buch. In einem Daily Journal, das ist eigentlich, früher hat man da eigentlich Tagebuch dazu gesagt.
02:09:48: ,936 [Sven Hannawald] Aha, okay.
02:09:48: ,445 [Martina Eberl] Ja. Da kannst du quasi vermerkten, vermerken: Auf was freue ich mich heute? Für was bin ich heute dankbar? Mein Affiliate quasi: Was sage ich mir heute als positive Notiz? Du wirst es rausfinden. Ansonsten kannst du mittlerweile die KI sogar befragen. Die sagt dir auch, was du da alles reinschreiben kannst, ja. Und dann kriegst du von mir noch für deine Frau und für dich zwei Glücksbringer.
02:10:12: ,726 [Sven Hannawald] Oh, danke schön.
02:10:13: ,006 [Martina Eberl] Einmal pink natürlich.
02:10:15: ,466 [Sven Hannawald] Wow.
02:10:15: ,486 [Martina Eberl] Aber meinen männlichen Gästen tue ich kein pinkes Band an, deswegen kriegen sie ein blaues. Also, mein Lieber Sven, vielen herzlichen Dank.
02:10:22: ,886 [Sven Hannawald] Danke schön.
02:10:22: ,066 [Martina Eberl] Dass du dabei warst.
02:10:24: ,906 [Sven Hannawald] Sehr gerne.
02:10:24: ,046 [Martina Eberl] Wir haben wirklich über alles gequatscht.
02:10:27: ,906 [Sven Hannawald] Glaube ich auch, ne.
02:10:27: ,766 [Martina Eberl] Und wir und vor allem ich bedanke mich bei euch, dass ihr wieder dabei wart. Ihr habt genügend zu hören bekommen und auch natürlich zu sehen. Und falls ihr noch Fragen habt, ich gebe sie natürlich gerne an Sven weiter oder wenn ich sie beantworten kann, natürlich auch gerne. Und ich kann nur sagen, seid weiterhin dabei. Schön, dass ihr dabei wart und bis zum nächsten Podcast, The Pink Table. Danke schön. So, und das war eine weitere Folge von The Pink Table. Ich hoffe, dir hat der Podcast gefallen und du könntest mir einen Riesengefallen tun, indem du ihn abonnierst auf dem Kanal, auf dem du diesen Podcast sehen möchtest. Eine Fünf-Sterne-Bewertung ist natürlich mega obendrauf und vor allem wünsche ich mir einen Kommentar, wenn du einen Wunschsportler hättest, einen Wunschathleten, einen Wunsch-Olympioniken oder Paralympics und ich werde natürlich mein Bestes geben, diesen Sportler bald hier am Pink Table empfangen zu dürfen. Also bis dahin, frohes Weiterhören.
02:11:16: ,006 [Pink Table] outromusik]